Flida- Zeitlos schön sein

Irgendwas macht einen Höllenlärm und Flida schreckt hoch. Ach, es ist nur der Wecker, was für ein dämliches Geräusch hat sie da bloss eingestellt. Ihr Gesicht ist trocken und irgendetwas bröselt auf das Kopfkissen. Herrje, sie hat heute Nacht vergessen, sich die Gesichtsmaske ihrer Schlaflosigkeit wieder abzuwaschen.
Kein Wunder, dass sie von grünen Schleimmonstern geträumt hat. Sie schlurft ins Bad, und rubbelt sich die Haut mit eiskaltem Wasser von den “ harmonisierenden Kräuterunterstützten Anti-Aging-Stoffen “ frei.
Und-hat es was genützt? Nein, sie ist genauso schlupflidrig und nachtfaltig wie jeden Morgen. Am Haaransatz machen sich die überfärbten grauen Haare bemerkbar. Flida schlurft in die Küche und überlegt, ob sie heute einen Friseurtermin ausmachen soll. Ihr „Living-apart-together-Gefährte“, also,der derzeitige Lebensgefährte, der aber in seinem eigenen Haushalt wohnt, legt Wert darauf, das man Flida ihr zunehmendes Alter nicht ansieht.Und während der Kaffee röchelt und schnaufend durch die Kaffeemaschine blubbert, verspürt Flida eine kleine Wutattacke in sich aufsteigen. Er will nicht, dass man IHR ihr Alter ansieht! Und seines? Darf man sehen oder was? Dass der Bauch grösser wird, und die Brustmuskeln schlaffer, und der Haarkranz immer lichter, das ist okay, oder wie?
Und sie muss alle vier Wochen zum Friseur, die Haare nachfärben, die dadurch immer struppiger werden  und , weil sie immer weisser wird unten drunter, die Haarfarbe auch nicht mehr so gut deckt und deshalb leuchtet sie zunehmend orange auf ihrem Kopf.
Sie wollte niemals so aussehen. So bemüht grau abdeckend, so bemüht „natürlich“ aussehend.
Nur was ist die Alternative? Weiss werden lassen. Hm… Warum nicht? Weiss und dann Regenbogenfarbene Strähnen rein. Grün und blau und rosa… Vermutlich wird sie die Friseurin  überzeugen müssen, die ist für Experimente nicht wirklich offen. Vielleicht hat sie aber Glück, wenn sie da spontan hingeht, dass die andere Friseurin da ist, die mit dem wilden Irokesenschnitt. Die macht das bestimmt…..
Und ihre Tochter? Was wird die sagen, wenn die Mutter so bunt daher kommt? Und der Mann des Herzens? Ach, denkt Flida, der kann mich als allererstes mal, wenn es ihm nicht passt, pfft….wichtig ist, das ich mich wieder angucken mag.
Dieser Gedanke beschwingt sie. Pfeif auf die Angstmachenden Zukunftsgedanken, denkt sie, und wenn es nur noch 10 Jahre sind, die ich hab, diese 10 Jahre mache ich mir bunt! Und wenn ich es ganz wild tue, schnall ich mir noch ein Einhornhorn auf die Stirn und dann sehen wir mal, wer zuerst auf dem Regenbogen tanzt!

Und Flida springt ins Bad und schaut in den Spiegel, reckt die Faust und sagt: Yes! I can!

 

4 Gedanken zu “Flida- Zeitlos schön sein

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