Danke an 70 Follower

möchte ich sagen. Ich freue mich , das mein kleiner feiner Blog gelesen wird, das merke ich an den Kommentaren immer wieder. Ich mag meinen Blog, ich mag meine Frauen, denen Geschichten passieren, die eigentlich so alltäglich sind, aber beim Schreiben merke ich immer, wie wichtig mir der Blick auf die kleinen unspektakulären Dinge ist.
Danke fürs Lesen, fürs Kommentieren, fürs Teilen,…
Katrin

Flida- Heimwerkern

Heute abend hat der LAT-Gefährte (Living apart together-Gefährte) Flida zum Essen eingeladen. Flida freut sich, sie hat viel zu erzählen. Allerdings- ihr Erlebnis an Allerseelen wird sie schön für sich behalten, sowas mag er nicht, wenn sie so einen Hokus Pokus macht.
Aber sie hat anderes zu erzählen, sie war nämlich fleissig diese Woche, sie hat ihr Wohnzimmer umgeräumt und umgebaut.
Und so sitzen sie also gemütlich beim Griechen, “ ein absoluter Geheimtipp!“ hat der LAT-Gefährte verkündet, aber wenn Flida sich so umschaut, ein Geheimtipp ist das nicht,findet sie, es ist rappelvoll.
Vor ihnen türmen sich köstliche Kleinigkeiten, Pita mit Knoblauch, gegrillter Schafskäse, Oliven, Auberginen mit Käse gefüllt,… Flida weiss gar nicht wo sie  zuerst hinlangen soll.
„Nun erzähl mal, Flidalein, wie ist es dir gegangen in dieser Woche?“ fragt der LAT, und beisst in sein Fladenbrot.
„Ich hab mir eine Bohrmaschine gekauft, „sagt Flida , “ in einem Baufachmarkt!“
„Was willst du denn für Löcher bohren?“ fragt der LAT überrascht.
„Ach, nicht bohren!“ sagt Flida, „schrauben. Ich hab mir so eine Schraubendingsmaschine gekauft.“
„Du meinst einen Akkuschrauber, “ berichtigt der LAT.
„Genau, “ sagt Flida, und nimmt einen Schluck vom köstlichen griechischen Weisswein.
„Ich bin zu dem Oberbaumarktfuzzi gegangen, in so einer blauen Latzhose hat der  gesteckt und hab gesagt, ich will eine Schraubmaschine. Der wollte mir eine für 24,99 andrehen, hab ich gesagt, nix da, ich will eine richtige. Ach, Schätzchen, hat der gesagt, für Ihre Zwecke reicht doch die hier.Sie wissen nicht,was ich schrauben will, hab ich gesagt und ihm was erzählt von Leerlaufdrehzahl und regelbarem Drehmoment und Akkuleistung und das ich kein Zahnkranzbohrfutter will sondern ein Schnellspannbohrfutter und da hat der dann aber ganz anders mit mir gesprochen. “
Die Oliven schmecken köstlich und Flida feixt. „Ich hab jetzt ne Superschraubmaschine, ich hab sogar Rabatt gekriegt, scheinbar war er ziemlich beeindruckt!“
„Und was willst du schrauben?“ fragt der LAT.
„Regale,“ sagt Flida. „ich hab Regale gebaut. Bzw. zusammengebaut.Und mein Wohnzimmer umgeräumt. Und dann, stell dir vor! War der Hammer kaputt. Stiel und Kopf lagen einzeln im Werkzeugkasten. Hab ich den Hammer genommen, den Stiel draufgesteckt und hab von der Seite mit nem Gummihammer auf das Stielende draufgekloppt. Dann ist der Stiel in das Kopfloch gerutscht. Ich hab dann noch einen Nagel reingehauen, damit sich das Holz spreizt, und der Kopf da nicht mehr rauskommt. Weisst du, wie ich meine?“
Der LAT hat aufgehört zu essen. „Woher weisst du das alles?“
„Geheimnis!“ sagt Flida, „die Regale stehen, und Bilder hängen, ich hab mir dafür sogar die tollen Nägel gekauft, mit den goldenen Köpfen, die verbiegen sich nicht, wenn ich sie wieder aus der Wand hole, du weisst wie gerne ich umdekoriere! Das sind Nägel, die kannst du nach nem Erdbeben-Abriss noch bei Ebay versteigern, sozusagen RecommerceNägel!“
Flida freut sich, weil der LAT so überrascht guckt.
Dass das Teufelchen auf ihrer Schulter nicht still sein kann und sagt: „Die Bilder hängen nur gerade , weil du sie DIREKT an die Mauerkante genagelt hast! Das erzählst du ihm nicht, was, Flida?“ Aber dieses Gewisper ist Flida gerade richtig schön egal, sie sagt, als auch noch der LAT anfängt zu fragen, ob sie denn richtig gehämmert, habe, so mit Schwung von unten nach oben leicht schräg im Winkel von ca 35 Grad, sie würde sich beim Hämmern doch immer dauernd auf die Finger klopfen, was nicht stimmt!  Da sagt Flida ganz laut: „FÜR MICH PASST DAS! “ und beisst mit Genuss in ihre Moussaka.

Flida- mit dem Teufelchen wieder gut sein

Flida hat ihr Teufelchen lang genug in die Kiste gesperrt, findet sie. Zuerst hat es getobt und gekreischt, dann hat es nur gewimmert, und Flida tat es dann schon ziemlich leid, aber sie ist hart geblieben. Sie hat es nicht rausgelassen.

Dann hat sie aber gemerkt, das irgendwas fehlt. Irgendwie war alles so eitel Sonnenschein. Keine Stimme auf ihrer Schulter , die sie darauf aufmerksam gemacht hat, dass sie eigentlich dies oder das hätte tun wollen, joggen gehn zum Beispiel, oder dass es Blödsinn ist, sich schon wieder eine Jacke kaufen zu wollen, oder ein paar Schuhe, es gab nichts, was Flida irgendwie einen inneren Kampf ausfechten liess,….
Alles war so harmonisch oder friedlich, fast langweilig.
Gut, dann würde sie das Teufelchen eben wieder raus lassen.
Unter einer Bedingung: es sollte sie nicht mehr beleidigen. Es darf sie bremsen, oder sie zu etwas anhalten, aber es darf Flida nicht mehr an sich zweifeln lassen.

Das sagt sie dem Teufelchen jetzt:
„Teufelchen!“, sagt sie, “ du fehlst mir. Aber was mir nicht fehlt, das ist, wenn du sagst, ich sei eine dicke Flida oder eine faule Flida. Ich lass dich wieder raus, du  darfst auf meiner Schulter sitzen, wenn du solche Dinge nicht mehr sagst. Schaffst du das?“
„Ja,“ flüstert das Teufelchen, “ ich werde es versuchen „, ganz kleinlaut hört es sich an.
„Gut, “ sagt Flida, holt das Teufelchen aus der Kiste, und setzt es auf ihre Schulter.
Gemeinsam schauen sie in Flidas grossen Spiegel.
„Was siehst du?“ fragt Flida.
„Eine dicke, faule Flida!“ sagt das Teufelchen, und als es Flidas zornigen Blick sieht, rutscht es ein Stück hinter Flidas Schulter.
„Es stimmt doch, da steht ein faule dicke Flida,“ ruft es, “ guck nicht so grantig , Flida, schau dich doch an! Du hast verstrubbelte Haare, die du nicht kämmst, weil du faul bist und es dir egal ist,wie du aussiehst,  aber ich mag das doch so, Flida! Wenn deine bunten Haare kreuz und quer vom Kopf abstehen!
Und deine hässlichen Joggingschuhe, Flida, wer trägt denn lilagrüne Joggingschuhe? Mit diesen gelben Bändern? Kein Wunder, das du nicht gerne joggen gehst, aber wir können was anderes machen, Flida, etwas, was dir Spass macht!
Und du musst doch nicht dünn werden, Flida! Du bist einfach eine dicke Flida! Eine dicke weiche Flida und mit deiner grünen Jacke siehst du so hübsch aus, die passt zu deinen Augen und man sieht doch, das du ein grosses Herz hast! Und das braucht eben auch viel Platz, damit es weich gepolstert ist…. Damit dem Herzen niemand weh tun kann so leicht….“

Das Teufelchen verschluckt sich fast vor lauter Eifer, Flida nur freundliche Dinge zu sagen, aber so ganz schafft es das scheinbar nicht, denn Flida schaut immer noch böse im Spiegel auf das Teufelchen.
Dann schaut sie sich selber an, wie sie da steht, in ihrer grünen weiten Jacke, der bequemen Hose mit dem wilden Muster. Die fand sie mal schick, jetzt ist sie einfach nur bequem, aber das ist gerade piepegal, denn sie lauscht noch auf das, was das Teufelchen gesagt hat: Die Sache mit dem grossen Herzen.
Und Flida spürt, wie sich eine Wärme in ihrem Innendrin ausbreitet, eine ganz grosse weite Wärme, das könnte Flidas Herz sein, was da so warm wird in ihrer Brust.
Weil das Teufelchen es nämlich gut meint mit Flida.
Und Flida denkt, wenn sie das Teufelchen annimmt und lieb haben kann, dieses Kritikteufelchen,dann könnten sie wahrscheinlich auch viel Spass haben miteinander.
Sie sieht, wie das Teufelchen langsam hinter ihren Strubbelhaaren hervorkommt und vorsichtig über Flidas Schulter linst.
Ein zaghaftes Grinsen erscheint auf seinem Gesicht.
Und Flida lächelt im Spiegel dem Teufelchen zu.