Suska- Heilige haben auch mal schlechte Laune

Nach dem Frühdienst aufs Sofa, denkt Suska. Draussen regnet es, es ist also perfektes Wetter zum rumgammeln nach Feierabend. Sie hat ein gutes Buch zum Lesen, aber kaum hat sie die ersten Sätze gelesen, schon schlummert sie ein.
Leise dringen die Geräusche der über ihr wohnenden Nachbarn an ihr Ohr, streifen leicht ihr Bewusstsein, ihre Gedanken sind verselbstständigt, aber nichts ist mehr wichtig gerade, nichts , wirklich gar nichts…..
Nicht diese traurigen Schicksale ihrer Patienten, nicht die Probleme ihre Arbeitskollegen, nicht der Pflegenotstand und nicht ihr mickriges Gehalt….
Und auch nicht dieses nicht endenwollende Klingeln ihres Telefons….

Seufzend richtet sich Suska auf, der Rücken schmerzt, sie sollte sich ein neues Sofa gönnen, endlich, dieses hier ist zu hart, einfach zu hart….
Das Telefon klingelt immer noch. Ungewöhnlich, dieses dringende Gebimmel, man kann doch Textmessage heutzutage, dann stört man mich nicht, denkt sie brummig.
Hallo, krächzt sie in den Hörer, wer nervt mich hier so penetrant?
Oh, hört sie eine ferne Stimme, ich wollte dich nicht stören, ich hoffe, ich hab dich nicht geweckt? Hier ist Loida!

Loida! Klar, Loida, wie gehts dir,ja, ich habe geschlafen, ich bin einfach zu müde….
Oh, macht Loida wieder, und Suska denkt, jetzt lass mal dieses überraschte OH! andauernd, und erschrickt selber über ihre Gedanken, Loida kann nichts dafür, dass sie so gereizt ist.
Sie holt tief Luft, und sagt: Ist es okay, Loida, wenn ich dich in einer Viertelstunde zurückrufe? Ich muss wach werden!

Und klar, natürlich ist das okay für Loida, dieser guten Seele , denkt Suska, und dann reckt sie sich und beugt sich nach vorne, dieses blöde Kreuzweh und diese schlechte Laune nach dem Mittagsschlaf!
Sie schüttet sich kaltes Wasser ins Gesicht und schaut sich grimmig im Spiegel an.
Na, mal wieder schlechte Laune wegen nichts?
Das Spiegelbild schaut grimmig zurück: Immer nett und lieb geht auch nicht! Schlechte Laune darf auch mal sein! Heilige Suska, heute nicht annähernd heilig!

Meinst du, Spiegelbild? Und Suska zieht ihre Mundwinkel nach oben, das hilft meistens bei schlechter Laune und macht die Stimme freundlicher , ob sie das nun wirklich so meint oder nicht.
Und dann, nachdem sie sich einen Kaffee gekocht hat, und sich wieder ein bisschen freundlicher fühlt, wählt sie Loidas Telefonnummer. Während es klingelt , hofft sie, das Loida keine traurige Geschichte hat, die sie mit ihr teilen möchte, ich hab genug Geschichten immer um mich rum, denkt Suska, und dann meldet sich Loida und fragt Suska:
Meine FerneTochter heiratet in 3 Wochen! Und eigentlich, also, ich wollte dich fragen, ob du zur Hochzeit kommen magst? Sie möchte ein Freundinnenfest feiern, nur Frauen, und da du meine Freundin bist, also ich finde jedenfalls, dass du meine Freundin bist, weil ich dich so mag, da dachte ich, ob du kommen magst?

Suska schwirrt gerade alles, Freundinnenfest, Frauenhochzeit,-
Und der Bräutigam, fragt sie,wo ist der denn?

Da lacht Loida am anderen Ende der Leitung, der einzige Mann, der damit ein Problem hat, weil er als Mann nicht dabei sein darf, das ist mein Ehemann,der Bräutigam ist nämlich eine Bräutigammin, meine Tochter heiratet ihre Freundin!

Jetzt ist es Suska, die OH! macht.
OH!
HO! Ja, klar, sagt sie, so ein Frauenfest, das gefällt mir, na klar gerne komm ich! Ich mach es möglich!
Und dann , als sie aufgelegt haben, stellt sich Suska ein wundervolles Fest vor, nur Frauen, vielleicht in weissen Kleidern, die Blätter im Haar haben, so Heiliginnenmässig, und barfuss ums Feuer tanzen, mit Ästen drin rumstochern und ihre weissen Kleider mit Erde beflecken, und dann gar nicht mehr heiliginnen-artig aussehen sondern erdverbunden und wild,…..das wäre fein!
Und dann schilt sie sich, weil sie so esoterisch- göttinnenhafte Vorstellungen hat, aber auch wenn es anders und ganz modern wird, dieses Fest, sie freut sich sehr, das Loida sie eingeladen hat.

Loida-Ehepläne

Ostern hat der Besuch der Kinder nicht geklappt, aber jetzt, zwei Wochen später , wollen sie ihre Eltern besuchen.
Am Mittwoch hat Loida mit den Kindern telefoniert, wann sie kommen und wann sie vom Bahnhof abgeholt werden wollen. Die Tochter hat gesagt: „Ich bringe noch jemanden mit!“ Und Loida hat geantwortet: „Wie schön,da freu ich mich“, und sich vorgestellt, wie der junge Mann sein wird, den die Tochter mitbringt.

Aber als sie dann aus dem Zug aussteigen, der MusikantenSohn und die FerneTochter, ist es kein junger Mann, den sie dabei hat, sondern eine junge Frau.
„Auch schön“, denkt Loida. Sie begrüsst die junge Frau, die Silla heisst, wie Loida erfährt. Loida umarmt die Tochter und den MusikantenSohn, und ist nur ein bisschen irritiert, als die Tochter mit Silla Hand in Hand die Treppen zum Auto hinauf geht.
Das machen die Mädchen heute vielleicht so, denkt Loida.
Sie haben ein lustiges, fröhliches gemeinsames Frühstück.
Der Ehemann redet mit Silla über Politik, Silla kennt sich da sehr gut mit aus, schliesslich studiert sie das, wie sie sagt, und Loida beobachtet ihre Tochter, die Silla immer so verträumt ansieht.
Später holt der MusikantenSohn seine Gitarre und dann singen sie, alle drei, mit wunderschönen klaren Stimmen und Loida ist ganz glücklich und friedlich zu Mute.
Draussen blühen die letzten Tulpen, die Akeleien zeigen kleine Knospen, und Loida fühlt innendrin eine sanfte Wärme.
Bis der MusikantenSohn die Gitarre weglegt und sagt: „Ich glaube, meine Lieblinsschwester möchte Euch was sagen!“
Die Tochter wirkt nervös, und Loida denkt, was kommt jetzt? Ist sie schwanger? Das wäre aber nicht schlimm, das wäre doch schön!
Die Tochter holt tief Luft und sagt: „Silla und ich kennen uns jetzt zwei Jahre.“
Okay, denkt Loida,und nickt, ihr studiert ja auch zusammen.
„Und es ist so“, sagt die Tochter, „es ist so,… „und blickt hilfesuchend zu Silla.
„Es ist so, das wir in 4 Wochen heiraten werden,eure Tochter und ich“, übernimmt Silla den Satz und legt ihren Arm um die Schultern von Loidas Tochter .
„Heiraten, ihr?“ fragt Loida und spürt eine heisse Welle in sich aufsteigen. „Ihr kennt euch seit zwei Jahren?“
Der Ehemann poltert los: „Heiraten? Zwei Frauen? Spinnt ihr? Ich zahle keinen Pfennig für die Hochzeit, was sollen denn die Leute hier im Ort sagen, es reicht, das der MusikantenSohn so verrückt ist, ich dachte, wenigstens du bleibst vernünftig.“
Und er steht wütend auf und sagt:“Ich geh ne Runde , das muss ich verkraften“ und verlässt türknallend die Wohnung.
Loida sitzt da und weiss nicht was sie denken soll.
„Jedes dritte Kind hat homosexuelle Neigungen, da gibt es ne Statistik, und bei uns bestätigt sich das!“ hört sie den MusikantenSohn sagen.
Loida blickt ins Gesicht der Tochter. „Ich bin ein bisschen verwirrt,“ sagt sie. „Aber ich glaube, ich bin nicht verwirrt, weil ihr heiraten wollt, sondern weil du mir nie was gesagt hast! “
Da kommt die Tochter zu Loida und sagt: „Ich hab nicht gewusst, wie ihr reagieren werdet, ich hatte Angst davor!“
„Hat sich ja auch bestätigt!“ sagt der MusikantenSohn , „der Papa ergreift wie immer türeknallend die Flucht, wenns Probleme gibt!“
Loida schüttelt den Kopf,“ Naja, es ist ja auch nicht einfach. Weiss der grosse Bruder es denn schon?“
Da schnaubt der Musikantensohn, “ was denkst du denn, der würde wahrscheinlich gar nicht mehr mit uns sprechen wollen, weil er uns sowieso alle für durchgeknallt hält, der Spiesser!“

Da muss Loida ein bisschen schmunzeln, der MusikantenSohn hat recht. Der GrosseBruder ist sehr darauf bedacht, dass sein Leben in geraden Bahnen läuft, alles nach Plan, Abitur, Studium, angestellt sein in Papas Firma, nette Freundin, Doppelhaushälfte, Gartenzwerge im Vorgarten, Loida schmunzelt leicht.
Da klappt die Haustür und der Ehemann kommt zurück, ein bisschen ausser Atem schnauft er: “ So, ihr drei, ein bisschen eher hättet ihr uns schon informieren können, finde ich, wo krieg ich denn jetzt so schnell einen Schwiegervaterhochzeitsanzug her? Übrigens zahlt der Brautvater, für den ich mich irgendwie halten,  die Feier, das ist so üblich, aber ich denke, viele Leute kommen sowieso nicht“ sagt er und lacht schallend. „Entschuldigung, das konnt ich mir jetzt nicht verkneifen, ich hab mir auf dem Spaziergang die Gesichter meiner Kollegen und unserer Nachbarn vorgestellt!“

Und dann haben sie lange gesprochen, wie die Hochzeit ablaufen soll, und ob die Tochter wenigstens ein schönes Kleid kaufen geht mit Loida , „ja, aber nicht in weiss!“ und ob sie später Kinder  haben wollen, denn Enkelkinder, das wäre doch schön, und Silla hat von ihrer Familie erzählt und wie die reagiert haben und das es doch an der Zeit ist, das endlich gesellschaftlich zu akzeptieren , das Liebe und Sexualität geschlechtsunabhängig stattfinden kann.
Loida stimmt dem zu, eigentlich, aber als Silla und die Tochter sich immer wieder in den Arm nehmen und küssen, und zärtlich zueinander sind, wie eben Frischverliebte sind, muss Loida weggucken.
Sie braucht noch ein bisschen, sich daran zu gewöhnen.
Aber sie hat ja schliesslich auch noch vier Wochen Zeit.

Loida- Osterdrama, alle Jahre wieder

Es ist Gründonnerstag und eigentlich will Loida keine Ostervorbereitungen treffen. Sie will dieses Jahr keine Eier färben und kein Osterbrot backen und auch keine Osternester füllen. Sie weiss nicht, ob die Kinder kommen, die Tochter ist unterwegs und weiss nicht, ob sie Zeit hat, der grosse Sohn verbringt die Feiertage in den Bergen mit seinen Schwiegereltern, und der MusikantenSohn, der hat wie immer noch nicht gesagt, ob er Zeit hat. Sie wünscht sich sehr, das sie ihn sehen wird. Aber bei ihm weiss man nie, was er vor hat.

Loida seufzt. Trotzdem ist die Einkausfliste lang geworden, ein paar Leckereien sollten schon im Haus sein, wenn Ostern ist.
Es ist noch früh, als Loida mit ihrem Einkaufszettel im Korb losfährt, sie will diese Menschenmassen vermeiden, die immer vor den Feiertagen in den Supermärkten drängeln.

Es ist tatsächlich leer im Supermarkt, als Loida mit ihrem Einkausfwagen durch die Gänge schiebt. Tomaten, Kartoffeln, sie wird ein paar gefärbte Eier kaufen, aber im Biomarkt, denkt sie, und legt einen Granatapfel in ihren Wagen. Vor ihr türmt sich  ein Stand mit Ostersachen. Servietten, Ostergras, Grusskarten, Eierfarben…

Eierfarben, sie könnte doch…., sie könnte eigentlich doch Eier färben, denkt sie, und das kleine blaue Tütchen mit dem Hasen vorne drauf landet in ihrem Wagen. Und wenn sie schon dabei ist, ein Osterbrot kann sie backen, ist ja schliesslich Tradition , und sie backt dann eben kleine , die kann sie den Nachbarn schenken und vielleicht kommt jemand zu Besuch….

Quark, Butter, Mehl, Backpulver, nein, Mehl kauft sie im Bioladen, und die Eier auch, und schon wieder steht eine Aktionsfläche vor ihr, mit Schokoladeneiern und bunten Pralinenschachteln und alles sieht so frühlingshaft aus.
Loida packt freudig in ihren Einkaufswagen ein, was ihr gefällt. „Das wird teuer!“ denkt sie, und an der Kasse wird das bestätigt, aber egal, es ist Ostern.

Im Bioladen ist es mittlerweile voll, aber gutes Mehl und guter Zucker und gute Eier, das muss sein.

Als sie daheim ist, schleppt sie in freudiger Erwartung ihre Einkäufe ins Haus. Sie will sofort mit dem Backen beginnen, und die Eier hat sie schon immer am Gründonnerstag gefärbt, erinnert sie sich. Sie rührt den Teig und formt Zöpfe und schiebt die Brote in den Ofen und kocht die Eier. 15 Stück, wie jedes Jahr, 3 von jeder Farbe.
Aber wo sind die Färbetabletten? Dieses kleine blaue Tütchen, mit dem Hasen vorne drauf? Wo ist es? Sie wühlt alles durch, die Backzutatendose, die leeren Einkaufstaschen, sie schaut im Müll nach, … nichts.

Und sie erinnert sich, das sie jedes Jahr die Farbe nicht gefunden hat,  wenn sie die Eier färben wollte. Manchmal hat sie die Eierfarben schon im Februar gekauft, weil sie Angst hatte, das sie vor Ostern keine mehr bekommen würde, und dann hat sie sie nicht mehr gefunden. Irgendwann  hat sie  begonnen, viele Tüten auf Vorrat zu kaufen und sie igendwohin zu legen, damit sie die an Ostern ja bloss findet, aber sie hat dann die Stellen nicht mehr gewusst, wo  sie die Tütchen hingelegt hatte. Und jetzt passiert ihr das schon wieder!
Sie sollte es lassen mit dem Eierfärben,  herrje noch mal!

Der Schlüssel dreht in der Tür,der Ehemann kommt heim und findet eine aufgelöste Loida in der Küche vor. Die Osterbrote duften verführerisch, aber Loida ist das egal, sie schimpft. „Warum bin ich so schusselig? Jedes Jahr finde ich diese Eierfarben nicht mehr, dieses blöde kleine Tütchen, immer flutscht es mir irgendwohin, und jetzt hab ich da diese Eier und was mach ich jetzt? Wegen so einem blöden Tütchen muss ich jetzt wieder los!“

Der Ehemann lacht und umarmt Loida. „Ich will sowieso noch was besorgen, back du deine Brote in Ruhe fertig, sonst werden die wieder schwarz, wie jedes Jahr!“ schmunzelt er, und ist verschwunden.

Und als er dann wieder kommt, hat er zwei Tütchen Eierfarben dabei, eines für dieses Jahr und eines für das kommende , und das packt er an einen besonders sicheren Ort und Loida färbt ihre gekochten Bioeier, die zum Glück auch gar nicht aufgesprungen sind wie sonst, und  die Osterbrote sind dieses mal überhaupt gar nicht verbrannt.

Jetzt kann sie sich richtig auf das Osterfest freuen.
Denn sie hat gerade eine Nachricht bekommen. „Hast du dieses Jahr schon Eier gefärbt, liebe Mama? Wir würden nämlich gerne welche haben, wir kommen am Sonntag, passt das? “ Und dazu ein Foto von MusikantenSohn und FernerTochter, mit Hasenohren.

Das wird ein schönes Ostern!
Gut, dass Loida soviel eingekauft hat!

 

Loida- vom Leben in allen Farben

Es war Suska am Telefon.
Natürlich- welch ein Glück, sie hatte Zeit, sie würde gleich zum Friedhof kommen und dann haben Loida und sie sich am Grab von Loidas Mutter getroffen und  gemeinsam die Hornveilchen eingegraben.
Und dann sind sie in ein Cafe gegangen und haben geredet.

Suska ist sehr klug, hat Loida gedacht, so weise. Sie weiss soviel. Sie wirkt so sicher in allem was sie denkt!
Sie haben über sich gesprochen und über Loidas Familie und was Loida so macht und  über Suskas Arbeit als Krankenschwester und wie das ist, wenn jemand stirbt. Und wo der dann hingeht und was dann passiert. Und Loida hat gemerkt, das das für Suska ein ganz wichtiges Thema ist und das sie sich viele Gedanken macht über den Tod und auch schon so viel erlebt hat damit.
Und dass sie trotzdem nicht traurig ist, und sagt:“ Ich liebe jeden Tag. Manchmal hab ich Angst, das es schnell vorbei ist, mein Leben,  und ich habe dann damit nicht gerechnet, dass ich plötzlich tot bin und wahrscheinlich bin ich dann überrascht, aber im Ganzen macht mir Tod keine Angst. Ich glaube ganz fest daran, das wir nicht verschwinden. Wir werden weiter da sein! Ich zeig dir was! “

Und sie hat ihr grosses Tablet aus ihrer riesigen Handtasche geholt, „Ich mag lieber dieses Riesending, als so ein kleines Handy. Auf dem Tablet ist mehr Platz, und…“ sie hat sich zu Loida rübergebeugt: „ich brauch keine Brille!“ und dann hat sie dieses laute wilde Lachen gelacht, so dass sich im Cafe ein paar Leute umgedreht haben.

Suska wischt auf dem Display rum und murmelt und dann findet sie , was sie sucht:(ein Beitrag aus Ullis Cafe Weltenall).
Es ist ein Bild. Ein Boot auf grünem Wasser, vielleicht ein Schilfboot, darin sitzen vier schwarze Figuren, die Figuren an Heck und Bug haben eine stolze erwartungsfrohe Haltung, die beiden Figuren in der Mitte des Bootes wirken ruhig, abwartend, still.
„Ein Ahnenboot“, sagt Suska.
„So stelle ich mir das vor, wenn man stirbt. Wir werden dann geholt. Wir gleiten dann übers Wasser , übers grüne stille, tiefe Wasser. Es ist still und in uns ist nur Frieden.  Am anderen Ufer warten die auf uns, die schon gegangen sind. “

„Ein Ahnenboot. Ein Ahninnenboot vielleicht sogar,“antwortet Loida, „dieses Boot auf dem Bild schwebt, es ist ganz leicht. Ich hab auch mal gelesen, das der Tod seit noch nicht allzulanger Zeit männlich ist. Früher war es die Todin, die gekommen ist, und den Sterbenden in ihre warmen weichen Arme genommen hat. Die heilige Notburga zum Beispiel, das war so eine, die ist gekommen um zu holen, und man hatte wohl weniger Angst, wenn man von einer Frau aus dem Leben begleitet wurde als von einem klapprigen zauseligen männlichen Gevatter Tod!“
„Der womöglich noch eklig aus dem Mund roch, huhhh!“ schüttelt sich Suska.

Sie schaut noch einmal liebevoll auf das Bild von dem Ahninnenboot, klappt das Tablet zu und sagt:
„Jetzt trinken wir einen Aperol Sprizz! Und wenn du magst, du kannst bei mir schlafen!“
„Das könnte ich, ja,“ denkt Loida, „warum nicht“, und dann kommt der Aperol mit Sekt und leuchtet so warm orange im Glas, und die Apfelsine , die am Glas klemmt mitsamt der Physalis machen in Loida Lust auf Sommer.

Die beiden Frauen heben ihre Gläser und stossen an.
„Auf das Leben!“ lacht Suska.
Und wirft ihre weissen langen Haare über die Schulter.
„Auf das Leben!“

Loida- worauf wartest du

Loida wird heute auf den Friedhof fahren.
Es ist jetzt nicht ganz ein halbes Jahr her, dass die Mutter gestorben ist und es ist immer noch so, als sei es gestern gewesen. Es ist immer noch so gegenwärtig, dieser Moment, diese Stille und die Zeit des  Abschieds.

Ihr Alltag ist weitergegangen, ihr Leben hat nicht wirklich stopp gemacht, nur manchmal, wenn sie kurz anhält in ihrer Geschäftigkeit, dann ist da so ein wehes Gefühl in ihrem Herzen. Aber es ist weniger geworden, das findet sie beruhigend.
Heute scheint die Sonne und sie hat Zeit, in die Heimatstadt zu fahren. Vorher wird sie ein paar Stiefmütterchen kaufen, Hornveilchen, diese kleine winzigen Stiefmütterchen, Viola Tricolor, die Mutter hat diese Blumen sehr geliebt, und sobald es Frühling wurde, hat sie alle Töpfe auf der Terasse mit diesen Blumen bepflanzt.
„Die pflanz ich dir in deinen kleinen Garten nachher , Mutter, „murmelt Loida, als sie in ihre warme Jacke schlüpft. Sie kramt in den Taschen, diese Jacke hatte sie zuletzt im Dezember an, vielleicht findet sie ja ein altes Taschentuch, das muss sie dann wegschmeissen. Bestimmt findet sie ein altes Taschentuch, soviel wie sie geheult hat, als sie diese Jacke das letzte Mal anhatte, da ist sie auch auf dem Friedhof gewesen.
Aber sie findet kein Taschentuch. Sie findet einen zerknüllten Zettel mit einer Nummer. Suska steht da drauf. Suska…..ja, Suska! Das war ihre Begegnung auf dem Weihnachtsmarkt, sie hätte sie doch schon längst anrufen können, warum hat sie denn nicht….

Sie wählt aufgeregt die Nummer von ihrem Handy, jetzt kann sie sie anrufen und sagen,dass sie in die Stadt kommt, und vielleicht hat Suska Zeit, das wäre schön! Auf einen Chailatte, oh bitte, Suska soll Zeit haben!

Es ist nur die Mailbox, die sie hört, und die sagt: „Leider leider , keiner da, aber sprich, ich rufe zurück!“

„Hier ist Loda, ich weiss nicht, ob du dich erinnerst, wir haben auf dem Weihnachtsmarkt Chailatte getrunken und du warst damals bei meiner Mutter dabei und ich fahre heute auf den Friedhof und vielleicht hast du dann Zeit später, ich würde dich so gerne wieder sehen! “

Loida streicht  über ihr Handydisplay, „Früher hat man aufgelegt,heute streicht man jemanden weg, ts,…“ denkt sie, aber sie freut sich, das eine Mailbox ranging und vielleicht hat sie Glück, und Suska ruft zurück und hat Zeit heute.

Und jetzt wird sie losfahren.
Im Gartengeschäft ersteht sie eine ganze Stiege violetter Hornveilchen,sie kauft eine kleine Schaufel dazu und ein Säckchen Erde und einen hübschen Blumentopf, und murmelt: „Jetzt mach ich dein Gärtchen schön , Mutter!“ und am Ausgang zu den Kassen findet sie einen Tisch mit wunderschönen Orchideen in zarten Farben , die in wirklich sehr hübschen Übertöpfen stecken und sie denkt: „Ich kaufe zwei. Eines für mich und eines für Suska! Wenn ich Suska treffe, dann schenk ich ihr das!“

Denn irgendwie ist sie sich sicher, dass Suska zurückrufen wird heute.

Im Auto macht sie ganz laut Musik an, ZAZ liebt sie zur Zeit, T`attends quoi, worauf wartest du, Loida singt  mit, voller Freude auf den heutigen Tag.

Und als sie in der Heimatstadt ankommt, der Wegweiser zeigt nach rechts,  Richtung Friedhof, da summt neben ihr das HandyTelefon.

Loida: Rosen und freie Radikale

Sich selbst was Gutes tun, das möchte Loida heute.
Dem ganzen Wintergrau entfliehen, entspannt auf einer Liege legen, und sich pflegen lassen. Loida hat einen Termin bei der Kosmetikerin, das macht sie sehr selten, nur im Notfall. Seit drei Wochen hat sie diese Notfallgedanken. „Ich muss mir was Gutes tun“, und für heute hat sie einen Termin bekommen.
Ein kleines Studio, alles in weiss , ein Buddha mit Kerze im Eingangsbereich, Orchideen im Flur, an der Wand ein Bild mit einer stilisierten Lotusblüte.
Loida fühlt sich gleich entspannt. Sie darf sich auf eine weisse weiche Liege legen.
Die Kosmetikerin ist eine Frau in ihrem Alter, ein bisschen korpulent, mit einem weissen Kittel und gepflegten Händen. Loida fühlt sich wohl. Die Kosmetikerin beginnt, mit einem  freuchten warmen Tuch Loidas Gesicht zu waschen, fragt sie ein bisschen nach Loidas Pflegegewohnheiten aus und Loida antwortet, das sie normal nicht viel tut mit ihrer Haut, ein wenig Gesichtscreme für den Tag und eine gehaltvollere Nachtcreme vom Drogeriemarkt, das reicht.
„Das merkt man!“ sagt die Kosmetikerin, „tun Sie ihrer Haut zuliebe sich öfter mal was Gutes, eine Ampulle pro Woche, das wäre sicher nötig. Ich tu Ihnen jetzt mal die Behandlung drauf und dann sehen wir,was Sie dann zu Hause machen können!“
Achso, denkt Loida, muss ich mir das dann kaufen hier? Reden kann sie nicht, sie hat das warme Tuch auf ihrem Gesicht und jetzt fängt die Kosmetikerin an, ihr eine feuchte schwere Creme aufzutragen.
„Wissen Sie, ich liebe meinen Beruf!“ , sagt diese, “ allerdings, was ich mir immer anhören muss von den Leuten, diese Geschichten! Ich komme immer ganz voller Storys zu Hause an, was die Leute alle für Sorgen haben! Und dann komm ich nach Hause und dann ist da mein Mann, und der will sein Essen haben und dann koch ich, und dann trinkt er seinen Schnaps, und dann kann er nicht mehr Auto fahren, aber manchmal möchte ich ja schon raus mit ihm auch, und mal ein bisschen bummeln, aber er trinkt ja immer seinen Schnaps. Aber zum Glück…“ , sie wischt resolut die Creme wieder von Loidas Gesicht, „Zum Glück hat er jetzt einen Nebenjob!“
Sie beginnt, mit einer spitzigen Nadel an Loidas Stirn rum zu drücken, das tut etwas weh. Aber Loida ist still,das gehört wohl dazu.
„Nebenjob, aha, „murmelt Loida, bevor sie tief Luft holt, es tut ziemlich weh.
„Ja, Nebenjob!“ fährt die Kosmetikerin fort, und piekt drauf los, “ er muss jetzt am Wochenende Nachtschicht machen, an der Tankstelle am Ortausgang, die kennen Sie bestimmt! Und jetzt ist er Freitag abends und Samstag Nacht aufgeräumt! Da hab ich die Wohnung für mich!Sturmfrei!“ lacht sie und und zupft an Loidas Kinn und Oberlippe mit einer Pinzette die überflüssigen Härchen raus.
„Das nächste mal machen wir Sugaring, das müssen Sie dann vorher sagen! Dann geht das gründlicher weg, die Borsten!“ kommt es von oben an Loidas Kopf.
Sie massiert Loidas Gesicht mit einem duftenden Öl. „Rosenöl!“ erklärt sie, “ das ist gut für alte Haut, das macht sie rosiger! Granatapfel ist auch drin, das fängt die freien Radikalen ein!“
Freie Radikale und sturmfrei. Ist der Mann erst aus dem Haus, sieht die Welt viel schöner aus…
Männerfreie Wohnungen mit freien Radikalen. Freiheit für die Granatäpfel. Stoppt den Missbrauch der Rosen, kein Rosenöl auf alte Haut, denkt Loida, und wann erzählen die Kunden ihr die Geschichten, die sie mit nach Hause nimmt, Loida ist jedenfalls überhaupt nicht zu Wort gekommen.
Wollte sie auch nicht.
Sie wollte nichts erzählen, sie wollte sich nur was Gutes tun.
Und jetzt liegt Loida da, und denkt an den Mann mit dem Nebenjob, der Schnaps trinkt und dessen Frau froh ist, wenn er weg ist, und Loida das auch manchmal denkt, das sie froh ist, wenn ihr Mann auf Dienstreise ist, und ob das schlimm ist, so zu denken.
Loida ist ja dann aber nicht die einzige zum Glück, die so denkt, das geht Loida durch den Kopf, während sie auf der weichen Liege liegt.
Der Duft des Rosenöls zaubert ein Bild vor ihre Augen:schwellende überfliessende Rosenblüten an üppigen Sträuchern, und tanzende ältere Frauen mit Falten im Gesicht , Haaren auf der Oberlippe und Rosenblüten zwischen den Brüsten und in den grauen Haaren, die tanzen und lachen, und  Loida in ihre Mitte nehmen.
Sie träumt. Sie schwebt.
Bis die Kosmetikerin wieder den Raum betritt, da wird Loida wieder wach. Ein warmer feuchter Lappen landet in ihrem Gesicht, die Maske wird abgeschrubbt. Noch eine feine Rosencreme drauf aufs Gesicht, „Die kriegen Sie dann zum günstigen Preis bei mir an der Kasse“, hört Loida, und dann darf sie aufstehen.
Natürlich kauft sie sich an der Kasse die Rosenpflegecreme und noch eine Monatspackung Granatapfelampullen, für die freien Radikalen, klar, sie tut das ja für sich. Und dazu bekommt sie noch ein paar Pröbchen, und den Auftrag, das sie das nächste mal dann ein Sugaring mitbuchen soll, was auch immer das sein soll, und dann geht Loida heim.
Und im Bus fällt ihr ein: Sie hat Strumfrei heute, der Gatte ist auf Dienstreise, wie schön….

Loida- die Mülltaucher

Bald werden die Blumen welk sein und Loida wird  sie entsorgen müssen, schade.
Sie mag zwar keine Nelken und Chrysanthemen, aber als am Neujahrstag alle Kinder zu Besuch kamen,hatte der MusikantenSohn eine Kiste dabei, voller Obst, Joghurt und Keksen, und obendrauf lagen 3 prächtige Blumensträusse.  Loida hat verwundert in diese Kiste geschaut und gedacht: Warum bringt der mir diese Fertigjoghurts mit? Und dieses ganze Obst und Gemüse und vor allem:Warum BLUMEN?
„Hab ich für dich containert!“ hat der Sohn gelacht.
„Für mich ge…was?“
„Containert. Ich hab Blumen für dich containert. Und das Obst und das Gemüse, das tun wir in eine Saftpresse, ihr hab doch so ein Hightechding, da können wir wunderbar Gemüsesaft draus machen!“
„Containern nennt man das, wenn Leute nach Ladenschluss aus den Müllcontainern der Supermärkte das weggeworfene Gemüse und so rausholen!“hat die KlugeTochter erklärt und  ihren Bruder angegrinst.
„Ja, und mein kleiner Bruder hat das auch nötig , sowas zu tun! Als bekäme er nicht genug Unterstützung vom Vater für seinen hochgeistigen Lebenswandel! „brummt der grosse Bruder, der in seinem massgeschneiderten Anzug vornehm auf dem Stuhl sitzt und in sein Smartbook schaut.
„Nicht nur der kleine Bruder, auch die kleine Schwester macht das!“ sagt die KlugeTochter von Loida und fährt fort: „Wir leben in einer solchen Überflussgesellschaft, du kannst dir nicht vorstellen,was alles weggeworfen wird, nur weil das Verfallsdatum bald kommt!“
„Ich hab beim letzten containern sogar Kaminbriketts gefunden, und ich wundere mich immer noch, ob Briketts ein Verfallsdatum haben. Die könnten die Menschen, die im Winter draussen leben, vielleicht ein bisschen wärmen,“ sagt der MusikantenSohn.
„Ist es denn nicht gefährlich“, fragt Loida, „kann man Euch denn dabei erwischen? Werdet ihr dann angezeigt, wenn man Euch erwischt?“
„Wir machen nichts kaputt,“ erwidert der MusikantenSohn, “ es gibt Geschäfte, die haben offene Container, da müssen wir nur über den Zaun klettern, und angeblich haben die Gerichte anderes zu tun, denn Mülltauchen ist kein Diebstahl, und drum….“
„Tss, “ macht der MassAnzugSohn, “ ich kann das gleich mal suchmaschinen, dann sag ich dir, welches Strafmass dir blüht!“
„Ach, Spiesser,“ sagt die Tochter,“ du freust dich doch auch, wenn ich dir ne Tafel Schokolade schenke, oder würdest du nein sagen, nur weil sie aus dem Container kommt? Ich hab letzen Monat hundert Tafeln Schokolade rausgeholt, krass, die hab ich dann in der Uni verteilt!“
„Ich esse keine Schokolade, Schwesterchen!“ hört Loida, als sie nachdenklich in die Küche geht.
Sie holt die Sachen aus der Kiste. Die Bananen sind ein wenig braun, aber man sie essen. Zwei Mangos, ein bisschen angeschlagen, aber für einen Saft bestimmt gut zu gebrauchen. Kartoffeln. Sellerie. Und dann dieser Joghurt. Sie würde den niemals kaufen, der enthält bestimmt viel Zucker , aber probieren kann sie den ja nachher mal. Und Blumen! Wann hat sie zuletzt Blumen bekommen?
Nelken, Chrysanthemen, Rosen und Schleierkraut.
Muss man das wegschmeissen? Kannman das nicht anders verwenden?
Sicher, es gibt  die Tafeln, das weiss sie, sie hat vor Weihnachten eingekauft für die Tafel in ihrem Ort. Da standen im Supermarkt zwei Damen mit einer Liste, womit sie, wenn sie es einkauft und spendet, den Bedürftigen helfen könnte. Aber Loida hat in einer Reportage auch gesehen, das manchmal ein Geschäft gemacht wird mit den Gütern, die die Supermärkte spenden, wenn sie das nicht mehr verkaufen können. Das stimmt sie nachdenklich. Und um bei der Tafel „einkaufen “ zu können, braucht man einen Bezugsschein und als Student hat man den nicht, und ausserdem wollen die ja wohl Lebensmittel retten,was eine ganz andere Gedankenidee ist….
„Die Ding san doch no pfenningguat!“ hört sie ihren Grossvater sagen.
Ich bin Teil dieser Überflussgesellschaft, denkt sie.

Sie beginnt die Blumen zuzuschneiden, und in Vasen zu arrangieren, da kommt ihr Mann in die Küche.
„Nelken!“ ruft er, „Die Blume der Arbeiterbewegung! Hoch die Internationale Solidarität!“skandiert er mit gereckter Faust.
Loida hört die Kinder lachen im Wohnzimmer, „Papa!“ rufen sie,“ was ist mit dir los?“
„Ich möchte der Mama einen Antrag machen, “ sagt der Ehemann, zupft eine Nelke aus dem Strauss, steckt sie sich an den Hemdenkragen, beugt das Knie und fragt: „Würden gnädige Frau mich bitte begleiten? Ich möchte Sie zum ContainerDinner einladen! Als Nachspeise gibt es wunderbar fluffigen, nicht mehr ganz frischen, aber noch pfenningguaten Fertigjoghurt!“ und galant küsst er Loida die Hand.

 

Loida- Der Sohn

Der BlondeSohn ist wieder da. Der, der die Welt bereist und nie irgendwo zu Hause zu sein scheint. Der, von dem Loida manchmal nur erfährt, wo er sich aufhält, wenn sie die Facewebseite aufmacht und sieht, was er gepostet hat. Oder an welchen Veranstaltungen er teilnehmen wird. Dann freut sie sich zwar, aber manchmal denkt sie, wenn er ihr kurze Nachrichten bloss schreiben würde, das wäre schön.
Aber letzte Woche  hat er sie angerufen und gesagt, das er jetzt ein bisschen in der Heimat bliebe, er habe eine WG gefunden, lauter Musiker, und er würde sie, Loida, gerne in vier Wochen auf ein Konzert mitnehmen. Allerdings wäre das Konzert in B., dieser Metropole 78 km von Loidas beschaulichem Städtchen A entfernt, und er würde dann von C, wo er wohnt, zu ihr nach A kommen und dann könnten sie gemeinsam von A nach B fahren…
Klar, sagt Loida, wir könnten unterwegs was essen gehen, wenn du magst….Ich freu mich.

Als sie ihn am Bahnhof am Konzerttag abholt, regnet es. Es ist grau und dunkel, und viel Verkehr und Loida erkennt die Strassenschilder nicht, sie sieht verflixt schlecht heute.
Es gibt auch kein Restaurant auf dem Weg , und an der Autobahn essen wollen sie nicht. So fahren sie hin und kehren ein Stück wieder um und fahren zurück, weil Loida die Ausfahrten verpasst und die Schilder nicht liest und weil sie so viel reden miteinander im Auto wie ewig nicht mehr. Über das Leben an sich, über Menschen, über Träume und die Liebe.
Sie brauchen doppelt so lang wie die Fahrt normalerweise dauert, aber das macht nichts, sagt der BlondeSohn, wir haben so viel Zeit, und zur Not ess ich dann mein Knäckebrot.
Und als sie in dem Industriegebiet ankommen, in dem das Konzert stattfinden soll, haben sie tatsächlich noch alle Zeit der Welt.

„Wir suchen jetzt ein Restaurant!“ sagt Loida, und stapft los, durch den Regen und die Dunkelheit der beginnenden Nacht.
Ein unbeleuchtetes Schild einer Brauerei, darunter : „Sportlerheim, Gaststätte, warme Küche….“
„Da gibt es bestimmt Pommes für dich!“ sagt Loida.

Das Sportlerheim hat geschlossen. Montag Ruhetag, klar,  wie denn auch nicht! denkt Loida.Obwohl die beleuchteten Weihnachtsbäume im Wind schwanken und sie dachte, es wäre geöffnet.
Sie gehen weiter. Baustellen, Kräne, der Wind pfeift, eine unwirtliche Gegend. In der Ferne am Ende der Strasse ein Schild: „Zum Maibaum-Pub. Wirtschaft“.
„Dahin gehen wir!“ sagt der Sohn.
Durchs  Fenster der Wirtschaft sehen sie in eine Küche, zwei Frauen in weissen Kitteln schwenken Töpfe, aber wo ist der Eingang? Es ist dunkel, der Wind bläst ordentlich, sie gehen ums Haus herum. Ein beleuchteter Biergarten, grelle Lichter, ein Schild über einer Tür: „Do gehts nei!“
Sie treten ein. Innen ist es hell, voller Menschen mit lachenden Stimmen, Geschirr klappert, die Wände sind mit Plastiktannenzweigen geschmückt, rote Kugeln, silberne Sterne, goldene Rehe stehen auf den Tischen…Loida ist keine Freundin vom Kitsch, aber jetzt gilt es, dem Sohn etwas zu essen zu besorgen.
Die Kellnerin begrüsst sie freundlich und der Sohn  fragt, ob sie was mitnehmen können?
Klar,aber wollen sie nicht hier essen? Es gehe ratzi-fatzi , sagt die Kellnerin, und lacht.
Aber gut,sie sagt Bescheid, dass es schnell gehen soll in der Küche.
Sie setzen sich hin, an einen Tisch, an dem ein Mädchen sitzt und eine Suppe löffelt und ein Mann,der lange dünne Haare hat, vor seinem Weissbier sitzt und lebhafte Selbstgespräche führt. Der ist Loida suspekt, der ist sicher nicht viel älter als sie, aber er sieht komisch aus.
„Stammtisch des Gartenvereins Zum  lustigen Kohlrabi“, liest der Sohn auf dem Aufsteller am Tisch, hoffentlich kommen die jetzt nicht und wollen Bier trinken.
Es gibt kroatische Spezialitäten und sie beobachten, wie durch die Durchreiche Platten voller Fleisch und Pommes geschoben werden und wie das Mädchen, welches die Suppe isst, aufspringt und die Platten zu den Tischen trägt.
Loida nimmt ihre Brille ab. Jetzt weiss sie, warum sie so schlecht gesehen hat auf der Autofahrt. Ihre Brille ist total verschmiert. Sie nimmt den Zipfel ihres Pullovers und reibt und haucht auf die Gläser und wischt, aber es verschmiert nur noch mehr.
Da fliegt ein eingepacktes Brillenputztuch vor ihre Nase.
„Damit gehts besser,“ brummt der Mann mit den dünnen Haaren. Loida muss lächeln und der Mann kommt ihr gar nicht mehr so suspekt vor. Und sie sieht tatsächlich besser jetzt durch ihre Brille. Und findet sogar die Plastiktannenzweige gar nicht mehr so hässlich.
Als dann das Essen kommt, und sie mit dem Aluteller in einer Tüte losgehen wollen und dann bemerken, dass sie gar kein Besteck haben und die Kellnerin ihnen  eine Gabel schenkt und sie durch den Wind laufen und feststellen, dass es ein Blödsinn war, nicht in der Wirtschaft zu essen, sondern sich einen Platz suchen zu müssen, wo der Wind nicht so weht und als sie den Platz dann finden, nämlich eine Bank vor dem Sportlerheim, neben den wackelnden Weihnachtsbäumen, und der Sohn sich freut über die Menge an Spätzle und Salat, da fühlt sich Loida froh.
Und sie denkt etwas und weiss wieder nicht , wo er herkommt, dieser Gedanke, denn sie denkt, während sie ihren grossen lachenden warmherzigen Sohn anschaut:
„Es ist nicht wichtig, wieviel Stunden oder Minuten an Zeit ich mit jemandem verbringe. Wichtig ist, wie ich diese Zeit wahrnehme. Wichtig ist, welche Qualität sie hat, diese Zeit.“

Die Gabel haben sie übrigens auf dem Tisch des Sportlerheims abgelegt. „So als Gabelrecyclingkreislauf“ , hat der Sohn gesagt.
Und Loida hat sehr froh gelacht.

Loida – „Noch einmal sprechen….“

Es ist für Loida, als sei alles noch ganz nah.Dabei ist es einen ganzen Monat her, das die Mutter gestorben ist. Da ist immer noch dieses Gefühl, wie es war, dabei zu sein, sie, Loida, als letzter Mensch, der Mutters  Hand hielt.
Ein bisschen, denkt Loida, ist es wie eine Geburt, wer weiss, wo die Mutter hingegangen ist, als sie losgelassen hat.
Die letzten Wochen sind an Loida vorbeigerauscht. Die Beerdigung, der Bürokratenkram, das Haus auflösen,… Der Bruder hat geholfen, zum Glück, der ist Anwalt, der kennt sich aus mit sowas.
Einen Abend haben sie im Wohnzimmer gesessen, vor sich eine Schachtel mit Dias.
„Wer braucht denn sowas noch!“ hat der Bruder den Kopf geschüttelt, und wollte alle „komplett in die Tonne kloppen“.
Aber Loida hat sie rausgeholt und jedes einzeln angeschaut. Dias von Ausflügen an den See…. Loida, in einem gehäkelten Badeanzug , wie sie frierend im Wasser steht, die Mutter mit grosser Sonnenbrille und Sonnenhut daneben, lachend.
Loida und der Bruder auf einem Schlitten, der Bruder hält seine kleine Schwester fest, Loida trägt eine Bommelmütze. „Schau“, ruft sie, „diese MÜTZE! Die hab ich so geliebt.“
„Du und deine Bommelmütze!“ lacht der Bruder, “ du hast sie auch im Sommer getragen!“
Und so schauen sie die Bilder an und ein paar davon wird Loida mitnehmen.
„Bestimmt kann man die digitaliseren“, sagt der Bruder.

Und jetzt ist die Mutter schon über einen Monat tot.
Sie fehlt Loida. Auch wenn sie über die Jahre wenig Kontakt hatten, irgendwas fehlt in Loidas Leben. Manchmal muss Loida weinen, wenn sie an die Mutter denkt, und manchmal wünscht sie sich so sehr, das sie sie noch spüren kann, irgendwie. Sie horcht manchmal ganz nah in die Stille,vielleicht hört sie ein leises Summen, in dem die Stimme der Mutter ist.
Es gelingt ihr nicht. Über ihre Trauer mag sie nicht sprechen, eine Freundin hat letztens gesagt: „Jetzt muss mal genug sein mit der Trauerei, schliesslich war deine Mutter schon alt!“
Deshalb behält sie das für sich, dass es noch schmerzt und dass da was fehlt.

Heute fährt sie auf den Friedhof. Auch wenn sie dafür fast zwei Stunden im Auto sitzen wird, sie kann danach auf den Christkindlesmarkt gehen und eine Bratwurst essen, so wie früher, als sie klein war.

Den Friedhofsbesuch hat sie schnell hinter sich gebracht, da hat sie die Mutter auch nicht gefunden.
Und jetzt steht sie am Glühweinstand auf dem Christkindlsmarkt, pustet in ihren Punsch und schaut den Leuten zu, wie sie Bratwurst essen, sich fast am Crepe verschlucken, oder in ihren Glühwein blasen, so wie die Frau da drüben. Irgendwie kommt sie Loida bekannt vor.
Woher nur? Sie kennt in dieser Stadt doch niemanden mehr.

Die Frau dreht sich um. Natürlich, das ist die Krankenschwester, wie hiess sie doch gleich, irgendwas mit S…
Loida fasst sich ein Herz. „Entschuldigung…. Ich weiss nicht , ob Sie sich an mich erinnern, Sie waren mit mir dabei, als meine Mutter gestorben ist.Ich bin Loida L., meine Mutter war Frau B.“
„Natürlich, ich erinnere mich jetzt, entschuldigen Sie, aber ich begegne immer so vielen Menschen…Wie geht es Ihnen? Ist es schwer gewesen in der letzten Zeit für Sie?“
Da merkt Loida, wie sie fast Tränen in die Augen bekommt, so eine Frage mit so einer Wärme hat ihr noch niemand gestellt. Sie schluckt die Tränen runter.
„Ja. Es ist immer noch schwer. Sie fehlt mir. Ich suche sie und kann sie nicht finden, meine Mutter, es gibt Leute, die sagen, sie spüren ihre Verstorbenen noch, hören sie oder sehen sie, aber ich spüre nichts, ich bin nur so unendlich traurig…“, bricht es aus Loida heraus. Warum macht sie das? Sowas tut man nicht. Man erzählt keinem Wildfremden solche Sachen von sich!
Die andere Frau schaut Suska an. „Sprichst du mit andern über deine Mutter? Wie das alles so war?“
„Ach!“ ruft Loida,“ das kann doch keiner mehr hören , dass ich traurig bin!“
„Och,“macht die andere,“ Du sollst ja nicht drüber reden, dass du traurig bist, du sollst erzählen, wie deine Mutter war! Komm, wir gehen da rüber, und trinken einen Chailatte, kennst du das? Sehr lecker! Und du erzählst mir von deiner Mutter! Ich mag  Geschichten! Und dann erzähl ich dir von meiner Mutter! “
Jetzt fällt Loida auch der Name wieder ein, Suska heisst sie, und gerne geht sie mit Suska ins Cafe und probiert Chailatte , was auch immer das ist,…warum nicht…
Und dann haben sie da 2 Stunden gesessen, Loida und Suska, und über ihre Mütter geredet, von den Dingen, an die sie sich gerne erinnern und wie das war, als sie klein waren, und wie das dann war, als sie grösser waren und auch, das die Mütter fehlen, und obwohl schliesslich Loida und Suska „erwachsne, gstandene Weibsn“ sind, wie Suska sagt, wäre es trotzdem schön, wenn da eine Mutter noch wäre, die tröstet, oder wenigstens eine Freundin, bei der man weinen kann, und mit der man lachen kann, und über die Mutter reden kann, die schrecklich genervt hat, damals, aber jetzt schon ziemlich  fehlt.

„Noch einmal sprechen von der Wärme des Lebens“,
Woher kommt denn dieser Satz jetzt zu Loida geflogen? Egal, ein schöner Satz ist das, und als Loida dann heimfährt , mit Suskas Telefonnummer in der Tasche und Zimtgeschmack im Mund von diesem Chailatte, den sie getrunken haben, hat Loida das Gefühl, das sie auf ihren Schultern eine weiche leichte Wärme spürt.
So, als hätte da jemand seine Hand drauf gelegt.

 

Loida- mit einem Seufzer

Loida hastet die Treppen hinauf, Station 23 b haben sie ihr am Telefon gesagt, da liegt die Mutter in Zimmer 19. Einen Hirntumor habe sie, haben sie zu Loida  gesagt, und ob sie schnell kommen kann,  es gehe ihr sehr schlecht. Loida hat sich sofort ins Auto gesetzt und  ist die 150 Kilometer zur Mutter gefahren. Es hat alles so gut geklappt die letzten Wochen, der Pflegedienst kam regelmässig, die Mutter hatte sich daran gewöhnt und  auf manche Schwestern sogar richtig gefreut.
Dann wurde ihr öfter schwindlig und sie ist gestürzt, und gestern abend haben sie sie ins Krankenhaus gebracht.
Hirntumor, möglicherweise Metastasen, von einem Primärtumor, ob Loida da was wüsste? Nein, Loida wusste nichts, über Krankheiten hat die Mutter nie gesprochen, das ihr etwas wehtat, konnte sie gut verschweigen. Sie überlegten, ob sie bei der Mutter noch mit Chemotherapie anfangen sollen und Bestrahlungen, und ob die Mutter eine Patientenverfügung habe.
Da war Loida erleichtert, ja, das habe sie, sie habe sie selbst mit der Mutter bei ihrem langen letzten Besuch aufgesetzt, eine Kopie habe sie, die würde sie mitbringen. Und dann hat sich sofort ins Auto gesetzt und ist losgefahren. Sie hat Angst, was wird sie erwarten, wie wird es der Mutter gehen?
Das Krankenhaus ist gross und die Flure sind lang. Am Schwesternstützpunkt auf der Station sitzt eine  Krankenschwester, und diese blickt auf, als sie Loida sieht.

„Ich bin Loida L., die Tochter von Frau B. Kann ich in ihr Zimmer, wie geht es ihr?“
Die Schwester erhebt sich. „Ich bring Sie hin, sie ist leider seit gestern abend nicht mehr richtig wach geworden. Möchten Sie mit dem Doktor sprechen?Ich sag ihm Bescheid , dass Sie da sind.“
Und sie öffnet die Tür zum Zimmer, in dem die Mutter liegt.
Loida erschrickt, die Mutter sieht so winzig aus zwischen den weissen Kissen, die Sonne scheint ihr ins Gesicht, sie hat die Augen geschlossen,der Atem geht rasselnd.
„Ich mach die Jalousien runter“, sagt die Schwester, „die Sonne blendet Sie ja, Frau B.“
Und an Loida gewandt: “ Sie bekommt ausreichend Schmerzmittel von uns, und wenn wir spüren, dass sie unruhig wird, dann geben wir ihr etwas zum Angstlösen. Und wenn Sie Fragen haben, sprechen Sie mich bitte an. Ich betreue Ihre Mutter. Ich bin Schwester Suska. Und ich sag jetzt dem Arzt Bescheid.“

Loida setzt sich auf den Stuhl ,den die Schwester neben das Bett gestellt hat. Diese schmalen Hände, wie kleine Vögel flattern sie auf der Bettdecke. „Mutter, ich bin da, deine Tochter.“ Der Atem der Mutter wird etwas ruhiger, die Augenlider zittern kurz, aber öffnen tut sie die Augen nicht.
Loida nimmt die Hand und betrachtet die Mutter. Sie spürt irgendwie ,das es nicht mehr gut wird, was da im Körper der Mutter passiert, sie spürt irgendwie, das die Mutter sterben wird.
„Sie müssen dir keine Chemo mehr machen, Mutter, und keine Bestrahlungen,  du hast das nicht gewollt, oder? Wir haben darüber gesprochen, wie schön es wird, wenn du friedlich einschlafen kannst, und dass du gesagt hast: 86 Jahre sind genug Zeit fürs Leben, und du willst niemandem zur Last fallen, es reichte schon,dass der Pflegedienst zu dir heimkam, oder, Mutter?“ flüstert Loida.
Die Tür geht auf, der Arzt kommt herein.
Es ist eine Ärztin. Sie bittet Loida vor die Tür. „Haben Sie mit Ihrer Mutter gesprochen, wie sie es am Lebensende haben möchte?“ fragt die Ärztin. „Ja, “ sagt Loida, “ sie wollte keine künstliche Verlängerung, sie wollte friedlich einschlafen.“
„Gut,“ sagt die Ärztin,“der Zustand Ihrer Mutter hat sich in den letzten Stunden rapide verschlechtert, sie hat laut CT einen Tumor im Dickdarm, der nicht erkannt wurde, und Metastasen im Kopf, die den Schwindel verursacht haben. In den letzten Stunden hat sie noch eine Lungenentzündung dazu entwickelt, das steht einer Therapie des Tumors im Wege. Sie hat eine sehr geschwächte Konstituion.Sie wird hier wohl versterben. Es tut mir leid. “
„Ich hab das gewusst, als ich sie gesehen hab, dass sie sterben wird,“ denkt Loida und sagt: „Darf ich hier bleiben?“
„Selbstverständlich!“ sagt die Schwester , und schiebt Loida ins Zimmer zurück. „Solange Sie es wollen.“
Und jetzt sitzt Loida am Bett der Mutter und hört auf ihren rasselnden Atem und das die Schwester gesagt, das das normal sei am Lebensende, dass der Atem sich so schlimm anhört. Und dass sie der Mutter was geben, gegen die Luftnot. Morphium.
Das tropft jetzt langsam in den Schlauch in ihrem Arm und Loida spürt die kalten Hände der Mutter in ihrer Hand. Die Schwestern haben die Mutter eben noch mal frisch gemacht, die durchnässte Bettwäsche gewechselt, das Gesicht sanft abgewaschen.
Loida war berührt davon, mit welcher Behutsamkeit Schwester Suska das Gesicht gewaschen und trockengetupft hat.
Loida denkt an die Geschichten, die die Mutter erzählt hat und an ihre gemeinsamem letzten Wochen, in denen sie der Mutter wieder nahe gekommen ist.
„Das war gut, Mutter“, flüstert sie, „danke dafür“.
Die Tür öffnet sich und die Schwester kommt rein. Sie legt kurz die Hand auf Loidas Schulter. Das tut gut. Es ist so warm, es nimmt ein bisschen den Schmerz.
„Können Sie ein bisschen bleiben,“ fragt Loida.
Die Schwester nickt. „Ihr Atem ist ruhiger geworden,“ sagt sie.
Und es stimmt, das Rasseln hat aufgehört. Die Atemzüge haben längere Pausen. Die Spannung im Körper wird weniger.
Es ist so still im Raum, fast heilig, denkt Loida.
„Gehst du jetzt, Mutter?“ denkt sie. Und schaut auf Mutters Gesicht. Ganz in sich aufnehmen will sie diesen Moment.
Die Mutter macht einen tiefen Atmenzug, einen Seufzer, schliesst die Augen, und der Kopf sinkt auf die Seite. Stille. Nichts mehr.
Loida und die Schwester schauen sich an.
„Sie hat Frieden in sich gehabt!“ sagt Loida,  „das hab ich gespürt.“

„Ja,“ sagt die Schwester,  „weil Sie bei ihr waren. “
Und lächelt.

 

Anmerkung:
Da krieg ich selber ne Gänsehaut jetzt, wenn ich das lese. Es kann so in der Art passieren, das Sterben und das macht keine Angst. Und wir  haben November, da passt diese Geschichte gut rein. Ich schicke meinen Leserinnen und Lesern liebste Grüsse Katrin