Hilde- vom bleiben können

Natürlich ist es nicht immer leicht, alle Zelte hinter sich abzubrechen, so wie Hilde das macht, als sie am Meer bleibt. Und nicht mehr in ihre Ehe zurück geht und in  ihr altes Leben. Sicher sitzt Hilde auch manchmal da und denkt, ob es nicht anders besser gewesen wäre, wenn sie zurück gegangen wäre , wenn sie vielleicht nicht unbedingt weiter gemacht hätte, sondern etwas anderes aufgebaut hätte für sich. Aber sie fühlt , dass das nur eine halbe Form von Neubeginnen geworden wäre. Sie möchte ganz neu anfangen. Ein ganz neues Leben, denn das alte Leben ist zu bitter geworden.
Es wird nicht ohne Zweifel  bleiben, nicht ohne Traurigkeit, ob sie sich nicht vielleicht doch ein bisschen mehr Mühe hätte geben müssen, ein bisschen mehr Verständnis für Herbert aufbringen hätte können, den sie doch mal geliebt hat. Sie hat ihn irgendwie immer noch lieb, aber sie will jetzt endlich ganz bei sich sein.

Deshalb bleibt sie jetzt hier. Und als die Madame vom Campingplatz deutsch mit ihr spricht,  da durchströmt Hilde eine Welle von Erleichterung.
„Ich bin Herta!“, sagt die Madame vom Campingplatz,“ Herta aus Hamburg!“
„Ich bin Hilde, und ich würde gerne hier bleiben und wollte fragen, ob ich hier nicht was arbeiten kann und ein kleines Häuschen über den Winter mieten kann, so ein Winter am Meer, das wäre schön!“

„Nu, „macht Herta, “ wir brauchen in der Tat im Winter jemanden, der auf den Campingplatz aufpasst.Aber n büschen einsam is das schon hier!“
Ach, denkt Hilde, Einsamkeit macht mir nichts aus. Ich werde einfach viel denken, und wenig denken und nichts denken und den Wellen zugucken und wenn es windig und kalt wird, dann wickel ich mich in eine warme Decke. Ich muss mit niemandem reden und kann einfach in mich reinhören, und dann werde ich…..
“ Du kannst dann in das Häuschen hier am Eingang einziehen,“ unterbricht Herta ihre Gedanken, “ das ist praktischer, dann kannst du täglich den Pool kontrollieren und kriegst einfach mit, was hier passiert. Aber es passiert normalerweise nichts, und Hassan, das ist mein Mann, der kommt auch täglich vorbei, und wir wohnen ja nicht weit weg.“
„Kein Problem“, sagt Hilde, “ wenn es okay ist, ich mach das , das wäre perfekt.“

Und so kommt es, das Hilde den Winter in einem kleinen warmen Mobilhome auf einem Campingplatz an der französischen Atlantikküste verbringen darf. Sie hat sich ein kleines Auto gekauft, damit sie mobil genug ist, um hin und wieder unter Menschen zu kommen, aber eigentlich will sie sich entschleunigen. Das ist ein tolles Wort. Sich entschleunigen. Deshalb hat sie sich auch ein langsames kleines Auto gekauft. Sie macht sich noch keine Gedanken darüber, ob es sehr einsam werden könnte oder  was passieren kann, wenn die Gedanken sie einholen, sie lässt alles einfach auf sich zukommen.
Sie freut sich auf den Wechsel der Zeiten am Meer.

 

4 Gedanken zu “Hilde- vom bleiben können

  1. bewegend-begeistern schreibt:

    Ich habe auch meine Zelte abgebrochen. Zwar nicht so weit aber es ist eine andere Welt, nach 34 Jahren. Mir geht es gut, die Kinder sind erwachsen. Manchmal denke ich auch: hätte ich öfter nachgeben sollen? hätte ich, hätte ich… und dann höre ich das Lied: If I where are Sorry – und weiß: Ich bin Ich, lehne mich zurück und denke: Danke, danke, danke
    lg ingrid

    Gefällt 2 Personen

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