Loida- worauf wartest du

Loida wird heute auf den Friedhof fahren.
Es ist jetzt nicht ganz ein halbes Jahr her, dass die Mutter gestorben ist und es ist immer noch so, als sei es gestern gewesen. Es ist immer noch so gegenwärtig, dieser Moment, diese Stille und die Zeit des  Abschieds.

Ihr Alltag ist weitergegangen, ihr Leben hat nicht wirklich stopp gemacht, nur manchmal, wenn sie kurz anhält in ihrer Geschäftigkeit, dann ist da so ein wehes Gefühl in ihrem Herzen. Aber es ist weniger geworden, das findet sie beruhigend.
Heute scheint die Sonne und sie hat Zeit, in die Heimatstadt zu fahren. Vorher wird sie ein paar Stiefmütterchen kaufen, Hornveilchen, diese kleine winzigen Stiefmütterchen, Viola Tricolor, die Mutter hat diese Blumen sehr geliebt, und sobald es Frühling wurde, hat sie alle Töpfe auf der Terasse mit diesen Blumen bepflanzt.
„Die pflanz ich dir in deinen kleinen Garten nachher , Mutter, „murmelt Loida, als sie in ihre warme Jacke schlüpft. Sie kramt in den Taschen, diese Jacke hatte sie zuletzt im Dezember an, vielleicht findet sie ja ein altes Taschentuch, das muss sie dann wegschmeissen. Bestimmt findet sie ein altes Taschentuch, soviel wie sie geheult hat, als sie diese Jacke das letzte Mal anhatte, da ist sie auch auf dem Friedhof gewesen.
Aber sie findet kein Taschentuch. Sie findet einen zerknüllten Zettel mit einer Nummer. Suska steht da drauf. Suska…..ja, Suska! Das war ihre Begegnung auf dem Weihnachtsmarkt, sie hätte sie doch schon längst anrufen können, warum hat sie denn nicht….

Sie wählt aufgeregt die Nummer von ihrem Handy, jetzt kann sie sie anrufen und sagen,dass sie in die Stadt kommt, und vielleicht hat Suska Zeit, das wäre schön! Auf einen Chailatte, oh bitte, Suska soll Zeit haben!

Es ist nur die Mailbox, die sie hört, und die sagt: „Leider leider , keiner da, aber sprich, ich rufe zurück!“

„Hier ist Loda, ich weiss nicht, ob du dich erinnerst, wir haben auf dem Weihnachtsmarkt Chailatte getrunken und du warst damals bei meiner Mutter dabei und ich fahre heute auf den Friedhof und vielleicht hast du dann Zeit später, ich würde dich so gerne wieder sehen! “

Loida streicht  über ihr Handydisplay, „Früher hat man aufgelegt,heute streicht man jemanden weg, ts,…“ denkt sie, aber sie freut sich, das eine Mailbox ranging und vielleicht hat sie Glück, und Suska ruft zurück und hat Zeit heute.

Und jetzt wird sie losfahren.
Im Gartengeschäft ersteht sie eine ganze Stiege violetter Hornveilchen,sie kauft eine kleine Schaufel dazu und ein Säckchen Erde und einen hübschen Blumentopf, und murmelt: „Jetzt mach ich dein Gärtchen schön , Mutter!“ und am Ausgang zu den Kassen findet sie einen Tisch mit wunderschönen Orchideen in zarten Farben , die in wirklich sehr hübschen Übertöpfen stecken und sie denkt: „Ich kaufe zwei. Eines für mich und eines für Suska! Wenn ich Suska treffe, dann schenk ich ihr das!“

Denn irgendwie ist sie sich sicher, dass Suska zurückrufen wird heute.

Im Auto macht sie ganz laut Musik an, ZAZ liebt sie zur Zeit, T`attends quoi, worauf wartest du, Loida singt  mit, voller Freude auf den heutigen Tag.

Und als sie in der Heimatstadt ankommt, der Wegweiser zeigt nach rechts,  Richtung Friedhof, da summt neben ihr das HandyTelefon.

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