Suska- züngelnder Flammenzorn

Suska sitzt im Sprechzimmer der Betriebsärztin, alle paar Jahre muss der Arbeitnehmer eine Betriebsärztliche Untersuchung vornehmen lassen.
Also hat sich Suska heute dort Blut abnehmen lassen, Gewichtskontrolle, und jetzt Fragen von der Ärztin.

„Wie geht es Ihnen? Sind Sie immer noch auf der Intensivstation?“
„Nein, ich mach eine Fachweiterbildung.“
„Als was? In Ihrem Alter? Lohnt sich das denn? Sie gehen in 18 Jahre in Rente,
wahrscheinlich schon in 11, wenn ich Sie so angucke. Sie haben Übergewicht!“
„Ja, ich weiss, “ sagt Suska kleinlaut. „Das ist der Schichtdienst. Mich machen diese Nachtdienste immer so fertig.“
„Ja, das kenn ich , “ sagt die Betriebsärztin, „ich hab auch mal zwei Monate Schichtdienst gemacht, das war so anstrengend, aber Sie sollten das ja gewöhnt sein.
Ich geb Ihnen einen Tipp: Ernähren Sie sich vegan! Dann verlieren Sie Gewicht, Sie fühlen sich besser, der Schichtdienst ist besser zu schaffen, alles wird besser, glauben Sie mir! Hier haben Sie mal ein paar Broschüren, aus so Schlachthöfen, wie die Tiere leiden müssen, damit der Mensch sie essen kann,das wollen Sie nicht wirklich sehen! Sie können danach kein Fleisch mehr essen, wenn Sie das gesehen haben!
Also, ich hab mich , als ich mit Vegan anfing, dann so gut gefühlt und ich hab auch kein schlechtes Gewissen mehr wegen unschuldiger Tiere, die wegen mir sterben würden, tun sie ja nicht mehr wegen mir! Und meine Mutter, wissen Sie, die ist jetzt 89 und vor 4 Jahren wurde Demenz festgestellt, sie hat nicht mehr gesprochen und dann hab ich sie auch nur noch vegan essen lassen und Sie glauben es nicht! Sie redet wieder!“

Erst ist Suska sprachlos.
Dann spürt sie, wie ihre Kopfhaut kribbelt, das hat sie manchmal wenn sie zornig wird. Dann wachsen aus ihrem Kopf kleine züngelnde Zornflammen, die immer grösser werden. Sie spürt , wie die Flammen jetzt auch wachsen und zischeln. Sie steht vom Stuhl auf. Sie ist eine wogende Energiemasse, ihr Körper bebt und wogt wie die grossen Wellen im Meer, wenn sie anrollen, und  auf ihrem Kopf züngeln die Flammen.
Die Betriebsärztin wird ganz klein in ihrem Bürostuhl.
Suska wird immer grösser und gewaltiger. Als sie anfängt zu sprechen, prasseln die Worte wie Hagelkörner auf die kleine Betriebsärztin.
„So, meinen Sie… Ich bin übergewichtig und zu alt um mich fortzubilden. Vielleicht hätten Sie das auch tun sollen, sich fortbilden, als hier ihre täglichen 4 Stunden abzusitzen und die hart arbeitenden Krankenpflegekräfte zu beleidigen! Niemand ist jemals zu alt, um zu lernen! Wenn man etwas ändern will an seiner Situation, ist etwas zu lernen sehr hilfreich!
Sie sollten vielleicht mal motivieren üben , wenn jemand kommt und Ihnen seine Sorgen erzählt!
Und mein Übergewicht, das hat sicher Gründe, aber das hindert mich nicht, etwas dagegen zu tun! Sie haben nicht gefragt, was ich dagegen tue, Sie haben mich davon zu überzeugen versucht, das zu tun, was Sie toll finden, ich aber nicht! Ich liebe Wurst und Käse.
Und dass Ihre Mutter wieder reden gelernt hat, war wahrscheinlich aus reiner Not, ich bin mir sicher , sie hat gesagt: Ich möchte so gerne ein Wurstbrot!Gib mir Fleisch! Und Käsekuchen! Und ich hoffe, sie hat es bekommen, damit sie noch ein wenig Freude hat in ihrem Leben! “

Und Suska dreht sich um und schreitet zur Tür, die sich von allein öffnet, sie muss die Klinke gar nicht berühren, soviel ZornesEnergie hat sie, dass die Türen von allein aufspringen!
Die Flammen züngeln und zischeln auf ihrem Kopf, ihr Körper wogt und rollt, und sie hat ihren Kopf hoch erhoben und die Augen klar, und sie  weiss, das alles richtig ist, wie sie es tut.

(Diese Geschicht ist frei erfunden! Wie alle anderen meistens auch 😉 )

Suska- nach dem Nachtdienst

Suska ist müde. Vier Nachtdienste hat sie hinter sich, davor hat sie 6 Wechselschichten am Tag gearbeitet, auf dieser Station, auf der sie wegen ihrer Fachweiterbildung zur Onkologischen Fachkraft einen vierwöchigen Einsatz absolvieren muss. Suska fragt sich manchmal, warum sie das macht, sich 2 Jahre weiterbilden. Lief doch, der Job auf der Intensivstation. Okay, es war psychisch sehr belastend, diese hochtechnisierte Medizin, wo man Menschen am Leben hielt, von denen sie, Suska, wusste, das es eigentlich zu spät war zum gut weiterleben.
Deshalb hat sie sich gefreut, als ihr Chef sie fragte, ob sie diese Weiterbildung machen möchte, über 2 Jahre, mit Prüfungen, Facharbeitschreiben, wechselnden Einsätzen, 4 Monate Schulbank drücken insgesamt. Und dann würde sie in einer Onkologischen Ambulanz arbeiten. Das wäre nur tagsüber. Deshalb hat sie “ ja“ gesagt.

Anfang des Jahres war der erste Theoretische Block, und sie kam sich ein bisschen komisch vor, so als Älteste, unter diesen ganzen jungen Kollegen. Die Prüfung dann , naja, die lief so lala, beim Lernen des Stoffes nämlich dachte Suska die ganze Zeit: Herrje, den Scheixx  mach ich doch seit 25 Jahren! Das muss ich doch nicht in der Theorie lernen!
Aber leider wurde das in der Theorie abgefragt, und so konnte Suska nicht benennen, wo die Persönlichen Tabuzonen eines Menschen nach Flkrx sind, und deshalb hat sie die Prüfung mit „gerade eben“ geschafft.
Es ist aber auch bekloppt, sowas in der Theorie zu lernen, wenn man sein Leben lang damit gearbeitet hat! Ihr hat noch kein Patient auf die Finger gehauen, wenn sie ihn berühren musste, sie weiss instinktiv, was passt und was nicht.
Sie kommt sich auch jetzt, auf der Arbeit komisch vor, wo sie eigentlich was lernen soll, aber wegen Personalnotstand  voll eingesetzt wird.  Und weil sie sich nicht so gut auskennt mit den Arbeitsabläufen und den Örtlichkeiten, macht sie die Hilfsarbeiten. Das was Praktikanten und Pflegehelfer dort tun.
Sie denkt, sie ist doch keine Hilfskraft, und sagt das auch und es wird versprochen, das sich das nächste Woche ändert, und man ihr zeigt, wie man die Chemotherapien anhängt und den Patienten berät. Aber in der nächsten Woche war wieder jemand krank und so blieb keine Zeit für Erklärungen.
Naja, jetzt hat sie es geschafft, nach diesem Nachtdienst hat sie 5 Tage frei und dann geht es auf die nächste Station. HämatoOnkologie, sie ist gespannt, ob es läuft. Die Stationsleitung hat ihr versichert, das sie zusätzlich eingeteilt wird, damit sie was lernt.

Aber jetzt geht sie erst mal heim. Vielleicht erwischt sie ihren Sohn Bero noch, bevor er in die Schule geht. Sie hat ihn jetzt fast eine Woche nur zwischen Tür und Angel gesehen. Und hoffentlich taucht der FastExmann nicht auf und macht wieder Ärger, weil sie sich so wenig kümmert um Bero. Dabei ist Bero wahrscheinlich froh, wenn er seine Ruhe hat.

Sie lächelt, als sie an ihren Sohn denkt, an sein hübsches gleichmässiges Gesicht, seinen beginnenden Bartwuchs und seine hohe gerade Gestalt. Und an seinen Wortwitz und an sein Lachen und an die Liebe in seinem Blick, wenn er es geschafft hat, sie wieder ein bisschen zu veräppeln.

Suska beeilt sich.