Utopie: Gedanken zur Pflege in Utopia-Deutschland

Was wäre wenn….

Der Pflegenotstand ausgestanden wäre?
Wenn Pflegeroboter eifrig durch die Krankenhausgänge surrten, vor sich ein Tablett mit Getränken für die Kranken. Der Roboter, nennen wir ihn Otto, schnarrt mit Geblinke und Gerappel in die Patientenzimmer und fragt immer wieder: „Kaffee oder Tee gefällig, Kaffee oder Tee gefällig?“
Leider fragt er mit einem komischen Akzent, so dass die Alten und Kranken ihn nicht verstehen. Ausserdem sind sie sehr irritiert, dass da so ein blinkendes, surrendes Getüm mit ihnen spricht, sowas haben sie ja noch nie erlebt!
Vielleicht drehen sie den Kopf zur Seite, weil sie sich ein bisschen fürchten, oder sie klingeln nach der Schwester.

Wenn die dann kommt,diese Schwester, (und sie ist sehr geduldig, hübsch und freundlich, denn , wie gesagt, gibt es keinen Pflegenotstand im Deutschland der Utopie, sodass die Schwester abgekämpft, verschwitzt und abgehetzt reingerannt käme…),dann setzt sie sich aufs Bett der erschrockenen Patientin -nein, sie nimmt sich einen Stuhl wegen der Hygiene- sie setzt sich also auf den Stuhl und nimmt die Hand von Frau M., die diese ihr erschrocken hinhält und fragt liebevoll:

„Was kann ich denn für Sie tun?“
„Oh“, sagt Frau M.,“ was ist denn das für ein komisches Gerät?“

„Das ist Otto“, erwidert die freundliche, nicht gestresste, superbezahlte Krankenschwester, „Otto hilft mir bei der Arbeit!“

Und sie nimmt ein Glas Tee von Ottos Tablett und hält es Frau M. hin.

Frau M. ist sehr skeptisch, sie hat eine leichte Demenz und misstraut Neuerungen sehr.

„Was, wenn er das vergiftet hat?“ fragt sie. „Solchen Geräten ist nicht zu trauen!“

Aber die Krankenschwester schüttelt den Kopf: „Mir vertrauen Sie doch auch, oder?“

Und als Frau M. nickt, lächelt die nette Krankenschwester und sagt:

„Ich programmiere ihn immer am Anfang meiner Schicht, damit er unseren Arbeitsbedürfnissen angepasst ist, denn, wie Sie wissen, liebe Frau M., wir sind Allroundtalente, wir Krankenschwestern können alles!“

Und die nette, entspannte Krankenschwester lächelt , streicht ihre wunderhübsche Arbeitskleidung glatt und erhebt sich.

Sie hat keine Rückenschmerzen, denn im Deutschland der Utopie hat jede Krankenschwester Anspruch auf eine Rückenmassage nach Dienstschluss, die sie aber selten benötigt, denn im Deutschland der Utopie gíbt es eine Menge Hilfsmittel und Geräte und genügend Personal.
Keine Krankenschwester muss mehr alleine einen schweren, bewegungslosen kranken Menschen im Bett drehen und an die Bettkante setzen.
Sie hat genug Zeit, das Bett auf Arbeitshöhe zu fahren, sie hat Kollegen, die sofort zur Stelle sind, wenn sie mobilisieren will, sie hat Lifter und Hilfsmittel und eigentlich steht sie lediglich daneben, um dem Patienten ein Gefühl der Sicherheit zu geben, wenn er vom Liegen ins Sitzen manövriert wird.

Mehr muss sie nicht tun, und deshalb hat die Krankenschwester im Deutschland der Utopie keine Rückenschmerzen mehr.

Im Deutschland der Utopie kommt die Krankenschwester auch wirklich sehr gerne zur Arbeit.

Der Schichtdienst macht ihr nichts aus, denn sie wird sehr gut bezahlt für ihre Flexibilität, 24 Stunden am Tag arbeiten zu können. Nicht am Stück, das muss sie nicht, aber sie hat eben drei verschiedene Schichten zu arbeiten.

Und auch am Wochenende, wenn ihre Familie oder ihre Freunde frei haben, dann muss sie arbeiten, die Kranken sind leider nicht nur an Wochentagen krank.

Aber das stört sie nicht, denn, wie gesagt, sie verdient einiges an Extrageld, wenn sie Nachts arbeitet oder am Wochenende, oder auch am späten Abend, und deshalb macht sie das gerne.

Da kann sie einiges an Geld sparen, denn sie hat auch Anspruch auch viele Urlaubstage, und sie fährt einfach gerne in den Urlaub, um abzuschalten.
Abschalten, ausruhen, das muss sie, denn kranke Menschen haben sehr oft auch Kummer, und sie schütten der Krankenschwester gerne ihr Herz aus.
Die Krankenschwester im Deutschland der Utopie hat kein Problem damit, sich den Kummer anzuhören und den Kranken zu trösten.

Sie hat auch ein Ohr für die Angehörigen und ist sehr einfühlsam.

Aber wenn es ihr zu viel wird, mit dem ganzen Kummer, und das passiert einfach, denn sie ist auch nur ein Mensch, dann kann sie in den krankenhauseigenen Fitnessraum gehen und sich sportlich abreagieren, oder sie geht zur Beschäftigungstherapie und malt sich ihren Kummer von der Seele . Während der Arbeitszeit natürlich, das ermöglicht der Arbeitgeber gerne im Deutschland der Utopie, denn er schätzt seine Angestellten und will, dass sie gesund und fröhlich bleiben.

Manchmal reicht es aber auch, nur mit den Kollegen zu sprechen, die Erfahrung haben mit den Sorgen der Patienten, und sich Zeit nehmen können, um der Kollegin zu zuhören.

Dann sitzen sie gemütlich im Stationszimmer, das hell ist und gross und in dem Pflanzen dem Raum ein wunderbares Licht geben, sie haben sich einen Kaffee gekocht und reden.

Und niemand kommt und sagt: „Die Schwestern sitzen die ganze Zeit in der Küche und ratschen! Arbeiten die überhaupt?“

Nein, denn alle, die ganzen Menschen im Deutschland der Utopie, wissen den Beruf der Krankenschwester zu schätzen.

Jeder weiss, was das für eine Arbeit ist, wenn man den Kranken so nahe kommt in allen menschlichen Bedürfnissen, die die Krankenschwester noch nicht mal von ihren Liebsten auf Dauer wissen möchte.

Im Deutschland der Utopie bekommen die Pflegekräfte ein wundervolles Gehalt, sie haben genug Kollegen, mit denen sie arbeiten, einen geregelten Dienstplan, eine 30 Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich (wegen dem Jetlag nach den Nachtdienst brauchen sie ja wirklich viel Erholung) und viele andere Annehmlichkeiten.

Und vor allem gesellschaftliche Anerkennung haben sie, und sie lieben ihren Beruf.

Und deshalb gibt es auch keine Nachwuchssorgen, denn junge Leute wollen unbedingt nach ihrer Schule den Pflegeberuf erlernen!

Denn er ist wirklich ein Beruf, der ausfüllt und glücklich macht. Wenn alles andere stimmt.
Und dann braucht es, glaub ich, auch keine Roboter, die Otto heissen.

16 Gedanken zu “Utopie: Gedanken zur Pflege in Utopia-Deutschland

  1. kaethemargarethe schreibt:

    Das wir bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege brauchen, daran zweifle ich nicht. Auch das manche Angehörige professionell Pflegende nicht respektvoll behandeln. habe ich erlebt.
    Feldwebelnde Pflegende auch.
    Es ist ein Weites Feld. Ob Roboter da helfen können? Ich habe da Zweifel. Können sie je lernen zu verstehen, das Mensch X was anderes braucht als Mensch Y. Vielleicht weil für einen Menschen eine Berührungsweise, ein Getränk an einem Trauma rührt?
    Kommunikation und Raum dafür braucht es aus meiner Sicht, auch z.B. beim Windeln wechseln.
    Energie von vielen Seiten.

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  2. Myriade schreibt:

    Tja, die Realität ist nicht gaaaaaanz so rosig, weder für die Patienten noch für die Pflegenden. Aber so einen getränkeverteilenden Roboter könnte ich mir schon vorstellen, obwohl ja die Essensverteilung eh nicht zu den Aufgaben der Schwestern gehört

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    • kaethemargarethe schreibt:

      Ich war in diesem Jahr erstmals Patientin in einem Krankenhaus , zufällig in dem, in dem ich vor mehr als fünfzig Jahren geboren war. Die Essensfrau, Angestellte einer Subfirma, die den Mindestlohn bekommt, sollte am Nachmittag nach meiner OP nur Kaffee und Keks, alternativ Joghurt servieren. Sie hat es hingekriegt, ein warmes Essen für mich zu finden. Der Schweinebraten, der nicht zu meinen Favoriten gehört, war wunderbar, nach dem Vortagsfrühstück. Ob das auch ein Roboter hinbekäme für eine, die Essenstechnisch nicht auf der Abrechnungsliste steht? Ich zweifele.

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    • kat. schreibt:

      Sollte sie aber. Ich muss als Schwester schauen, darf er was essen, will er was essen, braucht er Hilfe beim essen, hat er was gegessen? Sonst passiert es ganz schnell, dws es auf manchen Stationen mangelernährte Patienten gibt. Das kann schon bei „Hilfspersonal“ passieren. Hinstellen, Deckel drauf lassen, abräumen, Deckel ist ja drauf. Und Patient mit halbseiten Lähmung hat nix gegessen.

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      • Myriade schreibt:

        Das muss aber ziemlich müdes Hilfspersonal sein ….. Ich kann ja nur auf diese meine einzige Krankenhauserfahrung zurückgreifen. Da gab es eine Frau, die unter Hilfspersonal fällt, die unter anderem das Essen verteilt hat. Die hatte eine Liste wer was bekommt, hat die Leute immer beim Namen angesprochen, übers Essen geplaudert. Deckel gab es da nur, wenn jemand gerade nicht im Zimmer war. Das war aber auch eine Station bzw ein Zimmer, in dem die Patientinnen nur vor und nach einer OP und meistens kurz untergebracht wurden. Das ist schon anders, als auf einer internen oder gar einer geriatrischen Station

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      • kat. schreibt:

        Stimmt. Wenn Schüler, unangelernt, oder fremdsprachige, oder Praktikanten diese Arbeit tun müssen, die wissen oft gar nicht was nötig ist, weil man es ihnen nicht gesagt hat. Ja, es gibt Unterschiede, je nachdem wie es organisiert ist. Ich uab jedenfalls schon oft erlebt, dass das Tablet hingepfeffert wurde und beim abräumen hab ich gesehen, sie hat gar nicht gegese, weil sie dss nicht sich herrichten konnte. Sowas ist schlimm.

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  3. piri ulbrich schreibt:

    Wenn es, wie es momentan leider so ist, dass behinderte Patienten Windeln anziehen müssen, obwohl sie eigentlich keine bräuchten, wenn sie regelmäßig aufs Klo gesetzt würden, wenn es dafür jemanden gäbe, der Bescheid sagt – das kann sogar ein Roboter sein, dann wären wir in Utopia-Deutschland einen kleinen Schritt weiter. Oder, es gäbe jemanden, der einfach nur Hände hält und zuhört, gegebenenfalls beruhigt und streichelt …

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  4. kat. schreibt:

    Ich glaub ganz klar, dass Pflegeroboter nicht die Lösung des Problems sind. Sie sind Maschinen die durch Menschen gesteuert werden. Es braucht also auch Menschen die die Verrichtungen überprüft. Er kann vielleicht“Windeln“ wechselns, ( dieser Begriff allein ist schon schlimm, es sind Inkontinenzhilfen=Würde), aber er kann nicht beurteilen, ob die Haut darunter noch in Ordnung ist. Auf einer Messe sah ich so einen, er hatte lediglich die Funktion, mit alten Menschen zu spielen, wie ein Tablet mit Gesicht und Stimme, trotzdem war er mir unheimlich. Er war Süss, keine Frage, grosse“augen“ grosser“kopf“, aber sowas ersetzt niemals die Handlung eines Menschen. Und wie gesagt wurde“ kann der 🤖 abschätzen, was passiert, wenn der Patient, Bewohner, traumatisch auf das Angebot von einer Tasse Wasser reagiert? Wir brauchen mehr Menschen in der Pflege, wertgeschätzte, freundliche, warmherzige Menschen und die brauchen viele andere Dinge um ihren Beruf gerne auszuüben. Dann gibt es ein gegenseitiges miteinander. Liebe Grüße kat.

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    • 🐼S.🐼 schreibt:

      Ja, das glaube ich auch meine liebe Kat. aber wie du hier siehst sagt keiner was zum Thema Pflegepersonal, und nur was zum Roboter.
      Isso
      Das andere langweilt bloss.. jaja.. ist ja bekannt Pflegenotstand.. in anderen Berufen sieht es auch nicht gut aus.!
      Weil !!!! Meine liebe Kat. !!!!!! Weil , die meisten gar nicht wissen was unsere Aufgaben sind und das wir n Diplom haben und nicht „bessere Arztassistentinnen“ sind sondern einen eigenständigen Beruf gelernt haben.
      Isso
      S.o. da hatte mal jemand vom Pflegepersonal n Ton drauf der whs. einer anderen nicht gefallen hat. Das ist whs. Ein Mal passiert .Ein Mal !!! all die anderen Male wo es gut war.. die werden nicht erwähnt, denn das ist ja deren Aufgabe.. die da Pflege machen.. und sowieso , wenn se mucken.. haben s den Beruf verfehlt.. isso… und die brauchen wa ja auch nich wirklich.. es geht doch auch so.. das boaring Problem ist ja schon lange bekannt…… zzzziiiüüüüüüuuuuhhh
      ziiiiiiiiipüüüüüüüh.. sorry bin eingeschlafen.

      S.

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