Zusammentanzen-Wirklich frei sind wir erst, wenn die Hautfarbe zu benennen keine Rolle mehr spielt

Ich sitze im Zug. Ich fahre in die Universitätsstadt, in der der GrösstLiebsteSohn seit 4 Wochen auf seinen Master studiert. Einen Internationalen Studiengang absolviert er, und heute abend gibt es ein „International Dinner“. Wir werden kochen, wenn ich da bin, der Sohn und ich, Sachen aus der Heimat. Weil wir gemischt beheimatet sind, gibt es Matjesheringssalat, Rote Grütze und bayrischen Obatzdn.
Im Zug lese ich einen Beitrag von Ulli’s Cafe Weltenall, ich denke so vor mich in und schreibe einen Kommentar.

Danke für diesen Text. Und diese Worte von guy de maupassant haben eine Gänsehaut gemacht. Im Zug sitzend, mir gegenüber ein dunkelhautiger Mann, der englisch französisch deutsch telefoniert und mich anlacht….Liebe grüße Katrin

Dann denke ich: Wirklich frei sind wir erst, wenn die Hautfarbe zu benennen keine Rolle mehr spielt…….

Ich bin angekommen, der GrösstLiebsteSohn und ich kaufen ein und kochen für unser Dinner. Am Abend treffen wir uns am Busbahnhof mit seinen Studienkollegen. Ich bin beeindruckt, sie kommen alle von so weit her! W. aus Pakistan, H. aus Aserbeidschan, A. aus Puerto Rico, NEIN! sie ist aus Costa Rica! ( i am so so sorry, A., that i confused it, always, but i did give my best, cause J. said: All people mix Costa Rica with Puerto Rico!)
L. aus Venezuela, K. aus Malaysia, F.aus Mexico, B. aus Nigeria,…. S. kommt aus USA, ihr Freund ist Australier. Sie sind so bunt alle, wie sie da sitzen im Bus, sie erzählen von den köstlichen Dingen, die sie gekocht haben, sie reden, lachen, alle auf Englisch, und mein Sohn mittendrin.
Gemeinsam gehen wir den langen Weg zum Hörsaal, wo das Dinner stattfinden soll. Die Seminarleiterin ist da, ein paar Professoren, die Köstlichkeiten werden auf Tische gestellt, es wird erklärt, wer wann wie lange was vorbereitet und gekocht hat. Wir essen, wir trinken, sie erzählen,… wie es ihnen geht in Deutschland.

„Sie sind so nett hier, not as they told us about the Germans, sie haben mein Fahrrad repariert, mein Freund hat einen Job bekommen hier, sie haben uns ne Wohnung angeboten,…sie fragen immer, wo wir herkommen und wie es dort ist….“
Sie brauchen Bürgen, die das Studium finanzieren, bei B. aus Nigeria sind es die Brüder, die arbeiten, damit er hier studieren kann, H. aus Aserbeidschan hat einen Chef in der alten Firma, wo sie herkommt, aus Baku, der für sie bürgt, weil er will, das sie hier das studiert, damit sie daheim dann später was bewirken kann. Sie wissen, das sie lernen müssen und sie wissen wie schwierig es ist, mit ihrem Englisch, für die Prüfungen zu lernen.
Sie lernen miteinander, die 4 deutschen Studenten dieses Studienganges helfen mit. Sie schreiben Referate gemeinsam und als es um die Aufenthaltsgenehmigung von A. ging, hat sich der Sohn in den schicken Anzug geworfen, ganz seriös hat er A. unterstützt , ihre German Skills zu erklären, was auch immer das sein mag.
Ich esse etwas, das komisch schmeckt. Es ist ein komisches Tier, das B. aus Nigeria gekocht hat, ich mag das gar nicht. Was, denke ich, wenn ich dort wäre und nur solche Sachen essen müsste? Wie geht es B.hier mit dem Essen? „Er isst das Mensaessen hier nicht, „, sagt der Sohn, “ er ist anderes gewöhnt.“
Ja, das verstehe ich.
Die Seminarleiterin erzählt mir, wie wunderbar das ist, das die sich alle so schnell miteinander gefunden haben.
Später tanzen sie. Die Südamerikaner tanzen Salsa,und Merengue.  H. aus Aserbeidschan zögert. Dann spielen sie „Makkarena“ und „Gangnam Style“, das kennen sie alle, und sie stehen im Kreis und bewegen sich im Gleichtakt. Sie lachen, sie tanzen, sie wirken glücklich.
Und mir geht durch den Kopf, dass ich glücklich bin, weil sie so unvoreingenommen miteinander umgehen, und wie schön es ist, diese bunten lebendigen jungen Menschen zu sehen und dass ich keine Sorge haben muss, denn trotz des ganzen Rechtsruckes und Rechtsgeredes in unserer Gesellschaft gibt es immer wieder Momente , in denen ich erlebe, dass Vielfalt und Akzeptanz und Menschenwärme gelebt wird.
„Come on , Mama, lets dance!“ und ich tanze mit ihnen mit.

Wenn ich ein Buch lese….

und in diesem Buch kommt jemand vor, den ich kennengelernt habe, flüchtig nur, aber ich hab ihn kennengelernt, dann ist das merkwürdig. Ich hab mit ihm gesprochen, und ich hab Geschichten über ihn gehört, weil meine SchönsteTochter in ihrer Zeit , während sie in Jerusalem war, bei ihm gelebt hat. Da ist es jetzt ein bisschen eigenartig gewesen, über ihn zu lesen, es war berührend.

Ich kann keine Buchbesprechungen machen,dazu kenn ich mich zu wenig aus, aber über dieses Buch möchte ich berichten.

Sweet Occupation von Lizzie Doron, dtvpremium, ISBN :9783423261500

Lizzie Doron hat ein Jahr lang Gespräche mit Männern geführt, die den Combattants for peace angehören. Ich hab über diese Gruppe, die aus israelischen und palästinensischen Menschen besteht, mal berichtet, im Gezeitenwechselblog,, nachdem ich letztes Jahr meine Tochter in Ramallah besucht habe.

Ich habe auch einen Abend mit diesen „Friedenskämpfern“ damals verbringen dürfen, ich eher schweigend,  weil beeindruckt von ihrer Lebensfreude und ihrem Miteinander.

Gut, in diesem Buch also spricht die Autorin mit diesen Männern, die die Combattants gegründet haben. Ihre eigenen Erfahrungen vom Krieg und den Kämpfen lässt sie mit einfliessen. Sie spricht von ihren Vorbehalten und ihren Ressentiments gegenüber den Menschen , die sie treffen wird, und während dieses Jahres der Gespräche klärt sich auch ihre eigene Geschichte.
Ich merke , ich bin nicht gut im Berichten, eine bessere Besprechung gibt es hier.

Mir liegt die Geschichte des Lebens in Palästina-Israel am Herzen.
Ich hab durch die Reise dorthin wieder einma l(ich bin ein West-Kind, dessen Grosse Restfamilie in der DDR gelebt hat) gespürt, wie furchtbar es ist, in seiner Freiheit eingeschränkt zu sein. Kontrolliert zu werden, wenn man irgendwohin möchte, möglicherweise nicht dorthin gelassen zu werden, wo man hin will, Ausgangsperren, Zeitbeschränkungen, willkürliche Strassenkontrollen, Soldaten am Strassenrand mit Waffen . Sie machen Angst und zornig.
Und doch haben es die Menschen dort nicht verlernt zu lachen und zu leben. Sie behüten ihre Tradition und öffnen sich für Neues.Und deshalb, als mir die SchönsteTochter dieses Buch zum Lesen gab, dachte ich, ich stelle es Euch vor.

Nun, da uns die Worte fehlen, ist die Zeit für eine Umarmung gekommen.

Sweet Occupation, S.141

Suska-Im Schwimmbad

Schwimmen tut ihr gut, hat Suska festgestellt.
Die ruhige Bewegung, die gedämpften Geräusche beim Eintauchen ins Wasser, das verschwommene Sehen , wenn der Kopf aus dem Wasser kommt.
Nur kurz, dann taucht sie ihn wieder unter. Sie kann denken beim Schwimmen und muss nicht zählen, wieviele Durchgänge mit welcher Anzahl sie bereits an diesem oder jenem Gerät im Fitnessstudio gemacht hat…
Beim Schwimmen tut sie einfach und lässt denken.
Es kostet am Anfang ein bisschen Überwindung , ins kalte Wasser einzutauchen, aber Suska ist ja diszipliniert, meistens, grinst sie in sich hinein, zumindest jetzt.
Und schon schwimmt ihr schwerer Körper im Wasser des Schwimmbades und fühlt sich ganz leicht an. Die Bahnen sind frei, heute ist nicht viel los. Am Rand eine Schwimmschule, die Kleinen machen ganz ernsthaft ihre Schwimmübungen, ohne Angst, die Mütter sitzen im Cafe und zerwarten die Zeit mit Kaffetrinken.
Das hat Suska früher auch gemacht, mit ihrer Freundin. Bero ist geschwommen, mit dem Sohn der Freundin und die beiden Frauen haben diese freie Stunde genossen. Das war schön, denkt Suska.
Ein älterer Schwimmer kreuzt ihre Bahn. Warum schwimmt der quer, ärgert sich  Suska, wenn ich jetzt schneller schwimme , ramme ich ihn.
Wenn sie untertaucht mit ihrer neuen Schwimmbrille mit den blauen Gläsern, dann sieht sie seinen Bauch über der Badehose und dass er seine Beine bewegt wie ein Hund. Aber sie sieht nur seinen Bauch und nicht seinen Kopf. Das macht ihn abstrakt, genauso wie die Frau, die vor ihr schwimmt, mit ihrem schwarzen Badeanzug , der so Rüschen am Po hat. Auch diese Frau ist etwas dick und strampelt genauso wie der Mann mit seinen Beinen. Wer weiss wie ich von unten aussehe, denkt Suska, immerhin schwimmen wir, und dümpeln mit unseren schweren Körpern nicht nur vor den Düsen, um unsere Muskeln durcharbeiten zu lassen. Ich schaffe heute 35 Minuten , nimmt sie sich vor.

Das blaue Glas der Schwimmbrille verfremdet die Umgebung noch mehr. Die Lichter gehen an, draussen ist es dunkler geworden, das Wasser wirft blaue Blasen.
Nicht an die Hautpartikel denken, die da rumschwimmen, huuuu!
Nein, nein, alles ist schön, alles ist glitzernd, es kommt auf die Sichtweise an.

Suska hatte mal einen Patienten, der sich nie wusch,  ein sehr alter Mann, mit langen wilden weissen Haaren, den sie dann überreden konnte, dass sie ihm wenigstens die Haare bürstet. Er sass am Küchentisch in seiner alten Hütte, und sagte: Wannst moanst, Madl, und als sie die Haare bürstete, stoben goldene Funkeln durch den Sonnenstrahl ,der durchs seit Jahren ungeputzte Fenster fiel.
Goldstaub, Madl, da schaugst! hat der alte Mann gesagt.
Suska muss lächlen. Er musste  dann später ins Heim und sie konnte ihn überreden, das er vorher duscht.
Da hat er gesagt: Dann geh ich wenigstens sauber zum Herrgott nüber.
Er war einen Tag im Heim und dann ist er gestorben. An oiden baam verpflanzt ma net, hat er zu Suska gesagt. I sterb glei, wann i do bin.
Warum erinnnert Suska sich an ihn?
Weil sie so oft Tod erlebt?So oft Sterben? Wie hält sie das aus, hat mal jemand gefragt. Weiss nicht, hat Suska geantworte, das ist eben so.
Der letzte Tod einer Patientin, das war schön. Diese Tochter. Die so ruhig da sass und gefasst war, und am Ende danke gesagt hat. Für alles. Das hört Suska nicht oft. Die Angehörigen sind entsetzt und geben der Pflege die Schuld, das die Eltern oder wer auch immer so leiden mussten. Passiert jedenfalls öfter.
Schluss, Suska schwimmt jetzt, eintauchen , auftauchen, atmen, eintauchen…..
So wie die Tochter, wie hiess sie, Loida L. ,so wäre Suska gerne. So zart und gelockt und feingliedrig, so eine hätte sie vielleicht auch nur gerne als Freundin. Aber das geht nicht. Das macht man nicht.
Warum nicht? Warum eigentlich nicht?
Eintauchen, auftauchen, atmen…..vielleicht sieht sie sie ja noch mal, diese Loida, dann kann sie ja was sagen.
Die 35 Minuten sind rum, ein bisschen noch an die Düsen, wenn sie da jetzt schnell hinschwimmt, kriegt sie einen Platz. Noch sind die Plätze an den Düsen frei.