Utopie-Ein Aufruf zu kreativem Schreiben

Hat jemand Lust? Sich zum Thema Utopie ein paar Gedanken zu machen und dann auf seinem Blog zu veröffentlichen und vielleicht zu mir zu verlinken und es dann hier auch einzusenden?
Das diesjährige Friedensfest der Stadt Augsburg   steht unter dem Motto: Utopie. Und das Friedensbüro hat einen Aufruf gestartet, und sammelt Texte zum Thema Utopie.

Meine Utopie – So stelle ich mir die Zukunft vor!

Das Friedensfest 2018 steht unter dem Motto „Utopie – Was wäre, wenn…“? Dafür ist Ihre Phantasie gefragt: Ob kurze Erzählung, Gedicht oder Essay – Schicken Sie Ihren selbst verfassten Text (maximal 3.000 Zeichen inklusive Leerzeichen) bis zum 8.8. an friedensstadt@augsburg.de. Schon im Vorfeld des Friedensfests (22.7.-8.8) veröffentlicht das Friedensbüro ausgewählte Texte auf der Homepage www.friedensstadt-augsburg.de sowie auf facebook. Unter allen Einsendungen verlosen wir nach dem Friedensfest vier Büchergutscheine im Wert von 20 € beim Taschenbuchladen Krüger. Mitmachen kann jede*r!

Bitte senden Sie uns Ihren Text als Word-Dokument unter Angabe Ihres vollständigen Namens und Alters zur Veröffentlichung, sowie Ihrer Anschrift, Telefonnummer und Mail-Adresse für den internen Gebrauch.

Wir freuen uns auf Ihre Einsendungen!

 

Wir bedanken uns bei Taschenbuchladen Krüger für die Bereitstellung der Gutscheine!

Ich habe selber schon Ideen und werde sie hier kundtun, und ich würde mich sehr freuen, wenn  jemand Lust hat, dabei mitzumachen!
Liebe Grüsse
Kat.

Das Titelbild hab ich auf der Seite des Friedensbüros entlehnt, wenn es okay ist?

Loida- worauf wartest du

Loida wird heute auf den Friedhof fahren.
Es ist jetzt nicht ganz ein halbes Jahr her, dass die Mutter gestorben ist und es ist immer noch so, als sei es gestern gewesen. Es ist immer noch so gegenwärtig, dieser Moment, diese Stille und die Zeit des  Abschieds.

Ihr Alltag ist weitergegangen, ihr Leben hat nicht wirklich stopp gemacht, nur manchmal, wenn sie kurz anhält in ihrer Geschäftigkeit, dann ist da so ein wehes Gefühl in ihrem Herzen. Aber es ist weniger geworden, das findet sie beruhigend.
Heute scheint die Sonne und sie hat Zeit, in die Heimatstadt zu fahren. Vorher wird sie ein paar Stiefmütterchen kaufen, Hornveilchen, diese kleine winzigen Stiefmütterchen, Viola Tricolor, die Mutter hat diese Blumen sehr geliebt, und sobald es Frühling wurde, hat sie alle Töpfe auf der Terasse mit diesen Blumen bepflanzt.
„Die pflanz ich dir in deinen kleinen Garten nachher , Mutter, „murmelt Loida, als sie in ihre warme Jacke schlüpft. Sie kramt in den Taschen, diese Jacke hatte sie zuletzt im Dezember an, vielleicht findet sie ja ein altes Taschentuch, das muss sie dann wegschmeissen. Bestimmt findet sie ein altes Taschentuch, soviel wie sie geheult hat, als sie diese Jacke das letzte Mal anhatte, da ist sie auch auf dem Friedhof gewesen.
Aber sie findet kein Taschentuch. Sie findet einen zerknüllten Zettel mit einer Nummer. Suska steht da drauf. Suska…..ja, Suska! Das war ihre Begegnung auf dem Weihnachtsmarkt, sie hätte sie doch schon längst anrufen können, warum hat sie denn nicht….

Sie wählt aufgeregt die Nummer von ihrem Handy, jetzt kann sie sie anrufen und sagen,dass sie in die Stadt kommt, und vielleicht hat Suska Zeit, das wäre schön! Auf einen Chailatte, oh bitte, Suska soll Zeit haben!

Es ist nur die Mailbox, die sie hört, und die sagt: „Leider leider , keiner da, aber sprich, ich rufe zurück!“

„Hier ist Loda, ich weiss nicht, ob du dich erinnerst, wir haben auf dem Weihnachtsmarkt Chailatte getrunken und du warst damals bei meiner Mutter dabei und ich fahre heute auf den Friedhof und vielleicht hast du dann Zeit später, ich würde dich so gerne wieder sehen! “

Loida streicht  über ihr Handydisplay, „Früher hat man aufgelegt,heute streicht man jemanden weg, ts,…“ denkt sie, aber sie freut sich, das eine Mailbox ranging und vielleicht hat sie Glück, und Suska ruft zurück und hat Zeit heute.

Und jetzt wird sie losfahren.
Im Gartengeschäft ersteht sie eine ganze Stiege violetter Hornveilchen,sie kauft eine kleine Schaufel dazu und ein Säckchen Erde und einen hübschen Blumentopf, und murmelt: „Jetzt mach ich dein Gärtchen schön , Mutter!“ und am Ausgang zu den Kassen findet sie einen Tisch mit wunderschönen Orchideen in zarten Farben , die in wirklich sehr hübschen Übertöpfen stecken und sie denkt: „Ich kaufe zwei. Eines für mich und eines für Suska! Wenn ich Suska treffe, dann schenk ich ihr das!“

Denn irgendwie ist sie sich sicher, dass Suska zurückrufen wird heute.

Im Auto macht sie ganz laut Musik an, ZAZ liebt sie zur Zeit, T`attends quoi, worauf wartest du, Loida singt  mit, voller Freude auf den heutigen Tag.

Und als sie in der Heimatstadt ankommt, der Wegweiser zeigt nach rechts,  Richtung Friedhof, da summt neben ihr das HandyTelefon.

Stillstand

Irgendwie geht gerade nichts.

Kein freier Kopf für Geschichten.

Dafür voller Zeug mit anderen Dingen.

Wie geht es beruflich weiter? Schaff ich die Anforderungen , die an mich gestellt werden? Werde ich dann auch damit arbeiten können, mit dem, wofür ich jetzt mich ausbilde? Mich gut qualifiziere? Oder versumpfe ich an einem Arbeitsplatz,  der zwar meine Qualifikation braucht, wegen Zertifizierung und so, der mich aber wahrscheinlich nicht in dem fordert, was ich arbeiten und leisten möchte….Und dann?

So hänge ich also irgendwie in der Luft, führe in Gedanken endlose, durchaus positive Gespräche mit meinen Vorgesetzten, und sag denen was ich will, -und  in Wirklichkeit bin ich ziemlich dünnhäutig.

Und ausserdem nimmt der Winter einfach kein Ende und ich habe das Gefühl, ich bin im STILLSTAND.

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Die hab ich irgendwo im Netz gefunden, ich finde sie schön. Stillstehen, Zeit nutzen Atmen.

Ich entferne sie, wenn ich damit Urheberrechte verletze

 

 

 

Loida- die Mülltaucher

Bald werden die Blumen welk sein und Loida wird  sie entsorgen müssen, schade.
Sie mag zwar keine Nelken und Chrysanthemen, aber als am Neujahrstag alle Kinder zu Besuch kamen,hatte der MusikantenSohn eine Kiste dabei, voller Obst, Joghurt und Keksen, und obendrauf lagen 3 prächtige Blumensträusse.  Loida hat verwundert in diese Kiste geschaut und gedacht: Warum bringt der mir diese Fertigjoghurts mit? Und dieses ganze Obst und Gemüse und vor allem:Warum BLUMEN?
„Hab ich für dich containert!“ hat der Sohn gelacht.
„Für mich ge…was?“
„Containert. Ich hab Blumen für dich containert. Und das Obst und das Gemüse, das tun wir in eine Saftpresse, ihr hab doch so ein Hightechding, da können wir wunderbar Gemüsesaft draus machen!“
„Containern nennt man das, wenn Leute nach Ladenschluss aus den Müllcontainern der Supermärkte das weggeworfene Gemüse und so rausholen!“hat die KlugeTochter erklärt und  ihren Bruder angegrinst.
„Ja, und mein kleiner Bruder hat das auch nötig , sowas zu tun! Als bekäme er nicht genug Unterstützung vom Vater für seinen hochgeistigen Lebenswandel! „brummt der grosse Bruder, der in seinem massgeschneiderten Anzug vornehm auf dem Stuhl sitzt und in sein Smartbook schaut.
„Nicht nur der kleine Bruder, auch die kleine Schwester macht das!“ sagt die KlugeTochter von Loida und fährt fort: „Wir leben in einer solchen Überflussgesellschaft, du kannst dir nicht vorstellen,was alles weggeworfen wird, nur weil das Verfallsdatum bald kommt!“
„Ich hab beim letzten containern sogar Kaminbriketts gefunden, und ich wundere mich immer noch, ob Briketts ein Verfallsdatum haben. Die könnten die Menschen, die im Winter draussen leben, vielleicht ein bisschen wärmen,“ sagt der MusikantenSohn.
„Ist es denn nicht gefährlich“, fragt Loida, „kann man Euch denn dabei erwischen? Werdet ihr dann angezeigt, wenn man Euch erwischt?“
„Wir machen nichts kaputt,“ erwidert der MusikantenSohn, “ es gibt Geschäfte, die haben offene Container, da müssen wir nur über den Zaun klettern, und angeblich haben die Gerichte anderes zu tun, denn Mülltauchen ist kein Diebstahl, und drum….“
„Tss, “ macht der MassAnzugSohn, “ ich kann das gleich mal suchmaschinen, dann sag ich dir, welches Strafmass dir blüht!“
„Ach, Spiesser,“ sagt die Tochter,“ du freust dich doch auch, wenn ich dir ne Tafel Schokolade schenke, oder würdest du nein sagen, nur weil sie aus dem Container kommt? Ich hab letzen Monat hundert Tafeln Schokolade rausgeholt, krass, die hab ich dann in der Uni verteilt!“
„Ich esse keine Schokolade, Schwesterchen!“ hört Loida, als sie nachdenklich in die Küche geht.
Sie holt die Sachen aus der Kiste. Die Bananen sind ein wenig braun, aber man sie essen. Zwei Mangos, ein bisschen angeschlagen, aber für einen Saft bestimmt gut zu gebrauchen. Kartoffeln. Sellerie. Und dann dieser Joghurt. Sie würde den niemals kaufen, der enthält bestimmt viel Zucker , aber probieren kann sie den ja nachher mal. Und Blumen! Wann hat sie zuletzt Blumen bekommen?
Nelken, Chrysanthemen, Rosen und Schleierkraut.
Muss man das wegschmeissen? Kannman das nicht anders verwenden?
Sicher, es gibt  die Tafeln, das weiss sie, sie hat vor Weihnachten eingekauft für die Tafel in ihrem Ort. Da standen im Supermarkt zwei Damen mit einer Liste, womit sie, wenn sie es einkauft und spendet, den Bedürftigen helfen könnte. Aber Loida hat in einer Reportage auch gesehen, das manchmal ein Geschäft gemacht wird mit den Gütern, die die Supermärkte spenden, wenn sie das nicht mehr verkaufen können. Das stimmt sie nachdenklich. Und um bei der Tafel „einkaufen “ zu können, braucht man einen Bezugsschein und als Student hat man den nicht, und ausserdem wollen die ja wohl Lebensmittel retten,was eine ganz andere Gedankenidee ist….
„Die Ding san doch no pfenningguat!“ hört sie ihren Grossvater sagen.
Ich bin Teil dieser Überflussgesellschaft, denkt sie.

Sie beginnt die Blumen zuzuschneiden, und in Vasen zu arrangieren, da kommt ihr Mann in die Küche.
„Nelken!“ ruft er, „Die Blume der Arbeiterbewegung! Hoch die Internationale Solidarität!“skandiert er mit gereckter Faust.
Loida hört die Kinder lachen im Wohnzimmer, „Papa!“ rufen sie,“ was ist mit dir los?“
„Ich möchte der Mama einen Antrag machen, “ sagt der Ehemann, zupft eine Nelke aus dem Strauss, steckt sie sich an den Hemdenkragen, beugt das Knie und fragt: „Würden gnädige Frau mich bitte begleiten? Ich möchte Sie zum ContainerDinner einladen! Als Nachspeise gibt es wunderbar fluffigen, nicht mehr ganz frischen, aber noch pfenningguaten Fertigjoghurt!“ und galant küsst er Loida die Hand.

 

Suska: Vom Versprechen vergeblicher Vorsätze

Gemütlich ist es bei Suska auf dem Sofa, sie liebt diese grauen Tage. Weihnachten ist vorüber, Heligabend war sie für sich, und am 1. Feiertag war Bero da mit seiner Freundin.
Suska hat einen veganen Nussbraten gemacht, der allen geschmeckt hat und am 2. Weihnachtstag hat sie ihre Schwester besucht. Viel Familie, viel Trubel, jetzt ist Ruhe eingekehrt. Morgen ist Sylvester, sie hat Frühdienst, aber das stört sie nicht, sie feiert nicht gerne Sylvester. Sie wird früh schlafen gehen.
Nun sitzt sie auf ihrem Sofa,  hat die Lichterkette an Ficus Zimmerpflanze angemacht,der ihr in den letzten Jahren als Weihnachtsbaumersatz dient,  auf dem Tisch brennt das Teelicht , das sie von Beros Freundin bekommen hat und vor ihr steht eine Tasse dampfender Frauentee, ein Geschenk ihrer Schwester. Und ein Schokoladenweihnachtsmann, denn bei einem Mann aus Schokolade hat Suska keine Bedenken.
Auf dem Tisch liegt die Ausbeute aus dem heutigen Briefkasten. Rechnungen von Versicherungen für das nächste Jahr, zu zahlen im Januar. Eine Einladung von der Gemeinde zum Neujahrsempfang beim Bürgermeister. Für Bero. Weil er jetzt 18 ist. Was für eine Ehre, denkt Suska, ob sie wohl mitkommen dürfte? Auch wenn sie nicht persönlich eingeladen ist?
Einige Kataloge und Prospekte.
Ein Modekatalog, bunte schöne Bilder mit Kleidung, von der Suska manchmal träumt, wenn sie Geld hätte, und sich alles als Ensemble kaufen könnte, ob sie dann auch so schön bunt und wild aussehen würde wie diese Frauen in dem Katalog. Ob ihr Ringelstrumpfhosen, wallende gestreifte Oberteile und geblümte Röcke oder Pluderhosen stehen würden-wie sie darin wohl aussähe? Ach, denkt Suska, da hab ich doch seit Jahren nichts bestellt.
Der Prospekt eines Kaffeeversandhandels. Tschulibo Katalog, Januar 2018. Suska liebt es, darin zu blättern und sie muss es sich verkneifen, keine Wünsche wach werden zu lassen und überflüssiges Zeug zu bestellen.
Was möchte sie denn gerne haben, wenn sie wollte, dürfte und das bräuchte? Ein Trampolin mit Haltegriff, aha, und dazu diese schwarze ausgestellte Jazzpantshose. Ausgestellte Hosen lassen grösser wirken, weiss Suska, sie strecken und machen schlanker, optisch zumindest.
„Frische Farben, neue Kraft“ ist der Titel der nächsten Seite. Was ist an hellblau mit schwarz denn frisch, fragt sich Suska, als sie die Farbauswahl betrachtet.
„Entspannt ins Neue Jahr“, nächste Seite. Mit Yogarad. Braucht man das? fragt sich Suska, ein Yogarad zur Unterstützung der Yogaübungen, bis 85 Kilo Körpergewicht geeignet, ist das ein Witz? Suska wiegt 90 Kilo, sie ist also zu schwer für das Ding, aber wenn jemand 85 Kilo maximal wiegt, ist der doch in der Regel schlank und kann Yoga ohne so ein schaumstoffgepolstertes Rad machen?
Schwimmanzug,bis Grösse 48, sehr gut, ein  Antirutsch-Fitness-Handtuch,“Klebt das dann am Körper beim Abtrocknen?“ fragt sich Suska.
Einen Pilatesring gibt es auch und der Wunsch :“Gesundes Neues Jahr mit Faszienmassageball“.
Auch so ein neumodernes Zeug, dieses Faszien-Entkleben mit Kunstoffkugeln, die aussehen wie eine Avocado und in die Suska mal aus Versehen reingeschnitten hat, als sie einen gesunden Salat machen wollte, nur weil sie die Brille nicht aufhatte. Faszien-Berollen tut weh.
Und warum verkaufen Lebensmittelketten und Eventkataloge zum Jahreswechsel immer Sportgeräte und Kleidung  und Material dazu? Heute beim SupermarktDiscounter Adlid gab es auch Sportkleidung und einen Hometrainer und das grossgeschriebene Versprechen: „Fit ins neue Jahr! Ab 3. Januar in allen Filialen und online“.
Aber wer dann erst anfängt, seine an Sylvester gefassten Vorsätze umzusetzen, der ist noch lange nicht fit! denkt Suska.
Sie nimmt einen Schluck Tee, der schmeckt nach Rosen, fein,  und sie denkt:
„Vorsätze, hm, nee, diesmal nicht!“

Und dann beisst sie sehr herzhaft dem WeihnachtsschokoladenMann den Kopf ab.

 

 

 

 

Wenn ich ein Buch lese….

und in diesem Buch kommt jemand vor, den ich kennengelernt habe, flüchtig nur, aber ich hab ihn kennengelernt, dann ist das merkwürdig. Ich hab mit ihm gesprochen, und ich hab Geschichten über ihn gehört, weil meine SchönsteTochter in ihrer Zeit , während sie in Jerusalem war, bei ihm gelebt hat. Da ist es jetzt ein bisschen eigenartig gewesen, über ihn zu lesen, es war berührend.

Ich kann keine Buchbesprechungen machen,dazu kenn ich mich zu wenig aus, aber über dieses Buch möchte ich berichten.

Sweet Occupation von Lizzie Doron, dtvpremium, ISBN :9783423261500

Lizzie Doron hat ein Jahr lang Gespräche mit Männern geführt, die den Combattants for peace angehören. Ich hab über diese Gruppe, die aus israelischen und palästinensischen Menschen besteht, mal berichtet, im Gezeitenwechselblog,, nachdem ich letztes Jahr meine Tochter in Ramallah besucht habe.

Ich habe auch einen Abend mit diesen „Friedenskämpfern“ damals verbringen dürfen, ich eher schweigend,  weil beeindruckt von ihrer Lebensfreude und ihrem Miteinander.

Gut, in diesem Buch also spricht die Autorin mit diesen Männern, die die Combattants gegründet haben. Ihre eigenen Erfahrungen vom Krieg und den Kämpfen lässt sie mit einfliessen. Sie spricht von ihren Vorbehalten und ihren Ressentiments gegenüber den Menschen , die sie treffen wird, und während dieses Jahres der Gespräche klärt sich auch ihre eigene Geschichte.
Ich merke , ich bin nicht gut im Berichten, eine bessere Besprechung gibt es hier.

Mir liegt die Geschichte des Lebens in Palästina-Israel am Herzen.
Ich hab durch die Reise dorthin wieder einma l(ich bin ein West-Kind, dessen Grosse Restfamilie in der DDR gelebt hat) gespürt, wie furchtbar es ist, in seiner Freiheit eingeschränkt zu sein. Kontrolliert zu werden, wenn man irgendwohin möchte, möglicherweise nicht dorthin gelassen zu werden, wo man hin will, Ausgangsperren, Zeitbeschränkungen, willkürliche Strassenkontrollen, Soldaten am Strassenrand mit Waffen . Sie machen Angst und zornig.
Und doch haben es die Menschen dort nicht verlernt zu lachen und zu leben. Sie behüten ihre Tradition und öffnen sich für Neues.Und deshalb, als mir die SchönsteTochter dieses Buch zum Lesen gab, dachte ich, ich stelle es Euch vor.

Nun, da uns die Worte fehlen, ist die Zeit für eine Umarmung gekommen.

Sweet Occupation, S.141

Ein geringelter Tag

Ich habe etwas wiedergefunden. Ein Buch.
Ein Buch,(so heisst das Buch) in dem eine Geschichte steht, die der JüngstLiebsteSohn vor 8 Jahren in der Grundschule geschrieben hat. Dank einer sehr engagierten Klassenlehrerin durften die Kinder an einer Schreibwerkstatt teilnehmen.
Diese Geschichte darf ich hier,  mit seiner Genehmigung, lesbar machen.

                                                Ein geringelter Tag

„Heute“, sagte Petra entschlossen an einem bewölkten Tag. „Heute finde ich meinen Traummann. “
Sie war gerade auf dem Weg zur U-Bahn , weil sie in den Englischen Garten in München gehen und und dort ihren Traummann finden wollte. Sie stieg ein. Die U-Bahn fuhr los und hielt nach einiger Zeit wieder.Sie war angekommen. Sie ging raus, lief die Treppe hoch und guckte besorgt zum Himmel, denn dort kamen jetzt auch noch Gewitterwolken.“Oje oje“, stöhnte sie ärgerlich,“hoffentlich ziehen die Wolken vorbei!“ doch gleichdarauf fing es zu regnen an.Es war ein heftiger Regen, und der kalte Wind blies Petra direkt ins Gesicht, so dass es ihr andauernd eiskalt den Rücken runterlief. Nach einiger Zeit wollte sie nicht mehr und dachte sich beim Zurückgehen: „Tja, dann wird es heute wohl nichts damit, den Traummann zu finden, oder?“
Sie ging dir Treppe hinunter zur U-Bahn und stempelte ihre Karte am Automaten.Dabei sah sie, wie die U-Bahn einfuhr. Sie lief hastig hin und stieg ein.Kaum, dass die U-Bahn losgefahren war, hielt sie auch schon wieder in einem Tunnel. Und der Schaffner sagte: „Die U-Bahn hat ein defektes Gleis, leider müssen wir mit einer halben Stunde Verspätung rechnen, ich bitte um Entschuldigung.“ Petra langweilte sich. Da sah sie einen Mann, der rot-orange geringelte Socken und einen rot-orange geringelten Hut aufhatte. Ausserdem trug er orange-gepunktete Schuhe. Petra sah an sich herunter und bemerkte, dass sie blau-grün geringelte Hosen und eine blau-grün geringelte Jacke trug. „Was für ein Zufall,“, dachte sie. Der Mann schaute zu ihr herüber und sah, wie sie angezogen war.Er ging auf sie zu und sprach sie an: „Du bist ja genauso geringelt angezogen wie ich. Da kann man ja Kopfweh kriegen.“ Sie lächelte verlegen und sagte, während sie ihm ins Gesicht blickte: „Und du hast eine schöne Augenfarbe. Die passt gut zu deinem Hut.“
„Die Augenfarbe habe ich von meiner Mutter und den Hut von meinem Grossvater geerbt.“
Die U-Bahn fuhr weiter , stoppte aber sogleich wieder, und dann ging plötzlich das Licht aus.Als dann auch noch ein betrunkener Mann laut gröhlend umfiel und krachend auf eine Bank plumpste, guckten die Leute sehr verängstigt.Besonders Petra. Der geringelte Mann legte sein Hand um ihre Schulter und sprach:“ Hab keine Angst, ich bin ja bei dir.“
“ So ein Depp,“ dachte Petra,, “ sehe ich etwa so ängstlich aus?“ Die U-Bahn fuhr wieder weiter.Kurz darauf hielt sie am nächsten Bahnsteig.“Ich muss jetzt hier raus,“ sagten beide gleichzeitig.In diesem Moment guckten sie sich verwundert an.Petra lachte, und der geringelte Mann sprach, ebenfalls lachend:“Ich glaub, wir brauchen einen Kaffee.“ „Hoffentlich wird das nicht der letzte Kaffee mit ihm sein,“dachte sie,“ denn ich würde zu gerne wissen, ob er noch mehr geringelte Klamotten in seinem Schrank versteckt hat.“
Sie gingen los. Es regnete immer noch.Der Mann mit dem geringelten Hut klappte seinen geringelten Regenschirm aus und sprach:“ Wie heisst du eigentlich?“ „Petra,“ antwortete sie, und fragte zurück:“Und du?“ „Ich heisse Archibald, aber alle nennen mich Aro.“
„Gut, Aro, in welches Cafe gehen wir denn?“ „Ins Cappucino Resenco, dort sind die Kaffeetassen auch geringelt.“ Also gingen sie ins Cafe und plauderten eine Weile. Dabei verging die Zeit wie im Flug. Sie verabredeten sich für den nächsten Tag, und Petra ging glücklich nach Hause. Auf dem Rückweg dachte sie:“ Vielleicht….“ Sie seufzte tief. “ Vielleicht wird das ja was mit dem Kerl, vielleicht hab ich meinen Traummann gefunden.“

Danke, J.!

Roya schreibt

Als Roya am Mittwochabend heimkommt, ist es still in der Wohnung. Ihre Zwillinge sind unterwegs. „Ach ja“, denkt sie sich, „Lilly ist beim Sport und Lucy in ihrer Friedensgruppe“.

So hat sie Zeit , zu schreiben.

Roya hat sich vorhin ein Tagebuch gekauft. Sie hat beschlossen, dass sie einmal in der Woche für sich schreiben will. Sie will diesen Online-Austausch mit Unbekannten nicht mehr, sie hat sich von diesen Portalen abgemeldet und ihre Profile gelöscht.

Sie will jetzt Zeit für sich und die Gedanken, die sie hat, mit sich selbst teilen. Und mit niemandem sonst.
Sie macht sich eine Tasse Tee, und betrachtet das Buch, das sie jetzt vollschreiben wird. Es hat einen glänzenden roten Einband, es wirkt kostbar, und sie wird ihre kostbaren Gedanken hineinschreiben.

Als sie das Buch aufschlägt, wirkt es sehr jungfräulich, so rein und unbeschrieben. Klar, das ist es auch, ein unbeschriebenes Blatt, das ändert sie jetzt.

Wie soll sie beginnnen? Liebes Tagebuch? Oder einfach nur:Hallo? Oder gar nichts.
Ja , gar nichts. Sie beginnt:

Heute habe ich mir dieses Buch gekauft, es soll meine Gedanken sammeln, meine Ideen und meine Träume.

Liebes Tagebuch, die Frage ist, was Träume sind.
Ein Mann an meiner Seite, ein Eigenheim, oder die Welt retten, oder die Wale oder Frieden in NahOst.

Zufriedenheit oder auch einfach Zeit haben für mich selber oder nur ein bisschen mehr Geld in der Tasche. Eine Gesichtsmaske zur rechten Zeit, oder ein Yogawochenende.

Vielleicht möchte ich auch einfach nicht alt werden, ich möchte manchmal, das die Zeit stehen bleibt. Ich möchte meiner Töchter wieder knuddeln dürfen, so wie damals, als sie noch klein und schmiegsam waren. Und damals hab ich davon geträumt, das sie bitte endlich grösser werden, damit mir Zeit für mich bleibt. Und jetzt hab ich sie, diese Zeit, und fühle mich auch nicht gut damit. Ich habe Angst davor, dass sie aus dem Haus gehen und ich alt und schrumplig hier hocken bleibe.

Wenn ich sie anschaue, mit ihren schlanken glatten Körpern, ihrer Zuversicht, und ihrer Unbekümmertheit, dann bin ich neidisch auf sie. Darauf, dass sie das haben, diese Unbekümmertheit.Dann schäme ich mich. Dafür, das ich so denke, dafür, das ich dem hinterher trauere, was ich auch hatte, aber was mir damals nicht bewusst war.

Herrje, Lilly hat sich ein Rückentattoo machen lassen zu ihrem 18., das meine ich mit Unbekümmerheit.Sie wälzt sich auf Openairkonzerten im Schlamm, und es macht ihr nichts aus, das sie dreckig wird und sie nicht genug schläft.

Lucy will die Welt retten und bewirbt sich für ein Friedenscamp in Israel. Sie ist fest davon überzeugt, das sie etwas tun kann, damit der Frieden Einzug hält.
Liebes Tagebuch(ich werde dich jetzt doch so ansprechen), ich werde mir ein bisschen davon abgucken, ich war doch auch so! Ich hab auch geträumt und gewünscht und gemacht, wo ist das abgeblieben? Ich mach mich auf die Suche nach meiner Zuversicht.

Gute Nacht. Roya