Flida- first shade of grey

Flida betrachtet sich im Spiegel. Dieser graue Haaransatz ist jetzt soweit rausgewachsen, dass sie, wenn sie die anderen gefärbten roten,pinken und gelben Haare zurückhält,  sieht , wie sie aussehen könnte, wenn sie alles grau werden lässt. Und sie denkt: „Gar nicht mal so schlecht! Vielleicht, liebe Flida, ist es an der Zeit, dazu zustehen ,dass du graue Haare hast!“

Natürlich,im Moment ist es schick,  grau zu sein. Junge Frauen färben sich absichtlich die Haare silbern. Letzte Woche hat sie im Supermarkt einer Frau ihren Einkaufswagen überlassen, die ebenfalls so silbergraue Haare hatte, ein sehr schönes Grau und Flida hat gedacht, ich weiss nicht, ob sie schon so alt ist oder nicht.
Aber Flida fand es sehr hübsch , wie diese Frau aussah.

Und seitdem hat sie hin und her überlegt, ob sie das machen kann. Sie hat dem LAT-Gefährten gesagt, dass sie sich ab jetzt nicht mehr die Haare rot färbt. „Das wird immer dann so orange oder so knallrot,  das sieht unecht aus!“

„Nee nee!“ hat der LAT gesagt, „Frauen mit grauen Haaren sehen aus wie Omas! Ich geh doch nicht mit ner Oma ins Bett!“

„Dann lässt du es eben bleiben!“ hat Flida geschnaubt und angefangen, zu suchmaschinen. Graue Haare, färben, hübsch waren ihre Suchwörter. Es kamen viele Seiten, mit Haar-Entfärbemitteln, mit Tipps, wie man graue Haare rauswachsen lassen kann, wie man schöne graue Haare bekommt, die nicht gelbstichig sind, ganz viel hat Flida  erfahren über graue Haare.

Das Teufelchen sass derweil auf ihrer Schulter und zischte: „Wieder so ne blöde Idee von dir, Flida, sei doch mal froh mit dem was du hast! Wenn deine Haare lang sind, schneidest du sie ab, wenn sie blond sind,machst du sie rot, wenn sie rot sind, kaufst du dir komische Farben und dann sind sie lila, oder blau oder pink! Und dann lässt du deinen Ansatz wachsen und wenn du in den Spiegel guckst, drehst du den Kopf so, das du denkst, och, ein Ansatz ist gar nicht so schlimm, aber wenn du dich zufällig im Schaufenster siehst, erschrickst du, weil da so ein krasser Kontrast ist zu deinen ausgezuzelten rot-orangen Haaren!“

„Ja!“ antwortet Flida,“ und deshalb überlege ich, da ich nun mal graue Haare habe, wie alle in meiner Familie, dann kann ich doch dazu stehen ! Ich bin  54! Ich möchte natürlich aussehen und nicht immer darauf schauen, wann man wieder was sieht und dass ich wieder zum Friseur muss, ich möchte so sein wie ich bin!“

„Na gut!“ seufzt das Teufelchen, “ aber weich müssen sie bleiben, und deine Locken musst du behalten, damit ich mich da so schön reinkuscheln kann! Denn sonst!“ droht das Teufelchen, „werde ich dich verlassen!“

„Wäre manchmal auch nicht schlecht,“ denkt Flida, und am nächsten Morgen ist sie kurz entschlossen in den nächsten besten Friseursalon gegangen.

In einen anderen als sonst, denn ihre Friseurin, der sie vor 8 Wochen gesagt hat, das sie das Grau rauswachsen lassen will, hat geseufzt, und gesagt: „Meinen Sie? Ob das gut ist?“ und hat sich ihre gefärbten rotschwarzen Haare gerauft, so das Flida den weissen Ansatz sehen konnte. Es sah ungepflegt aus. Deshalb wechselt sie. Und betritt den Friseursalon in dem anderen Stadtteil, der so eine einladende Fensterdekoration hat.
„Wenn du Pech hast, machen die dir da drin deine Haare ganz kaputt!“ flüstert das Teufelchen, aber das ist Flida gerade egal, die Friseurin ist nett, sie haben sofort Zeit, sie wird beraten, sie wird bestätigt in ihrem Mut, zum Grau zu stehen, ihre Haare werden entfärbt, es stinkt nicht, sie bekommt Kaffee und die Augenbrauen werden auch noch gezupft, „Graue Haare brauchen ein gepflegtes Gesicht!“ sagt die Friseurin, und dann kommt Tönung drauf und Pflege  und dann ist Flida fertig. „Wow!“ macht die Friseurin, “ Sie sehen total viel jünger aus! Das hätte ich nicht gedacht!“

„Das ist mein Gesicht!“ denkt Flida, als sie ihre neue Farbe im Spiegel betrachtet. „Das bin ja ich!“ Und sie fühlt sich toll, und denkt, „das macht mich echt nicht älter! “
Und ihr fällt das Wort Lebensweisheit ein, und diese Göttinenbilder, die sie so mag, von diesen Weisen Frauen, die am Feuer sitzen, oder an einer Quelle, und sie fühlt sich jetzt ganz richtig an als Flida , weil jetzt nichts falsch ist mehr an ihr, sondern alles echt.

Als sie zur Belohnung in ein Cafe geht, um ein überbackenes Toast zu essen und einen Kaffee zu trinken, fällt ihr eine Frau auf, die mit ihrer Freundin am Nebentisch sitzt und ihre langen grauen Haare schwungvoll nach hinten wirft und dabei so herzlich laut lacht.

„Das kann ich auch bald“, denkt Flida, „meine Mähne so nach hinten werfen, denn jetzt kann sie wachsen, jetzt muss ich da nichts mehr alle vier Wochen nachbessern lassen!“

Dass der LAT-Gefährte am Abend zu Flida sagt: „Meine Güte! Wie siehst du aus? Sag deiner Tochter, sie kann dich jetzt zur Oma machen!“ , das ist Flida egal.

Wichtig ist, wie sie sich fühlt, und sie fühlt sich gerade so richtig perfekt!

Nachwort meinerseits: Es haben meistens Frauen sehr positiv darauf reagiert, das Flida ihre Haare grau gemacht hat. Ich denke, irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen,  dass die Zeit nicht halt gemacht hat vor Veränderungen, und das wir dazu stehen können und uns eigentlich nicht mehr künstlich verhübschen müssen. Das betonen was schön ist, aber nichts anders machen als es ist. Da kann ich meine Augenbrauen färben und zupfen lassen, ich kann meine Augen mit Wimperntusche betonen, ich kann mir auch eine SilberTönung in die Haare tun, aber ECHT muss es aussehen. Und leider finde ich, sehen gefärbte Haare in rot oder blond bei grauem Haar unecht aus. Oft…. Oder? Zumindest wenn es nicht der Friseut gemacht hat… Obwohl, meine Chefin, die hat so eine pfiffigen Haarschnitt und die Haare sind rot gefärbt, da passt das….

Hmm….. Was meint ihr?

Kat.

Beitragsbild: Celtic Goddess The Calleach, Dan Goodfellow

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Flida- einhornbunt und federleicht

Flida hat es getan: Sie hat sich die Haare abschneiden und drei Farben reinfärben lassen ins grau: Rosa, lila, grün. Sie fühlt sich gut, und als sie den Frisiersalon verlässt , schaut sie den Leuten ins Gesicht und erhofft eine Reaktion.

Aber niemand schaut sie an , jeder ist so in sein eigenes Tun vertieft, dass kein Mensch die bunte Flida eines Blickes würdigt.
Egal, denkt sie sich, es ist ja für MICH!

Vieleicht noch ein cooles Outfit zur neuen Frisur?
DocMartens Schuhe mit Blümchen drauf und ein Wallekleid? Schliesslich ist mit 54 Jahren und 80 Kilo bei einer Grösse von 165 die Zeit der knapp sitzenden Hotpants abgelaufen, da kann sie noch so viel auf dem Laufband schwitzen in der Sommerhitze. In den 2 Jahren,  die sie regelmäßig ins Fitnesstudio geht,,hat sie noch nicht ein Grämmchen weniger auf die Waage gebracht.
Sie hat immer noch die Zeilen vor sich, die die RehaÄrztin vor zwei Jahren in den Entlassungsbrief schrieb: Die adipöse Patientin hat sie sie genannt, und Flida spürt immer noch den Stich , den diese Worte in ihr verursacht haben.
Seitdem quält sie sich aufs Laufband und unter die Kraftgeräte, aber wie gesagt, gebracht hat es nichts, zumindest auf der Waage nicht. Aber im ganzen fühlt sie sich wohler, sie findet sich straffer und dünner , obwohl auch der Taillenumfang gleich geblieben ist und der LAT-Gefährte sagt: „Alles subjektiv, das mit der Optik.“Wo er natürlich recht hat.

Aber der Traum von den die weiblichen Formen betonenden Glitzeroutfits ist noch nicht ausgeträumt.

Sie steht vor einem Kleidungsgeschäft. Okay, heute lässt sie es krachen, sie gönnt sich was. Auf einem Kleiderständer hängen blumiggemusterte Teile, die gefallen ihr. Sie sucht nach der passenden Grösse: 44, besser 46.
Ausverkauft, schade.  Das kleine Teufelchen flüstert in ihr Ohr: Tja, so ist das, das kennst du ja! Alles ist immer zu klein für dich!
Ach, halt die Klappe, schilt sie das flüsternde Teufelchen, ich zeig dir jetzt mal , das mir mittlerweile auch Grösse 42 passt! Und sie nimmt die letzte Bluse in 42 vom Ständer, geht in die Umkleide und: Es passt!
Sie jubelt innerlich und streckt dem Teufelchen die Zunge raus.

Die kauf ich, ist auch noch runtergesetzt und einen Carmenausschnitt hatte ich auch noch nie, das wird soooo sexy. Mein Dekolletee ist ja auf Grund meiner Fülle auch noch straff, ha!
Sie marschiert zur Kasse. Die sehr dünne Verkäuferin streicht über den Stoff und sagt:“Das ist der Renner gerade bei uns , eine sehr schöne Bluse, zu einem Rock oder einer Jeanshose perfekt!“
Flida lacht und sagt:“ Und es passt mir sogar in Grösse 42!“
Da sieht sie das Teufelchen auf der Schulter der Verkäuferin feixen und hört die Verkäuferin sagen:“ Naja, die fallen auch sehr gross aus!“
Nun fällt ihr fast das Lachen aus dem Gesicht , aber sie sagt: „Passen Sie auf, das das dusselige Teufelchen da nicht von ihrer knochigen Schulter rutscht, der kann ruhig da bleiben  und nein, ich brauche keine Tüte, und ich wünsche Ihnen einen wunderbaren Tag!“
Und während die Verkäuferin auf ihre Schulter guckt, und vom Teufelchen in die Nase gebissen wird und laut kreischt, verlässt Flida federleicht und einhornbunt den Laden.

 

Flida- Zeitlos schön sein

Irgendwas macht einen Höllenlärm und Flida schreckt hoch. Ach, es ist nur der Wecker, was für ein dämliches Geräusch hat sie da bloss eingestellt. Ihr Gesicht ist trocken und irgendetwas bröselt auf das Kopfkissen. Herrje, sie hat heute Nacht vergessen, sich die Gesichtsmaske ihrer Schlaflosigkeit wieder abzuwaschen.
Kein Wunder, dass sie von grünen Schleimmonstern geträumt hat. Sie schlurft ins Bad, und rubbelt sich die Haut mit eiskaltem Wasser von den “ harmonisierenden Kräuterunterstützten Anti-Aging-Stoffen “ frei.
Und-hat es was genützt? Nein, sie ist genauso schlupflidrig und nachtfaltig wie jeden Morgen. Am Haaransatz machen sich die überfärbten grauen Haare bemerkbar. Flida schlurft in die Küche und überlegt, ob sie heute einen Friseurtermin ausmachen soll. Ihr „Living-apart-together-Gefährte“, also,der derzeitige Lebensgefährte, der aber in seinem eigenen Haushalt wohnt, legt Wert darauf, das man Flida ihr zunehmendes Alter nicht ansieht.Und während der Kaffee röchelt und schnaufend durch die Kaffeemaschine blubbert, verspürt Flida eine kleine Wutattacke in sich aufsteigen. Er will nicht, dass man IHR ihr Alter ansieht! Und seines? Darf man sehen oder was? Dass der Bauch grösser wird, und die Brustmuskeln schlaffer, und der Haarkranz immer lichter, das ist okay, oder wie?
Und sie muss alle vier Wochen zum Friseur, die Haare nachfärben, die dadurch immer struppiger werden  und , weil sie immer weisser wird unten drunter, die Haarfarbe auch nicht mehr so gut deckt und deshalb leuchtet sie zunehmend orange auf ihrem Kopf.
Sie wollte niemals so aussehen. So bemüht grau abdeckend, so bemüht „natürlich“ aussehend.
Nur was ist die Alternative? Weiss werden lassen. Hm… Warum nicht? Weiss und dann Regenbogenfarbene Strähnen rein. Grün und blau und rosa… Vermutlich wird sie die Friseurin  überzeugen müssen, die ist für Experimente nicht wirklich offen. Vielleicht hat sie aber Glück, wenn sie da spontan hingeht, dass die andere Friseurin da ist, die mit dem wilden Irokesenschnitt. Die macht das bestimmt…..
Und ihre Tochter? Was wird die sagen, wenn die Mutter so bunt daher kommt? Und der Mann des Herzens? Ach, denkt Flida, der kann mich als allererstes mal, wenn es ihm nicht passt, pfft….wichtig ist, das ich mich wieder angucken mag.
Dieser Gedanke beschwingt sie. Pfeif auf die Angstmachenden Zukunftsgedanken, denkt sie, und wenn es nur noch 10 Jahre sind, die ich hab, diese 10 Jahre mache ich mir bunt! Und wenn ich es ganz wild tue, schnall ich mir noch ein Einhornhorn auf die Stirn und dann sehen wir mal, wer zuerst auf dem Regenbogen tanzt!

Und Flida springt ins Bad und schaut in den Spiegel, reckt die Faust und sagt: Yes! I can!