Suska – Pfingstrosen

Als Suska heimkommt an diesem anstrengenden Tag, hört sie Stimmengewirr aus der Küche und Lachen. Bero hat Besuch, sie feiern ihre fast bestandenen Abiturprüfungen, denkt sie.
Die Narzisse fest in der Hand geht sie in die Küche. Bero rollt Pizzateig aus, die Freundin rührt in der Tomatensosse und die Küche ist voller Schüsseln mit Oliven und Gemüse.
„Hallo, Mama,“ sagt Bero, „Wir machen Pizza, magst du dann auch ein Stück? Oh, eine Narzisse,… selbst gepflückt oder von einem Verehrer?“ fragt er und zwinkert mit dem rechten Auge. Das kann er gut, findet Suska, das macht ihn schelmisch.
„Natürlich ein Verehrer!“ zwinkert sie zurück, , „ich hab es nicht nötig, mir selber Blumen zu pflücken!“
Sie setzt sich noch kurz an den Tisch, erfährt von Beros Freunden, wie das Matheabitur gelaufen ist, dass wohl jemand die Originale geklaut hat, und sie die Ersatzprüfungen schreiben mussten, und dann zieht sich zurück. Sie ist wirklich sehr müde. Die Narzisse hat sie in ein Wasserglas gestellt und mit in ihr Zimmer genommen.
Dort liegt sie jetzt auf dem Bett und denkt an den Gärtner.
Ob sie das nächste mal auch ein bisschen was von sich erzählen soll? Ob sie ihn fragen soll, wie er das macht, das die Pfingstrosen so üppig blühen? Ob sie sich an seine blitzend-weissen grossen Zähne gewöhnen kann? Er ist ein bisschen kleiner als sie, was er wohl anhat, wenn er nicht arbeitet? Wie sieht er ohne grüne Latzhose aus? Ist ein Gärtner reich? Hat sie nicht einen reichen Mann verdient, der ihr diese Geldsorgen mal abnimmt? Und mit ihr in Urlaub fährt? Kann sie sich den Gärtner auf einem Kreuzfahrtschiff vorstellen, in der Luxussuite, mit ihr Champagner trinkend, und dann  zippelt er womöglich andauernd an dem üppigen Blumenstrauss herum, den der Kapitän des Luxusliners für Suska in die Suite gestellt hat?
Doch dann wird der Gärtner seekrank und während er sich über die Reling beugt, um sich zu erleichtern, verschwindet sein Zahnersatz in den Tiefen des Ozeans….

Am nächsten Morgen hat Suska Frühdienst und während sie ihren Kittel anzieht, denkt sie darüber nach, was sie nächste Woche, wenn sie den Gärtner wieder treffen wird, mit ihm beredet und  dann wird sie auch genau hinschauen, ob er wirklich viel kleiner ist als sie und ob das nicht doch funktionieren könnte mit einem Treffen ausserhalb der Arbeit.

Am Nachmittag steht Suska im Supermarkt, die Schlange an der Kasse ist lang. Vor ihr steht eine Frau mit grünen Gummistiefeln, auf denen lila Krokodile leuchten, und packt Unmengen Tomaten auf das Laufband. „Ich koche Tomatensosse ein, “ sagt sie zu Suska, und „Hei! Du! Wie gehts? Hast du dich gefreut gestern?“
Es ist Flida, die Frau, mit der sie vor einiger Zeit tanzen war, das war ein so schöner Abend gewesen, erinnert sich Suska.
„Hallo , Flida“, sagt sie, „wie schön dich zu sehen. Worüber soll ich mich gefreut haben?“
„Über die Narzisse am Scheibenwischer natürlich, “ lacht Flida, “ ich hab dein Auto gestern bei mir vor der Anlage parken sehen, und der Gärtner war dabei, alles, was nicht mehr in diese Jahreszeit passt, rauszurupfen und so hab ich die Blume gepflückt, und dir ans Auto geklemmt. Vielleicht hat sie bei dir ein bisschen mehr Überlebens-Chancen, hab ich mir so gedacht!“
Suska ist ziemlich verdattert, da macht sie sich solche Gedanken, ob der Gärtner ihr Avancen macht und ist hin und her gerissen, ob ihr das gefällt, und dann kommt der Blumengruss von einer verrückten Flida mit grünen Krokodilgummistiefeln.
Suska überlegt, ob sie lachen soll oder ob sie enttäuscht ist, aber dann lacht sie, und sagt: „Ich dachte, das sei der Gärtner gewesen! Der hat so nett mit mir geplaudert, ich dachte der will mich anmachen, weil er mich so toll findet und mich verehrt!“ und sie lacht und lacht.
Flida grinst: „Der würde eine Blume vielleicht an einen Porsche stecken,wenn er wüsste, das das Auto einem knackigen Typen gehört! Aber nett ist er,das stimmt. Und trotzdem- Suska! Wenn ein Mann dir eine Blume ans Auto stecken will, weil er dich verehrt, sollte er das Auto mit einem ganzen Bukett schmücken! Das bist du mindestens Wert! Nicht nur eine einsame abgezupfte Narzisse!“
Und Flida packt ihre Tomaten in einen Korb und sagt: „Ich muss los! Und wenn du wieder in der Gegend bist, wo die Blume an deinem Scheibenwischer gesteckt hat, dann klingel doch bei mir! Ich koch uns dann Nudeln mit Tomatensosse!“
Und sie dreht sich schwungvoll um und stapft in ihren grün-lila Gummstiefeln davon. Dabei  schwenkt sie den Tomatenkorb wie ein Trophäe.
„Bis bald!“ ruft sie noch und ist verschwunden.
Suska muss immer noch lachen.
Warum eigentlich nicht ein Bukett voller Blumen. Rosen mit Freesien, oder einen prächtigen Strauss Pfingstrosen, genau.
Da drüben in dem Blumenladen kann sie sich welche kaufen, das ist sie sich eigentlich wert, denkt sie. Und Nudeln mit Tomatensosse klingt gut. Nächsten Mittwoch. Vielleicht sind die Pfingstrosen dann schon aufgeblüht.

Suska – Eine Blume

Leise fällt die Tür hinter Suska ins Schloss. Geschafft. Ein langer Arbeitstag geht zu Ende. Erst der Frühdienst in der Klinik und dann gleich danach der Nebenjob im Pflegedienst. Und trotzdem reicht das Geld kaum, um alles zu finanzieren, was sie sich in ihrer Bescheidenheit leisten möchte. Ein kleiner Urlaub, ein neuer Kühlschrank, die Reparatur des Autos.
Aber sie mag ihren Nebenjob, sie mag es, wenn sie am Nachmittag zu den Patienten nach Hause fährt, um deren Abendmedikamente einzugeben oder ihnen die Stützstrümpfe auszuziehen-das ist keine schwere Arbeit und es bleibt unterm Tun oft Zeit für kleine Gespräche.
Heute muss sie zu Frau F., das Schicksal dieser Frau berührt Suska.
Vor 10 Jahren fuhr sie im Nebel mit ihrem Auto in einen Graben, sie konnte unverletzt aus dem Wrack klettern und dann lief sie über die Strasse um Hilfe zu holen. Leider kam in diesem Moment ein Laster, der Frau F. erfasste.
Seitdem sitzt Frau F. im Rollstuhl und jeden Mittwoch kommt jemad vom  Pflegedienst, um Frau F. zu baden. Sie wird in einen Lifter gesetzt, der sie über die Badewanne schwenkt. Diese Badetage sind für Frau F. besondere Tage, weiss Suska, sie bezieht dann das Bett mit frischer Wäsche und manchmal, wenn Zeit ist, färbt sie Frau F. die Haare. Das wollte sie heute auch, das hatte sie sich vorgenommen, aber als sie  Frau F. aus dem Rollstuhl in den Lifter setzen wollte, hat es geklingelt. Zwei Männer standen vor der Tür, sie kämen vom Sanitätshaus, sie würden das elektrische Bett und den Lifter überprüfen wollen.
„Oh, tut mir leid“, hat Frau F. gesagt, „ich hatte vergessen, Bescheid zu geben, dass es heute etwas länger dauert, weil die Techniker kommen. Aber ich hab Kuchen besorgen lassen, wir können in der Zeit Kaffee trinken!“ , und sie hat Suska bittend angeschaut.
Dann wird es wieder so spät heute, denkt Suska müde, seit um halb fünf ist sie auf den Beinen und jetzt ist es wieder halb fünf. Bis Frau F. gebadet ist, wird es fast sieben Uhr sein. Aber ein Kaffee tut ihr sicher gut jetzt, und so geht sie in die Küche, holt den Kuchen aus dem Kühlschrank und kocht Kaffee.
Frau F. ist heute sehr munter, sie plaudert über das , was ihre Freundinnen ihr am Telefon alles so erzählen, „Diese Männergeschichten! Meine Freundin aus Heidelberg hat zur Zeit zwei Männer, und es ist nicht einfach, den einen nichts vom anderen wissen zu lassen!“
Suska lacht, “ Da hab ich dann  lieber keinen Mann!“ und nimmt einen Schluck Kaffee. „Die Haare färben wir dann nächste Woche, in Ordnung , Frau F.? Es wird sonst heute wieder so spät“.
Frau F. blickt enttäuscht, aber Suska möchte sich nicht erweichen lassen, sie ist wirklich sehr erschöpft heute.

Die Werkstattleute vom Sanitätshaus sind nach einer Dreiviertelstunde fertig, und Suska kann ihre Arbeit tun. Als Frau F. dann in ihrem Pflegebett liegt, der Fernseher eingeschaltet ist, und Suska den Abwasch gemacht hat, ist es bereits fast halb Acht.
Draussen ist es noch hell. Sie lässt die Tür leise ins Schloss fallen, und als sie in der Wohnanlage den Weg zu ihrem Auto einschlägt, kommt ihr der Hausmeister entgegen.
„Geht es Frau F. gut?“ fragt er. „Es ist erstaunlich, das sie das alles so gut meistert, aber das liegt sicher auch ganz viel an Ihrer Hilfe. Ich freu mich immer, wenn Sie kommen, Suska,“ sagt er. “ Ich hoffe, Frau F. ist noch lange so fit, dass sie zu Hause leben kann. Dann sehe ich Sie wenigsten ab und zu!“ grinst er. Suska schaut ihn ein bisschen genauer an, er hat ein sympathisches Gesicht. Braun gebrannt, weil er viel draussen ist, im Mund blitzen sehr weisse Zähne.
Zahnersatz, denkt Suska, und schämt sich gleich, das sie wieder auf so was achtet.
Nicht bewerten! ermahnt sie sich, er  ist doch bestimmt schon 60, da ist es besser, er hat Zahnersatz als braune Stummel!
Der Hausmeister stützt sich auf seinen Rechen. „Ich hab die verblühten Tulpen und Narzissen rausgezupft, jetzt ist wieder Platz für neues. Haben Sie gesehen, wie prachtvoll der Flieder blüht? Die Akeleyen haben auch schon Blüten, und die Pfingstrosen dahinten, was meinen Sie, was das für eine Kaskade an Rosa und Pink  wird, wenn die aufbrechen. Aber Sie sind müde. Ruhen Sie sich aus, Suska, ich mach hier noch ein bisschen weiter. “ Und er packt seinen Rechen, nickt Suska zu: „Bis nächsten Mittwoch?“
Suska hebt die Hand, „Ja“, sagt sie.

Als sie  zu ihrem Auto kommt, klemmt eine leuchtend gelbe Narzisse hinter ihrem Scheibenwischer.
Suska hat auf dem ganzen Heimweg lächeln müssen.

Flida- DoppelD

Der Kleiderschrank ist voll und eigentlich ist alles da, was Frau für den Frühling braucht, aber irgendwie hat Flida einfach nichts Gescheites anzuziehen.
„Gehen wir shoppen?“ fragt Flida ihr Spiegelbild, und bemerkt wie sich das Teufelchen auf ihrer Schulter räkelt.
„Nein!“ grunzt es, „dein Kleiderschrank ist voll!“
Flidas Spiegelbild lächelt Flida zu und nickt: „Na klar! Es gibt sehr schöne Mode diesen Frühling, alles voller Blumen, das gefällt mir!“
Das Teufelchen zischt: “ Du wolltest Sparen!“

Flida dreht sich vom Spiegel weg, klar wollte sie sparen, aber sie braucht doch neue Wäsche! Letztes Jahr hat sie sich in einem feinen Traditionshaus in der Innenstadt sündteure Unterwäsche gekauft. Sie war ein bisschen erschrocken, nachdem die Verkäuferin sie vermessen hatte und ihre BH-Grösse genannt hat.
Flida hat gedacht, das nur Pornosternchen solche E und D -Grössen haben, aber die Verkäuferin hat gesagt: „Das ist normal in Ihrem Alter, Frauen um die Fünfzig haben selten Körbchengrösse A, ab vierzig darf es auch ruhig etwas mehr sein! Ich such Ihnen was hübsches aus!“

Und Flida hat wirklich zwei sehr hübsche BHs bekommen, aber die liegen im Schrank, weil sie schont sie. Sie weiss ja nicht, wann sie die mal wirklich braucht. Manchmal holt sie die raus, und befühlt den feinen Stoff und bewundert die zarte Stickerei und die Form und an besonderen Tagen trägt sie die auch.
Aber sie braucht was für Alltags wieder. Und deshalb geht sie jetzt los, da kann das Teufelchen stöhnen und jammern und versuchen sie zu bremsen, egal ist ihr das jetzt.

Im Kaufhaus in der Wäscheabteilung drängeln sich Menschen um die Ständer,alles hängt voll, und Flida hasst das, wenn sich die Bügel verhaken ineinander, und sie die Grösse nicht erkennen kann. Aber noch ist sie zuversichtlich. Sie streift durch die Ständer, es gibt sehr schöne BHs, und manche sind , naja, ein bisschen zu viel, findet Flida. Lila und schwarz ist nicht so ganz ihr Geschmack. „Warum nicht, “ feixt das Teufelchen, “ da könntest du dir  vielleicht mal einen Typen aufreissen!“
„Pfft,“ macht Flida, „brauch ich nicht!“
Sie entdeckt einen Ständer mit rosageblümten Bhs, manche sind gepolstert und manche sind schlicht, aber alle mit Bügel. Bügel kneift, weiss Flida.
Bügel macht manchmal Schmerzen an den Rippen.
„Ohne Bügel hängts aber!“ ruft das Teufelchen.
Flida beginnt, die Plastikbügel, auf denen die BHs hängen, zu entwirren, sie sucht auf den Zetteln nach der Grösse. Ohne Brille erkennt sie kaum was. Eine Verkäuferin sucht sie vergeblich. Und ausserdem, so wie sie erkennt, ist bei diesem Modell grösser als 85 C sowieso nicht dabei.
Sie braucht 90 E oder 95 D, hat die Dessousdame damals gesagt.
Sie geht zum nächsten Ständer. Himmelblau mit Sternchen. Aber wieder ist Flidas Grösse nicht darunter.
Bei den Roten mit der Schwarzen Schleife wird sie nicht fündig, und bei den grünen mit den hübsch gestickten Blüten ist Flidas Grösse auch nicht dabei. Sie wird ein wenig mutlos.
Soll sie doch auf die hellbraunen zugreifen, oder die schlicht schwarzen? Diese Zelte, die da hängen, ob da ihre Grösse dabei ist? Ach, leider! Also leider, weil Flida diese Riesenballons furchtbar findet. Sie schämt sich ein bisschen, das sie so was benötigt! Aber was soll sie machen. Sie kann sich in 85 D reinquetschen und immer zippeln, weil alles rausrutscht und am Abend hat sie dann rote Striemen am Rücken, weil alles so eng und quetschig war, und der Rücken schmerzt, weil sie den ganzen Tag versucht hat, das Rausfallen aus den Körbchen aufzuhalten.
Da kauft sie sich lieber Fleischfarbene Zelte, für Alltags, die sind nicht teuer, da kann sie sich gleich zwei Stück leisten.
Beim Anprobieren in der engen Unkleide wird Flida ganz heiss, erstens weil es sowieso so warm ist, zweitens weil sie erschrickt über ihr Spiegelbild.
Geht gar nicht, denkt sie, dieser Busen! Dieser Bauch! Dieses unbarmherzige Licht!
Schnell zu gefriemelt am Rücken dieses hautfarbene Ungetüm, Tshirt drüber, ob es wenigstens ne halbwegs annehmbare Figur macht, und dann nichts wie raus, und bezahlen.
„Schuhe gehn immer!“ hört sie das Teufelchen flüstern, „du könntest dir Schuhe kaufen, da hast du wenigstens eine normale Grösse!“
Da muss Flida lachen, „hautfarbene vielleicht?“ und dann marschiert sie in die Schuhabteilung, und da ist sie schnell fündig geworden.
Perlenbestickte bunte Sandalen, und ein Paar Gummistiefel, so richtig schöne bunte Gummistiefel, grün mit lila Krokodilen, die seien der letzte Schrei, hat sie eine Verkäuferin sagen hören.
Na dann! Dann kann sie wenigstens im Regen tanzen!

 

Flida- Frühlingserwachen

Jetzt ist es schon wieder fast drei Wochen her, das Flida tanzen war. Und sich, nebenbei, vom LAT-Gefährten getrennt hat. Es geht ihr immer noch gut damit, und sie ist froh, das sie diesen Schritt geschafft hat.

Natürlich hat der LAT ständig angerufen und am Sonntag nach dem Tanzen hat er sie ausgeschimpft und gebrüllt am Telefon, was ihr eigentlich einfällt, ihn da so sitzen zu lassen in MannisMummelbude, was sie glaubt, was seine Kumpels von ihm denken, das er , der LAT, nicht in der Lage sei, seine Frau zur Raison zu bringen (er sagte Resonk!), und was ihr , Flida , eigentlich einfällt , so abzudampfen, mit diesem wackelnden Hinterteil, sie würde schon sehen, was sie davon hat, fehlen würde er ihr, sie solle bloss mal daran denken, wer die ganzen Lampen in ihrer Wohnung angebohrt hat, und wer sich um die Reparatur von ihrem Auto gekümmert hat, das sei er gewesen und sie würde sich noch umgucken!
Das Teufelchen auf Flidas Schulter hat sich vor Schreck in Flidas Haaren vergraben und geflüstert: Leg auf, Flida, sonst weinst du wieder!

Flida hat aufgelegt. Drei Tage später hat der LAT wieder angerufen und war ganz lieb, und hat gesagt, das Flida dieFrau ist, die er immer wollte, und was er besser machen könne, er würde es tun, weil doch Flida ihm fehlt und wer bügelt jetzt seine Hemden und sie hätten es doch schön gehabt und er würde auch mit ihr tanzen gehen, wenn sie es will, was soll er denn bloss tun?

„Mich nie wieder anrufen, das kannst du tun!“ hat Flida gesagt und aufgelegt.
Ein bisschen hat sie geschwankt, ob sie ihm nicht doch noch mal eine Chance geben soll, sie ist schliesslich nicht mehr die Jüngste, sie findet so schnell wieder auch keinen Mann….

Brauchst du denn einen Mann?hat ihre Tochter gefragt, als sie an einem Abend beieinander sassen.

Flida hatte gekocht, es gibtSpaghetti mit angebratenen Knoblauch und Pepperoni und Petersilie und dazu trinken sie Weisswein und sie sitzen auf der Terasse und es ist ein bisschen wie im Sommer.

Flida ist nachdenklich, ein Mann ist schon praktisch, hat sie geantwortet. Er kümmert sich um die Spülmaschine, wenn sie kaputt ist, er kann die Klospülung reparieren und wenn was an meinem Auto kaputt ist, kann er das auch heil machen.

Mama! hat die Tochter gesagt, und entrüstet ihre Gabel zur Seite gelegt, dafür, für sowas, gibt es Werkstätten! Oder das Studentenhilfswerk, deshalb brauchst du keinen Mann!

Da hat Flida gelacht, und gesagt: Aber für in den Arm nehmen, und zu hören, das ich toll bin, dafür ist ein Mann auch fein!
Das hat der LAT nie gemacht, hat die Tochter gesagt und sich eine Gabel Spaghetti in den Mund geschoben. Der hat dir gesagt ,das du dick bist und deine Haare blöd aussehen und dass du abnehmen musst,aber er hat nie gesagt, wie toll du bist!

Am Anfang schon! antwortet Flida, am Anfang fand er mich zauberhaft.

Am Anfang! schnaubt die Tochter. Bis er hatte, was er wollte! Neenee, Mama, der Typ ist jetzt Vergangenheit! Basta!
Und die Tochter ergreift die Flasche Weisswein und schenkt sich und Flida ein:
Weisst du, Mama, ich finde dich toll. Du hast nach der Scheidung dir ein neues eigenes Leben aufgebaut. Du hast eine Arbeit, einen Beruf, der dir Freude macht.Du verdienst dein Geld zum Leben selber. Du hast dir allein ein Auto gekauft, als du genug Geld hattest. Du schaffst es, das deine Kinder tolle Menschen sind und dass wir immer zu dir kommen können, wenn wir traurig sind. Du  bringst die Leute zum Lachen, die mit dir zusammen sind. Du hast immer Zeit für andere, wenn die dich brauchen. Und Mama, du bist die schönste Mama, die ich mir vorstellen kann. Ich hätte dir das schon viel früher sagen müssen, aber besser jetzt als nie! sagt die Tochter, und hebt ihr Weissweinglas und stösst mit Flida an.

Draussen vor der Terrasse spriesst das Gras,der Löwenzahn leuchtet überbordend gelb in der Wiese und die Vögel beginnen ihr abendliches Konzert. Aus dem Ort ertönen Kirchenglocken und das Gezwitscher der Vögel hebt ein abendliches Konzert an.
Flida spürt , wie sich das kritische Teufelchen an ihr Ohr schmiegt und flüstert : Deine Tochter hat recht, du bist die schönste und mutigste Flida, die ich kenne!
Und Flida nickt in ihr Weissweinglas und murmelt:
Stimmt. Ich bin die Schönste und mutigste  Flida , die es gibt!

Raining in baltimore

Counting crows, seit Jahren, ach seit Jahrzehnten höre ich an einer bestimmten Stelle dieses Songs: „The cat is watching painful“. Warum nicht, ich habe diesen Text nie in Frage gestellt. Es ist ein trauriges Lied, es ist sehr sehnsuchtsvoll,warum soll dann nicht auch eine 🐈Katze schmerzerfüllt schauen?

Heute sitze ich Zug, ich habe Zeit, Musik zu hören, auch mal Musik , die nicht gehört werden kann im Auto oder beim Putzen, weil ich zu hören wil.

Also lausche ich einer live- Version dieses meines Lieblingsliedes. Die Landschaft gleitet am Fenster vorbei, er singt schmerzerfüllt: „i need a phonecall, i need a raincoat,… „, die Sonne lacht über Deutschland, “ i need a sunburn“ singt er und:

„You get what you’d pay for..“

Was?

Wo ist die Katze, die schmerzerfüllte? Du bekommst wofür du bezahlt hast! Oh man! Klar!!!

Manchmal versteht man nach Jahrzehnten erst!

Ich fahre weiter durch Deutschland. Mal sehen, was mir noch so klar wird alles!

Suska-TranceDance

Müde streift Suska ihre Schuhe von den Füssen.
Dieser Geruch in der KrankenhausUmkleide ist kaum zu ertragen, und die Schicht, die hinter ihr liegt, hat sowieso sehr viel  von ihr gefordert.

Ein kurzer Moment, eine Frage, wie es heute geht, ein Blick in das Gesicht der Patientin und die Antwort: „Nicht so gut“ haben es geschafft , dass Suska sich wieder Zeit nahm , zuzuhören und eine Geschichte zu hören, bei der sie dachte: „Was Menschen alles aushalten können!“ Solche Geschichten hört sie öfter, und manchmal fällt es ihr schwer, diese Erzählungen aus dem Kopf zu kriegen.
Aber heute wird sie in den Club gehen, nachher, am Abend, dann wird sie tanzen. Einmal im Monat heisst es dort TranceDance, das ist für Suska genau das richtige. Da kann sie sich buchstäblich alles von der Seele schütteln.

Und später dann, als sie sich zurecht gemacht hat,kommt Bero, der Sohn,  nach Hause mit seiner Freundin.
„Wow!“ sagt diese, „du siehst toll aus, Suska, woher hast du dieses Kleid? Es steht dir fantastisch.! “
Das freut Suska, und dann nimmt sie den nächsten Bus in die Stadt.
Vor dem TranceDance wird sie in das kleine Bistro nebenan gehen, eine Kleinigkeit essen und in ihrem neuen Buch lesen.
Und jetzt sitzt sie auf dem gemütlichen Sofa in der hintersten Ecke, vor sich ein Glas Rotwein und ist gefesselt von dem Roman, den sie liest.
„Darf ich mich zu Ihnen setzen?“ hört Suska, und als sie aufblickt, sieht sie eine kleine runde Frau in einem roten Kleid mit erstaunlichen Schuhen an den Füssen, und diese blickt Suska so fröhlich an, das Suska lachen muss und „Natürlich!“ antwortet und ein bisschen zur Seite rutscht, damit die Frau sich setzen kann.
„Ich bin Flida und ich habe gerade meinen Freund verlassen und es geht mir gut damit!“ hört Suska und denkt:“Keine Geschichten jetzt!“
Aber die Frau schweigt und nimmt einen genüsslichen Schluck Rotwein aus dem Glas, das der Kellner gerade bringt.

„Du hast fantastische Schuhe an!“ hört sich Suska sagen. Dabei wollte sie doch ihre Ruhe haben! Warum beginnt sie jetzt ein Gespräch mit dieser Frau, die auch noch irgendwie einen Tick hat, weil sie sich ständig mit der linken Hand an die rechte Schulter fasst?

„Nicht wahr, die sind toll! Waren ein Schnäppchen! Und eigentlich wollte ich heute tanzen gehen, aber dann bin ich mit meinem LAT, nee- ehemaligen LAT in einer Fussballkneipe gelandet, dann hat mir sein Freund an den Hintern gefasst und daraufhin habe ich diese Fussballkneipe und den Gefährten verlassen. Und jetzt bin ich hier!“
Vergnügt schaut sich Flida um.
“ Es ist nett hier, sehr sympathische Leute, die hier sitzen!“

Darauf hat Suska bisher gar nicht geachtet, sie wollte nur in Ruhe lesen.

„Was ist ein LAT?“ fragt sie. Und Flida erklärt, dass er ihr Freund war und nicht mit ihr zusammen wohnen wollte, weil er ja irgendwie noch an seiner Frau hing und den Kindern, die ja schon erwachsen sind, das ersparen wollte, sich an eine Freundin gewöhnen zu müssen und dass er dachte, dass sie, Flida , ihm immer zur Verfügung stehen müssen- aber heute sei Schluss damit…..

Flida webt einen Wortteppich und Suska muss andauernd auf diesen Mund schauen, der redet und lacht und erzählt und gar nicht traurig ist irgendwie, und das rote Kleid, das Flida trägt, glänzt und schimmert und dann der rote Wein in dem Glas,…

Suska wird fast schwindelig.

„Tja,..“ hört Suska jetzt wieder, „und nun sitze ich hier in meinen tollen Brokatschuhen und eigentlich wollte ich damit tanzen gehen heute….“

„Das sind die Schuhe einer Reine-Soleil!“ hört sich Suska sagen. „Einer Sonnenkönigin! Magst du nachher mit rüber in den Club, TranceDance, magst du?“
„Reine-Soleil, TranceDance! Das klingt alles vielversprechend!“ antwortet Flida, und als Suska dann aufsteht und sagen will „Dann gehen wir!“, sieht sie, wie Flida den Mund aufklappt und sagt:
„Wow! Du bist wunderschön! Dieses Kleid! Es fliesst wie Nebel an dir hinunter! Wenn ich die Reine-Soleil bin wegen der Schuhe, dann bist du die Nebelkönigin! Mit deinen wehenden Haaren und diesem Silbernen Kleid!“

So hat sich Suska noch nie gesehen , weder als schön noch als Königin und sie wirft ihre langen silbernen Haare in den Nacken und lacht.
Sie lacht so laut und so fröhlich, das das silberne Kleid wie Wellen an ihr wogt und als dann Flida aufsteht und sich neben Suska stellt und  trotz der hohen roten Schuhe einen ganzen Kopf kleiner ist als Suska, da müssen alle Leute in dem Bistro ihre Köpfe zu ihnen drehen und deren augen öffnen sich, weil beide Frauen so schön sind, so kraftvoll und so lebensfroh.

Die Nebelfrau und die Sonnenkönigin.

Und die gehen beide tanzen.

 

 

 

 

 

Flida-Ausromantisiert

Und abends , vor dem Spiegel , als sie ihre hübschen neuen Haare betrachtet, die so hell leuchten im Licht und als sie die neue Wimperntusche aufträgt und den glitzernden Lilafarbenen Lidschatten, denn heute Abend geht der LAT-Gefährte mit ihr aus , da hört sie die Stimme vom LAT-Gefährten hinter sich:
„Schöne Frau, was haben Sie heute vor? Sie sehen zauberhaft aus! Ich würde Sie gerne auf ein Glas Sekt einladen! Und dann mit Ihnen im Mondschein tanzen!“

Da klopft Flidas Herz vor Freude.
Und sie dreht sich schwungvoll um und lacht dem LAT-Gefährten ins Gesicht: „Mondscheinromantik klingt wunderbar!“

Da klingelt es an der Tür und der romantische LAT-Gefährte verschwindet wie ein Dschinn in Flidas Parfümflasche.

„Nanu,“ denkt sie, und öffnet die Tür und da steht der LAT-Gefährte, sowie sie ihn kennt, in ausgebeulten Jeans und schwarzem Pullover, der Autoschlüssel klimpert in seiner Hand und er fragt: „Fertig? Gut siehst du aus! Coole Schuhe!“
Flida hat ihre neuen Samtstiefeletten an, Brokatrot mit goldenen Blumen drauf und ziemlich hoch, sie weiss nicht wie weit sie damit laufen kann, aber zum Tanzen sind die perfekt, das hat sie im Wohnzimmer schon ausprobiert. Dazu trägt sie ein rotes Kleid mit Glitzer drauf,schliesslich wollen sie ja schön ausgehen.
Sie klettert in das hohe Auto vom LAT-Gefährten und fragt: „Wo gehen wir denn heute hin?“
„In Mannis Mummelbude, die Eckkneipe, wo ich mich Mittwochs immer mit meinen Kumpels treffe. Gibt Fussballübertragung, 2. Liga, vielleicht steigt der  2. FC Hollerflicks endlich auf, die spielen gegen den ErstligaClub Wannstatt, das wird da übertragen!“
„Oh!“ macht Flida, „ich dachte wir gehen tanzen!“
„Wie kommst du denn da drauf!“ fragt der LAT-Gefährte , „ich tanze nicht!“
Das Teufelchen zwickt Flida in die Schulter. „Hättest du dir denken können, du mit deiner Romantik!“

Enttäuscht sitzt Flida auf dem Beifahrersitz, die Häuser ziehen an ihr vorbei und sie denkt: „Mannis Mummelbude!Was soll ich da!“

Und später sitzt sie auf dem Barhocker, presst ihre Beine zusammen, weil das Kleid auf einmal so kurz ist, und ihr der Rücken weh tut, sie kann nicht gut auf Barhockern sitzen und der LAT-Gefährte hat sein fünftes Bier vor sich, alkoholfrei hofft sie, und gröhlt mit seinen Kumpels, und sie findet diese Männer so hässlich, mit ihren dicken Bierbäuchen und den braunen Zähnen, und deren Rücksichtslosigkeit, und als der Karlfriedrich, LAT-Gefährtes bester Freund, Flida an den Hintern fasst und sagt: „Was ein Knackarsch, Flida!“da reicht es ihr.
Sie rutscht vom Barhocker runter und zischt: „Du wirst nie wieder einen Blick auf meinen Knackarsch werfen  geschweige denn ihn anfassen, sonst lang ich dir eine! “
Und an den LAT-Gefährten gewandt: “ Das Gleiche gilt für dich! Lebt wohl oder auch nicht!“ und sie dreht sich schwungvoll um und stakst zur Tür.
Diese verdammten Schuhe! Sie will einen erstklassigen Abgang hinlegen, aber das wird schwierig, die Schuhe ist sie einfach nicht gewöhnt.
Doch das Teufelchen zieht an Flidas rechtem Ohr, sodass sie nicht so sehr nach links kippen kann, sondern ziemlich gerade aus der Tür stolziert.

Draussen regnet es und Flida ist auf einmal so müde. Sie merkt, wie sie anfangen könnte zu weinen, aber das möchte sie nicht. Sie möchte stolz sein und nach Hause gehen und den LAT-Gefährten nie wieder sehen !

Auf der anderen Strassenseite ist ein Lokal, das sieht hübsch aus, die Leute, die sie durch die Fenster sieht, lachen und reden miteinander. Sowas würde sie auch gerne tun, da sitzen, ein Glas Wein trinken und sich mit jemandem unterhalten.
„Dann mach das doch!“ flüstert das Teufelchen, „du bist doch extra so hübsch heute!“
„Soll ich wirklich?“ fragt Flida. „Ja, “ macht das Teufelchen und wischt mit seinen behaarten klitzekleinen Fingerchen Flida einen Wassertropfen von der Nase. Vielleicht was es auch eine Träne.
Flida strafft ihre Schultern, und sie schafft es jetzt tatsächlich, ziemlich elegant und ohne zu stolpern über die Strasse zu gehen. Sie öffnet die Tür vom Lokal.
Warme weiche Luft schlägt ihr entgegen, ein paar Leute drehen sich um und lächeln Flida zu.
Ganz hinten in der Ecke sitzt eine Frau , sie hat ein Glas Rotwein vor sich und liest in einem Buch. Ihre langen grauen  Haare fallen weich über ihre Schultern.
Flida hat sie irgendwo schon mal gesehen.
„Darf ich mich zu Ihnen setzen?“ fragt Flida, und die Frau lacht Flida an.
„Natürlich!“ sagt sie und rutscht ein wenig zur Seite.
Und Flida lässt sich in einen weichen Sessel fallen, egal ob das Kleid zu kurz ist, jetzt sitzt sie wenigstens bequem und bestellt sich auch ein schönes Glas Rotwein.
Und sie ist gespannt, was der Abend noch so bringen wird.

 

Flida- Romantik

Flida hat sich verliebt. Verknallt, verliebt, ihr Herz hüpft und sie träumt.

Ein neuer Kollege arbeitet jetzt im Büro, bestimmt zehn Jahre jünger als Flida, und er ist verheiratet . Flida kennt auch seine Frau, aber sie hat gemerkt, dass ihr Herz klopft, als er sie letzte Woche begrüsst hat. Und er hat mit ihr geredet, so freundlich und wertschätzend , und gestern hat er sie angelacht und begrüsst,und ihre Kolleginnen haben zurück gelacht, und gesagt: „Der ist ja so süss!“ aber Flida hat nichts gesagt, und ganz still gewusst, das er sie gemeint hat mit seinem Lachen.
Das Teufelchen auf der Schulter hat geknurrt und gesagt: „Bild dir bloss mal nicht zu viel ein! Was soll der denn von dir wollen?“
Aber Flida will ja gar nicht , das der was von ihr will.

Sie will bloss ein bisschen träumen.

Der LivingApartTogether-Gefährte, ach, dem droht keine Gefahr.
Nur dass Flida sich vorstellt, wie das sein könnte, wenn der HübscheMann, denn hübsch ist er, findet Flida, mit seinen grauen Haaren und seinen leicht schräg stehenden braunen Augen, wenn also der HübscheMann Flida zum Kaffetrinken einladen würde. Dann würden sie sich unterhalten, über wichtige Dinge im Leben, über Musik zum Beispiel, Flida mag Musik, und mit dem LAT-Gefährten redet es sich nicht gut über Musik, der hat bloss seinen Fussball im Kopf.
Vielleicht würde der HübscheMann Flida auch fragen, ob sie mit ihm mal ins Theater gehen würde. Vielleicht lebt er ja in Scheidung, und Flida weiss das nicht. Dann könnte sie gerne mit ihm ins Theater gehen.
Er hätte Stil und würde sich Mühe geben für Flida, weil auch er frisch in Flida verliebt ist. Er würde sagen: „Dein Alter, ach Flida, was spielt denn das für eine Rolle? Du bist die Frau, die ich schon immer gewollt habe!“
Und alleine schon bei diesem Gedanken strafft sich Flida in der Körperhaltung, sie geht gerade, und ihr Gang wird beschwingter und federnd, und sie hört das Teufelchen schimpfen:“ Was wackelst du so mit deinem Hintern, Flida, das sieht albern aus in deinem Alter!“
Da dreht sich Flida einmal um sich selbst, und lacht ganz laut. „Vielleicht ist es albern, sich mit 56 zu verlieben, und zu wissen, das es nie wahr werden wird, aber was ist das Leben ohne Träume?“

Und abends , vor dem Spiegel , als sie ihre hübschen neuen Haare betrachtet, die so hell leuchten im Licht und als sie die neue Wimperntusche aufträgt und den glitzernden Lilafarbenen Lidschatten, denn heute Abend geht der LAT-Gefährte mit ihr aus , da hört sie die Stimme vom LAT-Gefährten hinter sich:
„Schöne Frau, was haben Sie heute vor? Sie sehen zauberhaft aus! Ich würde Sie gerne auf ein Glas Sekt einladen! Und dann mit Ihnen im Mondschein tanzen!“

Da klopft Flidas Herz vor Freude.
Und sie dreht sich schwungvoll um und lacht dem LAT-Gefährten ins Gesicht: „Mondscheinromantik klingt wunderbar!“

Loida- Osterdrama, alle Jahre wieder

Es ist Gründonnerstag und eigentlich will Loida keine Ostervorbereitungen treffen. Sie will dieses Jahr keine Eier färben und kein Osterbrot backen und auch keine Osternester füllen. Sie weiss nicht, ob die Kinder kommen, die Tochter ist unterwegs und weiss nicht, ob sie Zeit hat, der grosse Sohn verbringt die Feiertage in den Bergen mit seinen Schwiegereltern, und der MusikantenSohn, der hat wie immer noch nicht gesagt, ob er Zeit hat. Sie wünscht sich sehr, das sie ihn sehen wird. Aber bei ihm weiss man nie, was er vor hat.

Loida seufzt. Trotzdem ist die Einkausfliste lang geworden, ein paar Leckereien sollten schon im Haus sein, wenn Ostern ist.
Es ist noch früh, als Loida mit ihrem Einkaufszettel im Korb losfährt, sie will diese Menschenmassen vermeiden, die immer vor den Feiertagen in den Supermärkten drängeln.

Es ist tatsächlich leer im Supermarkt, als Loida mit ihrem Einkausfwagen durch die Gänge schiebt. Tomaten, Kartoffeln, sie wird ein paar gefärbte Eier kaufen, aber im Biomarkt, denkt sie, und legt einen Granatapfel in ihren Wagen. Vor ihr türmt sich  ein Stand mit Ostersachen. Servietten, Ostergras, Grusskarten, Eierfarben…

Eierfarben, sie könnte doch…., sie könnte eigentlich doch Eier färben, denkt sie, und das kleine blaue Tütchen mit dem Hasen vorne drauf landet in ihrem Wagen. Und wenn sie schon dabei ist, ein Osterbrot kann sie backen, ist ja schliesslich Tradition , und sie backt dann eben kleine , die kann sie den Nachbarn schenken und vielleicht kommt jemand zu Besuch….

Quark, Butter, Mehl, Backpulver, nein, Mehl kauft sie im Bioladen, und die Eier auch, und schon wieder steht eine Aktionsfläche vor ihr, mit Schokoladeneiern und bunten Pralinenschachteln und alles sieht so frühlingshaft aus.
Loida packt freudig in ihren Einkaufswagen ein, was ihr gefällt. „Das wird teuer!“ denkt sie, und an der Kasse wird das bestätigt, aber egal, es ist Ostern.

Im Bioladen ist es mittlerweile voll, aber gutes Mehl und guter Zucker und gute Eier, das muss sein.

Als sie daheim ist, schleppt sie in freudiger Erwartung ihre Einkäufe ins Haus. Sie will sofort mit dem Backen beginnen, und die Eier hat sie schon immer am Gründonnerstag gefärbt, erinnert sie sich. Sie rührt den Teig und formt Zöpfe und schiebt die Brote in den Ofen und kocht die Eier. 15 Stück, wie jedes Jahr, 3 von jeder Farbe.
Aber wo sind die Färbetabletten? Dieses kleine blaue Tütchen, mit dem Hasen vorne drauf? Wo ist es? Sie wühlt alles durch, die Backzutatendose, die leeren Einkaufstaschen, sie schaut im Müll nach, … nichts.

Und sie erinnert sich, das sie jedes Jahr die Farbe nicht gefunden hat,  wenn sie die Eier färben wollte. Manchmal hat sie die Eierfarben schon im Februar gekauft, weil sie Angst hatte, das sie vor Ostern keine mehr bekommen würde, und dann hat sie sie nicht mehr gefunden. Irgendwann  hat sie  begonnen, viele Tüten auf Vorrat zu kaufen und sie igendwohin zu legen, damit sie die an Ostern ja bloss findet, aber sie hat dann die Stellen nicht mehr gewusst, wo  sie die Tütchen hingelegt hatte. Und jetzt passiert ihr das schon wieder!
Sie sollte es lassen mit dem Eierfärben,  herrje noch mal!

Der Schlüssel dreht in der Tür,der Ehemann kommt heim und findet eine aufgelöste Loida in der Küche vor. Die Osterbrote duften verführerisch, aber Loida ist das egal, sie schimpft. „Warum bin ich so schusselig? Jedes Jahr finde ich diese Eierfarben nicht mehr, dieses blöde kleine Tütchen, immer flutscht es mir irgendwohin, und jetzt hab ich da diese Eier und was mach ich jetzt? Wegen so einem blöden Tütchen muss ich jetzt wieder los!“

Der Ehemann lacht und umarmt Loida. „Ich will sowieso noch was besorgen, back du deine Brote in Ruhe fertig, sonst werden die wieder schwarz, wie jedes Jahr!“ schmunzelt er, und ist verschwunden.

Und als er dann wieder kommt, hat er zwei Tütchen Eierfarben dabei, eines für dieses Jahr und eines für das kommende , und das packt er an einen besonders sicheren Ort und Loida färbt ihre gekochten Bioeier, die zum Glück auch gar nicht aufgesprungen sind wie sonst, und  die Osterbrote sind dieses mal überhaupt gar nicht verbrannt.

Jetzt kann sie sich richtig auf das Osterfest freuen.
Denn sie hat gerade eine Nachricht bekommen. „Hast du dieses Jahr schon Eier gefärbt, liebe Mama? Wir würden nämlich gerne welche haben, wir kommen am Sonntag, passt das? “ Und dazu ein Foto von MusikantenSohn und FernerTochter, mit Hasenohren.

Das wird ein schönes Ostern!
Gut, dass Loida soviel eingekauft hat!

 

Loida- vom Leben in allen Farben

Es war Suska am Telefon.
Natürlich- welch ein Glück, sie hatte Zeit, sie würde gleich zum Friedhof kommen und dann haben Loida und sie sich am Grab von Loidas Mutter getroffen und  gemeinsam die Hornveilchen eingegraben.
Und dann sind sie in ein Cafe gegangen und haben geredet.

Suska ist sehr klug, hat Loida gedacht, so weise. Sie weiss soviel. Sie wirkt so sicher in allem was sie denkt!
Sie haben über sich gesprochen und über Loidas Familie und was Loida so macht und  über Suskas Arbeit als Krankenschwester und wie das ist, wenn jemand stirbt. Und wo der dann hingeht und was dann passiert. Und Loida hat gemerkt, das das für Suska ein ganz wichtiges Thema ist und das sie sich viele Gedanken macht über den Tod und auch schon so viel erlebt hat damit.
Und dass sie trotzdem nicht traurig ist, und sagt:“ Ich liebe jeden Tag. Manchmal hab ich Angst, das es schnell vorbei ist, mein Leben,  und ich habe dann damit nicht gerechnet, dass ich plötzlich tot bin und wahrscheinlich bin ich dann überrascht, aber im Ganzen macht mir Tod keine Angst. Ich glaube ganz fest daran, das wir nicht verschwinden. Wir werden weiter da sein! Ich zeig dir was! “

Und sie hat ihr grosses Tablet aus ihrer riesigen Handtasche geholt, „Ich mag lieber dieses Riesending, als so ein kleines Handy. Auf dem Tablet ist mehr Platz, und…“ sie hat sich zu Loida rübergebeugt: „ich brauch keine Brille!“ und dann hat sie dieses laute wilde Lachen gelacht, so dass sich im Cafe ein paar Leute umgedreht haben.

Suska wischt auf dem Display rum und murmelt und dann findet sie , was sie sucht:(ein Beitrag aus Ullis Cafe Weltenall).
Es ist ein Bild. Ein Boot auf grünem Wasser, vielleicht ein Schilfboot, darin sitzen vier schwarze Figuren, die Figuren an Heck und Bug haben eine stolze erwartungsfrohe Haltung, die beiden Figuren in der Mitte des Bootes wirken ruhig, abwartend, still.
„Ein Ahnenboot“, sagt Suska.
„So stelle ich mir das vor, wenn man stirbt. Wir werden dann geholt. Wir gleiten dann übers Wasser , übers grüne stille, tiefe Wasser. Es ist still und in uns ist nur Frieden.  Am anderen Ufer warten die auf uns, die schon gegangen sind. “

„Ein Ahnenboot. Ein Ahninnenboot vielleicht sogar,“antwortet Loida, „dieses Boot auf dem Bild schwebt, es ist ganz leicht. Ich hab auch mal gelesen, das der Tod seit noch nicht allzulanger Zeit männlich ist. Früher war es die Todin, die gekommen ist, und den Sterbenden in ihre warmen weichen Arme genommen hat. Die heilige Notburga zum Beispiel, das war so eine, die ist gekommen um zu holen, und man hatte wohl weniger Angst, wenn man von einer Frau aus dem Leben begleitet wurde als von einem klapprigen zauseligen männlichen Gevatter Tod!“
„Der womöglich noch eklig aus dem Mund roch, huhhh!“ schüttelt sich Suska.

Sie schaut noch einmal liebevoll auf das Bild von dem Ahninnenboot, klappt das Tablet zu und sagt:
„Jetzt trinken wir einen Aperol Sprizz! Und wenn du magst, du kannst bei mir schlafen!“
„Das könnte ich, ja,“ denkt Loida, „warum nicht“, und dann kommt der Aperol mit Sekt und leuchtet so warm orange im Glas, und die Apfelsine , die am Glas klemmt mitsamt der Physalis machen in Loida Lust auf Sommer.

Die beiden Frauen heben ihre Gläser und stossen an.
„Auf das Leben!“ lacht Suska.
Und wirft ihre weissen langen Haare über die Schulter.
„Auf das Leben!“