Loida-Ehepläne

Ostern hat der Besuch der Kinder nicht geklappt, aber jetzt, zwei Wochen später , wollen sie ihre Eltern besuchen.
Am Mittwoch hat Loida mit den Kindern telefoniert, wann sie kommen und wann sie vom Bahnhof abgeholt werden wollen. Die Tochter hat gesagt: „Ich bringe noch jemanden mit!“ Und Loida hat geantwortet: „Wie schön,da freu ich mich“, und sich vorgestellt, wie der junge Mann sein wird, den die Tochter mitbringt.

Aber als sie dann aus dem Zug aussteigen, der MusikantenSohn und die FerneTochter, ist es kein junger Mann, den sie dabei hat, sondern eine junge Frau.
„Auch schön“, denkt Loida. Sie begrüsst die junge Frau, die Silla heisst, wie Loida erfährt. Loida umarmt die Tochter und den MusikantenSohn, und ist nur ein bisschen irritiert, als die Tochter mit Silla Hand in Hand die Treppen zum Auto hinauf geht.
Das machen die Mädchen heute vielleicht so, denkt Loida.
Sie haben ein lustiges, fröhliches gemeinsames Frühstück.
Der Ehemann redet mit Silla über Politik, Silla kennt sich da sehr gut mit aus, schliesslich studiert sie das, wie sie sagt, und Loida beobachtet ihre Tochter, die Silla immer so verträumt ansieht.
Später holt der MusikantenSohn seine Gitarre und dann singen sie, alle drei, mit wunderschönen klaren Stimmen und Loida ist ganz glücklich und friedlich zu Mute.
Draussen blühen die letzten Tulpen, die Akeleien zeigen kleine Knospen, und Loida fühlt innendrin eine sanfte Wärme.
Bis der MusikantenSohn die Gitarre weglegt und sagt: „Ich glaube, meine Lieblinsschwester möchte Euch was sagen!“
Die Tochter wirkt nervös, und Loida denkt, was kommt jetzt? Ist sie schwanger? Das wäre aber nicht schlimm, das wäre doch schön!
Die Tochter holt tief Luft und sagt: „Silla und ich kennen uns jetzt zwei Jahre.“
Okay, denkt Loida,und nickt, ihr studiert ja auch zusammen.
„Und es ist so“, sagt die Tochter, „es ist so,… „und blickt hilfesuchend zu Silla.
„Es ist so, das wir in 4 Wochen heiraten werden,eure Tochter und ich“, übernimmt Silla den Satz und legt ihren Arm um die Schultern von Loidas Tochter .
„Heiraten, ihr?“ fragt Loida und spürt eine heisse Welle in sich aufsteigen. „Ihr kennt euch seit zwei Jahren?“
Der Ehemann poltert los: „Heiraten? Zwei Frauen? Spinnt ihr? Ich zahle keinen Pfennig für die Hochzeit, was sollen denn die Leute hier im Ort sagen, es reicht, das der MusikantenSohn so verrückt ist, ich dachte, wenigstens du bleibst vernünftig.“
Und er steht wütend auf und sagt:“Ich geh ne Runde , das muss ich verkraften“ und verlässt türknallend die Wohnung.
Loida sitzt da und weiss nicht was sie denken soll.
„Jedes dritte Kind hat homosexuelle Neigungen, da gibt es ne Statistik, und bei uns bestätigt sich das!“ hört sie den MusikantenSohn sagen.
Loida blickt ins Gesicht der Tochter. „Ich bin ein bisschen verwirrt,“ sagt sie. „Aber ich glaube, ich bin nicht verwirrt, weil ihr heiraten wollt, sondern weil du mir nie was gesagt hast! “
Da kommt die Tochter zu Loida und sagt: „Ich hab nicht gewusst, wie ihr reagieren werdet, ich hatte Angst davor!“
„Hat sich ja auch bestätigt!“ sagt der MusikantenSohn , „der Papa ergreift wie immer türeknallend die Flucht, wenns Probleme gibt!“
Loida schüttelt den Kopf,“ Naja, es ist ja auch nicht einfach. Weiss der grosse Bruder es denn schon?“
Da schnaubt der Musikantensohn, “ was denkst du denn, der würde wahrscheinlich gar nicht mehr mit uns sprechen wollen, weil er uns sowieso alle für durchgeknallt hält, der Spiesser!“

Da muss Loida ein bisschen schmunzeln, der MusikantenSohn hat recht. Der GrosseBruder ist sehr darauf bedacht, dass sein Leben in geraden Bahnen läuft, alles nach Plan, Abitur, Studium, angestellt sein in Papas Firma, nette Freundin, Doppelhaushälfte, Gartenzwerge im Vorgarten, Loida schmunzelt leicht.
Da klappt die Haustür und der Ehemann kommt zurück, ein bisschen ausser Atem schnauft er: “ So, ihr drei, ein bisschen eher hättet ihr uns schon informieren können, finde ich, wo krieg ich denn jetzt so schnell einen Schwiegervaterhochzeitsanzug her? Übrigens zahlt der Brautvater, für den ich mich irgendwie halten,  die Feier, das ist so üblich, aber ich denke, viele Leute kommen sowieso nicht“ sagt er und lacht schallend. „Entschuldigung, das konnt ich mir jetzt nicht verkneifen, ich hab mir auf dem Spaziergang die Gesichter meiner Kollegen und unserer Nachbarn vorgestellt!“

Und dann haben sie lange gesprochen, wie die Hochzeit ablaufen soll, und ob die Tochter wenigstens ein schönes Kleid kaufen geht mit Loida , „ja, aber nicht in weiss!“ und ob sie später Kinder  haben wollen, denn Enkelkinder, das wäre doch schön, und Silla hat von ihrer Familie erzählt und wie die reagiert haben und das es doch an der Zeit ist, das endlich gesellschaftlich zu akzeptieren , das Liebe und Sexualität geschlechtsunabhängig stattfinden kann.
Loida stimmt dem zu, eigentlich, aber als Silla und die Tochter sich immer wieder in den Arm nehmen und küssen, und zärtlich zueinander sind, wie eben Frischverliebte sind, muss Loida weggucken.
Sie braucht noch ein bisschen, sich daran zu gewöhnen.
Aber sie hat ja schliesslich auch noch vier Wochen Zeit.

Loida- Osterdrama, alle Jahre wieder

Es ist Gründonnerstag und eigentlich will Loida keine Ostervorbereitungen treffen. Sie will dieses Jahr keine Eier färben und kein Osterbrot backen und auch keine Osternester füllen. Sie weiss nicht, ob die Kinder kommen, die Tochter ist unterwegs und weiss nicht, ob sie Zeit hat, der grosse Sohn verbringt die Feiertage in den Bergen mit seinen Schwiegereltern, und der MusikantenSohn, der hat wie immer noch nicht gesagt, ob er Zeit hat. Sie wünscht sich sehr, das sie ihn sehen wird. Aber bei ihm weiss man nie, was er vor hat.

Loida seufzt. Trotzdem ist die Einkausfliste lang geworden, ein paar Leckereien sollten schon im Haus sein, wenn Ostern ist.
Es ist noch früh, als Loida mit ihrem Einkaufszettel im Korb losfährt, sie will diese Menschenmassen vermeiden, die immer vor den Feiertagen in den Supermärkten drängeln.

Es ist tatsächlich leer im Supermarkt, als Loida mit ihrem Einkausfwagen durch die Gänge schiebt. Tomaten, Kartoffeln, sie wird ein paar gefärbte Eier kaufen, aber im Biomarkt, denkt sie, und legt einen Granatapfel in ihren Wagen. Vor ihr türmt sich  ein Stand mit Ostersachen. Servietten, Ostergras, Grusskarten, Eierfarben…

Eierfarben, sie könnte doch…., sie könnte eigentlich doch Eier färben, denkt sie, und das kleine blaue Tütchen mit dem Hasen vorne drauf landet in ihrem Wagen. Und wenn sie schon dabei ist, ein Osterbrot kann sie backen, ist ja schliesslich Tradition , und sie backt dann eben kleine , die kann sie den Nachbarn schenken und vielleicht kommt jemand zu Besuch….

Quark, Butter, Mehl, Backpulver, nein, Mehl kauft sie im Bioladen, und die Eier auch, und schon wieder steht eine Aktionsfläche vor ihr, mit Schokoladeneiern und bunten Pralinenschachteln und alles sieht so frühlingshaft aus.
Loida packt freudig in ihren Einkaufswagen ein, was ihr gefällt. „Das wird teuer!“ denkt sie, und an der Kasse wird das bestätigt, aber egal, es ist Ostern.

Im Bioladen ist es mittlerweile voll, aber gutes Mehl und guter Zucker und gute Eier, das muss sein.

Als sie daheim ist, schleppt sie in freudiger Erwartung ihre Einkäufe ins Haus. Sie will sofort mit dem Backen beginnen, und die Eier hat sie schon immer am Gründonnerstag gefärbt, erinnert sie sich. Sie rührt den Teig und formt Zöpfe und schiebt die Brote in den Ofen und kocht die Eier. 15 Stück, wie jedes Jahr, 3 von jeder Farbe.
Aber wo sind die Färbetabletten? Dieses kleine blaue Tütchen, mit dem Hasen vorne drauf? Wo ist es? Sie wühlt alles durch, die Backzutatendose, die leeren Einkaufstaschen, sie schaut im Müll nach, … nichts.

Und sie erinnert sich, das sie jedes Jahr die Farbe nicht gefunden hat,  wenn sie die Eier färben wollte. Manchmal hat sie die Eierfarben schon im Februar gekauft, weil sie Angst hatte, das sie vor Ostern keine mehr bekommen würde, und dann hat sie sie nicht mehr gefunden. Irgendwann  hat sie  begonnen, viele Tüten auf Vorrat zu kaufen und sie igendwohin zu legen, damit sie die an Ostern ja bloss findet, aber sie hat dann die Stellen nicht mehr gewusst, wo  sie die Tütchen hingelegt hatte. Und jetzt passiert ihr das schon wieder!
Sie sollte es lassen mit dem Eierfärben,  herrje noch mal!

Der Schlüssel dreht in der Tür,der Ehemann kommt heim und findet eine aufgelöste Loida in der Küche vor. Die Osterbrote duften verführerisch, aber Loida ist das egal, sie schimpft. „Warum bin ich so schusselig? Jedes Jahr finde ich diese Eierfarben nicht mehr, dieses blöde kleine Tütchen, immer flutscht es mir irgendwohin, und jetzt hab ich da diese Eier und was mach ich jetzt? Wegen so einem blöden Tütchen muss ich jetzt wieder los!“

Der Ehemann lacht und umarmt Loida. „Ich will sowieso noch was besorgen, back du deine Brote in Ruhe fertig, sonst werden die wieder schwarz, wie jedes Jahr!“ schmunzelt er, und ist verschwunden.

Und als er dann wieder kommt, hat er zwei Tütchen Eierfarben dabei, eines für dieses Jahr und eines für das kommende , und das packt er an einen besonders sicheren Ort und Loida färbt ihre gekochten Bioeier, die zum Glück auch gar nicht aufgesprungen sind wie sonst, und  die Osterbrote sind dieses mal überhaupt gar nicht verbrannt.

Jetzt kann sie sich richtig auf das Osterfest freuen.
Denn sie hat gerade eine Nachricht bekommen. „Hast du dieses Jahr schon Eier gefärbt, liebe Mama? Wir würden nämlich gerne welche haben, wir kommen am Sonntag, passt das? “ Und dazu ein Foto von MusikantenSohn und FernerTochter, mit Hasenohren.

Das wird ein schönes Ostern!
Gut, dass Loida soviel eingekauft hat!