Flida fühlt sich erschöpft

Heute morgen ist Flida aufgewacht mit dem Gedanken: Das schaff ich heute nicht. Ich kann nicht arbeiten gehen. Mir tut alles weh…

Sie ist wirklich erschöpft. Seit Tagen schon. Sie hat wieder mal das Gefühl, sie kämpft an allen Fronten.Der Haushalt und dann noch die Bügelwäsche vom LAT-Gefährten, die er ihr immer brav mitbringt, du bügelst doch gerne, Flida, sagt er. Das stimmt , sie bügelt gerne, aber das heisst nicht, das sie alles für IHN bügeln muss, er kann seine Bürohemden auch in die Reinigung bringen, er verdient doch genug!

Dann in der Arbeit, die jungen Kolleginnen mit ihren Sorgen, Flida hört zu und trocknet Tränen, bringt Kuchen mit und räumt nach Büroschluss den Müll weg, den die jungen Frauen da lassen, weil sie ganz schnell zu ihrem Date müssen.
Die Sorgen ihrer Kinder, aber das, denkt Flida ganz schnell, das will ich auch so, ich will dass sie mir alles erzählen, was sie bedrückt!
Und die Telefonate  mit ihrem Exmann, der dann immer so traurig klingt, aber was geht Flida das an?
Dazu immer ihre Gedanken um Essen und dünner werden und zum Sport MÜSSEN, Joggen gehen MÜSSEN,weniger essen MÜSSEN,  Bewegung  machen müssen, Schritte und Kalorien zählen müssen, immer müssen….Damit sie nicht so dick aussieht.Und so alt wird.
Gestern schon hat sie sich schlapp gefühlt und müde, sie war ganz oft  kurz davor in Tränen auszubrechen. Sie hat fast geweint, als sie Nachrichten hörte. Sie spürte, wie die Tränen in ihre Augen schossen, als sie mit einer Freundin telefoniert hat, die von ihren Kindern sprach. Sie ging durch die Stadt und fühlte sich unglaublich kraftlos. Sie traf eine andere Freundin, die zu ihr sagte: So kenn ich dich gar nicht, du siehst so müde aus! Und auch da hätte sie am liebsten angefangen zu weinen.
Also hat sie heute morgen in der Arbeit angerufen und gesagt, sie bleibt 2 Tage zu Hause. Sie hat Frühstück gemacht für ihre Tochter, ihr ein Liebevolles „Auf Wiedersehen“ zugerufen, als diese zur Schule ging , und hat sich wieder aufs Sofa gelegt. Sie hat 2 Seiten in ihrem Buch gelesen und ist eingeschlafen.
Als sie wieder aufwachte, fühlte sie sich frisch und „erquickt“, dachte sie. „Ich bin erquickt. Vom Schlafe erquickt.“
„Du liest zuviele komische Bücher, wenn dir solche Worte einfallen“, hörte sie das Teufelchen auf ihrer Schultern wispern. „Und wenn du jetzt erquickt bist, kannst du ja arbeiten gehn! Die anderen schuften für dich, und du machst dir einen schönen Tag! Faule Flida!“
Flida zuckt mit den Schultern und hofft, das das Teufelchen vielleicht runterfällt. Aber es sitzt fest und sie spürt, dass es noch mehr Worte sagen will, die Flida nicht hören möchte.

„Halt einfach die Klappe, du dummes Teufelchen! Dieser ganze Mist, den du mir da erzählen willst immer! Von wegen Anstand und man macht nicht  blau und man ist immer fleissig und lässt sich nichts anmerken, man macht und funktioniert….ich hab genug davon!  Ich brauch eine Pause heute. Und morgen auch.
Ein Spaziergang tut jetzt gut. Ein langsamer. Schritt für Schritt.“

Draussen regnet es.
Die Blätter färben sich bunt.

 

11 Gedanken zu “Flida fühlt sich erschöpft

  1. kat+susann schreibt:

    Vielleicht brauchst sie ja noch mehr Auszeittage.. damit sie sich rundherum erholen kann ? Man muss gar nix müssen.. und sich selbst die Antreibern sein schon gar nicht… uff.. möge sie ein kurzes Schläfchen auf dem Sofa auch weiterhin erquicken !
    S.

    Gefällt 2 Personen

    • katalisis schreibt:

      Man oder Frau muss nichts müssen, aber manchmal denkt sie, müsen muss sie, sonst läufts ja nicht… Powernapping, das ist was feines ja! Dir ein erquickendes Nachtschläfchen! Kat.

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      • kat+susann schreibt:

        Und was wäre dann so schlimm wenn es nicht läuft ? wo doch zu Hause selber alle erwachsen und gross genug sind ? Während „es“ nicht läuft denkt sich Flida vielleicht beim nächsten Mal… tja so ist das.. mir egal.. ich schaukel etwas in meiner Hängematte die über eurem Chaos hängt
        S.

        Gefällt 1 Person

  2. Reiner schreibt:

    Teufelchen sind verdammt beharrlich und weichen auch nicht einfach so, weil sie ja unumstößlich zu ihrem Träger gehören. Mit dem meinen habe ich Waffenstillstand geschlossen. Ich versuche nicht mehr, ihn loszuwerden, weise ihn aber regelmäßig in seine Grenzen. Dann schmollt er eine Weile beleidigt und wartet auf die nächstbeste Gelegenheit, sich wieder in Erinnerung bringen zu können 😉

    Flida sollte vielleicht ihre Worte bedenken. Müssen ist immer Zwang. Sie darf vielmehr etwas für sich tun. Wenn sie es mit ein wenig Disziplin regelmäßig tut, wird sie die positive Wirkung aus ihr Befinden schon spüren. Licht, Luft & Sonne helfen der Seele…

    Grüße !

    Gefällt 2 Personen

  3. gann uma schreibt:

    Mir scheint, dein Teufelchen meint es nicht gut mit dir. Ist es wirklich dein eigenes, oder schleppst du fremde Teufelchen mit dir rum? Und wo ist dann dein eigenes Teufelchen abgeblieben, nicht dass es dich irgendwann in den Hintern beißt oder dich sonstwie piekst.

    Gefällt 1 Person

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