Hilde- Träume

Hilde träumt in letzter Zeit viel.

Seit die Tochter wieder weg ist, träumt Hilde,wilde, traurige , manchmal beängstigende Träume.

Und wenn Hilde morgens aufwacht, spürt sie ihren Träumen hinterher und manchmal begleiten sie diese Gefühle, die sie im Traum hatte, den ganzen Tag.

Heute hat sie von Lorenz geträumt.
Sie hat von Lorenz geträumt, der nicht aussah wie Lorenz , aber sie wusste, dass es Lorenz war, und seitdem denkt sie die ganze Zeit an ihn.
Lorenz, den sie vor 35 Jahren kennengelernt hatte. In einer Turnhalle in Kopenhagen, wo sie, Hilde, mit Dauerzugticket und Rucksack hingereist war. Sie schlief in einem  Stockbett und als sie morgens aufwachte, sagte unter ihr jemand mit männlicher Stimme: Good morning.Das war Lorenz.
Und sehr schnell haben sie festgestellt, dass sie nicht englisch miteinander sprechen müssen, und sie sind gemeinsam durch Kopenhagen gelaufen.
Sie waren in Kristiania, sie waren im Lido, sie sind zusammen auf die Frelsers Kirke geklettert, sie  haben im Kino Caligula angeschaut, aber nicht bis zu Ende, der Film war ihnen zu blutrünstig,  und dann sind sie essen gegangen in einem russischen Lokal und haben Tee aus einem Samowar getrunken.
Lorenz hatte eine Freundin und Hilde hatte da schon den Herbert, aber sie haben sich Briefe geschrieben- lange Briefe und manchmal haben sie einander auch besucht.

Obwohl es Herbert gab, hatte Hilde keine Bedenken, sie mochte Lorenz, sie hatte ihn sehr, sehr gern.
Allerdings, wenn sie ihn besucht hatte, fühlte sie sich fremd und kam ihm nie so nahe wie in den Briefen, die sie sich schrieben.
Lorenz führte ein ganz anderes Leben als Hilde, er ging Bergsteigen, er reiste mit seinen Freunden durch die Welt.
Einmal, erinnert sich Hilde, ist Lorenz nach Santorin gefahren mit seinen Freunden, und hat Hilde eine Postkarte geschickt, von den Häusern mit den blauen Dächern.
Lange Zeit war diese Insel ein Sehnsuchtsort für Hilde.
Dann haben sie den Kontakt verloren.
Aber vor fünf Jahren haben sie sich wieder gefunden, über diese Internetseite Fatzebuk.

Und sie ist zu ihm in die GrosseStadt gefahren, weil sie sich sehen wollten.
Er hatte nicht viel Zeit,aber Hilde hat sich auf ihn gefreut.
Herbert hat sie das nicht gesagt, der hätte einen Aufstand gemacht.
Und als sie Lorenz dann sah, war es wie früher. Sie freute sich sehr , ihn zu sehen, aber sie fühlte sich klein in seiner Gegenwart. Dieser bunte Rock, den sie trug,  mit den aufgenähten Spiegeln und ihre derben Stiefel passten nicht zu dem Lokal, in das sie schliesslich gingen, und Lorenz mit seinem Anzug und seinen traurigen Augen, das war alles irgendwie nicht richtig. Nicht echt.
Und als er ihr dann sagte, das er damals so sehr in sie verliebt gewesen ist, da ist Hilde auch traurig geworden.
Warum hast du nichts gesagt? hat sie ihn gefragt, und Lorenz hat gesagt: Ich habe mich nicht getraut. Du schienst glücklich zu sein mit deinem Herbert.
Ich hatte Herzreissen wegen dir, hat Hilde gantwortet, aber dein Leben hat nicht zu meinem gepasst. Aber ich hätte es gerne gehabt,ein Leben mit dir,  hat sie noch hinzugefügt, und dann musste Lorenz weiter, und seitdem hat sie nichts mehr von ihm gehört.

Das ist fünf Jahre her- warum hat sie dann heute so intensiv von ihm geträumt?
So intensiv, dass sie denkt, dass sie ihm schreiben muss, auch wenn er nicht antworten wird?
Sie geht nachdenklich ihren Weg zum Strand hinunter. Wird sie ihm schreiben? Was hat sie zu verlieren? Sie kann ihm schreiben, dass sie an ihn denkt, dass sie sich manchmal die Zeit von damals zurück wünscht, und das sie dann vielleicht manches anders gemacht hätte.
Was, wenn es anders gekommen wäre? Wäre sie glücklich geworden? Hätte sie ihre Scheu gegenüber Lorenz verloren?
Hätte wollte wäre könnte, denkt Hilde, während sie gegen einen Stein tritt. Sand stiebt auf.
Es ist wie es ist! ermahnt sie sich.
Aber diese Sehnsucht lässt sich einfach nicht wegtreten…….

 

 

 

 

 

 

6 Gedanken zu “Hilde- Träume

  1. Reiner schreibt:

    Sehnsüchte ohne Aussicht auf Verwirklichung und ohne die Bereitschaft, alles aufzugeben, was bis dahin wichtig war, bleiben das, was sie sind : Sehnsüchte. Und Trauer, über möglicherweise verpasste Chancen. Das Besinnen auf hier und jetzt kann helfen, damit klar zu kommen.

    Danke & herzlichen Gruß Dir.

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