Suska- Alltagswichtigkeiten

Es ist voll in der Umkleide vom Frauenfitnesstudio. „Montag“, seufzt eine Frau, „da kommen alle, weil sie am Wochenende gesündigt haben,das müssen sie dann wieder wett machen mit Sport.“

„Ich nicht,“ denkt Suska, “ ich hab heute einfach Zeit dafür gehabt, zu sporteln!“
Sie  schlüpft aus  ihren Turnschuhen und sucht wie jedes mal nach dem Armbändchen, mit dem sie sich neuerdings anmelden und den Schrank verschliessen oder öffnen kann.  Das Bändchen ist schwarz und sie sucht es andauernd, das ärgert sie, so eine Zeitverschwendung immer, dieses Suchen. Sie mag schwarz überhaupt nicht und sie ist sich sicher, wenn das Armbändchen neongelb wäre, sie würde es immer gleich finden. Am besten es würde auch noch Geräusche machen.

Während sie in ihren Sachen wühlt, hört sie unwillkürlich einem Gespräch zweier Damen hinter der Abdeckung zu:
„Ich kann Mittwoch nicht zur Wirbelsäulengymnastik kommen,da kommt der Techniker!“
„AH! An Techniker hast am Mittwoch! Wega wos?“

„Wegen dem Kühlschrank, der ist 18 Jahre alt, ich kriege einen neuen, den haben die Jungen gekauft!“

„Und da brauchst an Techniker? Kenna des die Junga net mocha, dir den Kühlschrank aufstella?“

„Der steht schon!  Da ist nur was noch zum Richten an der Tür. Der alte war so laut, der hat immer ein Geräusch gemacht, wenn ich in der Küche war! Und mit dem Abtauen, da ist immer Eis dran geblieben!“

„Ja, des geht fei net, wenn der so laut ist!“

Suska muss schauen, wer da so laut redet. Die eine Dame kennt sie von der  Yogastunde, im Moment hat diese einen dicken Lockenwickler im Pony und cremt ausgiebig ihre Beine ein. Die andere Dame, die mit dem neuen Kühlschrank, ist  etwas älter, und Suska sieht sie immer, wenn sie  Mittwochs kommt, da ist Wirbelsäulengymnastik, und danach ist dann immer Kaffekränzchen im Foyer des Studios.

Die ältere Dame sagt jetzt:“ Und ausserdem hab ich soviel Strom nachzahlen müssen, fünfzig Euro! “
„Ja, Herrschaft! „ruft die Lockenwicklerfrau aus,  „wega dem kracherten  Kühlschrank? Weil der sich nicht abtauen lässt? Den würde ich mal gscheit reparieren lassen! Da sollen doch deine Buben mal schauen, ob man den net repariera ko! Des geht doch nett, das der soviel Strom braucha tuet!“

„Ja, im Jahr fünfzig Euro, “ antwortet die Ältere, “ aber deswegen krieg ich ja einen neuen Kühlschrank! “

„Ach, deswegen gibts an neian Kühlschrank? Aber den oiden , den kann man doch repariera!“

„Nein,“ sagt die Ältere vehement, “ der hat ausgedient! Genauso wie ich bald! “ und sie packt ihre Sachen in die Tasche und sagt: „Servus!“ und geht hinaus.

Die Lockenwicklerfrau bleibt verwirrt zurück. „Ich muss amol mei  Mo froga, ob wir aa sovui Strom zahla,“ hört Suska sie murmeln, “ vielleicht muss ich mir dann aa an  neia Kühlschrank zulegn!“

Ui, denkt Suska, wegen sowas….. und findet endlich ihr schwarzes Armband unter ihrem Strassenschuh, und jetzt kann sie  ihren Schrank aufsperren und dann nichts wie weg hier!

Und sie hofft, das der Techniker, wenn der am Mittwoch zu der alten Frau kommt, ein netter ist, der mit ihr Kaffee trinkt und sie zum Lachen bringt, und ihr das Gefühl gibt, das sie noch längst  nicht ausgedient hat!

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