Schreibetüden

2018_16_2_zweiWortspende-Reizwörter, diesmal mach ich wieder mit.
Christiane hat die drei Wörter gespendet, Ludwig Zeidler hat illustriert.

Notenblatt-schwanger-trainieren.

Hu! Mal sehen, welche Geschichte sich jetzt aus meiner Feder/Tastatur schleicht!

1. Suska legt ihr Lehrbuch zur Seite, Advance Care planning, ein Notenblatt zu lesen wäre für sie womöglich leichter zu verstehen, seufzt sie.
2. Das Thema ist ihr durchaus wichtig:Patientenverfügungen ermöglichen mit allen Eventualitäten bei einer schwerwiegenden Erkrankung in verschiedenen Lebens-und Erkrankungsphasen die Gestaltung der möglichen Behandlungsentscheidungen,  sehr schwere Kost, denkt sie, ich brauch jetzt mal Pause.

3. Prüfungsrelevant oder nicht,dieses Thema,  Schluss jetzt, draussen scheint die Sonne und die Schokolade hat sie auch verspeist, das gibt wieder Sodbrennen, sie sollte spazieren gehen.
4. Sie steht auf,schaut an sich herunter und erschrickt über ihren dicken Bauch, da nützt ein blosser Spaziergang auch nicht mehr viel.
8.Sie sieht aus als wäre sie schwanger, sie sollte echt aufhören, beim Lernen diese Unmengen an Schokolade zu vertilgen!
6. Sie könnte trainieren gehen, sie hat doch noch irgendwo einen Gutschein für so ein Training mit Strom, wo man so abnehmen kann ohne was zu tun grossartig, wäre das jetzt was?
7.Ihre Kollegin war begeistert, als sie davon erzählte, da steht man auf so einem Gerät und wird mit Stromstössen gefoltert und dann nimmt man ab, kinderleicht!
8.Ach nein, so ein Quatsch, denkt Suska, ein Runde mit dem Fahrrad durch den Sonnenschein, da kann ich wenigstens durchatmen, denkt sie.
9. Und sie schwingt sich auf den Sattel, tritt in die Pedale ,lässt die Haare im Wind wehen, ohne Helm , sträflich sträflich denkt sie und erinnert sich an die gestürzten Unfallopfer mit Schädelhirntrauma auf ihrer alten Intensivstation.
10. Aber egal,  jetzt muss sie sich einfach mal ordentlich das Hirn durchblasen lassen und sie saust voller Energie die Strasse entlang.

Flida- Frühlingserwachen

Jetzt ist es schon wieder fast drei Wochen her, das Flida tanzen war. Und sich, nebenbei, vom LAT-Gefährten getrennt hat. Es geht ihr immer noch gut damit, und sie ist froh, das sie diesen Schritt geschafft hat.

Natürlich hat der LAT ständig angerufen und am Sonntag nach dem Tanzen hat er sie ausgeschimpft und gebrüllt am Telefon, was ihr eigentlich einfällt, ihn da so sitzen zu lassen in MannisMummelbude, was sie glaubt, was seine Kumpels von ihm denken, das er , der LAT, nicht in der Lage sei, seine Frau zur Raison zu bringen (er sagte Resonk!), und was ihr , Flida , eigentlich einfällt , so abzudampfen, mit diesem wackelnden Hinterteil, sie würde schon sehen, was sie davon hat, fehlen würde er ihr, sie solle bloss mal daran denken, wer die ganzen Lampen in ihrer Wohnung angebohrt hat, und wer sich um die Reparatur von ihrem Auto gekümmert hat, das sei er gewesen und sie würde sich noch umgucken!
Das Teufelchen auf Flidas Schulter hat sich vor Schreck in Flidas Haaren vergraben und geflüstert: Leg auf, Flida, sonst weinst du wieder!

Flida hat aufgelegt. Drei Tage später hat der LAT wieder angerufen und war ganz lieb, und hat gesagt, das Flida dieFrau ist, die er immer wollte, und was er besser machen könne, er würde es tun, weil doch Flida ihm fehlt und wer bügelt jetzt seine Hemden und sie hätten es doch schön gehabt und er würde auch mit ihr tanzen gehen, wenn sie es will, was soll er denn bloss tun?

„Mich nie wieder anrufen, das kannst du tun!“ hat Flida gesagt und aufgelegt.
Ein bisschen hat sie geschwankt, ob sie ihm nicht doch noch mal eine Chance geben soll, sie ist schliesslich nicht mehr die Jüngste, sie findet so schnell wieder auch keinen Mann….

Brauchst du denn einen Mann?hat ihre Tochter gefragt, als sie an einem Abend beieinander sassen.

Flida hatte gekocht, es gibtSpaghetti mit angebratenen Knoblauch und Pepperoni und Petersilie und dazu trinken sie Weisswein und sie sitzen auf der Terasse und es ist ein bisschen wie im Sommer.

Flida ist nachdenklich, ein Mann ist schon praktisch, hat sie geantwortet. Er kümmert sich um die Spülmaschine, wenn sie kaputt ist, er kann die Klospülung reparieren und wenn was an meinem Auto kaputt ist, kann er das auch heil machen.

Mama! hat die Tochter gesagt, und entrüstet ihre Gabel zur Seite gelegt, dafür, für sowas, gibt es Werkstätten! Oder das Studentenhilfswerk, deshalb brauchst du keinen Mann!

Da hat Flida gelacht, und gesagt: Aber für in den Arm nehmen, und zu hören, das ich toll bin, dafür ist ein Mann auch fein!
Das hat der LAT nie gemacht, hat die Tochter gesagt und sich eine Gabel Spaghetti in den Mund geschoben. Der hat dir gesagt ,das du dick bist und deine Haare blöd aussehen und dass du abnehmen musst,aber er hat nie gesagt, wie toll du bist!

Am Anfang schon! antwortet Flida, am Anfang fand er mich zauberhaft.

Am Anfang! schnaubt die Tochter. Bis er hatte, was er wollte! Neenee, Mama, der Typ ist jetzt Vergangenheit! Basta!
Und die Tochter ergreift die Flasche Weisswein und schenkt sich und Flida ein:
Weisst du, Mama, ich finde dich toll. Du hast nach der Scheidung dir ein neues eigenes Leben aufgebaut. Du hast eine Arbeit, einen Beruf, der dir Freude macht.Du verdienst dein Geld zum Leben selber. Du hast dir allein ein Auto gekauft, als du genug Geld hattest. Du schaffst es, das deine Kinder tolle Menschen sind und dass wir immer zu dir kommen können, wenn wir traurig sind. Du  bringst die Leute zum Lachen, die mit dir zusammen sind. Du hast immer Zeit für andere, wenn die dich brauchen. Und Mama, du bist die schönste Mama, die ich mir vorstellen kann. Ich hätte dir das schon viel früher sagen müssen, aber besser jetzt als nie! sagt die Tochter, und hebt ihr Weissweinglas und stösst mit Flida an.

Draussen vor der Terrasse spriesst das Gras,der Löwenzahn leuchtet überbordend gelb in der Wiese und die Vögel beginnen ihr abendliches Konzert. Aus dem Ort ertönen Kirchenglocken und das Gezwitscher der Vögel hebt ein abendliches Konzert an.
Flida spürt , wie sich das kritische Teufelchen an ihr Ohr schmiegt und flüstert : Deine Tochter hat recht, du bist die schönste und mutigste Flida, die ich kenne!
Und Flida nickt in ihr Weissweinglas und murmelt:
Stimmt. Ich bin die Schönste und mutigste  Flida , die es gibt!

Suska- Heilige haben auch mal schlechte Laune

Nach dem Frühdienst aufs Sofa, denkt Suska. Draussen regnet es, es ist also perfektes Wetter zum rumgammeln nach Feierabend. Sie hat ein gutes Buch zum Lesen, aber kaum hat sie die ersten Sätze gelesen, schon schlummert sie ein.
Leise dringen die Geräusche der über ihr wohnenden Nachbarn an ihr Ohr, streifen leicht ihr Bewusstsein, ihre Gedanken sind verselbstständigt, aber nichts ist mehr wichtig gerade, nichts , wirklich gar nichts…..
Nicht diese traurigen Schicksale ihrer Patienten, nicht die Probleme ihre Arbeitskollegen, nicht der Pflegenotstand und nicht ihr mickriges Gehalt….
Und auch nicht dieses nicht endenwollende Klingeln ihres Telefons….

Seufzend richtet sich Suska auf, der Rücken schmerzt, sie sollte sich ein neues Sofa gönnen, endlich, dieses hier ist zu hart, einfach zu hart….
Das Telefon klingelt immer noch. Ungewöhnlich, dieses dringende Gebimmel, man kann doch Textmessage heutzutage, dann stört man mich nicht, denkt sie brummig.
Hallo, krächzt sie in den Hörer, wer nervt mich hier so penetrant?
Oh, hört sie eine ferne Stimme, ich wollte dich nicht stören, ich hoffe, ich hab dich nicht geweckt? Hier ist Loida!

Loida! Klar, Loida, wie gehts dir,ja, ich habe geschlafen, ich bin einfach zu müde….
Oh, macht Loida wieder, und Suska denkt, jetzt lass mal dieses überraschte OH! andauernd, und erschrickt selber über ihre Gedanken, Loida kann nichts dafür, dass sie so gereizt ist.
Sie holt tief Luft, und sagt: Ist es okay, Loida, wenn ich dich in einer Viertelstunde zurückrufe? Ich muss wach werden!

Und klar, natürlich ist das okay für Loida, dieser guten Seele , denkt Suska, und dann reckt sie sich und beugt sich nach vorne, dieses blöde Kreuzweh und diese schlechte Laune nach dem Mittagsschlaf!
Sie schüttet sich kaltes Wasser ins Gesicht und schaut sich grimmig im Spiegel an.
Na, mal wieder schlechte Laune wegen nichts?
Das Spiegelbild schaut grimmig zurück: Immer nett und lieb geht auch nicht! Schlechte Laune darf auch mal sein! Heilige Suska, heute nicht annähernd heilig!

Meinst du, Spiegelbild? Und Suska zieht ihre Mundwinkel nach oben, das hilft meistens bei schlechter Laune und macht die Stimme freundlicher , ob sie das nun wirklich so meint oder nicht.
Und dann, nachdem sie sich einen Kaffee gekocht hat, und sich wieder ein bisschen freundlicher fühlt, wählt sie Loidas Telefonnummer. Während es klingelt , hofft sie, das Loida keine traurige Geschichte hat, die sie mit ihr teilen möchte, ich hab genug Geschichten immer um mich rum, denkt Suska, und dann meldet sich Loida und fragt Suska:
Meine FerneTochter heiratet in 3 Wochen! Und eigentlich, also, ich wollte dich fragen, ob du zur Hochzeit kommen magst? Sie möchte ein Freundinnenfest feiern, nur Frauen, und da du meine Freundin bist, also ich finde jedenfalls, dass du meine Freundin bist, weil ich dich so mag, da dachte ich, ob du kommen magst?

Suska schwirrt gerade alles, Freundinnenfest, Frauenhochzeit,-
Und der Bräutigam, fragt sie,wo ist der denn?

Da lacht Loida am anderen Ende der Leitung, der einzige Mann, der damit ein Problem hat, weil er als Mann nicht dabei sein darf, das ist mein Ehemann,der Bräutigam ist nämlich eine Bräutigammin, meine Tochter heiratet ihre Freundin!

Jetzt ist es Suska, die OH! macht.
OH!
HO! Ja, klar, sagt sie, so ein Frauenfest, das gefällt mir, na klar gerne komm ich! Ich mach es möglich!
Und dann , als sie aufgelegt haben, stellt sich Suska ein wundervolles Fest vor, nur Frauen, vielleicht in weissen Kleidern, die Blätter im Haar haben, so Heiliginnenmässig, und barfuss ums Feuer tanzen, mit Ästen drin rumstochern und ihre weissen Kleider mit Erde beflecken, und dann gar nicht mehr heiliginnen-artig aussehen sondern erdverbunden und wild,…..das wäre fein!
Und dann schilt sie sich, weil sie so esoterisch- göttinnenhafte Vorstellungen hat, aber auch wenn es anders und ganz modern wird, dieses Fest, sie freut sich sehr, das Loida sie eingeladen hat.

Loida-Ehepläne

Ostern hat der Besuch der Kinder nicht geklappt, aber jetzt, zwei Wochen später , wollen sie ihre Eltern besuchen.
Am Mittwoch hat Loida mit den Kindern telefoniert, wann sie kommen und wann sie vom Bahnhof abgeholt werden wollen. Die Tochter hat gesagt: „Ich bringe noch jemanden mit!“ Und Loida hat geantwortet: „Wie schön,da freu ich mich“, und sich vorgestellt, wie der junge Mann sein wird, den die Tochter mitbringt.

Aber als sie dann aus dem Zug aussteigen, der MusikantenSohn und die FerneTochter, ist es kein junger Mann, den sie dabei hat, sondern eine junge Frau.
„Auch schön“, denkt Loida. Sie begrüsst die junge Frau, die Silla heisst, wie Loida erfährt. Loida umarmt die Tochter und den MusikantenSohn, und ist nur ein bisschen irritiert, als die Tochter mit Silla Hand in Hand die Treppen zum Auto hinauf geht.
Das machen die Mädchen heute vielleicht so, denkt Loida.
Sie haben ein lustiges, fröhliches gemeinsames Frühstück.
Der Ehemann redet mit Silla über Politik, Silla kennt sich da sehr gut mit aus, schliesslich studiert sie das, wie sie sagt, und Loida beobachtet ihre Tochter, die Silla immer so verträumt ansieht.
Später holt der MusikantenSohn seine Gitarre und dann singen sie, alle drei, mit wunderschönen klaren Stimmen und Loida ist ganz glücklich und friedlich zu Mute.
Draussen blühen die letzten Tulpen, die Akeleien zeigen kleine Knospen, und Loida fühlt innendrin eine sanfte Wärme.
Bis der MusikantenSohn die Gitarre weglegt und sagt: „Ich glaube, meine Lieblinsschwester möchte Euch was sagen!“
Die Tochter wirkt nervös, und Loida denkt, was kommt jetzt? Ist sie schwanger? Das wäre aber nicht schlimm, das wäre doch schön!
Die Tochter holt tief Luft und sagt: „Silla und ich kennen uns jetzt zwei Jahre.“
Okay, denkt Loida,und nickt, ihr studiert ja auch zusammen.
„Und es ist so“, sagt die Tochter, „es ist so,… „und blickt hilfesuchend zu Silla.
„Es ist so, das wir in 4 Wochen heiraten werden,eure Tochter und ich“, übernimmt Silla den Satz und legt ihren Arm um die Schultern von Loidas Tochter .
„Heiraten, ihr?“ fragt Loida und spürt eine heisse Welle in sich aufsteigen. „Ihr kennt euch seit zwei Jahren?“
Der Ehemann poltert los: „Heiraten? Zwei Frauen? Spinnt ihr? Ich zahle keinen Pfennig für die Hochzeit, was sollen denn die Leute hier im Ort sagen, es reicht, das der MusikantenSohn so verrückt ist, ich dachte, wenigstens du bleibst vernünftig.“
Und er steht wütend auf und sagt:“Ich geh ne Runde , das muss ich verkraften“ und verlässt türknallend die Wohnung.
Loida sitzt da und weiss nicht was sie denken soll.
„Jedes dritte Kind hat homosexuelle Neigungen, da gibt es ne Statistik, und bei uns bestätigt sich das!“ hört sie den MusikantenSohn sagen.
Loida blickt ins Gesicht der Tochter. „Ich bin ein bisschen verwirrt,“ sagt sie. „Aber ich glaube, ich bin nicht verwirrt, weil ihr heiraten wollt, sondern weil du mir nie was gesagt hast! “
Da kommt die Tochter zu Loida und sagt: „Ich hab nicht gewusst, wie ihr reagieren werdet, ich hatte Angst davor!“
„Hat sich ja auch bestätigt!“ sagt der MusikantenSohn , „der Papa ergreift wie immer türeknallend die Flucht, wenns Probleme gibt!“
Loida schüttelt den Kopf,“ Naja, es ist ja auch nicht einfach. Weiss der grosse Bruder es denn schon?“
Da schnaubt der Musikantensohn, “ was denkst du denn, der würde wahrscheinlich gar nicht mehr mit uns sprechen wollen, weil er uns sowieso alle für durchgeknallt hält, der Spiesser!“

Da muss Loida ein bisschen schmunzeln, der MusikantenSohn hat recht. Der GrosseBruder ist sehr darauf bedacht, dass sein Leben in geraden Bahnen läuft, alles nach Plan, Abitur, Studium, angestellt sein in Papas Firma, nette Freundin, Doppelhaushälfte, Gartenzwerge im Vorgarten, Loida schmunzelt leicht.
Da klappt die Haustür und der Ehemann kommt zurück, ein bisschen ausser Atem schnauft er: “ So, ihr drei, ein bisschen eher hättet ihr uns schon informieren können, finde ich, wo krieg ich denn jetzt so schnell einen Schwiegervaterhochzeitsanzug her? Übrigens zahlt der Brautvater, für den ich mich irgendwie halten,  die Feier, das ist so üblich, aber ich denke, viele Leute kommen sowieso nicht“ sagt er und lacht schallend. „Entschuldigung, das konnt ich mir jetzt nicht verkneifen, ich hab mir auf dem Spaziergang die Gesichter meiner Kollegen und unserer Nachbarn vorgestellt!“

Und dann haben sie lange gesprochen, wie die Hochzeit ablaufen soll, und ob die Tochter wenigstens ein schönes Kleid kaufen geht mit Loida , „ja, aber nicht in weiss!“ und ob sie später Kinder  haben wollen, denn Enkelkinder, das wäre doch schön, und Silla hat von ihrer Familie erzählt und wie die reagiert haben und das es doch an der Zeit ist, das endlich gesellschaftlich zu akzeptieren , das Liebe und Sexualität geschlechtsunabhängig stattfinden kann.
Loida stimmt dem zu, eigentlich, aber als Silla und die Tochter sich immer wieder in den Arm nehmen und küssen, und zärtlich zueinander sind, wie eben Frischverliebte sind, muss Loida weggucken.
Sie braucht noch ein bisschen, sich daran zu gewöhnen.
Aber sie hat ja schliesslich auch noch vier Wochen Zeit.

Raining in baltimore

Counting crows, seit Jahren, ach seit Jahrzehnten höre ich an einer bestimmten Stelle dieses Songs: „The cat is watching painful“. Warum nicht, ich habe diesen Text nie in Frage gestellt. Es ist ein trauriges Lied, es ist sehr sehnsuchtsvoll,warum soll dann nicht auch eine 🐈Katze schmerzerfüllt schauen?

Heute sitze ich Zug, ich habe Zeit, Musik zu hören, auch mal Musik , die nicht gehört werden kann im Auto oder beim Putzen, weil ich zu hören wil.

Also lausche ich einer live- Version dieses meines Lieblingsliedes. Die Landschaft gleitet am Fenster vorbei, er singt schmerzerfüllt: „i need a phonecall, i need a raincoat,… „, die Sonne lacht über Deutschland, “ i need a sunburn“ singt er und:

„You get what you’d pay for..“

Was?

Wo ist die Katze, die schmerzerfüllte? Du bekommst wofür du bezahlt hast! Oh man! Klar!!!

Manchmal versteht man nach Jahrzehnten erst!

Ich fahre weiter durch Deutschland. Mal sehen, was mir noch so klar wird alles!

Suska-TranceDance

Müde streift Suska ihre Schuhe von den Füssen.
Dieser Geruch in der KrankenhausUmkleide ist kaum zu ertragen, und die Schicht, die hinter ihr liegt, hat sowieso sehr viel  von ihr gefordert.

Ein kurzer Moment, eine Frage, wie es heute geht, ein Blick in das Gesicht der Patientin und die Antwort: „Nicht so gut“ haben es geschafft , dass Suska sich wieder Zeit nahm , zuzuhören und eine Geschichte zu hören, bei der sie dachte: „Was Menschen alles aushalten können!“ Solche Geschichten hört sie öfter, und manchmal fällt es ihr schwer, diese Erzählungen aus dem Kopf zu kriegen.
Aber heute wird sie in den Club gehen, nachher, am Abend, dann wird sie tanzen. Einmal im Monat heisst es dort TranceDance, das ist für Suska genau das richtige. Da kann sie sich buchstäblich alles von der Seele schütteln.

Und später dann, als sie sich zurecht gemacht hat,kommt Bero, der Sohn,  nach Hause mit seiner Freundin.
„Wow!“ sagt diese, „du siehst toll aus, Suska, woher hast du dieses Kleid? Es steht dir fantastisch.! “
Das freut Suska, und dann nimmt sie den nächsten Bus in die Stadt.
Vor dem TranceDance wird sie in das kleine Bistro nebenan gehen, eine Kleinigkeit essen und in ihrem neuen Buch lesen.
Und jetzt sitzt sie auf dem gemütlichen Sofa in der hintersten Ecke, vor sich ein Glas Rotwein und ist gefesselt von dem Roman, den sie liest.
„Darf ich mich zu Ihnen setzen?“ hört Suska, und als sie aufblickt, sieht sie eine kleine runde Frau in einem roten Kleid mit erstaunlichen Schuhen an den Füssen, und diese blickt Suska so fröhlich an, das Suska lachen muss und „Natürlich!“ antwortet und ein bisschen zur Seite rutscht, damit die Frau sich setzen kann.
„Ich bin Flida und ich habe gerade meinen Freund verlassen und es geht mir gut damit!“ hört Suska und denkt:“Keine Geschichten jetzt!“
Aber die Frau schweigt und nimmt einen genüsslichen Schluck Rotwein aus dem Glas, das der Kellner gerade bringt.

„Du hast fantastische Schuhe an!“ hört sich Suska sagen. Dabei wollte sie doch ihre Ruhe haben! Warum beginnt sie jetzt ein Gespräch mit dieser Frau, die auch noch irgendwie einen Tick hat, weil sie sich ständig mit der linken Hand an die rechte Schulter fasst?

„Nicht wahr, die sind toll! Waren ein Schnäppchen! Und eigentlich wollte ich heute tanzen gehen, aber dann bin ich mit meinem LAT, nee- ehemaligen LAT in einer Fussballkneipe gelandet, dann hat mir sein Freund an den Hintern gefasst und daraufhin habe ich diese Fussballkneipe und den Gefährten verlassen. Und jetzt bin ich hier!“
Vergnügt schaut sich Flida um.
“ Es ist nett hier, sehr sympathische Leute, die hier sitzen!“

Darauf hat Suska bisher gar nicht geachtet, sie wollte nur in Ruhe lesen.

„Was ist ein LAT?“ fragt sie. Und Flida erklärt, dass er ihr Freund war und nicht mit ihr zusammen wohnen wollte, weil er ja irgendwie noch an seiner Frau hing und den Kindern, die ja schon erwachsen sind, das ersparen wollte, sich an eine Freundin gewöhnen zu müssen und dass er dachte, dass sie, Flida , ihm immer zur Verfügung stehen müssen- aber heute sei Schluss damit…..

Flida webt einen Wortteppich und Suska muss andauernd auf diesen Mund schauen, der redet und lacht und erzählt und gar nicht traurig ist irgendwie, und das rote Kleid, das Flida trägt, glänzt und schimmert und dann der rote Wein in dem Glas,…

Suska wird fast schwindelig.

„Tja,..“ hört Suska jetzt wieder, „und nun sitze ich hier in meinen tollen Brokatschuhen und eigentlich wollte ich damit tanzen gehen heute….“

„Das sind die Schuhe einer Reine-Soleil!“ hört sich Suska sagen. „Einer Sonnenkönigin! Magst du nachher mit rüber in den Club, TranceDance, magst du?“
„Reine-Soleil, TranceDance! Das klingt alles vielversprechend!“ antwortet Flida, und als Suska dann aufsteht und sagen will „Dann gehen wir!“, sieht sie, wie Flida den Mund aufklappt und sagt:
„Wow! Du bist wunderschön! Dieses Kleid! Es fliesst wie Nebel an dir hinunter! Wenn ich die Reine-Soleil bin wegen der Schuhe, dann bist du die Nebelkönigin! Mit deinen wehenden Haaren und diesem Silbernen Kleid!“

So hat sich Suska noch nie gesehen , weder als schön noch als Königin und sie wirft ihre langen silbernen Haare in den Nacken und lacht.
Sie lacht so laut und so fröhlich, das das silberne Kleid wie Wellen an ihr wogt und als dann Flida aufsteht und sich neben Suska stellt und  trotz der hohen roten Schuhe einen ganzen Kopf kleiner ist als Suska, da müssen alle Leute in dem Bistro ihre Köpfe zu ihnen drehen und deren augen öffnen sich, weil beide Frauen so schön sind, so kraftvoll und so lebensfroh.

Die Nebelfrau und die Sonnenkönigin.

Und die gehen beide tanzen.

 

 

 

 

 

Flida-Ausromantisiert

Und abends , vor dem Spiegel , als sie ihre hübschen neuen Haare betrachtet, die so hell leuchten im Licht und als sie die neue Wimperntusche aufträgt und den glitzernden Lilafarbenen Lidschatten, denn heute Abend geht der LAT-Gefährte mit ihr aus , da hört sie die Stimme vom LAT-Gefährten hinter sich:
„Schöne Frau, was haben Sie heute vor? Sie sehen zauberhaft aus! Ich würde Sie gerne auf ein Glas Sekt einladen! Und dann mit Ihnen im Mondschein tanzen!“

Da klopft Flidas Herz vor Freude.
Und sie dreht sich schwungvoll um und lacht dem LAT-Gefährten ins Gesicht: „Mondscheinromantik klingt wunderbar!“

Da klingelt es an der Tür und der romantische LAT-Gefährte verschwindet wie ein Dschinn in Flidas Parfümflasche.

„Nanu,“ denkt sie, und öffnet die Tür und da steht der LAT-Gefährte, sowie sie ihn kennt, in ausgebeulten Jeans und schwarzem Pullover, der Autoschlüssel klimpert in seiner Hand und er fragt: „Fertig? Gut siehst du aus! Coole Schuhe!“
Flida hat ihre neuen Samtstiefeletten an, Brokatrot mit goldenen Blumen drauf und ziemlich hoch, sie weiss nicht wie weit sie damit laufen kann, aber zum Tanzen sind die perfekt, das hat sie im Wohnzimmer schon ausprobiert. Dazu trägt sie ein rotes Kleid mit Glitzer drauf,schliesslich wollen sie ja schön ausgehen.
Sie klettert in das hohe Auto vom LAT-Gefährten und fragt: „Wo gehen wir denn heute hin?“
„In Mannis Mummelbude, die Eckkneipe, wo ich mich Mittwochs immer mit meinen Kumpels treffe. Gibt Fussballübertragung, 2. Liga, vielleicht steigt der  2. FC Hollerflicks endlich auf, die spielen gegen den ErstligaClub Wannstatt, das wird da übertragen!“
„Oh!“ macht Flida, „ich dachte wir gehen tanzen!“
„Wie kommst du denn da drauf!“ fragt der LAT-Gefährte , „ich tanze nicht!“
Das Teufelchen zwickt Flida in die Schulter. „Hättest du dir denken können, du mit deiner Romantik!“

Enttäuscht sitzt Flida auf dem Beifahrersitz, die Häuser ziehen an ihr vorbei und sie denkt: „Mannis Mummelbude!Was soll ich da!“

Und später sitzt sie auf dem Barhocker, presst ihre Beine zusammen, weil das Kleid auf einmal so kurz ist, und ihr der Rücken weh tut, sie kann nicht gut auf Barhockern sitzen und der LAT-Gefährte hat sein fünftes Bier vor sich, alkoholfrei hofft sie, und gröhlt mit seinen Kumpels, und sie findet diese Männer so hässlich, mit ihren dicken Bierbäuchen und den braunen Zähnen, und deren Rücksichtslosigkeit, und als der Karlfriedrich, LAT-Gefährtes bester Freund, Flida an den Hintern fasst und sagt: „Was ein Knackarsch, Flida!“da reicht es ihr.
Sie rutscht vom Barhocker runter und zischt: „Du wirst nie wieder einen Blick auf meinen Knackarsch werfen  geschweige denn ihn anfassen, sonst lang ich dir eine! “
Und an den LAT-Gefährten gewandt: “ Das Gleiche gilt für dich! Lebt wohl oder auch nicht!“ und sie dreht sich schwungvoll um und stakst zur Tür.
Diese verdammten Schuhe! Sie will einen erstklassigen Abgang hinlegen, aber das wird schwierig, die Schuhe ist sie einfach nicht gewöhnt.
Doch das Teufelchen zieht an Flidas rechtem Ohr, sodass sie nicht so sehr nach links kippen kann, sondern ziemlich gerade aus der Tür stolziert.

Draussen regnet es und Flida ist auf einmal so müde. Sie merkt, wie sie anfangen könnte zu weinen, aber das möchte sie nicht. Sie möchte stolz sein und nach Hause gehen und den LAT-Gefährten nie wieder sehen !

Auf der anderen Strassenseite ist ein Lokal, das sieht hübsch aus, die Leute, die sie durch die Fenster sieht, lachen und reden miteinander. Sowas würde sie auch gerne tun, da sitzen, ein Glas Wein trinken und sich mit jemandem unterhalten.
„Dann mach das doch!“ flüstert das Teufelchen, „du bist doch extra so hübsch heute!“
„Soll ich wirklich?“ fragt Flida. „Ja, “ macht das Teufelchen und wischt mit seinen behaarten klitzekleinen Fingerchen Flida einen Wassertropfen von der Nase. Vielleicht was es auch eine Träne.
Flida strafft ihre Schultern, und sie schafft es jetzt tatsächlich, ziemlich elegant und ohne zu stolpern über die Strasse zu gehen. Sie öffnet die Tür vom Lokal.
Warme weiche Luft schlägt ihr entgegen, ein paar Leute drehen sich um und lächeln Flida zu.
Ganz hinten in der Ecke sitzt eine Frau , sie hat ein Glas Rotwein vor sich und liest in einem Buch. Ihre langen grauen  Haare fallen weich über ihre Schultern.
Flida hat sie irgendwo schon mal gesehen.
„Darf ich mich zu Ihnen setzen?“ fragt Flida, und die Frau lacht Flida an.
„Natürlich!“ sagt sie und rutscht ein wenig zur Seite.
Und Flida lässt sich in einen weichen Sessel fallen, egal ob das Kleid zu kurz ist, jetzt sitzt sie wenigstens bequem und bestellt sich auch ein schönes Glas Rotwein.
Und sie ist gespannt, was der Abend noch so bringen wird.

 

Flida- Romantik

Flida hat sich verliebt. Verknallt, verliebt, ihr Herz hüpft und sie träumt.

Ein neuer Kollege arbeitet jetzt im Büro, bestimmt zehn Jahre jünger als Flida, und er ist verheiratet . Flida kennt auch seine Frau, aber sie hat gemerkt, dass ihr Herz klopft, als er sie letzte Woche begrüsst hat. Und er hat mit ihr geredet, so freundlich und wertschätzend , und gestern hat er sie angelacht und begrüsst,und ihre Kolleginnen haben zurück gelacht, und gesagt: „Der ist ja so süss!“ aber Flida hat nichts gesagt, und ganz still gewusst, das er sie gemeint hat mit seinem Lachen.
Das Teufelchen auf der Schulter hat geknurrt und gesagt: „Bild dir bloss mal nicht zu viel ein! Was soll der denn von dir wollen?“
Aber Flida will ja gar nicht , das der was von ihr will.

Sie will bloss ein bisschen träumen.

Der LivingApartTogether-Gefährte, ach, dem droht keine Gefahr.
Nur dass Flida sich vorstellt, wie das sein könnte, wenn der HübscheMann, denn hübsch ist er, findet Flida, mit seinen grauen Haaren und seinen leicht schräg stehenden braunen Augen, wenn also der HübscheMann Flida zum Kaffetrinken einladen würde. Dann würden sie sich unterhalten, über wichtige Dinge im Leben, über Musik zum Beispiel, Flida mag Musik, und mit dem LAT-Gefährten redet es sich nicht gut über Musik, der hat bloss seinen Fussball im Kopf.
Vielleicht würde der HübscheMann Flida auch fragen, ob sie mit ihm mal ins Theater gehen würde. Vielleicht lebt er ja in Scheidung, und Flida weiss das nicht. Dann könnte sie gerne mit ihm ins Theater gehen.
Er hätte Stil und würde sich Mühe geben für Flida, weil auch er frisch in Flida verliebt ist. Er würde sagen: „Dein Alter, ach Flida, was spielt denn das für eine Rolle? Du bist die Frau, die ich schon immer gewollt habe!“
Und alleine schon bei diesem Gedanken strafft sich Flida in der Körperhaltung, sie geht gerade, und ihr Gang wird beschwingter und federnd, und sie hört das Teufelchen schimpfen:“ Was wackelst du so mit deinem Hintern, Flida, das sieht albern aus in deinem Alter!“
Da dreht sich Flida einmal um sich selbst, und lacht ganz laut. „Vielleicht ist es albern, sich mit 56 zu verlieben, und zu wissen, das es nie wahr werden wird, aber was ist das Leben ohne Träume?“

Und abends , vor dem Spiegel , als sie ihre hübschen neuen Haare betrachtet, die so hell leuchten im Licht und als sie die neue Wimperntusche aufträgt und den glitzernden Lilafarbenen Lidschatten, denn heute Abend geht der LAT-Gefährte mit ihr aus , da hört sie die Stimme vom LAT-Gefährten hinter sich:
„Schöne Frau, was haben Sie heute vor? Sie sehen zauberhaft aus! Ich würde Sie gerne auf ein Glas Sekt einladen! Und dann mit Ihnen im Mondschein tanzen!“

Da klopft Flidas Herz vor Freude.
Und sie dreht sich schwungvoll um und lacht dem LAT-Gefährten ins Gesicht: „Mondscheinromantik klingt wunderbar!“

Loida- Osterdrama, alle Jahre wieder

Es ist Gründonnerstag und eigentlich will Loida keine Ostervorbereitungen treffen. Sie will dieses Jahr keine Eier färben und kein Osterbrot backen und auch keine Osternester füllen. Sie weiss nicht, ob die Kinder kommen, die Tochter ist unterwegs und weiss nicht, ob sie Zeit hat, der grosse Sohn verbringt die Feiertage in den Bergen mit seinen Schwiegereltern, und der MusikantenSohn, der hat wie immer noch nicht gesagt, ob er Zeit hat. Sie wünscht sich sehr, das sie ihn sehen wird. Aber bei ihm weiss man nie, was er vor hat.

Loida seufzt. Trotzdem ist die Einkausfliste lang geworden, ein paar Leckereien sollten schon im Haus sein, wenn Ostern ist.
Es ist noch früh, als Loida mit ihrem Einkaufszettel im Korb losfährt, sie will diese Menschenmassen vermeiden, die immer vor den Feiertagen in den Supermärkten drängeln.

Es ist tatsächlich leer im Supermarkt, als Loida mit ihrem Einkausfwagen durch die Gänge schiebt. Tomaten, Kartoffeln, sie wird ein paar gefärbte Eier kaufen, aber im Biomarkt, denkt sie, und legt einen Granatapfel in ihren Wagen. Vor ihr türmt sich  ein Stand mit Ostersachen. Servietten, Ostergras, Grusskarten, Eierfarben…

Eierfarben, sie könnte doch…., sie könnte eigentlich doch Eier färben, denkt sie, und das kleine blaue Tütchen mit dem Hasen vorne drauf landet in ihrem Wagen. Und wenn sie schon dabei ist, ein Osterbrot kann sie backen, ist ja schliesslich Tradition , und sie backt dann eben kleine , die kann sie den Nachbarn schenken und vielleicht kommt jemand zu Besuch….

Quark, Butter, Mehl, Backpulver, nein, Mehl kauft sie im Bioladen, und die Eier auch, und schon wieder steht eine Aktionsfläche vor ihr, mit Schokoladeneiern und bunten Pralinenschachteln und alles sieht so frühlingshaft aus.
Loida packt freudig in ihren Einkaufswagen ein, was ihr gefällt. „Das wird teuer!“ denkt sie, und an der Kasse wird das bestätigt, aber egal, es ist Ostern.

Im Bioladen ist es mittlerweile voll, aber gutes Mehl und guter Zucker und gute Eier, das muss sein.

Als sie daheim ist, schleppt sie in freudiger Erwartung ihre Einkäufe ins Haus. Sie will sofort mit dem Backen beginnen, und die Eier hat sie schon immer am Gründonnerstag gefärbt, erinnert sie sich. Sie rührt den Teig und formt Zöpfe und schiebt die Brote in den Ofen und kocht die Eier. 15 Stück, wie jedes Jahr, 3 von jeder Farbe.
Aber wo sind die Färbetabletten? Dieses kleine blaue Tütchen, mit dem Hasen vorne drauf? Wo ist es? Sie wühlt alles durch, die Backzutatendose, die leeren Einkaufstaschen, sie schaut im Müll nach, … nichts.

Und sie erinnert sich, das sie jedes Jahr die Farbe nicht gefunden hat,  wenn sie die Eier färben wollte. Manchmal hat sie die Eierfarben schon im Februar gekauft, weil sie Angst hatte, das sie vor Ostern keine mehr bekommen würde, und dann hat sie sie nicht mehr gefunden. Irgendwann  hat sie  begonnen, viele Tüten auf Vorrat zu kaufen und sie igendwohin zu legen, damit sie die an Ostern ja bloss findet, aber sie hat dann die Stellen nicht mehr gewusst, wo  sie die Tütchen hingelegt hatte. Und jetzt passiert ihr das schon wieder!
Sie sollte es lassen mit dem Eierfärben,  herrje noch mal!

Der Schlüssel dreht in der Tür,der Ehemann kommt heim und findet eine aufgelöste Loida in der Küche vor. Die Osterbrote duften verführerisch, aber Loida ist das egal, sie schimpft. „Warum bin ich so schusselig? Jedes Jahr finde ich diese Eierfarben nicht mehr, dieses blöde kleine Tütchen, immer flutscht es mir irgendwohin, und jetzt hab ich da diese Eier und was mach ich jetzt? Wegen so einem blöden Tütchen muss ich jetzt wieder los!“

Der Ehemann lacht und umarmt Loida. „Ich will sowieso noch was besorgen, back du deine Brote in Ruhe fertig, sonst werden die wieder schwarz, wie jedes Jahr!“ schmunzelt er, und ist verschwunden.

Und als er dann wieder kommt, hat er zwei Tütchen Eierfarben dabei, eines für dieses Jahr und eines für das kommende , und das packt er an einen besonders sicheren Ort und Loida färbt ihre gekochten Bioeier, die zum Glück auch gar nicht aufgesprungen sind wie sonst, und  die Osterbrote sind dieses mal überhaupt gar nicht verbrannt.

Jetzt kann sie sich richtig auf das Osterfest freuen.
Denn sie hat gerade eine Nachricht bekommen. „Hast du dieses Jahr schon Eier gefärbt, liebe Mama? Wir würden nämlich gerne welche haben, wir kommen am Sonntag, passt das? “ Und dazu ein Foto von MusikantenSohn und FernerTochter, mit Hasenohren.

Das wird ein schönes Ostern!
Gut, dass Loida soviel eingekauft hat!

 

Flida- first shade of grey

Flida betrachtet sich im Spiegel. Dieser graue Haaransatz ist jetzt soweit rausgewachsen, dass sie, wenn sie die anderen gefärbten roten,pinken und gelben Haare zurückhält,  sieht , wie sie aussehen könnte, wenn sie alles grau werden lässt. Und sie denkt: „Gar nicht mal so schlecht! Vielleicht, liebe Flida, ist es an der Zeit, dazu zustehen ,dass du graue Haare hast!“

Natürlich,im Moment ist es schick,  grau zu sein. Junge Frauen färben sich absichtlich die Haare silbern. Letzte Woche hat sie im Supermarkt einer Frau ihren Einkaufswagen überlassen, die ebenfalls so silbergraue Haare hatte, ein sehr schönes Grau und Flida hat gedacht, ich weiss nicht, ob sie schon so alt ist oder nicht.
Aber Flida fand es sehr hübsch , wie diese Frau aussah.

Und seitdem hat sie hin und her überlegt, ob sie das machen kann. Sie hat dem LAT-Gefährten gesagt, dass sie sich ab jetzt nicht mehr die Haare rot färbt. „Das wird immer dann so orange oder so knallrot,  das sieht unecht aus!“

„Nee nee!“ hat der LAT gesagt, „Frauen mit grauen Haaren sehen aus wie Omas! Ich geh doch nicht mit ner Oma ins Bett!“

„Dann lässt du es eben bleiben!“ hat Flida geschnaubt und angefangen, zu suchmaschinen. Graue Haare, färben, hübsch waren ihre Suchwörter. Es kamen viele Seiten, mit Haar-Entfärbemitteln, mit Tipps, wie man graue Haare rauswachsen lassen kann, wie man schöne graue Haare bekommt, die nicht gelbstichig sind, ganz viel hat Flida  erfahren über graue Haare.

Das Teufelchen sass derweil auf ihrer Schulter und zischte: „Wieder so ne blöde Idee von dir, Flida, sei doch mal froh mit dem was du hast! Wenn deine Haare lang sind, schneidest du sie ab, wenn sie blond sind,machst du sie rot, wenn sie rot sind, kaufst du dir komische Farben und dann sind sie lila, oder blau oder pink! Und dann lässt du deinen Ansatz wachsen und wenn du in den Spiegel guckst, drehst du den Kopf so, das du denkst, och, ein Ansatz ist gar nicht so schlimm, aber wenn du dich zufällig im Schaufenster siehst, erschrickst du, weil da so ein krasser Kontrast ist zu deinen ausgezuzelten rot-orangen Haaren!“

„Ja!“ antwortet Flida,“ und deshalb überlege ich, da ich nun mal graue Haare habe, wie alle in meiner Familie, dann kann ich doch dazu stehen ! Ich bin  54! Ich möchte natürlich aussehen und nicht immer darauf schauen, wann man wieder was sieht und dass ich wieder zum Friseur muss, ich möchte so sein wie ich bin!“

„Na gut!“ seufzt das Teufelchen, “ aber weich müssen sie bleiben, und deine Locken musst du behalten, damit ich mich da so schön reinkuscheln kann! Denn sonst!“ droht das Teufelchen, „werde ich dich verlassen!“

„Wäre manchmal auch nicht schlecht,“ denkt Flida, und am nächsten Morgen ist sie kurz entschlossen in den nächsten besten Friseursalon gegangen.

In einen anderen als sonst, denn ihre Friseurin, der sie vor 8 Wochen gesagt hat, das sie das Grau rauswachsen lassen will, hat geseufzt, und gesagt: „Meinen Sie? Ob das gut ist?“ und hat sich ihre gefärbten rotschwarzen Haare gerauft, so das Flida den weissen Ansatz sehen konnte. Es sah ungepflegt aus. Deshalb wechselt sie. Und betritt den Friseursalon in dem anderen Stadtteil, der so eine einladende Fensterdekoration hat.
„Wenn du Pech hast, machen die dir da drin deine Haare ganz kaputt!“ flüstert das Teufelchen, aber das ist Flida gerade egal, die Friseurin ist nett, sie haben sofort Zeit, sie wird beraten, sie wird bestätigt in ihrem Mut, zum Grau zu stehen, ihre Haare werden entfärbt, es stinkt nicht, sie bekommt Kaffee und die Augenbrauen werden auch noch gezupft, „Graue Haare brauchen ein gepflegtes Gesicht!“ sagt die Friseurin, und dann kommt Tönung drauf und Pflege  und dann ist Flida fertig. „Wow!“ macht die Friseurin, “ Sie sehen total viel jünger aus! Das hätte ich nicht gedacht!“

„Das ist mein Gesicht!“ denkt Flida, als sie ihre neue Farbe im Spiegel betrachtet. „Das bin ja ich!“ Und sie fühlt sich toll, und denkt, „das macht mich echt nicht älter! “
Und ihr fällt das Wort Lebensweisheit ein, und diese Göttinenbilder, die sie so mag, von diesen Weisen Frauen, die am Feuer sitzen, oder an einer Quelle, und sie fühlt sich jetzt ganz richtig an als Flida , weil jetzt nichts falsch ist mehr an ihr, sondern alles echt.

Als sie zur Belohnung in ein Cafe geht, um ein überbackenes Toast zu essen und einen Kaffee zu trinken, fällt ihr eine Frau auf, die mit ihrer Freundin am Nebentisch sitzt und ihre langen grauen Haare schwungvoll nach hinten wirft und dabei so herzlich laut lacht.

„Das kann ich auch bald“, denkt Flida, „meine Mähne so nach hinten werfen, denn jetzt kann sie wachsen, jetzt muss ich da nichts mehr alle vier Wochen nachbessern lassen!“

Dass der LAT-Gefährte am Abend zu Flida sagt: „Meine Güte! Wie siehst du aus? Sag deiner Tochter, sie kann dich jetzt zur Oma machen!“ , das ist Flida egal.

Wichtig ist, wie sie sich fühlt, und sie fühlt sich gerade so richtig perfekt!

Nachwort meinerseits: Es haben meistens Frauen sehr positiv darauf reagiert, das Flida ihre Haare grau gemacht hat. Ich denke, irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen,  dass die Zeit nicht halt gemacht hat vor Veränderungen, und das wir dazu stehen können und uns eigentlich nicht mehr künstlich verhübschen müssen. Das betonen was schön ist, aber nichts anders machen als es ist. Da kann ich meine Augenbrauen färben und zupfen lassen, ich kann meine Augen mit Wimperntusche betonen, ich kann mir auch eine SilberTönung in die Haare tun, aber ECHT muss es aussehen. Und leider finde ich, sehen gefärbte Haare in rot oder blond bei grauem Haar unecht aus. Oft…. Oder? Zumindest wenn es nicht der Friseut gemacht hat… Obwohl, meine Chefin, die hat so eine pfiffigen Haarschnitt und die Haare sind rot gefärbt, da passt das….

Hmm….. Was meint ihr?

Kat.

Beitragsbild: Celtic Goddess The Calleach, Dan Goodfellow