Suska- Alltagswichtigkeiten

Es ist voll in der Umkleide vom Frauenfitnesstudio. „Montag“, seufzt eine Frau, „da kommen alle, weil sie am Wochenende gesündigt haben,das müssen sie dann wieder wett machen mit Sport.“

„Ich nicht,“ denkt Suska, “ ich hab heute einfach Zeit dafür gehabt, zu sporteln!“
Sie  schlüpft aus  ihren Turnschuhen und sucht wie jedes mal nach dem Armbändchen, mit dem sie sich neuerdings anmelden und den Schrank verschliessen oder öffnen kann.  Das Bändchen ist schwarz und sie sucht es andauernd, das ärgert sie, so eine Zeitverschwendung immer, dieses Suchen. Sie mag schwarz überhaupt nicht und sie ist sich sicher, wenn das Armbändchen neongelb wäre, sie würde es immer gleich finden. Am besten es würde auch noch Geräusche machen.

Während sie in ihren Sachen wühlt, hört sie unwillkürlich einem Gespräch zweier Damen hinter der Abdeckung zu:
„Ich kann Mittwoch nicht zur Wirbelsäulengymnastik kommen,da kommt der Techniker!“
„AH! An Techniker hast am Mittwoch! Wega wos?“

„Wegen dem Kühlschrank, der ist 18 Jahre alt, ich kriege einen neuen, den haben die Jungen gekauft!“

„Und da brauchst an Techniker? Kenna des die Junga net mocha, dir den Kühlschrank aufstella?“

„Der steht schon!  Da ist nur was noch zum Richten an der Tür. Der alte war so laut, der hat immer ein Geräusch gemacht, wenn ich in der Küche war! Und mit dem Abtauen, da ist immer Eis dran geblieben!“

„Ja, des geht fei net, wenn der so laut ist!“

Suska muss schauen, wer da so laut redet. Die eine Dame kennt sie von der  Yogastunde, im Moment hat diese einen dicken Lockenwickler im Pony und cremt ausgiebig ihre Beine ein. Die andere Dame, die mit dem neuen Kühlschrank, ist  etwas älter, und Suska sieht sie immer, wenn sie  Mittwochs kommt, da ist Wirbelsäulengymnastik, und danach ist dann immer Kaffekränzchen im Foyer des Studios.

Die ältere Dame sagt jetzt:“ Und ausserdem hab ich soviel Strom nachzahlen müssen, fünfzig Euro! “
„Ja, Herrschaft! „ruft die Lockenwicklerfrau aus,  „wega dem kracherten  Kühlschrank? Weil der sich nicht abtauen lässt? Den würde ich mal gscheit reparieren lassen! Da sollen doch deine Buben mal schauen, ob man den net repariera ko! Des geht doch nett, das der soviel Strom braucha tuet!“

„Ja, im Jahr fünfzig Euro, “ antwortet die Ältere, “ aber deswegen krieg ich ja einen neuen Kühlschrank! “

„Ach, deswegen gibts an neian Kühlschrank? Aber den oiden , den kann man doch repariera!“

„Nein,“ sagt die Ältere vehement, “ der hat ausgedient! Genauso wie ich bald! “ und sie packt ihre Sachen in die Tasche und sagt: „Servus!“ und geht hinaus.

Die Lockenwicklerfrau bleibt verwirrt zurück. „Ich muss amol mei  Mo froga, ob wir aa sovui Strom zahla,“ hört Suska sie murmeln, “ vielleicht muss ich mir dann aa an  neia Kühlschrank zulegn!“

Ui, denkt Suska, wegen sowas….. und findet endlich ihr schwarzes Armband unter ihrem Strassenschuh, und jetzt kann sie  ihren Schrank aufsperren und dann nichts wie weg hier!

Und sie hofft, das der Techniker, wenn der am Mittwoch zu der alten Frau kommt, ein netter ist, der mit ihr Kaffee trinkt und sie zum Lachen bringt, und ihr das Gefühl gibt, das sie noch längst  nicht ausgedient hat!

Stillstand

Irgendwie geht gerade nichts.

Kein freier Kopf für Geschichten.

Dafür voller Zeug mit anderen Dingen.

Wie geht es beruflich weiter? Schaff ich die Anforderungen , die an mich gestellt werden? Werde ich dann auch damit arbeiten können, mit dem, wofür ich jetzt mich ausbilde? Mich gut qualifiziere? Oder versumpfe ich an einem Arbeitsplatz,  der zwar meine Qualifikation braucht, wegen Zertifizierung und so, der mich aber wahrscheinlich nicht in dem fordert, was ich arbeiten und leisten möchte….Und dann?

So hänge ich also irgendwie in der Luft, führe in Gedanken endlose, durchaus positive Gespräche mit meinen Vorgesetzten, und sag denen was ich will, -und  in Wirklichkeit bin ich ziemlich dünnhäutig.

Und ausserdem nimmt der Winter einfach kein Ende und ich habe das Gefühl, ich bin im STILLSTAND.

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Die hab ich irgendwo im Netz gefunden, ich finde sie schön. Stillstehen, Zeit nutzen Atmen.

Ich entferne sie, wenn ich damit Urheberrechte verletze

 

 

 

Flida- von der hohen Kunst der Emanzipation

Flida geht heute mit  ihrer Freundin ins Museum.
Lange hat sie sich keine Bilder mehr angeguckt, dabei liebt sie das so. Bilder anschauen, und sich einfach daran erfreuen. Viel Kunstwissen hat Flida nicht, aber sie fühlt manchmal etwas bei den Bildern. Am liebsten mag sie Kandinsky und Gabriele Münter, deren bunten farbigen Landschaften.
Früher stand sie im Lenbachhaus oft davor und WUSSTE, das es so aussah dort, wo die Malerin  damals gelebt hat. Diese  blauen Dächer, und dieser rosafarbene Himmel, so sah das aus,dort, im Murnauer Moos, genauso, hat sie immer gedacht.
Und jetzt gibt es eine GabrieleMünterAusstellung im Lenbachhaus in München und Flida geht hin, mit ihrer Freundin.

Es sind Ferien und es ist voll an der Kasse, und der Kassierer will zum hundersten Mal erklären, wie sie in den Kunstbau kommen, da sagt Flidas Freundin: Wir wissen , wie es da hingeht.
Fein, sagt der Kassierer, dann spar ich mir das, es zu erklären und lächelt.
Flidas Freundin grinst zurück und nimmt die Karten. Viel Spass, wünscht der Mann, und die Frauen stapfen los. Wahrscheinlich hat der mal Kunst studiert, sagt Flidas Freundin, findet keinen Job und sitzt jetzt hier an der Kasse, und erklärt tausendmal am Tag den Weg. Da musste ich jetzt nett sein. Weisst du, wo wir hinmüssen, Flida?
Nein, lacht Flida, wir gehen einfach den vielen Leuten hinterher!

Sie müssen zurück in die UBahn, die Rolltreppe hinunter und dann können sie in den Kunstbau gehen. Es ist sehr voll.
Flida nimmt sich einen Audioguide, der erklärt ihr etwas über die Bilder an den Wänden. Sie gibt nur die Nummer des Bildes ein,dann hört sie zu, was der Guide zu erklären hat. Flida findet das gut, sie muss nicht eine komplette Führung machen, sondern kann sich aussuchen, was sie hören will.
Und sie würde die Bilder so gerne fotografieren, aber das Teufelchen auf der Schulter rät ihr ab. Lass es lieber sein, flüstert es. Trotzdem nimmt sie ihr Handy raus, sie will den Ton ausschalten. Sofort spürt sie,das jemand hinter ihr steht, sie dreht sich um. Ein Museumsaufpasser schaut sie herausfordernd an. Sie steckt ihr Handy wieder in die Tasche und schaut auf die Bilder. Siehst du! flüstert das Teufelchen.

Was sollte dieser Blick, denkt sie.

Ein Mann steht vor einem Bild und macht ein Foto. Nicht nur eines. Mehrere, stellt sie fest. Also darf man fotografieren? fragt sie sich.
Das ist ja auch ein Mann! hört sie das Teufelchen.
Doch jetzt will sie die Bilder ansehen und dem Guide zuhören.
Ein Bild berührt sie so, das ihr die Tränen in die Augen kommen. Es ist  bloss ein Bild von einem Baum vor einem Fenster, sagt das Teufelchen.Was heulst du schon wieder!
Der Blick der Malerin geht aus dem Fenster, durch die Äste des Baumes auf die Berge. blaue schneebedeckte Berge und Flida spürt in sich eine Sehnsucht. Sie kann nicht beschreiben nach was, aber es ist Sehnsucht.
Sie geht weiter. Schöne Bilder, nach Themen sortiert, Portraits, Landschaften, Stillleben.
Flida entdeckt ihre Freundin mit anderen Frauen vor einem kleinen Bild an der Wand.
Es zeigt drei Frauen auf einer Brücke im Dämmerlicht, die in den Himmel schauen. Mittsommer heisst es, die Malerin hat ein Zeitlang in Schweden gelebt, hat der Guide erklärt.
Da würde ich jetzt auch gerne stehen, seufzt die Freundin,mit dir an der Seite und wir schauen in den Himmel und feiern den Sommer. Wir könnten ein Foto machen davon und es uns immer anschauen.
Nein, das darf man nicht, glaub ich, sagt Flida.

Sie sieht sich um, und bemerkt eine Frau, die ganz versunken ein anderes Bild anschaut, Die nimmt ihr Handy und macht ein Foto .
Da sieht Flida einen weiteren Bilderaufpasser auf die Frau losstürzen und hört ihn laut sagen: NAAA? Was machen WIR denn da ?
Alle Leute drehen sich um. Flida ist entrüstet, er hat die Frau bloss gestellt, fühlt sie, und sie spürt, wie die Scham der Frau auf Flida übergreift.
Mach  was, Flida! hört sie das Teufelchen rufen, zeig Mut, sonst geht dir das die ganze Zeit nach, du kennst dich doch! Wenn du nichts unternimmst, ärgerst du dich noch tagelang, weil du nichts gesagt hast, der Kerl ist unverschämt!
Flida macht einen Schritt zum Bilderaufpasser hin.
Entschuldigen Sie, sagt sie, gehören Ihnen  die Bilder? Und selbst wenn es so wäre, könnten Sie durchaus diesen Satz anders formulieren. Sie könnten zum Beispiel sagen: Entschuldigen Sie, aber es ist nicht gestattet, hier zu fotografieren. Versuchen Sie das mal.

Was? macht der Bilderaufpasser und schnappt nach Luft.

Flida kramt ihr Handy aus der Tasche und hält es auf das nächstbeste Bild an der Wand.

Ich mach jetzt ein Foto und Sie versuchen mal diesen Satz: Es ist leider nicht gestattet, zu fotografieren. Sagen Sie das mal.
Der Mann schaut Flida an und knirscht: Ja, ich habe Sie verstanden. Bitte nehmen Sie ihr Handy weg , es ist nicht gestattet, hier Fotos zu machen.
Geht doch, sagt Flida, grinst in die Runde der Leute, die ihr zugeschaut haben und entdeckt ihre Freundin.
Gehen wir,sagt sie zu ihr, ich hab genug Bilder gesehen.

Was war das denn? fragt die Freundin, als sie Richtung Ausgang gehen.
Flida spürt, wie ihr das Teufelchen auf der Schulter rumturnt und ihr ins Ohr beisst vor Übermut.
Das, sagt Flida stolz, war ein Anflug von Emanzipation!
Und als sie am Ausgang sind, schaut  ein von Gabriele Münter gemaltes Frauengesicht unter einem grossen Hut anerkennend auf Flida hinunter. 2043897670-plakat-zur-ausstellung-gabriele-muenter-4e1ZUvpS5I03KjRzNG

Eman·zi·pa·ti·o̱n
Substantiv [die]
  1. 1.
    der Vorgang, dass sich jmd. aus seiner bisherigen Abhängigkeit von jmdm. befreit.

 

Loida: Rosen und freie Radikale

Sich selbst was Gutes tun, das möchte Loida heute.
Dem ganzen Wintergrau entfliehen, entspannt auf einer Liege legen, und sich pflegen lassen. Loida hat einen Termin bei der Kosmetikerin, das macht sie sehr selten, nur im Notfall. Seit drei Wochen hat sie diese Notfallgedanken. „Ich muss mir was Gutes tun“, und für heute hat sie einen Termin bekommen.
Ein kleines Studio, alles in weiss , ein Buddha mit Kerze im Eingangsbereich, Orchideen im Flur, an der Wand ein Bild mit einer stilisierten Lotusblüte.
Loida fühlt sich gleich entspannt. Sie darf sich auf eine weisse weiche Liege legen.
Die Kosmetikerin ist eine Frau in ihrem Alter, ein bisschen korpulent, mit einem weissen Kittel und gepflegten Händen. Loida fühlt sich wohl. Die Kosmetikerin beginnt, mit einem  freuchten warmen Tuch Loidas Gesicht zu waschen, fragt sie ein bisschen nach Loidas Pflegegewohnheiten aus und Loida antwortet, das sie normal nicht viel tut mit ihrer Haut, ein wenig Gesichtscreme für den Tag und eine gehaltvollere Nachtcreme vom Drogeriemarkt, das reicht.
„Das merkt man!“ sagt die Kosmetikerin, „tun Sie ihrer Haut zuliebe sich öfter mal was Gutes, eine Ampulle pro Woche, das wäre sicher nötig. Ich tu Ihnen jetzt mal die Behandlung drauf und dann sehen wir,was Sie dann zu Hause machen können!“
Achso, denkt Loida, muss ich mir das dann kaufen hier? Reden kann sie nicht, sie hat das warme Tuch auf ihrem Gesicht und jetzt fängt die Kosmetikerin an, ihr eine feuchte schwere Creme aufzutragen.
„Wissen Sie, ich liebe meinen Beruf!“ , sagt diese, “ allerdings, was ich mir immer anhören muss von den Leuten, diese Geschichten! Ich komme immer ganz voller Storys zu Hause an, was die Leute alle für Sorgen haben! Und dann komm ich nach Hause und dann ist da mein Mann, und der will sein Essen haben und dann koch ich, und dann trinkt er seinen Schnaps, und dann kann er nicht mehr Auto fahren, aber manchmal möchte ich ja schon raus mit ihm auch, und mal ein bisschen bummeln, aber er trinkt ja immer seinen Schnaps. Aber zum Glück…“ , sie wischt resolut die Creme wieder von Loidas Gesicht, „Zum Glück hat er jetzt einen Nebenjob!“
Sie beginnt, mit einer spitzigen Nadel an Loidas Stirn rum zu drücken, das tut etwas weh. Aber Loida ist still,das gehört wohl dazu.
„Nebenjob, aha, „murmelt Loida, bevor sie tief Luft holt, es tut ziemlich weh.
„Ja, Nebenjob!“ fährt die Kosmetikerin fort, und piekt drauf los, “ er muss jetzt am Wochenende Nachtschicht machen, an der Tankstelle am Ortausgang, die kennen Sie bestimmt! Und jetzt ist er Freitag abends und Samstag Nacht aufgeräumt! Da hab ich die Wohnung für mich!Sturmfrei!“ lacht sie und und zupft an Loidas Kinn und Oberlippe mit einer Pinzette die überflüssigen Härchen raus.
„Das nächste mal machen wir Sugaring, das müssen Sie dann vorher sagen! Dann geht das gründlicher weg, die Borsten!“ kommt es von oben an Loidas Kopf.
Sie massiert Loidas Gesicht mit einem duftenden Öl. „Rosenöl!“ erklärt sie, “ das ist gut für alte Haut, das macht sie rosiger! Granatapfel ist auch drin, das fängt die freien Radikalen ein!“
Freie Radikale und sturmfrei. Ist der Mann erst aus dem Haus, sieht die Welt viel schöner aus…
Männerfreie Wohnungen mit freien Radikalen. Freiheit für die Granatäpfel. Stoppt den Missbrauch der Rosen, kein Rosenöl auf alte Haut, denkt Loida, und wann erzählen die Kunden ihr die Geschichten, die sie mit nach Hause nimmt, Loida ist jedenfalls überhaupt nicht zu Wort gekommen.
Wollte sie auch nicht.
Sie wollte nichts erzählen, sie wollte sich nur was Gutes tun.
Und jetzt liegt Loida da, und denkt an den Mann mit dem Nebenjob, der Schnaps trinkt und dessen Frau froh ist, wenn er weg ist, und Loida das auch manchmal denkt, das sie froh ist, wenn ihr Mann auf Dienstreise ist, und ob das schlimm ist, so zu denken.
Loida ist ja dann aber nicht die einzige zum Glück, die so denkt, das geht Loida durch den Kopf, während sie auf der weichen Liege liegt.
Der Duft des Rosenöls zaubert ein Bild vor ihre Augen:schwellende überfliessende Rosenblüten an üppigen Sträuchern, und tanzende ältere Frauen mit Falten im Gesicht , Haaren auf der Oberlippe und Rosenblüten zwischen den Brüsten und in den grauen Haaren, die tanzen und lachen, und  Loida in ihre Mitte nehmen.
Sie träumt. Sie schwebt.
Bis die Kosmetikerin wieder den Raum betritt, da wird Loida wieder wach. Ein warmer feuchter Lappen landet in ihrem Gesicht, die Maske wird abgeschrubbt. Noch eine feine Rosencreme drauf aufs Gesicht, „Die kriegen Sie dann zum günstigen Preis bei mir an der Kasse“, hört Loida, und dann darf sie aufstehen.
Natürlich kauft sie sich an der Kasse die Rosenpflegecreme und noch eine Monatspackung Granatapfelampullen, für die freien Radikalen, klar, sie tut das ja für sich. Und dazu bekommt sie noch ein paar Pröbchen, und den Auftrag, das sie das nächste mal dann ein Sugaring mitbuchen soll, was auch immer das sein soll, und dann geht Loida heim.
Und im Bus fällt ihr ein: Sie hat Strumfrei heute, der Gatte ist auf Dienstreise, wie schön….

Disturbing the peace

Ein Thema ,das mich nicht loslässt, und über das ich auf Gezeitenwechsel gebloggt habe. Ich habe beim Anschauen des Filmes so vor mich hingedacht, das das Erkennen des Anderen, das sich mit ihm befassen, ein Teil von Frieden schaffen ist. Denn wenn ich ihn er-kenne, ihn verstehe, den Fremden, die Fremde, dann kann ich meine Angst vor ihm kleiner machen oder ganz auflösen. Und dann sind wir ein bisschen näher dran am Weltfrieden.
Ein kleines winziges Stückchen näher, das reicht vielleicht manchmal.

Eine gute Woche. Kat.

Liebe S., ich habe heute einen Film gesehen. Wenn du dich erinnern kannst,war meine SchönsteTochter 2015 in Ramallah, während ihres Studiums, und hatte dort Kontakt mit den Leuten von den combattants for peace, ich hatte darüber geblogt, hier und hier. Über die Combattants for peace wurde jetzt ein Dokumentarfilm gedreht, er heisst : Disturbing the […]

über disturbing the peace — Gezeitenwechsel

Suska- AllTag im Hirn

Christianes SchreibeinladungsWortetüden haben mich die ganze Woche beschäftigt, ich konnte zuerst damit überhaupt nichts anfangen, aber gereizt haben mich diese 3 Worte ziemlich:

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Die Illustrationen zu diesem Thema von Ludwig Zeidler fand ich sehr schön, und so hab ich mich heute daran gesetzt und habe in 10 Sätzen diese 3 Worte verbraten, und bitte sehr: das ist daraus geworden.

Suska hat Schule diese Woche, Fachweiterbildung zur OnkologieSuperSchwester, und die letzten Tage lernte sie alles über Hirntumoren, bei Kindern und Erwachsenen und mittlerweile glaubt sie fast, sie hat selbst schon einen Tumor.
Jetzt liegt sie beim Einschlafen im Bett ,die Gedanken schwirren in ihrem Kopf umher und das Wort Astrozytom fliegt vor ihrem inneren Auge auf und blinkt und wirbelt und sie denkt: Astrozytom, Weltall, ein böser böser Hirntumor und sie überlegt, was sie da heute drüber gelernt hat.
Manchmal kann man sie operieren, die Hirntumoren,  und dann muss man bestrahlen und  Chemotherapie kann man auch geben, wie hiess die doch gleich, die haben so klangvolle Namen, Oxaliplatin, Cisplatin, diesmal was aus Platin ,Liebling, ein alter Werbespruch aus den Achtziger Jahren, 5FU heisst eine Therapie, warum nicht auch frb121102, oder 3456Flusidoxin, herrjemine, sie will da jetzt gar nicht drüber nachdenken.

Suska merkt, wie ihre Gedanken sich verselbstständigen, wie immer kurz vor dem Einschlafen.

Wenn man das Astrozytom bestrahlt, kann man das vielleicht mit ultravioletten Strahlen machen.

Sie stellt sich vor, wie die  Patienten lila aufleuchten während der Therapie ,  und der Tumor fliegt durch das Hirnall und zerstiebt und ist eine leuchtende funkelnde lilafarbene Supernova.
Und der Supernovaüberrest, der löst sich dann in den nächsten Tagen ebenfalls auf und wenn sie das tatsächlich erfindet, diese Therapie, dann kriegt sie bestimmt einen Nobelpreis.

Suska wälzt sich auf die andere Seite, warum lernt sie das bloss alles und hoffentlich kann sie sich das überhaupt alles merken, im Oktober sind Prüfungen.

Vielleicht hätte sie was anderes lernen sollen- Floristin vielleicht, bunte Blumen binden oder so….

Weiche Decke, bunte Blumen und lilafarbene Strahlen, Suska schläft ein.

 

Hilde – Traumschaum und Mut

In dem kleinen Cafe im Ort kennen sie Hilde jetzt schon und stellen ihr ungefragt ihren Cafe au lait hin, den sie immer trinkt, während sie das Internet nutzt. Vor dem Traum mit Lorenz kam sie einmal in der Woche hierher. Sie hat mit der Tochter geskypt, hat ihre Emails gelesen, und manchmal auch in den Sozialen Foren gestöbert. Nur geschaut, aber das ist ihr bald langweilig geworden. Dann hat sie ihren Milchkaffee getrunken, ein bisschen mit den Cafebesitzern geplaudert, und  ist wieder auf ihren Campingplatz zurück gefahren.
Sie hat ihre Einsamkeit genossen, hat ihre Spaziergänge gemacht, hat nachgedacht und Muscheln und Schwemmholz aufgesammelt.

Aber seit sie von Lorenz geträumt hat, ist nichts wie vorher. Der Gedanke an früher und was hätte sein können, bestimmt ihren Tag. Sie wird unruhig, überlegt, ob sie ihm schreiben soll, und dann setzt sie sich in ihr kleines Auto und fährt in den Ort.
Das macht sie seitdem jeden Tag.
Seit 3 Wochen.
Sie öffnet ihre Emails und beginnt , an Lorenz zu schreiben. Und dann löscht sie sie wieder. Sie findet sich albern, sie ist fast sechzig, wie kann sie denn noch solche Sehnsüchte haben. Und vor allem, was soll Lorenz denn denken, wenn er ihre Email liest!
Aber vielleicht ist es nicht verkehrt , wenn sie ihm sagt, dass sie an ihn denkt? Und wenn sie dann vielleicht eine Antwort bekommt, dass er gar nichts von ihr will und sie ihn in Ruhe lassen soll, dann weiss sie wenigstens Bescheid.
Sie erinnert sich, als sie 14 war, ist sie sehr verliebt gewesen in einen Jungen aus ihrer Klasse. Er war in einer coolen Clique, und Hilde hatte so Herzklopfen ,wenn sie ihn sah, und sie hätte so gerne gewusst, ob er vielleicht auch Herzklopffen hatte, wenn er sie ansah.
Und eines Tages hat sie sich ein Herz gefasst, und ist mit 20 Pfennig in die Telefonzelle gegangen und hat seine Nummer gewählt , die sie auswendig wusste.
Ein paar mal hatte sie nach dem Wählen den Hörer auf die Gabel fallen lassen und ihr Herz schlug bis zum Hals.
Aber dann hat sie es läuten lassen, und er ist tatsächlich an den Apparat gekommen , und sie hat ihm gesagt, das sie in ihn verliebt ist. Da hat er zuerst nichts gesagt, und dann als Hilde fast aufgelegt hätte vor Scham, hat er gesagt: Ich aber nicht in dich .
Und Hilde war fast erleichtert gewesen, weil sie jetzt Bescheid wusste und nicht mehr Hoffen musste, und hat gesagt: Okay. Und nach dem sie aufgelegt hatte, ist sie fast fröhlich nach Hause geradelt.
Sie hatte es ihm gesagt, das war wichtig gewesen, sie hat auch Jahre später noch diese vierzehnjährige Hilde bewundert, die sich etwas sagen getraut hat, um Gewissheit zu bekommen.

Und wenn sie Lorenz jetzt schreibt,dass sie an ihn denkt, überlegt sie, dann vergibt sie sich nichts. Vielleicht freut er sich auch, wenn er ihre Mail liest,vielleicht ist es auch schön für ihn, wenn er weiss, dass sie an ihn denkt.
Vielleicht.
Und dann, nach 3 Wochen,  hat Hilde eine kurze Mail an ihn geschrieben, dass sie von ihm geträumt hat, und viel an ihn denkt, und sich freuen täte, wenn sie von ihm hören würde, und hat die Email abgeschickt.
Erleichtert hat sie sich danach auf ihrem Stuhl im Cafe zurücklehnt, und als sie einen zweiten Cafe au lait bestellt hat, hat sich die Cafebesitzerin zu ihr  an den Tisch gesetzt, und sie haben ein bisschen geplaudert.
Hilde hat gemerkt, dass ihr Kopf wieder frei war für das was jetzt im Moment passiert.

Und das ist das, was zählt, im Jetzt ganz da Sein, denkt Hilde, als sie an dem Abend des Tages der abgeschickten Email ihren Spaziergang am Meer macht.
Und zuschaut, wie die Wellen aufschäumen und am Strand weit weit auslaufen.
Und dabei Muscheln im Sand zurücklassen.

Hilde- Träume

Hilde träumt in letzter Zeit viel.

Seit die Tochter wieder weg ist, träumt Hilde,wilde, traurige , manchmal beängstigende Träume.

Und wenn Hilde morgens aufwacht, spürt sie ihren Träumen hinterher und manchmal begleiten sie diese Gefühle, die sie im Traum hatte, den ganzen Tag.

Heute hat sie von Lorenz geträumt.
Sie hat von Lorenz geträumt, der nicht aussah wie Lorenz , aber sie wusste, dass es Lorenz war, und seitdem denkt sie die ganze Zeit an ihn.
Lorenz, den sie vor 35 Jahren kennengelernt hatte. In einer Turnhalle in Kopenhagen, wo sie, Hilde, mit Dauerzugticket und Rucksack hingereist war. Sie schlief in einem  Stockbett und als sie morgens aufwachte, sagte unter ihr jemand mit männlicher Stimme: Good morning.Das war Lorenz.
Und sehr schnell haben sie festgestellt, dass sie nicht englisch miteinander sprechen müssen, und sie sind gemeinsam durch Kopenhagen gelaufen.
Sie waren in Kristiania, sie waren im Lido, sie sind zusammen auf die Frelsers Kirke geklettert, sie  haben im Kino Caligula angeschaut, aber nicht bis zu Ende, der Film war ihnen zu blutrünstig,  und dann sind sie essen gegangen in einem russischen Lokal und haben Tee aus einem Samowar getrunken.
Lorenz hatte eine Freundin und Hilde hatte da schon den Herbert, aber sie haben sich Briefe geschrieben- lange Briefe und manchmal haben sie einander auch besucht.

Obwohl es Herbert gab, hatte Hilde keine Bedenken, sie mochte Lorenz, sie hatte ihn sehr, sehr gern.
Allerdings, wenn sie ihn besucht hatte, fühlte sie sich fremd und kam ihm nie so nahe wie in den Briefen, die sie sich schrieben.
Lorenz führte ein ganz anderes Leben als Hilde, er ging Bergsteigen, er reiste mit seinen Freunden durch die Welt.
Einmal, erinnert sich Hilde, ist Lorenz nach Santorin gefahren mit seinen Freunden, und hat Hilde eine Postkarte geschickt, von den Häusern mit den blauen Dächern.
Lange Zeit war diese Insel ein Sehnsuchtsort für Hilde.
Dann haben sie den Kontakt verloren.
Aber vor fünf Jahren haben sie sich wieder gefunden, über diese Internetseite Fatzebuk.

Und sie ist zu ihm in die GrosseStadt gefahren, weil sie sich sehen wollten.
Er hatte nicht viel Zeit,aber Hilde hat sich auf ihn gefreut.
Herbert hat sie das nicht gesagt, der hätte einen Aufstand gemacht.
Und als sie Lorenz dann sah, war es wie früher. Sie freute sich sehr , ihn zu sehen, aber sie fühlte sich klein in seiner Gegenwart. Dieser bunte Rock, den sie trug,  mit den aufgenähten Spiegeln und ihre derben Stiefel passten nicht zu dem Lokal, in das sie schliesslich gingen, und Lorenz mit seinem Anzug und seinen traurigen Augen, das war alles irgendwie nicht richtig. Nicht echt.
Und als er ihr dann sagte, das er damals so sehr in sie verliebt gewesen ist, da ist Hilde auch traurig geworden.
Warum hast du nichts gesagt? hat sie ihn gefragt, und Lorenz hat gesagt: Ich habe mich nicht getraut. Du schienst glücklich zu sein mit deinem Herbert.
Ich hatte Herzreissen wegen dir, hat Hilde gantwortet, aber dein Leben hat nicht zu meinem gepasst. Aber ich hätte es gerne gehabt,ein Leben mit dir,  hat sie noch hinzugefügt, und dann musste Lorenz weiter, und seitdem hat sie nichts mehr von ihm gehört.

Das ist fünf Jahre her- warum hat sie dann heute so intensiv von ihm geträumt?
So intensiv, dass sie denkt, dass sie ihm schreiben muss, auch wenn er nicht antworten wird?
Sie geht nachdenklich ihren Weg zum Strand hinunter. Wird sie ihm schreiben? Was hat sie zu verlieren? Sie kann ihm schreiben, dass sie an ihn denkt, dass sie sich manchmal die Zeit von damals zurück wünscht, und das sie dann vielleicht manches anders gemacht hätte.
Was, wenn es anders gekommen wäre? Wäre sie glücklich geworden? Hätte sie ihre Scheu gegenüber Lorenz verloren?
Hätte wollte wäre könnte, denkt Hilde, während sie gegen einen Stein tritt. Sand stiebt auf.
Es ist wie es ist! ermahnt sie sich.
Aber diese Sehnsucht lässt sich einfach nicht wegtreten…….

 

 

 

 

 

 

Flida-Das Weiche an ihr

Ich folge der Schreibeinladung von Christianes Wortetüden! Bitte sehr:

                                     Bürde – speckig-schieben

Wieder Werbung im Fernsehen, es geht um Abnehmpulver, und wieder einmal ist Flida versucht, sich den Namen des Pulvers aufzuschreiben, damit sie sich morgen in der Apotheke  eine Packung kaufen kann.

Es verspricht in kurzer Zeit eine Reduktion des Körpergewichts, eingenommen vor den Mahlzeiten verringert es den Kalorien- und Fettgehalt der dann zu verzehrenden Lebensmittel.
„Ja!“ wispert ihr das Teufelchen ins Ohr,“mach das, kauf es endlich und dann iss es und mach Sport und schiebe das nicht wieder auf, bis du im Sommer verreisen willst und erfinde keine Ausreden!
Ich kann deine speckigen, wabbeligen Arme nämlich schon lange nicht mehr sehen!“

Flida seufzt.

Flida seufzt, denn seit sie denken kann , schleppt sie diese Bürde mit sich herum: dass sie einfach nicht schlank , zart und liebreizend ist, sondern moppelig, rund und fest, und jetzt , mit fortschreitendem Alter eben auch weicher oder wie das Teufelchen raunt, speckig und wabbelig.
Sie schaut sich im Spiegel an und blickt sich tief selber in die Augen: Flida, willst du dieses Pulver wirklich essen?
Nein, antwortet sie sich, ich werde üben, mich so zu nehmen, wie ich bin und ich werde lernen, das Schöne an mir zu sehen und mich selber anzunehmen.

Sie hört das Teufelchen brummen, dass sie sich selbst schön was vormacht, das könne sie ja perfekt,  aber sie denkt, ich bin ich, so ist es gut.

Und sie erinnert sich daran, wie sie vor kurzem die Tochter einer schlanken, sportlichen Freundin getröstet hat, indem sie sie in den Arm nahm und gedrückt und festgehalten hat und  sie hört noch, wie das Mädchen geseufzt hat, sich die Tränen an Flidas Bluse abgewischt hat und gesagt hat: Ach Flida, wie weich du doch bist!

Es ist so schön, wenn du mich in den Arm nimmst!

Loida- die Mülltaucher

Bald werden die Blumen welk sein und Loida wird  sie entsorgen müssen, schade.
Sie mag zwar keine Nelken und Chrysanthemen, aber als am Neujahrstag alle Kinder zu Besuch kamen,hatte der MusikantenSohn eine Kiste dabei, voller Obst, Joghurt und Keksen, und obendrauf lagen 3 prächtige Blumensträusse.  Loida hat verwundert in diese Kiste geschaut und gedacht: Warum bringt der mir diese Fertigjoghurts mit? Und dieses ganze Obst und Gemüse und vor allem:Warum BLUMEN?
„Hab ich für dich containert!“ hat der Sohn gelacht.
„Für mich ge…was?“
„Containert. Ich hab Blumen für dich containert. Und das Obst und das Gemüse, das tun wir in eine Saftpresse, ihr hab doch so ein Hightechding, da können wir wunderbar Gemüsesaft draus machen!“
„Containern nennt man das, wenn Leute nach Ladenschluss aus den Müllcontainern der Supermärkte das weggeworfene Gemüse und so rausholen!“hat die KlugeTochter erklärt und  ihren Bruder angegrinst.
„Ja, und mein kleiner Bruder hat das auch nötig , sowas zu tun! Als bekäme er nicht genug Unterstützung vom Vater für seinen hochgeistigen Lebenswandel! „brummt der grosse Bruder, der in seinem massgeschneiderten Anzug vornehm auf dem Stuhl sitzt und in sein Smartbook schaut.
„Nicht nur der kleine Bruder, auch die kleine Schwester macht das!“ sagt die KlugeTochter von Loida und fährt fort: „Wir leben in einer solchen Überflussgesellschaft, du kannst dir nicht vorstellen,was alles weggeworfen wird, nur weil das Verfallsdatum bald kommt!“
„Ich hab beim letzten containern sogar Kaminbriketts gefunden, und ich wundere mich immer noch, ob Briketts ein Verfallsdatum haben. Die könnten die Menschen, die im Winter draussen leben, vielleicht ein bisschen wärmen,“ sagt der MusikantenSohn.
„Ist es denn nicht gefährlich“, fragt Loida, „kann man Euch denn dabei erwischen? Werdet ihr dann angezeigt, wenn man Euch erwischt?“
„Wir machen nichts kaputt,“ erwidert der MusikantenSohn, “ es gibt Geschäfte, die haben offene Container, da müssen wir nur über den Zaun klettern, und angeblich haben die Gerichte anderes zu tun, denn Mülltauchen ist kein Diebstahl, und drum….“
„Tss, “ macht der MassAnzugSohn, “ ich kann das gleich mal suchmaschinen, dann sag ich dir, welches Strafmass dir blüht!“
„Ach, Spiesser,“ sagt die Tochter,“ du freust dich doch auch, wenn ich dir ne Tafel Schokolade schenke, oder würdest du nein sagen, nur weil sie aus dem Container kommt? Ich hab letzen Monat hundert Tafeln Schokolade rausgeholt, krass, die hab ich dann in der Uni verteilt!“
„Ich esse keine Schokolade, Schwesterchen!“ hört Loida, als sie nachdenklich in die Küche geht.
Sie holt die Sachen aus der Kiste. Die Bananen sind ein wenig braun, aber man sie essen. Zwei Mangos, ein bisschen angeschlagen, aber für einen Saft bestimmt gut zu gebrauchen. Kartoffeln. Sellerie. Und dann dieser Joghurt. Sie würde den niemals kaufen, der enthält bestimmt viel Zucker , aber probieren kann sie den ja nachher mal. Und Blumen! Wann hat sie zuletzt Blumen bekommen?
Nelken, Chrysanthemen, Rosen und Schleierkraut.
Muss man das wegschmeissen? Kannman das nicht anders verwenden?
Sicher, es gibt  die Tafeln, das weiss sie, sie hat vor Weihnachten eingekauft für die Tafel in ihrem Ort. Da standen im Supermarkt zwei Damen mit einer Liste, womit sie, wenn sie es einkauft und spendet, den Bedürftigen helfen könnte. Aber Loida hat in einer Reportage auch gesehen, das manchmal ein Geschäft gemacht wird mit den Gütern, die die Supermärkte spenden, wenn sie das nicht mehr verkaufen können. Das stimmt sie nachdenklich. Und um bei der Tafel „einkaufen “ zu können, braucht man einen Bezugsschein und als Student hat man den nicht, und ausserdem wollen die ja wohl Lebensmittel retten,was eine ganz andere Gedankenidee ist….
„Die Ding san doch no pfenningguat!“ hört sie ihren Grossvater sagen.
Ich bin Teil dieser Überflussgesellschaft, denkt sie.

Sie beginnt die Blumen zuzuschneiden, und in Vasen zu arrangieren, da kommt ihr Mann in die Küche.
„Nelken!“ ruft er, „Die Blume der Arbeiterbewegung! Hoch die Internationale Solidarität!“skandiert er mit gereckter Faust.
Loida hört die Kinder lachen im Wohnzimmer, „Papa!“ rufen sie,“ was ist mit dir los?“
„Ich möchte der Mama einen Antrag machen, “ sagt der Ehemann, zupft eine Nelke aus dem Strauss, steckt sie sich an den Hemdenkragen, beugt das Knie und fragt: „Würden gnädige Frau mich bitte begleiten? Ich möchte Sie zum ContainerDinner einladen! Als Nachspeise gibt es wunderbar fluffigen, nicht mehr ganz frischen, aber noch pfenningguaten Fertigjoghurt!“ und galant küsst er Loida die Hand.