Suska-gelbe Rosen und Menschen, die sie nicht vergisst

Der Frühdienst heute hat Suska ziemlich angestrengt, und  die Frage, warum sie Krankenschwester geworden ist, lässt sie weiter nachdenken.
Die Frage ist einfach zu beantworten , es geschah wirklich aus Menschenliebe und Enthusiasmus. Oder Idealismus. Was auch immer.
Und sie hat es nie bereut. Sie ist in ihrem Leben so vielen Menschen begegnet, und hat gelernt, das es in tiefster Verzweiflung immer wieder Licht gibt.
Da waren in dem Seniorenwohnstift, in dem sie ihr FSJ gemacht hat, zwei Ehepaare, die befreundet waren. Kurz hintereinander starben der eine Mann und die andere Frau. Dann haben sich die beiden Überbleibenden gefunden. Der 78 jährige Witwer holte die 86 jährige Witwe zum Essen ab, ins Konzert, ging mit ihr spazieren, und das hat Suska, damals 16 jährig, tief berührt. Diese späte Liebe.
Als sie dann in der Ausbildung war, hatte sie eine Patientin mit schlimmem Brusttumor, Suska hatte sowas nie vorher gesehen, und dachte, was das für Schmerzen sein müssen. Damals war man sparsam mit Schmerztherapie, das hat sich zum Glück geändert. Sie hatte sich damals viel um diese Frau gekümmert, eine Bäuerin aus dem Dithmarscher Land, nicht alt an Jahren, aber gearbeitet hatte sie, das sah man ihren Händen an. Ihr Mann kam sie oft besuchen, und wenn Suska Zeit hatte, haben sie sich unterhalten.
Auf ihrem Nachttisch standen gelbe Rosen. Gelbe satte gefüllte Rosen.
„Die haben wir im Garten“, sagte die Frau, und Suska und sie betrachteten die Rosen, die  im Lichtstrahl, der durch das Fenster fiel, besonders prächtig leuchteten.
„Meine Frau liebt diese Rosen, deshalb bringe ich ihr täglich neue“, hat der Mann erwidert.
„Die sind sehr sehr schön,“ sagte Suska, und sie erinnert sich , dass sie dann auch alle drei geschwiegen haben und die Rosen betrachteten, gemeinsam.
Dann hat Suska frei gehabt, und als sie nach 3 Tagen wieder kam, war die Frau nicht mehr in ihrem Zimmer. „Wo ist sie?“ hat Suska erschrocken gefragt. „Sie ist vorgestern gestorben“, hat die Stationsschwester gesagt, „war besser für sie. Sie hat sehr leiden müssen.“
Suska schwieg, sie war traurig.
„Ach ja, „, sagte die Stationsschwester, „gestern ist der Mann noch mal da gewesen. Der hat was für dich mitgebracht. Im Stationszimmer stehts.“
Im Stationszimmer stand, in einem Marmeladenglas, ein prächtiger Strauss dick gefüllter, schwerer praller gelber Rosen.
Für Suska, danke für die Zuwendung.

15 Gedanken zu “Suska-gelbe Rosen und Menschen, die sie nicht vergisst

      • kat+susann schreibt:

        Naja..😉 wir beide wissen wie der Alltag aussehen kann.. Wichtiger als aller Elan und Enthusiasmus ist meiner Meinung nach, daß man vorher wissen sollte, daß das whs. nichts ist, was man immer und bis zur Rente machen kann.. wegen der Belastungen..sowohl physischer als auch psychischer Art.. alle Sozialberufe betrifft das. Man bekommt auch etwas zurück.. klar.. aber man braucht einen Ausgleich.. Vollzeit geht kaum noch..

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      • katalisis schreibt:

        Ich merke aber auch bei anderen Berufen, das die Vorstellung, Vollzeit zu arbeiten, vielen die Kraft raubt. Und mittlerweile hab ich festgestellt, das die Arbeitsbelastung auch an meinem eigenen Stresslevel liegt. Intensivstation bis zur Rente, das konnte ich mir nicht vorstellen. Mittlerweile hab ich ja mehrere andere Disziplinen und Stationen kennengelernt, bei denen Kollegen fast zusammenbrechen vor lauter Stress und ich selber denke: chillig hier. Weil jeder es anders empfindet und jeder was anderes gewöhnt ist. Ja, man muss sich klar sein, das nicht immer Zuckerschlecken ist, diese Art von Arbeit, das sie belasten kann und das es enorm wichtig ist, welchen privaten Hintergrund man hat, eine Familie, die für Ausgelich sorgen kann, Freunde, Freizeit…..
        Gestern sagte eine Kollegin(wir arbeiten im 12. Stock ) alleine wegen dieser Sonnenaufgänge lohnt es sich zur Arbeit zu kommen. Und wenn wir gemeinsam da oben stehen, mit den Patienten, die Sonne angucken und uns freuen, dann empfinde ich persönlich das als sehr reiches Geschenk, so pathetisch das klingt. Ich finde, diese Arbeit lohnt sich. Liebe Grüsse Katrin

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    • katalisis schreibt:

      Lernt man. Dauert manchmal, aber man kann es lernen. Und, was ich in der Ausbildung gelernt habe: Die Patienten bleiben drinnen und kommen nicht mit nach Hause. An der Kliniktür lassen wir sie da. Manchmal klappt es . Liebe Grüsse Katrin

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  1. kat+susann schreibt:

    Oh das ist ein weites Feld Luise.. (Kat) Arbeit mit bzw. für Menschen lohnt sich doch meistens.. auch anderen zu helfen, oder und sie zu begleiten… Meiner Meinung nach wäre es sinnvoll Menschen die solche Berufe ergreifen wollen zu sagen, dass sie bei Zeiten noch etwas irgendwie nebenbei lernen, damit sie später die Wahl haben.. das Gleiche gilt übrigens auch für andere Berufe.. heute ist das ja eh üblich, dass man mind. 2 Berufe hat..
    Ach das wäre was… ich würde wohl halbe/halbe machen..
    Gute Nacht sagt
    spätdienstgebeutelt
    S.

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