Loida- gestrickt und losgenäht

Am nächsten Morgen sitzt Loida bei der Mutter am Tisch und sagt: „Ich möchte, dass wir zusammen ein Dirndl nähen. Ich hätte gerne eins, und ich hätte gerne eines von Dir genäht.“
Die Mutter macht grosse Augen:“Was? Weisst du, wie lang ich schon nicht mehr genäht habe? “
„Das verlernt man nicht, “ sagt Loida energisch.“Wir fahren in die Stadt zum Nähladen, dann kaufen wir Stoff und dann nähen wir zusammen. Deine Nähmaschine steht immer noch in meinem alten Kinderzimmer, also ! Auf gehts!“
„Aber meine Hand…“ wirft die Mutter ein.
„Egal, das ist die Linke, und nähen tun wir mit rechts!“ widerspricht Loida fröhlich und schiebt die Mutter zur Haustür.
Als sie 3 Stunden später zurückkommen, sind sie vollgepackt mit Schnittmustern und Stoffen und Nähseide und Knöpfen, mit neuen Stecknadeln und einer scharfen Schere.
Sie räumen den grossen Tisch frei, und beginnen alles auszubreiten und die Mutter erklärt Loida, wie sie den Stoff falten muss, und wie eine Schürze gefältet und genäht wird.
Loida erinnert sich, dass das erste,was sie in der Schule nähen musste, eine Schürze war. Hauswirtschaft, hiess das Fach. Die Jungens hatten Werken.
Und ihr fällt ein, dass die Mutter diese Schürze abends nahm und Loidas Nähte sauber aufgetrennt und wieder gerade zusammen genäht hat, weil Loida einfach keine Lust zum Nähen hatte. Und dann hat Loida auf die Schürze eine 2 minus bekommen und die Mutter hat auf die Lehrerin geschimpft, dass die wohl gar keine Ahnung vom Nähen hatte.
Als Loida das der Mutter erzählt, fängt diese sehr an zu lachen.
„Die hatte wirklich keine Ahnung, diese Frau Pangel! Ich weiss das noch!“
Und ganz vergnügt schneiden sie zu, und stecken zusammen, und Loida erzählt der Mutter von dem Wunderknäuel, das sie bekommen hat, weil sie auch stricken lernen musste in“Hauswirtschaft“, und die Mutter erzählt , wie sie Wolle abends aufgerollt hat und zwischendrin Bonbons reinsteckte, damit das Stricken, wenn Loida fleissig stricken würde, sozusagen versüsst wurde.
Und Loida erzählt, wie sie die Bonbons aus dem Knäuel rausgefriemelt hat, weil sie einfach nicht stricken wollte.Aber die Bonbons wollte sie schon.
Und wie die Mutter dann sagte, Loida solle das Knäuel mit den Stricknadeln nachts unter ihr Kopfkissen legen, vielleicht würden Heinzelmännchen kommen und etwas weiterstricken.
Und am nächsten Morgen war der Schal, den sie für die Schule stricken musste, tatsächlich etwas länger geworden, mit ganz geraden Kanten.
Trotzdem gab es auch dafür keine Eins.
Aber Loida glaubte lange an Heinzelmännchen.

„Tja,“macht die Mutter nur,“ so ist das mit Müttern und Heinzelmännchen“. Loida versteht das kaum, weil die Mutter den Mund voller Stecknadeln hat.
„Du hast erzählt , das sich die Tante mal an Stecknadeln verschluckt hat!“
„Ui!“ da fliegen die Nadeln auf den Tisch.“Ja!Und!“ trumpft die Mutter auf, „sie hat sich auch mal mit der Nähmaschine durch die Finger genäht, ha! Das gab ein Geschrei! Also, pass auf, das du den Fuss vom Pedal nimmst, wenn du den Stoff runter legst, unter die Nadel!“

Und los rattert die Nähmaschine über den glatten Seidenstoff, der die Schürze werden wird, und wenn man draussen stehen würde, würde man sie lachen hören und reden, ganz fröhlich, Loida und ihre Mutter.

Flida- modisch unterwegs

Flida kann es echt nicht lassen – sie ist  wieder in die Stadt gefahren , in ein grosses Kaufhaus. Sie hat dort letzte Woche beim „Trockenshoppen“ mit dem LAT-Gefährten eine Jacke gesehen. Die hat ihr so gut gefallen! Sie ist von diesem Spanischen Modelabel, die immer so bunte Sachen herstellen, Flida liebt diese Mode! Ein Kleid besitzt sie von denen, das war im Schlussverkauf runtergesetzt, sonst könnte sie es sich niemals leisten.

Diese warme Winterjacke, die ihr so gut gefällt, kostet ebenfalls ein Heidengeld, aber sie kann ja wenigstens mal anprobieren. Am Ständer hängen viele Grössen, wenn Flida Glück hat, ist ihre grosse Grösse auch dabei. Sie weiss aber, das Spanierinnen zartgliedrig sind und diese Modefirma auch eher für elfenhafte Damen näht, aber sie kann es versuchen. Grösse 44, okay. Sie zieht die Jacke an. Ohweh, sie spannt in den Schultern. Okay, dann Grösse 46, das  muss passen! Das MUSS passen!
Die Schultern zwicken nicht,aber die Jacke lässt sich nicht schliessen. Zu gross der Busen. Mann, schimpft Flida innerlich, spinnen die denn? Grösse 46 und passt  mir nicht! „Oder du wirst immer fetter!“ hört sie das fiese Teufelchen auf ihrer Schulter feixen. „Hast ja auch wieder dein Sportprogramm schleifen lassen! Und abends gegessen, vor der Glotze , weil der LAT-Gefährte nicht da war, oder? Der bremst dich ja sonst immer, aber von alleine schaffst du es nicht, weniger zu essen!“
„Diese Jacke ist sowieso zu teuer!“ sagt Flida.
„Aber wenn du schlanker wärest, würdest du da toll drin aussehen!“ flüstert das Teufekchen, „die Farbe steht dir gut!“
„Da pfeif ich drauf!“ sagt Flida, “ ich guck jetzt second hand, da finde ich vielleicht was!“  Da bricht das Teufelchen in fieses Gelächter aus:“ Da hast du doch noch nie was gefunden! Die Sachen waren dir doch auch immer zu klein! Das einzige was dir da gepasst hat, waren OMAKLAMOTTEN!HAHAHA! OmaFlida die Dicke!“
Flida schüttelt sich , sodas das Teufelchen von ihrer Schulter fällt. Und marschiert aus dem grossen Kaufhaus raus.
Das Teufelchen hat Mühe  , mit zukommen, denn Flida ist schnell. Besonders wenn sie wütend ist, kann sie schnell laufen.
Sie denkt dran, wie sie ihrer Freundin letztens gesagt hat, das sie, Flida, bei ihrem BMI von 29 als Übergewichtig gilt. Und ihre Freundin, anstatt dass sie sagen würde: Echt? das sieht man aber nicht, sagt diese: Dann nimm halt endlich ab!

Flida rauscht in den Second-hand-Laden hinein.
“ Hallo! „sagt sie,“ ich suche eine neue Jacke!“
„Wir haben unsere neue Herbstkollektion gerade eingeräumt, “ sagt die Verkäuferin, „da ist bestimmt was dabei!“
Und Flida nimmt sich Zeit. Sie schaut, sie probiert an, manches passt, manches nicht, sie sucht und kombiniert und findet einen Schal und eine Jacke und Kleider von einem Modelabel für starke Frauen, in denen sie aber fast ertrinkt, so weit wallen die , aber am Retroständer findet sie eine Jacke, die endlich richtig passt und fast schöner ist als die teure aus dem grossen Kaufhaus.
„Hässliche Knöpfe!“ hört sie das Teufelchen flüstern. Hat es sie also wieder eingeholt,dieses Mistvieh. „Kann man ändern!“ flüstert Flida zurück und marschiert mit ihrem Stapel Kleidung an die Kasse.
„Ach, was Sie sich da für tolle Farben ausgesucht haben!“ ruft die Verkäuferin, “ wie schön das alles zusammen passt!“
Flida bezahlt, einen Bruchteil von dem was die teure Jacke gekostet hätte, und als sie rausgeht, nimmt sie eines der Bunten Tücher, die sie gekauft hat und stopft es dem Teufelchen in sein vorlautes Mundwerk.
„Wir gehen jetzt Knöpfe kaufen, und du hälst dabei schön die Klappe!“
„Grmpf….“ macht das Teufelchen, aber weil das Tuch so schön weich ist, kuschelt es sich hinein und fängt bald an zu schnarchen, während Flida mit den neuen bunten Knöpfen für die neue Jacke in ihrer Tasche klimpert.