Suska- Heilige haben auch mal schlechte Laune

Nach dem Frühdienst aufs Sofa, denkt Suska. Draussen regnet es, es ist also perfektes Wetter zum rumgammeln nach Feierabend. Sie hat ein gutes Buch zum Lesen, aber kaum hat sie die ersten Sätze gelesen, schon schlummert sie ein.
Leise dringen die Geräusche der über ihr wohnenden Nachbarn an ihr Ohr, streifen leicht ihr Bewusstsein, ihre Gedanken sind verselbstständigt, aber nichts ist mehr wichtig gerade, nichts , wirklich gar nichts…..
Nicht diese traurigen Schicksale ihrer Patienten, nicht die Probleme ihre Arbeitskollegen, nicht der Pflegenotstand und nicht ihr mickriges Gehalt….
Und auch nicht dieses nicht endenwollende Klingeln ihres Telefons….

Seufzend richtet sich Suska auf, der Rücken schmerzt, sie sollte sich ein neues Sofa gönnen, endlich, dieses hier ist zu hart, einfach zu hart….
Das Telefon klingelt immer noch. Ungewöhnlich, dieses dringende Gebimmel, man kann doch Textmessage heutzutage, dann stört man mich nicht, denkt sie brummig.
Hallo, krächzt sie in den Hörer, wer nervt mich hier so penetrant?
Oh, hört sie eine ferne Stimme, ich wollte dich nicht stören, ich hoffe, ich hab dich nicht geweckt? Hier ist Loida!

Loida! Klar, Loida, wie gehts dir,ja, ich habe geschlafen, ich bin einfach zu müde….
Oh, macht Loida wieder, und Suska denkt, jetzt lass mal dieses überraschte OH! andauernd, und erschrickt selber über ihre Gedanken, Loida kann nichts dafür, dass sie so gereizt ist.
Sie holt tief Luft, und sagt: Ist es okay, Loida, wenn ich dich in einer Viertelstunde zurückrufe? Ich muss wach werden!

Und klar, natürlich ist das okay für Loida, dieser guten Seele , denkt Suska, und dann reckt sie sich und beugt sich nach vorne, dieses blöde Kreuzweh und diese schlechte Laune nach dem Mittagsschlaf!
Sie schüttet sich kaltes Wasser ins Gesicht und schaut sich grimmig im Spiegel an.
Na, mal wieder schlechte Laune wegen nichts?
Das Spiegelbild schaut grimmig zurück: Immer nett und lieb geht auch nicht! Schlechte Laune darf auch mal sein! Heilige Suska, heute nicht annähernd heilig!

Meinst du, Spiegelbild? Und Suska zieht ihre Mundwinkel nach oben, das hilft meistens bei schlechter Laune und macht die Stimme freundlicher , ob sie das nun wirklich so meint oder nicht.
Und dann, nachdem sie sich einen Kaffee gekocht hat, und sich wieder ein bisschen freundlicher fühlt, wählt sie Loidas Telefonnummer. Während es klingelt , hofft sie, das Loida keine traurige Geschichte hat, die sie mit ihr teilen möchte, ich hab genug Geschichten immer um mich rum, denkt Suska, und dann meldet sich Loida und fragt Suska:
Meine FerneTochter heiratet in 3 Wochen! Und eigentlich, also, ich wollte dich fragen, ob du zur Hochzeit kommen magst? Sie möchte ein Freundinnenfest feiern, nur Frauen, und da du meine Freundin bist, also ich finde jedenfalls, dass du meine Freundin bist, weil ich dich so mag, da dachte ich, ob du kommen magst?

Suska schwirrt gerade alles, Freundinnenfest, Frauenhochzeit,-
Und der Bräutigam, fragt sie,wo ist der denn?

Da lacht Loida am anderen Ende der Leitung, der einzige Mann, der damit ein Problem hat, weil er als Mann nicht dabei sein darf, das ist mein Ehemann,der Bräutigam ist nämlich eine Bräutigammin, meine Tochter heiratet ihre Freundin!

Jetzt ist es Suska, die OH! macht.
OH!
HO! Ja, klar, sagt sie, so ein Frauenfest, das gefällt mir, na klar gerne komm ich! Ich mach es möglich!
Und dann , als sie aufgelegt haben, stellt sich Suska ein wundervolles Fest vor, nur Frauen, vielleicht in weissen Kleidern, die Blätter im Haar haben, so Heiliginnenmässig, und barfuss ums Feuer tanzen, mit Ästen drin rumstochern und ihre weissen Kleider mit Erde beflecken, und dann gar nicht mehr heiliginnen-artig aussehen sondern erdverbunden und wild,…..das wäre fein!
Und dann schilt sie sich, weil sie so esoterisch- göttinnenhafte Vorstellungen hat, aber auch wenn es anders und ganz modern wird, dieses Fest, sie freut sich sehr, das Loida sie eingeladen hat.

2 Gedanken zu “Suska- Heilige haben auch mal schlechte Laune

  1. Reiner schreibt:

    Oh 🙂

    Das Geräusch kenne ich von Freunden, deren mittlerweile sehr erwachsene Tochter ebenso eine Frau liebt. Das war aber nur am Anfang, und nein, es hat sich nicht herausgewachsen, sie sind immer noch beieinander und alle freuen sich mit ihnen.

    Gefällt 1 Person

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