Flida- Achtsamkeit und Pippi Langstrumpfs Zöpfe

Flida übt Achtsamkeit. Und Selbstwertschätzung. Es gibt ein Onlineprogramm: Selbstwahrnehmung. Jeden Tag eine Übung zur Achtsamkeit. Sie hat sich das als APP auf ihr Handy geholt, gelobt sei die Technik, und will jetzt jeden Tag eine Übung machen. Begonnen hat sie mit:Eine Rosine riechen, sehen, schmecken. Leider ist die ihr runter gefallen und kullerte unter das verstaubten Sofa.
Egal.
Manchmal blinkt das Handy und schreibt ihr Botschaften: Gehe ruhig! Atme tief! Mache kleine Schritte! Das gefällt Flida irgendwie.
Am zweiten Tag war die Aufgabe: Langsam gehen. Das war schön, sie ist im Regen durch den Wald gelaufen, nein, eher gegangen,  und hat versucht zu spüren, und zu hören und zu riechen. Schön war es, weil sie keine Kalorien abbauen und keine Kilometer schaffen musste, sie ging einfach nur.
Am dritten Tag sollte sie achtsam Zähne putzen, das hat sie sein lassen, sie ist vielmehr zum Friseur gegangen, sich achtsam verschönern lassen wollte sie. Wimpern färben, Augenbrauen in Form bringen. Beim Wimpern färben müssen die Augen geschlossen bleiben, das ist ne gute Übung, denkt Flida, 15 Minuten mit geschlossenen Augen in einer unbequemen Stellung mit überstrecktem Kopf-was werde ich fühlen?

Sie hört auf die Geräusche im Salon, auf die Stimmen der Friseurinnen, auf die Gespräche der Kundinnen. „Bitte, sind Sie sicher, das er mir die Haare waschen kann?“
„Aber natürlich, das ist unser Lehrling, der kann das !“ hört Flida die Friseurin sagen. Sie hat vorher eine Stimme gehört, eine tiefe, die nicht akzentfrei deutsch sprach, das wird der Lehrling sein. „Dann sagen Sie ihm bitte, er soll nicht so fest aufdrücken, ich habe eine sehr empfindliche Kopfhaut, und wie lange dauert die Kur, die er mir da rein tun soll?“
„1o Minuten“, antwortet die Friseurin. „Hach, das ist aber,… das ist lang, haben Sie nicht, sowas was drin bleiben kann….“
Herrje, denkt Flida, eben hat sie sich noch gefreut, das sie so schnell dran kommt, jetzt mosert sie , das ihr  das zu lang dauert.Schnepfe…
Achtsamkeit! Sie muss da ja nicht hinhören.
Sie lauscht auf die Geräusche ferner vom Salon, die Strasse, jemand lacht, ein Fön wird angeworfen… die Türglocke geht … Schwupps, ist sie wieder da. Augen bleiben zu, sonst brennt es .

„Guten Tag, können Sie Zöpfe flechten?“
„Ah, also, ich nicht, aber ich frag mal.Fatma! Kannst du Zöpfe flechten?“
Huch, denkt Flida, eine Friseurin die nicht Zöpfe flechten kann?Aber Fatma kann.
„Ist für meine Kleine hier, Schnellentschluss, sie will 2 Zöpfe. Sie will die Mama überraschen.“
Flida hört, wie das Kind auf den Stuhl gesetzt wird und  der Papa fragt: „Was willst du denn für Zöpfe? Wie Anna?“ (Ah, denkt Flida, das ist ne Comicfigur! ) „Oder wie die andere, die Elisa? Oder wie Pippi Langstrumpf?“
Flida ist gespannt!
„Wie…, wie Pippi!“ hört sie.

Und Flida hofft sehr, dass  ihre Wimpern fertig gefärbt sind,wenn die Zöpfe geflochten sind,  damit sie diese Pippi-Langstrumpf-Zöpfe sehen kann!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Loida -die Mutter erzählt

Als Loida und die Mutter das Abendessen mit Wurst und Gürkchen und Butterbroten  in friedlicher Eintracht verspeist haben, wagt Loida eine Bitte zu äussern.
„Mutter,“ sagt sie, „ich werde ein paar Tage hierbleiben. Ich möchte die Zeit nutzen, das du mir erzählst wo ich herkomme und wie du aufgewachsen bist. “
„Hab ich das noch nie erzählt?“ fragt die Mutter. „Nein, “ sagt Loida, “ du hast immer nur Kleinigkeiten erzählt, ich möchte jetzt wissen, was früher war, da mit ich verstehe, warum manches so war, wie es war.“
„Ach, Loida,“ seufzt die Mutter, „das ist doch schon so lange her!“
„Eben“, sagt Loida, “ und deshalb möchte ich deine Geschichte hören! Damit wir sie nicht vergessen!“
„Nu, “ sagt die Mutter, “ dann hol mir mal`n Bier, wenn das unbedingt sein muss, dann versuch ich mal. Aber alles vertell ik di nu nich!“

Loida ist ein bisschen überrascht, das die Mutter so leicht dazu zu bringen ist,  zu sprechen. Sie holt ein Bier, schenkt ein, es gluckert und gurgelt im Glas, auch ein Geräusch, das sie an die Kindheit erinnert, wenn der Vater sich abends zur Ruhe setzte, dann ploppte der Kronkorken und es zischte im Glas, und irgendwie fühlte sich Loida geborgen.

Loidas Mutter erzählt: Meine Mutter E. wurde in Kogel geboren, auf der anderen Seite vom Plauer See, in Mecklenburg. Mein Vater R. wurde in Plau geboren.
Der hatte schon mal ne Familie gehabt.
Seine erste Frau hiess B….. Sie ist an der Grippe gestorben , die nach dem ersten Weltkrieg so ganz scharf gewütet hat in Deutschland und überall.
Und ein Jahr später ist der Sohn gestorben.Die Grabstätte war noch immer in Pxxx.
Opa ist da immer hingegangen.Der hiess ja auch S…..mit Nachnamen, und da lag so ein kleiner Stein,und da stand H…S….drauf.
Ja, H..,…wenn der damals nicht gesstorben wäre an er Grippe, der kleine, dann hätten wir 2 H… gehabt , mein ältester Bruder, den meine Mutter in die Ehe gebracht hat,heisst ja auch H…. Komisch….
Opa war Maurer, ja…aber ein guter (Stolz in der Stimme) Das kann ja nur sein, wenn man S….mit Nachnamen heisst, das man ein Guter ist.
Nee, ist schon so. Die haben ihn auch alle immer zum Arbeiten geholt, weil er so fleissig war.Ja, und dann 45, wurde er auch von den Russen geholt . Die haben ihn vernommen, denn er soll er was eingemauert haben.Dokumente.
Und einmal war er in Rostock zum Arbeiten, da musste er  mit so einem alten Mann Steine verlegen oder was, und die Nazis haben den Alten geprügelt, weil er so langsam war , und da hat mein Vater sich hingestellt, und gesagt, die sollen das lassen, und da haben die gebrüllt, er soll die Fresse halten, sonst kriegt er auch welche aufs Maul. Sonst schiessen die ihn tot.Als der wieder nach Hause kam, war er fertig. Weil er nichts machen konnte für den alten Mann.
Opa musste nicht in den Krieg, weil er zu alt war.Er hat ja den ersten Weltkrieg mitgemacht, aber dafür war er im Volkssturm(1945,) er war Volkssturm Erster, und da hat er und Arndt Püchsener, der hatte schon einen Arm verloren, im Krieg, mit dem ist er an der Eldebrücke gewesen.Die sollte gesprengt werden.Die Soldaten hatten da Sprengstoff gelegt, kurz vor Schluss, vor dem 3.Mai. Das hat Opa durch geschnitten, damit die Brücke nicht gesprengt wird. Leider steht da nicht sein Name , an der Brücke,aber da steht: Plauer Bürger haben das gemacht. Ja. Irgendwie war Opa doch ein Held. War er, ja…. Ja,und in der Gewerkschaft war er.Er hatte eine Urkunde, 25 Jahre Gewerkschaft, im Zimmer hing die, nachher war sie weg. Und da stand drauf:
Einer für alle, Alle für einen.
So ist der Spruch gewesen.Während der Nazi-Zeit konnte er in der Gewerkschaft bleiben, das hat keinen gekümmert.Das musste er nicht verstecken,
Obwohl Plau voll war von Nationalsozialisten. Aber die haben sich zurück gehalten .Die waren auch irgendwie stur, so eingebildet, wenn da so Weihnachtsfeiern waren, dann wurden die beschenkt, vom Frauenverein, wie hiess das- deutscher Frauenbund,…das hat mich geärgert. Dass die auch noch Geschenke kriegen.Ich war als Jungmädchen aktiv, natürlich war ich dabei, das ging gar nicht anders.Aber ich war ja auch erst 10 Jahre alt.Wir haben Sport gemacht, das hat sehr viel Spass gemacht.Wir haben gestrickt, Pulswärmer für die Soldaten,und Schals,in Pakete gepackt, an Weihnachten, abgeschickt an die Front, also sowas haben wir auch alles gemacht. Also,das glaub ich jedenfalls, das das für meine Eltern kein Problem war,das wir da so aktiv dabei waren.Wir waren ja alle aktiv,Meine Brüder, ich…, meine Schwestern. Wir  waren ja zu neunt. Die Jungens haben Musik gemacht. Die haben die Nachbarn verrückt gemacht , mit ihrem Trompetenspiel,…Wir waren ja alle klein, guck mal , ich war 14 fünfundvierzig, als die Russen kamen.Wir hatten alle  solche Angst, das die uns was tun. Man hörte ja so Geschichten. Da hat mein Vater sich was überlegt.
Eingemauert hat er uns.Wenn du so willst. Am Ende vom Hof, vom Garten war ja so eine kleine Mauer und dahinter floss die Elde.Er hat hinter dem Garten zwischen dem Schwienstall an der Stadtmauer einen Verschlag gemacht, alles zugestellt mit Holz,und da war Stroh drin, in dem Raum.Und dann hat er ein Loch geschlagen in die Mauer,das wir da durch konnten, und da wurde so ein Schrank vorgeschoben.Und die kleinsten Jungs waren mit einer alten Frau im Haus im Wohnzimmer, und die Russen haben immer gefragt: Wo Frau, Wo Frau? Die konnten sich das nicht erklären, dass wir nicht mehr da waren, und wo wir waren.Wir waren , glaub ich, über 20 Frauen drin.Die suchten alle Schutz bei meinem Vater.Wenn die Russen dahinter gekommen wären, ich glaub , die hätten meinen Vater auch erschossen.Wir haben das gemerkt, das die Russen da waren, wir waren so still, du hättest da wirklich die berühmte Nadel im Stroh fallen hören.So leise ist das gewesen. Und meine kleinen Brüder , die waren draussen.Mit dieser alten Frau.Der haben die Russen wohl nix getan. Die war wohl selbst für die Russen zu alt. Die sei schon faul und gammelig, haben die Russen gesagt.Furchtbar.Und nach ner Weile haben wir dann gemerkt, wie die Russen auf dem Hof waren und mit der Taschenlampe durch das Holz, weisst du, wenn da so Ritzen sind, wie die da durch geleuchtet haben.Und da kam dann der Schein da rein, aber die konnten das (uns)nicht sehen.Die sind denn wieder abgehauen.Aber weisst du, ich hab in meinem ganzen Leben noch nicht so gezittert und auch nie wieder solche Angst gehabt.Und denn war das ja Sommer, und es war so warm und die Schafe die blökten, und die Kühe haben Lärm gemacht und mussten gemolken werden, und die Schweine, und dieses Geblöke und so, das hör ich immer noch, das war schlimm.Ja, das war keine schöne Zeit, aber irgendwie haben wir die dann doch noch als schön empfunden.Aber wir haben ja trotz allem ne schöne Jugend gehabt, wir hatten ja einen grossen Hof, und das gute war ja, das wir ein eigenes Haus hatten.Wir haben da Höhlen gebaut, und wenn Gewitter war, dann hatten wir so eine Leiter hingelegt, Säcke rauf und da sind wir dann unter gekrochen.Wir waren immer zu dritt, oder nee, zu viert…nein, also ich war vielleicht immer manchmal bisschen böse mit den Gören, aber wenn man da erzieht , dann muss man manchmal bisschen streng sein.Aber das, denk ich, haben sie mir auch nicht so übel genommen.Die sind ja immer noch zu mir gekommen.“

„So, Loida, nu is Schluss!“ die Mutter wirkt erschöpft, es wühlt auch sie ziemlich auf, nicht nur Loida, die das alles gar nicht wusste. „Vielleicht reden wir morgen weiter! Hilfst du mir zum Bett?“
Und Loida hilft dieser zerbrechlichen Frau, die ihre Mutter ist, die Treppen hinauf und hilft ihr ins Bett und denkt, das sie, wenn sie das alles früher gewust hätte, was die Mutter durchgemacht hat, dass sie , Loida,  vielleicht alles anders verstanden hätte. Früher.
Aber es ist wie es ist.
So ist das.

Loida- Abendessen

Loida bleibt bei der Mutter, die sie mit ihrer geprellten Hand nicht allein lassen kann. Sie spürt, dass die Mutter erleichtert ist, das Loida bleibt.
Sie fragt nicht , wie lange Loida bleiben kann.
Loida weiss es auch  nicht, zu Hause wird sie nicht gebraucht, aber hier, da ist es nötig, dass sie sich kümmert.
Loida trägt ihre kleine Tasche in ihr altes Kinderzimmer.
Sie ist sehr lange nicht mehr hier in dem Zimmer gewesen. Wenn sie die Mutter besucht haben, oder auch den Vater, als er noch lebte, haben sie nie übernachtet.
Der Ehemann wollte abends immer gerne wieder zu Hause sein und Loida war es recht, auch wegen der Kinder. Die waren hier immer so unruhig, vielleicht haben sie auch die Spannungen gespürt.
Loida öffnet die Tür ihres alten Kinderzimmers.
Es riecht nach Kindheit.
Die Wand ist immer noch in einem dunkelroten Farbton gestrichen, das Bett steht rechts neben der Tür und auch die Polster, die aus dem Schlafbett ein „Sofa“ machen sollten, sind ordentlich aufgestellt. . Auf den Regalen an der Wand stehen die Bücher, die Loida früher gelesen hat, Hanni und Nanni, Tina und Tini,…Eine Freundschaft bewährt sich,… sie nimmt das Buch in die Hand, das war ihr Lieblingsbuch, sie dachte, das gäbe es schon längst nicht mehr.
Auf dem Stuhl vor dem Schreibtisch sitzt ein alter Bär, ach, Teddy, dich gibts auch noch, und Loida nimmt den Bären auf den Arm und dreht ihn auf den Bauch. Der Bär macht ein Geräusch wie ein Schaf. Mööööhhh…

Sie wird jetzt Abendessen machen, wie in der Kindheit. Da gab es Wurstbrote und Käsebrote mit Gürkchengarnitur, kein Gemüsegratin oder Quiche oder Tarte, wass sie immer für den Ehemann abends kocht, mit einem  gesunden Salat dazu.
Nein, in der Kindheit gab es Brote.
Brote mit Wurst und Käse.Wurst- Schinken, Jagdwurst, Zwiebelmett,….
Manchmal gekochte Eier dazu. Und dazu Fleischsalat. Tomaten gab es selten. Aber Gürkchen aus dem Glas.
Loida wird schauen, was die Mutter an Vorräten hat, und dann wird sie ein Kindheitsabendessen zubereiten, für die Mutter und sich.
Mit Servietten neben den Holzbrettern, wo sie das Besteck mit den Holzgriffen drauflegt, so wie Loida es von der  Mutter gelernt hat.

Loida- Die Mutter

Es ist Sonntag. Loida sitzt gemütlich bei einer Tasse Tee und überlegt, wie sie den Sonntag für sich schön gestalten kann.
Der Ehemann ist unterwegs mit seinem Rennrad, er hat den Sport für sich entdeckt seit ein paar Wochen.
Loida vermutet eine kleinen Lebenskrise hinter dieser Obsession, jeden Tag joggen zu gehen, und am Wochenende mit dem Rennrad in hautenger Montur über die Strassen zu rasen. Hübsch sieht er nicht aus damit, findet sie, aber das kann ja noch werden, denkt sie grinsend.
Auf der anderen Seite findet Loida es gut, dass er beschäftigt ist, dann hat sie ihre Ruhe.

Das Telefon läutet. Es ist ihre Mutter.
Loida hat das letzte Mal länger mit ihr telefoniert, als sie ihr erzählt hat , das sie ein Kleid näht. Da hat die Mutter so reagiert, wie sie das tut, seit Loida denken kann. So, als würde Loida nicht in der Lage sein, irgendetwas richtig zu machen.

Die Mutter klingt verzweifelt, sie sagt, sie sei gestürzt, und der Notarzt sei da gewesen und ob sie, Loida, nicht kommen kann. Loida ist erschrocken, natürlich kann sie kommen. In zwei Stunden wäre sie da, sagt Loida, „Soll ich was mitbringen?“ fragt sie noch, und dann fährt sie los, sie ist sehr in Sorge um die Mutter.
Schliesslich ist die Mutter fast 85 Jahre alt. Sie wirkt zwar immer, wenn sie mit Loida telefoniert, munter und geordnet, aber 85 Jahre, das ist alt, findet Loida, da braucht sie vielleicht jetzt Unterstützung von Loida, auch wenn Loida immer dachte, das sie das umgehen kann.
Sie haben nie das Verhältnis gehabt, das sich Loida gewünscht hat. In der Kindheit ist die Mutter streng gewesen zu Loida.Es gab Regeln und Ordnung. Umarmungen gab es ganz selten, und wenn, dann waren die Arme der Mutter hart und steif. Wenn Loida die Mutter umarmen wollte, dann spürte sie eine Sperre, so, als sei der Mutter die Umarmung unangenehm. Loida hat nie einen Kosenamen von der Mutter gehört, und wenn es liebevolle Momente gab, hat Loida diese gehütet in ihrem Herzen wie einen kostbaren Schatz.
Loida hat als Kind die Freundinnen beneidet, deren Mütter liebevoll und fröhlich waren.

Einmal hatte sie das Glück, als sie nach einem Streit mit der Mutter zu einer Freundin geflüchtet war, weinend, sodass die Mutter der Freundin Loida in den Arm nahm, ihr einen Tee hinstellte und sie erzählen liess. Von der Lieblosigkeit in Loidas Elternhaus, von Loidas Verzweiflung, und von Loidas Traurigkeit.
„Vielleicht,“, sagte die Mutter der Freundin, als Loida geendet hatte,“ vielleicht könnnen deine Eltern nicht anders sein, weil sie es selbst nicht gut hatten, kannst du dir das vielleicht vorstellen? Kann dich das vielleicht ein bisschen trösten?“
Diesen Satz hat Loida sehr bewahrt, und viel darüber nachgedacht. Später, als sie erwachsen war und mit ihrer Mutter über diese für Loida schlimmen Situationen in ihrer Kindheit sprechen wollte, hat die Mutter gelacht und gesagt: „Na, so schlimm wird das schon nicht gewesen sein, aus dir ist schliesslich was geworden!“
Aber das ist jetzt egal, denkt Loida, während sie von der Autobahn runter fährt, die Mutter hat sie jetzt um Hilfe gebeten. Das hat sie noch nie getan und deshalb fährt Loida jetzt zu ihr ohne Groll.
Es sind noch 10 Minuten. Loida fährt durch den Ort ihrer Kindheit, rechts neben ihr die alte Schule, ach ja, die Schulzeit, das ist auch so ein Thema und da ist der Friedhof, auf dem der Vater seit 20 Jahren ist, Loida seufzt laut.
Schluss mit den Sentimentalitäten, sie fährt in die Strasse ein, in der ihr Elternhaus steht, parkt und springt aus dem Auto. Sie klingelt und schliesst die Tür auf. „Mutter, ich bins!“ ruft sie. Aus dem Wohnzimmer hört sie Stimmen, die Mutter liegt auf dem Sofa, die rechte Hand ist eingebunden und neben ihr steht eine andere ältere Frau. „Loida!“ ruft die Mutter, “ das ist meine liebe Loida, meine Tochter!“sagt sie zu der Frau gewandt, „meine liebe liebe Loida!“

Und Loida wird es ganz warm ums Herz.