Flida-Ausromantisiert

Und abends , vor dem Spiegel , als sie ihre hübschen neuen Haare betrachtet, die so hell leuchten im Licht und als sie die neue Wimperntusche aufträgt und den glitzernden Lilafarbenen Lidschatten, denn heute Abend geht der LAT-Gefährte mit ihr aus , da hört sie die Stimme vom LAT-Gefährten hinter sich:
„Schöne Frau, was haben Sie heute vor? Sie sehen zauberhaft aus! Ich würde Sie gerne auf ein Glas Sekt einladen! Und dann mit Ihnen im Mondschein tanzen!“

Da klopft Flidas Herz vor Freude.
Und sie dreht sich schwungvoll um und lacht dem LAT-Gefährten ins Gesicht: „Mondscheinromantik klingt wunderbar!“

Da klingelt es an der Tür und der romantische LAT-Gefährte verschwindet wie ein Dschinn in Flidas Parfümflasche.

„Nanu,“ denkt sie, und öffnet die Tür und da steht der LAT-Gefährte, sowie sie ihn kennt, in ausgebeulten Jeans und schwarzem Pullover, der Autoschlüssel klimpert in seiner Hand und er fragt: „Fertig? Gut siehst du aus! Coole Schuhe!“
Flida hat ihre neuen Samtstiefeletten an, Brokatrot mit goldenen Blumen drauf und ziemlich hoch, sie weiss nicht wie weit sie damit laufen kann, aber zum Tanzen sind die perfekt, das hat sie im Wohnzimmer schon ausprobiert. Dazu trägt sie ein rotes Kleid mit Glitzer drauf,schliesslich wollen sie ja schön ausgehen.
Sie klettert in das hohe Auto vom LAT-Gefährten und fragt: „Wo gehen wir denn heute hin?“
„In Mannis Mummelbude, die Eckkneipe, wo ich mich Mittwochs immer mit meinen Kumpels treffe. Gibt Fussballübertragung, 2. Liga, vielleicht steigt der  2. FC Hollerflicks endlich auf, die spielen gegen den ErstligaClub Wannstatt, das wird da übertragen!“
„Oh!“ macht Flida, „ich dachte wir gehen tanzen!“
„Wie kommst du denn da drauf!“ fragt der LAT-Gefährte , „ich tanze nicht!“
Das Teufelchen zwickt Flida in die Schulter. „Hättest du dir denken können, du mit deiner Romantik!“

Enttäuscht sitzt Flida auf dem Beifahrersitz, die Häuser ziehen an ihr vorbei und sie denkt: „Mannis Mummelbude!Was soll ich da!“

Und später sitzt sie auf dem Barhocker, presst ihre Beine zusammen, weil das Kleid auf einmal so kurz ist, und ihr der Rücken weh tut, sie kann nicht gut auf Barhockern sitzen und der LAT-Gefährte hat sein fünftes Bier vor sich, alkoholfrei hofft sie, und gröhlt mit seinen Kumpels, und sie findet diese Männer so hässlich, mit ihren dicken Bierbäuchen und den braunen Zähnen, und deren Rücksichtslosigkeit, und als der Karlfriedrich, LAT-Gefährtes bester Freund, Flida an den Hintern fasst und sagt: „Was ein Knackarsch, Flida!“da reicht es ihr.
Sie rutscht vom Barhocker runter und zischt: „Du wirst nie wieder einen Blick auf meinen Knackarsch werfen  geschweige denn ihn anfassen, sonst lang ich dir eine! “
Und an den LAT-Gefährten gewandt: “ Das Gleiche gilt für dich! Lebt wohl oder auch nicht!“ und sie dreht sich schwungvoll um und stakst zur Tür.
Diese verdammten Schuhe! Sie will einen erstklassigen Abgang hinlegen, aber das wird schwierig, die Schuhe ist sie einfach nicht gewöhnt.
Doch das Teufelchen zieht an Flidas rechtem Ohr, sodass sie nicht so sehr nach links kippen kann, sondern ziemlich gerade aus der Tür stolziert.

Draussen regnet es und Flida ist auf einmal so müde. Sie merkt, wie sie anfangen könnte zu weinen, aber das möchte sie nicht. Sie möchte stolz sein und nach Hause gehen und den LAT-Gefährten nie wieder sehen !

Auf der anderen Strassenseite ist ein Lokal, das sieht hübsch aus, die Leute, die sie durch die Fenster sieht, lachen und reden miteinander. Sowas würde sie auch gerne tun, da sitzen, ein Glas Wein trinken und sich mit jemandem unterhalten.
„Dann mach das doch!“ flüstert das Teufelchen, „du bist doch extra so hübsch heute!“
„Soll ich wirklich?“ fragt Flida. „Ja, “ macht das Teufelchen und wischt mit seinen behaarten klitzekleinen Fingerchen Flida einen Wassertropfen von der Nase. Vielleicht was es auch eine Träne.
Flida strafft ihre Schultern, und sie schafft es jetzt tatsächlich, ziemlich elegant und ohne zu stolpern über die Strasse zu gehen. Sie öffnet die Tür vom Lokal.
Warme weiche Luft schlägt ihr entgegen, ein paar Leute drehen sich um und lächeln Flida zu.
Ganz hinten in der Ecke sitzt eine Frau , sie hat ein Glas Rotwein vor sich und liest in einem Buch. Ihre langen grauen  Haare fallen weich über ihre Schultern.
Flida hat sie irgendwo schon mal gesehen.
„Darf ich mich zu Ihnen setzen?“ fragt Flida, und die Frau lacht Flida an.
„Natürlich!“ sagt sie und rutscht ein wenig zur Seite.
Und Flida lässt sich in einen weichen Sessel fallen, egal ob das Kleid zu kurz ist, jetzt sitzt sie wenigstens bequem und bestellt sich auch ein schönes Glas Rotwein.
Und sie ist gespannt, was der Abend noch so bringen wird.

 

Flida- Romantik

Flida hat sich verliebt. Verknallt, verliebt, ihr Herz hüpft und sie träumt.

Ein neuer Kollege arbeitet jetzt im Büro, bestimmt zehn Jahre jünger als Flida, und er ist verheiratet . Flida kennt auch seine Frau, aber sie hat gemerkt, dass ihr Herz klopft, als er sie letzte Woche begrüsst hat. Und er hat mit ihr geredet, so freundlich und wertschätzend , und gestern hat er sie angelacht und begrüsst,und ihre Kolleginnen haben zurück gelacht, und gesagt: „Der ist ja so süss!“ aber Flida hat nichts gesagt, und ganz still gewusst, das er sie gemeint hat mit seinem Lachen.
Das Teufelchen auf der Schulter hat geknurrt und gesagt: „Bild dir bloss mal nicht zu viel ein! Was soll der denn von dir wollen?“
Aber Flida will ja gar nicht , das der was von ihr will.

Sie will bloss ein bisschen träumen.

Der LivingApartTogether-Gefährte, ach, dem droht keine Gefahr.
Nur dass Flida sich vorstellt, wie das sein könnte, wenn der HübscheMann, denn hübsch ist er, findet Flida, mit seinen grauen Haaren und seinen leicht schräg stehenden braunen Augen, wenn also der HübscheMann Flida zum Kaffetrinken einladen würde. Dann würden sie sich unterhalten, über wichtige Dinge im Leben, über Musik zum Beispiel, Flida mag Musik, und mit dem LAT-Gefährten redet es sich nicht gut über Musik, der hat bloss seinen Fussball im Kopf.
Vielleicht würde der HübscheMann Flida auch fragen, ob sie mit ihm mal ins Theater gehen würde. Vielleicht lebt er ja in Scheidung, und Flida weiss das nicht. Dann könnte sie gerne mit ihm ins Theater gehen.
Er hätte Stil und würde sich Mühe geben für Flida, weil auch er frisch in Flida verliebt ist. Er würde sagen: „Dein Alter, ach Flida, was spielt denn das für eine Rolle? Du bist die Frau, die ich schon immer gewollt habe!“
Und alleine schon bei diesem Gedanken strafft sich Flida in der Körperhaltung, sie geht gerade, und ihr Gang wird beschwingter und federnd, und sie hört das Teufelchen schimpfen:“ Was wackelst du so mit deinem Hintern, Flida, das sieht albern aus in deinem Alter!“
Da dreht sich Flida einmal um sich selbst, und lacht ganz laut. „Vielleicht ist es albern, sich mit 56 zu verlieben, und zu wissen, das es nie wahr werden wird, aber was ist das Leben ohne Träume?“

Und abends , vor dem Spiegel , als sie ihre hübschen neuen Haare betrachtet, die so hell leuchten im Licht und als sie die neue Wimperntusche aufträgt und den glitzernden Lilafarbenen Lidschatten, denn heute Abend geht der LAT-Gefährte mit ihr aus , da hört sie die Stimme vom LAT-Gefährten hinter sich:
„Schöne Frau, was haben Sie heute vor? Sie sehen zauberhaft aus! Ich würde Sie gerne auf ein Glas Sekt einladen! Und dann mit Ihnen im Mondschein tanzen!“

Da klopft Flidas Herz vor Freude.
Und sie dreht sich schwungvoll um und lacht dem LAT-Gefährten ins Gesicht: „Mondscheinromantik klingt wunderbar!“

Loida- Osterdrama, alle Jahre wieder

Es ist Gründonnerstag und eigentlich will Loida keine Ostervorbereitungen treffen. Sie will dieses Jahr keine Eier färben und kein Osterbrot backen und auch keine Osternester füllen. Sie weiss nicht, ob die Kinder kommen, die Tochter ist unterwegs und weiss nicht, ob sie Zeit hat, der grosse Sohn verbringt die Feiertage in den Bergen mit seinen Schwiegereltern, und der MusikantenSohn, der hat wie immer noch nicht gesagt, ob er Zeit hat. Sie wünscht sich sehr, das sie ihn sehen wird. Aber bei ihm weiss man nie, was er vor hat.

Loida seufzt. Trotzdem ist die Einkausfliste lang geworden, ein paar Leckereien sollten schon im Haus sein, wenn Ostern ist.
Es ist noch früh, als Loida mit ihrem Einkaufszettel im Korb losfährt, sie will diese Menschenmassen vermeiden, die immer vor den Feiertagen in den Supermärkten drängeln.

Es ist tatsächlich leer im Supermarkt, als Loida mit ihrem Einkausfwagen durch die Gänge schiebt. Tomaten, Kartoffeln, sie wird ein paar gefärbte Eier kaufen, aber im Biomarkt, denkt sie, und legt einen Granatapfel in ihren Wagen. Vor ihr türmt sich  ein Stand mit Ostersachen. Servietten, Ostergras, Grusskarten, Eierfarben…

Eierfarben, sie könnte doch…., sie könnte eigentlich doch Eier färben, denkt sie, und das kleine blaue Tütchen mit dem Hasen vorne drauf landet in ihrem Wagen. Und wenn sie schon dabei ist, ein Osterbrot kann sie backen, ist ja schliesslich Tradition , und sie backt dann eben kleine , die kann sie den Nachbarn schenken und vielleicht kommt jemand zu Besuch….

Quark, Butter, Mehl, Backpulver, nein, Mehl kauft sie im Bioladen, und die Eier auch, und schon wieder steht eine Aktionsfläche vor ihr, mit Schokoladeneiern und bunten Pralinenschachteln und alles sieht so frühlingshaft aus.
Loida packt freudig in ihren Einkaufswagen ein, was ihr gefällt. „Das wird teuer!“ denkt sie, und an der Kasse wird das bestätigt, aber egal, es ist Ostern.

Im Bioladen ist es mittlerweile voll, aber gutes Mehl und guter Zucker und gute Eier, das muss sein.

Als sie daheim ist, schleppt sie in freudiger Erwartung ihre Einkäufe ins Haus. Sie will sofort mit dem Backen beginnen, und die Eier hat sie schon immer am Gründonnerstag gefärbt, erinnert sie sich. Sie rührt den Teig und formt Zöpfe und schiebt die Brote in den Ofen und kocht die Eier. 15 Stück, wie jedes Jahr, 3 von jeder Farbe.
Aber wo sind die Färbetabletten? Dieses kleine blaue Tütchen, mit dem Hasen vorne drauf? Wo ist es? Sie wühlt alles durch, die Backzutatendose, die leeren Einkaufstaschen, sie schaut im Müll nach, … nichts.

Und sie erinnert sich, das sie jedes Jahr die Farbe nicht gefunden hat,  wenn sie die Eier färben wollte. Manchmal hat sie die Eierfarben schon im Februar gekauft, weil sie Angst hatte, das sie vor Ostern keine mehr bekommen würde, und dann hat sie sie nicht mehr gefunden. Irgendwann  hat sie  begonnen, viele Tüten auf Vorrat zu kaufen und sie igendwohin zu legen, damit sie die an Ostern ja bloss findet, aber sie hat dann die Stellen nicht mehr gewusst, wo  sie die Tütchen hingelegt hatte. Und jetzt passiert ihr das schon wieder!
Sie sollte es lassen mit dem Eierfärben,  herrje noch mal!

Der Schlüssel dreht in der Tür,der Ehemann kommt heim und findet eine aufgelöste Loida in der Küche vor. Die Osterbrote duften verführerisch, aber Loida ist das egal, sie schimpft. „Warum bin ich so schusselig? Jedes Jahr finde ich diese Eierfarben nicht mehr, dieses blöde kleine Tütchen, immer flutscht es mir irgendwohin, und jetzt hab ich da diese Eier und was mach ich jetzt? Wegen so einem blöden Tütchen muss ich jetzt wieder los!“

Der Ehemann lacht und umarmt Loida. „Ich will sowieso noch was besorgen, back du deine Brote in Ruhe fertig, sonst werden die wieder schwarz, wie jedes Jahr!“ schmunzelt er, und ist verschwunden.

Und als er dann wieder kommt, hat er zwei Tütchen Eierfarben dabei, eines für dieses Jahr und eines für das kommende , und das packt er an einen besonders sicheren Ort und Loida färbt ihre gekochten Bioeier, die zum Glück auch gar nicht aufgesprungen sind wie sonst, und  die Osterbrote sind dieses mal überhaupt gar nicht verbrannt.

Jetzt kann sie sich richtig auf das Osterfest freuen.
Denn sie hat gerade eine Nachricht bekommen. „Hast du dieses Jahr schon Eier gefärbt, liebe Mama? Wir würden nämlich gerne welche haben, wir kommen am Sonntag, passt das? “ Und dazu ein Foto von MusikantenSohn und FernerTochter, mit Hasenohren.

Das wird ein schönes Ostern!
Gut, dass Loida soviel eingekauft hat!

 

Flida- first shade of grey

Flida betrachtet sich im Spiegel. Dieser graue Haaransatz ist jetzt soweit rausgewachsen, dass sie, wenn sie die anderen gefärbten roten,pinken und gelben Haare zurückhält,  sieht , wie sie aussehen könnte, wenn sie alles grau werden lässt. Und sie denkt: „Gar nicht mal so schlecht! Vielleicht, liebe Flida, ist es an der Zeit, dazu zustehen ,dass du graue Haare hast!“

Natürlich,im Moment ist es schick,  grau zu sein. Junge Frauen färben sich absichtlich die Haare silbern. Letzte Woche hat sie im Supermarkt einer Frau ihren Einkaufswagen überlassen, die ebenfalls so silbergraue Haare hatte, ein sehr schönes Grau und Flida hat gedacht, ich weiss nicht, ob sie schon so alt ist oder nicht.
Aber Flida fand es sehr hübsch , wie diese Frau aussah.

Und seitdem hat sie hin und her überlegt, ob sie das machen kann. Sie hat dem LAT-Gefährten gesagt, dass sie sich ab jetzt nicht mehr die Haare rot färbt. „Das wird immer dann so orange oder so knallrot,  das sieht unecht aus!“

„Nee nee!“ hat der LAT gesagt, „Frauen mit grauen Haaren sehen aus wie Omas! Ich geh doch nicht mit ner Oma ins Bett!“

„Dann lässt du es eben bleiben!“ hat Flida geschnaubt und angefangen, zu suchmaschinen. Graue Haare, färben, hübsch waren ihre Suchwörter. Es kamen viele Seiten, mit Haar-Entfärbemitteln, mit Tipps, wie man graue Haare rauswachsen lassen kann, wie man schöne graue Haare bekommt, die nicht gelbstichig sind, ganz viel hat Flida  erfahren über graue Haare.

Das Teufelchen sass derweil auf ihrer Schulter und zischte: „Wieder so ne blöde Idee von dir, Flida, sei doch mal froh mit dem was du hast! Wenn deine Haare lang sind, schneidest du sie ab, wenn sie blond sind,machst du sie rot, wenn sie rot sind, kaufst du dir komische Farben und dann sind sie lila, oder blau oder pink! Und dann lässt du deinen Ansatz wachsen und wenn du in den Spiegel guckst, drehst du den Kopf so, das du denkst, och, ein Ansatz ist gar nicht so schlimm, aber wenn du dich zufällig im Schaufenster siehst, erschrickst du, weil da so ein krasser Kontrast ist zu deinen ausgezuzelten rot-orangen Haaren!“

„Ja!“ antwortet Flida,“ und deshalb überlege ich, da ich nun mal graue Haare habe, wie alle in meiner Familie, dann kann ich doch dazu stehen ! Ich bin  54! Ich möchte natürlich aussehen und nicht immer darauf schauen, wann man wieder was sieht und dass ich wieder zum Friseur muss, ich möchte so sein wie ich bin!“

„Na gut!“ seufzt das Teufelchen, “ aber weich müssen sie bleiben, und deine Locken musst du behalten, damit ich mich da so schön reinkuscheln kann! Denn sonst!“ droht das Teufelchen, „werde ich dich verlassen!“

„Wäre manchmal auch nicht schlecht,“ denkt Flida, und am nächsten Morgen ist sie kurz entschlossen in den nächsten besten Friseursalon gegangen.

In einen anderen als sonst, denn ihre Friseurin, der sie vor 8 Wochen gesagt hat, das sie das Grau rauswachsen lassen will, hat geseufzt, und gesagt: „Meinen Sie? Ob das gut ist?“ und hat sich ihre gefärbten rotschwarzen Haare gerauft, so das Flida den weissen Ansatz sehen konnte. Es sah ungepflegt aus. Deshalb wechselt sie. Und betritt den Friseursalon in dem anderen Stadtteil, der so eine einladende Fensterdekoration hat.
„Wenn du Pech hast, machen die dir da drin deine Haare ganz kaputt!“ flüstert das Teufelchen, aber das ist Flida gerade egal, die Friseurin ist nett, sie haben sofort Zeit, sie wird beraten, sie wird bestätigt in ihrem Mut, zum Grau zu stehen, ihre Haare werden entfärbt, es stinkt nicht, sie bekommt Kaffee und die Augenbrauen werden auch noch gezupft, „Graue Haare brauchen ein gepflegtes Gesicht!“ sagt die Friseurin, und dann kommt Tönung drauf und Pflege  und dann ist Flida fertig. „Wow!“ macht die Friseurin, “ Sie sehen total viel jünger aus! Das hätte ich nicht gedacht!“

„Das ist mein Gesicht!“ denkt Flida, als sie ihre neue Farbe im Spiegel betrachtet. „Das bin ja ich!“ Und sie fühlt sich toll, und denkt, „das macht mich echt nicht älter! “
Und ihr fällt das Wort Lebensweisheit ein, und diese Göttinenbilder, die sie so mag, von diesen Weisen Frauen, die am Feuer sitzen, oder an einer Quelle, und sie fühlt sich jetzt ganz richtig an als Flida , weil jetzt nichts falsch ist mehr an ihr, sondern alles echt.

Als sie zur Belohnung in ein Cafe geht, um ein überbackenes Toast zu essen und einen Kaffee zu trinken, fällt ihr eine Frau auf, die mit ihrer Freundin am Nebentisch sitzt und ihre langen grauen Haare schwungvoll nach hinten wirft und dabei so herzlich laut lacht.

„Das kann ich auch bald“, denkt Flida, „meine Mähne so nach hinten werfen, denn jetzt kann sie wachsen, jetzt muss ich da nichts mehr alle vier Wochen nachbessern lassen!“

Dass der LAT-Gefährte am Abend zu Flida sagt: „Meine Güte! Wie siehst du aus? Sag deiner Tochter, sie kann dich jetzt zur Oma machen!“ , das ist Flida egal.

Wichtig ist, wie sie sich fühlt, und sie fühlt sich gerade so richtig perfekt!

Nachwort meinerseits: Es haben meistens Frauen sehr positiv darauf reagiert, das Flida ihre Haare grau gemacht hat. Ich denke, irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen,  dass die Zeit nicht halt gemacht hat vor Veränderungen, und das wir dazu stehen können und uns eigentlich nicht mehr künstlich verhübschen müssen. Das betonen was schön ist, aber nichts anders machen als es ist. Da kann ich meine Augenbrauen färben und zupfen lassen, ich kann meine Augen mit Wimperntusche betonen, ich kann mir auch eine SilberTönung in die Haare tun, aber ECHT muss es aussehen. Und leider finde ich, sehen gefärbte Haare in rot oder blond bei grauem Haar unecht aus. Oft…. Oder? Zumindest wenn es nicht der Friseut gemacht hat… Obwohl, meine Chefin, die hat so eine pfiffigen Haarschnitt und die Haare sind rot gefärbt, da passt das….

Hmm….. Was meint ihr?

Kat.

Beitragsbild: Celtic Goddess The Calleach, Dan Goodfellow

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Loida- vom Leben in allen Farben

Es war Suska am Telefon.
Natürlich- welch ein Glück, sie hatte Zeit, sie würde gleich zum Friedhof kommen und dann haben Loida und sie sich am Grab von Loidas Mutter getroffen und  gemeinsam die Hornveilchen eingegraben.
Und dann sind sie in ein Cafe gegangen und haben geredet.

Suska ist sehr klug, hat Loida gedacht, so weise. Sie weiss soviel. Sie wirkt so sicher in allem was sie denkt!
Sie haben über sich gesprochen und über Loidas Familie und was Loida so macht und  über Suskas Arbeit als Krankenschwester und wie das ist, wenn jemand stirbt. Und wo der dann hingeht und was dann passiert. Und Loida hat gemerkt, das das für Suska ein ganz wichtiges Thema ist und das sie sich viele Gedanken macht über den Tod und auch schon so viel erlebt hat damit.
Und dass sie trotzdem nicht traurig ist, und sagt:“ Ich liebe jeden Tag. Manchmal hab ich Angst, das es schnell vorbei ist, mein Leben,  und ich habe dann damit nicht gerechnet, dass ich plötzlich tot bin und wahrscheinlich bin ich dann überrascht, aber im Ganzen macht mir Tod keine Angst. Ich glaube ganz fest daran, das wir nicht verschwinden. Wir werden weiter da sein! Ich zeig dir was! “

Und sie hat ihr grosses Tablet aus ihrer riesigen Handtasche geholt, „Ich mag lieber dieses Riesending, als so ein kleines Handy. Auf dem Tablet ist mehr Platz, und…“ sie hat sich zu Loida rübergebeugt: „ich brauch keine Brille!“ und dann hat sie dieses laute wilde Lachen gelacht, so dass sich im Cafe ein paar Leute umgedreht haben.

Suska wischt auf dem Display rum und murmelt und dann findet sie , was sie sucht:(ein Beitrag aus Ullis Cafe Weltenall).
Es ist ein Bild. Ein Boot auf grünem Wasser, vielleicht ein Schilfboot, darin sitzen vier schwarze Figuren, die Figuren an Heck und Bug haben eine stolze erwartungsfrohe Haltung, die beiden Figuren in der Mitte des Bootes wirken ruhig, abwartend, still.
„Ein Ahnenboot“, sagt Suska.
„So stelle ich mir das vor, wenn man stirbt. Wir werden dann geholt. Wir gleiten dann übers Wasser , übers grüne stille, tiefe Wasser. Es ist still und in uns ist nur Frieden.  Am anderen Ufer warten die auf uns, die schon gegangen sind. “

„Ein Ahnenboot. Ein Ahninnenboot vielleicht sogar,“antwortet Loida, „dieses Boot auf dem Bild schwebt, es ist ganz leicht. Ich hab auch mal gelesen, das der Tod seit noch nicht allzulanger Zeit männlich ist. Früher war es die Todin, die gekommen ist, und den Sterbenden in ihre warmen weichen Arme genommen hat. Die heilige Notburga zum Beispiel, das war so eine, die ist gekommen um zu holen, und man hatte wohl weniger Angst, wenn man von einer Frau aus dem Leben begleitet wurde als von einem klapprigen zauseligen männlichen Gevatter Tod!“
„Der womöglich noch eklig aus dem Mund roch, huhhh!“ schüttelt sich Suska.

Sie schaut noch einmal liebevoll auf das Bild von dem Ahninnenboot, klappt das Tablet zu und sagt:
„Jetzt trinken wir einen Aperol Sprizz! Und wenn du magst, du kannst bei mir schlafen!“
„Das könnte ich, ja,“ denkt Loida, „warum nicht“, und dann kommt der Aperol mit Sekt und leuchtet so warm orange im Glas, und die Apfelsine , die am Glas klemmt mitsamt der Physalis machen in Loida Lust auf Sommer.

Die beiden Frauen heben ihre Gläser und stossen an.
„Auf das Leben!“ lacht Suska.
Und wirft ihre weissen langen Haare über die Schulter.
„Auf das Leben!“

Loida- worauf wartest du

Loida wird heute auf den Friedhof fahren.
Es ist jetzt nicht ganz ein halbes Jahr her, dass die Mutter gestorben ist und es ist immer noch so, als sei es gestern gewesen. Es ist immer noch so gegenwärtig, dieser Moment, diese Stille und die Zeit des  Abschieds.

Ihr Alltag ist weitergegangen, ihr Leben hat nicht wirklich stopp gemacht, nur manchmal, wenn sie kurz anhält in ihrer Geschäftigkeit, dann ist da so ein wehes Gefühl in ihrem Herzen. Aber es ist weniger geworden, das findet sie beruhigend.
Heute scheint die Sonne und sie hat Zeit, in die Heimatstadt zu fahren. Vorher wird sie ein paar Stiefmütterchen kaufen, Hornveilchen, diese kleine winzigen Stiefmütterchen, Viola Tricolor, die Mutter hat diese Blumen sehr geliebt, und sobald es Frühling wurde, hat sie alle Töpfe auf der Terasse mit diesen Blumen bepflanzt.
„Die pflanz ich dir in deinen kleinen Garten nachher , Mutter, „murmelt Loida, als sie in ihre warme Jacke schlüpft. Sie kramt in den Taschen, diese Jacke hatte sie zuletzt im Dezember an, vielleicht findet sie ja ein altes Taschentuch, das muss sie dann wegschmeissen. Bestimmt findet sie ein altes Taschentuch, soviel wie sie geheult hat, als sie diese Jacke das letzte Mal anhatte, da ist sie auch auf dem Friedhof gewesen.
Aber sie findet kein Taschentuch. Sie findet einen zerknüllten Zettel mit einer Nummer. Suska steht da drauf. Suska…..ja, Suska! Das war ihre Begegnung auf dem Weihnachtsmarkt, sie hätte sie doch schon längst anrufen können, warum hat sie denn nicht….

Sie wählt aufgeregt die Nummer von ihrem Handy, jetzt kann sie sie anrufen und sagen,dass sie in die Stadt kommt, und vielleicht hat Suska Zeit, das wäre schön! Auf einen Chailatte, oh bitte, Suska soll Zeit haben!

Es ist nur die Mailbox, die sie hört, und die sagt: „Leider leider , keiner da, aber sprich, ich rufe zurück!“

„Hier ist Loda, ich weiss nicht, ob du dich erinnerst, wir haben auf dem Weihnachtsmarkt Chailatte getrunken und du warst damals bei meiner Mutter dabei und ich fahre heute auf den Friedhof und vielleicht hast du dann Zeit später, ich würde dich so gerne wieder sehen! “

Loida streicht  über ihr Handydisplay, „Früher hat man aufgelegt,heute streicht man jemanden weg, ts,…“ denkt sie, aber sie freut sich, das eine Mailbox ranging und vielleicht hat sie Glück, und Suska ruft zurück und hat Zeit heute.

Und jetzt wird sie losfahren.
Im Gartengeschäft ersteht sie eine ganze Stiege violetter Hornveilchen,sie kauft eine kleine Schaufel dazu und ein Säckchen Erde und einen hübschen Blumentopf, und murmelt: „Jetzt mach ich dein Gärtchen schön , Mutter!“ und am Ausgang zu den Kassen findet sie einen Tisch mit wunderschönen Orchideen in zarten Farben , die in wirklich sehr hübschen Übertöpfen stecken und sie denkt: „Ich kaufe zwei. Eines für mich und eines für Suska! Wenn ich Suska treffe, dann schenk ich ihr das!“

Denn irgendwie ist sie sich sicher, dass Suska zurückrufen wird heute.

Im Auto macht sie ganz laut Musik an, ZAZ liebt sie zur Zeit, T`attends quoi, worauf wartest du, Loida singt  mit, voller Freude auf den heutigen Tag.

Und als sie in der Heimatstadt ankommt, der Wegweiser zeigt nach rechts,  Richtung Friedhof, da summt neben ihr das HandyTelefon.