Suska- nach dem Nachtdienst

Suska ist müde. Vier Nachtdienste hat sie hinter sich, davor hat sie 6 Wechselschichten am Tag gearbeitet, auf dieser Station, auf der sie wegen ihrer Fachweiterbildung zur Onkologischen Fachkraft einen vierwöchigen Einsatz absolvieren muss. Suska fragt sich manchmal, warum sie das macht, sich 2 Jahre weiterbilden. Lief doch, der Job auf der Intensivstation. Okay, es war psychisch sehr belastend, diese hochtechnisierte Medizin, wo man Menschen am Leben hielt, von denen sie, Suska, wusste, das es eigentlich zu spät war zum gut weiterleben.
Deshalb hat sie sich gefreut, als ihr Chef sie fragte, ob sie diese Weiterbildung machen möchte, über 2 Jahre, mit Prüfungen, Facharbeitschreiben, wechselnden Einsätzen, 4 Monate Schulbank drücken insgesamt. Und dann würde sie in einer Onkologischen Ambulanz arbeiten. Das wäre nur tagsüber. Deshalb hat sie “ ja“ gesagt.

Anfang des Jahres war der erste Theoretische Block, und sie kam sich ein bisschen komisch vor, so als Älteste, unter diesen ganzen jungen Kollegen. Die Prüfung dann , naja, die lief so lala, beim Lernen des Stoffes nämlich dachte Suska die ganze Zeit: Herrje, den Scheixx  mach ich doch seit 25 Jahren! Das muss ich doch nicht in der Theorie lernen!
Aber leider wurde das in der Theorie abgefragt, und so konnte Suska nicht benennen, wo die Persönlichen Tabuzonen eines Menschen nach Flkrx sind, und deshalb hat sie die Prüfung mit „gerade eben“ geschafft.
Es ist aber auch bekloppt, sowas in der Theorie zu lernen, wenn man sein Leben lang damit gearbeitet hat! Ihr hat noch kein Patient auf die Finger gehauen, wenn sie ihn berühren musste, sie weiss instinktiv, was passt und was nicht.
Sie kommt sich auch jetzt, auf der Arbeit komisch vor, wo sie eigentlich was lernen soll, aber wegen Personalnotstand  voll eingesetzt wird.  Und weil sie sich nicht so gut auskennt mit den Arbeitsabläufen und den Örtlichkeiten, macht sie die Hilfsarbeiten. Das was Praktikanten und Pflegehelfer dort tun.
Sie denkt, sie ist doch keine Hilfskraft, und sagt das auch und es wird versprochen, das sich das nächste Woche ändert, und man ihr zeigt, wie man die Chemotherapien anhängt und den Patienten berät. Aber in der nächsten Woche war wieder jemand krank und so blieb keine Zeit für Erklärungen.
Naja, jetzt hat sie es geschafft, nach diesem Nachtdienst hat sie 5 Tage frei und dann geht es auf die nächste Station. HämatoOnkologie, sie ist gespannt, ob es läuft. Die Stationsleitung hat ihr versichert, das sie zusätzlich eingeteilt wird, damit sie was lernt.

Aber jetzt geht sie erst mal heim. Vielleicht erwischt sie ihren Sohn Bero noch, bevor er in die Schule geht. Sie hat ihn jetzt fast eine Woche nur zwischen Tür und Angel gesehen. Und hoffentlich taucht der FastExmann nicht auf und macht wieder Ärger, weil sie sich so wenig kümmert um Bero. Dabei ist Bero wahrscheinlich froh, wenn er seine Ruhe hat.

Sie lächelt, als sie an ihren Sohn denkt, an sein hübsches gleichmässiges Gesicht, seinen beginnenden Bartwuchs und seine hohe gerade Gestalt. Und an seinen Wortwitz und an sein Lachen und an die Liebe in seinem Blick, wenn er es geschafft hat, sie wieder ein bisschen zu veräppeln.

Suska beeilt sich.

6 Gedanken zu “Suska- nach dem Nachtdienst

    • katalisis schreibt:

      Das wird sich zeigen. Vielleicht gibt es auf onko mehr Hoffnung und wenn sie vorbei ist, die Hoffnung, ein würdiges sterbendurfen, was auf intensiv kaum möglich ist. Ich hab diesen Palliativkurs gemacht, weil ich besser mit dem unwürdigen Sterben umgehen lernen wollte. In der Onkologie gibt es einen anderen Umgang und eine andere Hoffnung. Aber- es wird sich zeigen. Die Würde darf nicht auf der Strecke bleiben, das ist das wichtigste. Liebe Grüße!

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      • Myriade schreibt:

        Ich hätte gedacht, dass es auf einer Intensivstation auch sehr viele Menschen gibt, die nur vorübergehend in einer gesundheitlich kritischen Situation sind. Aber offenbar ist das nicht so

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      • katalisis schreibt:

        Doch das ist schon der Fall. Aber das, was dann wirklich eine Belastung für die Pflegenden ist, sind die „Aussichtslosen“ Fälle . Schlimmes Wort. Und was noch dazu kommt, man erlebt die richtige Gesundung nicht. Sie werden verlegt, und dann erfährt man nichts mehr. In meinen 6 Jahren intensiv ist nur einmal jemand, der als Aussichtslos galt, ein junger Mann, der mit Kopfsprung vom Balkon aus dem 2. stock sprang, nach der Reha zu Fuss zu uns gekommen, weil seine Freundin uns zeigen wollte, das er „gesund “ geworden ist. da hab ich mich gefreut, denn ich dachte, mit so einem Hirnschaden,was ist das für ein Leben! Aber er war,bis auf eine leichte Halbseitenlähmung, wieder okay.Und dann traf ich auf der Normalstation eine Patientin , die ich im Herbst fast 3 Monate auf Intensiv betreut hatte,wieder, mit Sprachaphasie, Halbseitenlähmung, aber irgendwie noch lebendig. Nur ihre Familie war am Ende. Wegen der massiven Belastung der häuslichen Pflege. Es ist auch so, dass ich in einer sehr grossen Klinik arbeite, wo Menschen operiert und aufgenommen, werden, wo andere Kliniken sagen: das können wir nicht leisten.
        Aber es gab immer wieder und meistens die Patienten, die fröhlich nach einer Herzoperation auch mit 85 die Intensivstation verlassen konnten. Nur das, was bleibt, und was ich und manch anderer Kollege mit heimnimmt, das ist das andere. Was dann irgendwann nicht mehr auszuhalten scheint. Es sei, man entwickelt sogenannte Copingstrategien, um damit umzugehen. Aber das zeigt einem niemand, das muss man selber machen. Puuh, das war ein langer Kommentar. Aber schön, das es dich interessiert! liebe Grüsse Katrin

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      • Myriade schreibt:

        Oh ja, ich finde das sehr interessant. Ich denke, dass es für alle Beteiligten eine große Erleichterung wäre, wenn alle Pflegenden mehrere Qualifikationen hätten und somit immer wieder die Stationen wechseln könnten ….

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  1. kat+susann schreibt:

    @ Myriade
    so stellen sich das viele Menschen vor, dass es besser wäre mal wechseln zu können.. ich kenne viele Pflegende denen das Angst machen würde. Lieber im gewohnten Trott, lieber das was sie kennen auch wenn es nicht so gut ist, als was ganz Ungewohntes. Ich fand es vor 2 Jahren wirklich spannend bei der Zeitarbeit nebenbei 2 Dienste im Monat zu machen. Ich arbeite sonst in der Notaufnahme und wollte mal sehen wie es auf Stationen derzeit so läuft..Es war ne spannende Erfahrung.. wirklich.. im Pflegeheim habe ich auch einige Dienste gemacht.. und ich dachte immer wieder.. Respekt !
    Aber wenn ich schon als Krankenschwester arbeiten muss, dann nur in der Notaufnahme 🙂
    Gruss S.

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