Flida- DoppelD

Der Kleiderschrank ist voll und eigentlich ist alles da, was Frau für den Frühling braucht, aber irgendwie hat Flida einfach nichts Gescheites anzuziehen.
„Gehen wir shoppen?“ fragt Flida ihr Spiegelbild, und bemerkt wie sich das Teufelchen auf ihrer Schulter räkelt.
„Nein!“ grunzt es, „dein Kleiderschrank ist voll!“
Flidas Spiegelbild lächelt Flida zu und nickt: „Na klar! Es gibt sehr schöne Mode diesen Frühling, alles voller Blumen, das gefällt mir!“
Das Teufelchen zischt: “ Du wolltest Sparen!“

Flida dreht sich vom Spiegel weg, klar wollte sie sparen, aber sie braucht doch neue Wäsche! Letztes Jahr hat sie sich in einem feinen Traditionshaus in der Innenstadt sündteure Unterwäsche gekauft. Sie war ein bisschen erschrocken, nachdem die Verkäuferin sie vermessen hatte und ihre BH-Grösse genannt hat.
Flida hat gedacht, das nur Pornosternchen solche E und D -Grössen haben, aber die Verkäuferin hat gesagt: „Das ist normal in Ihrem Alter, Frauen um die Fünfzig haben selten Körbchengrösse A, ab vierzig darf es auch ruhig etwas mehr sein! Ich such Ihnen was hübsches aus!“

Und Flida hat wirklich zwei sehr hübsche BHs bekommen, aber die liegen im Schrank, weil sie schont sie. Sie weiss ja nicht, wann sie die mal wirklich braucht. Manchmal holt sie die raus, und befühlt den feinen Stoff und bewundert die zarte Stickerei und die Form und an besonderen Tagen trägt sie die auch.
Aber sie braucht was für Alltags wieder. Und deshalb geht sie jetzt los, da kann das Teufelchen stöhnen und jammern und versuchen sie zu bremsen, egal ist ihr das jetzt.

Im Kaufhaus in der Wäscheabteilung drängeln sich Menschen um die Ständer,alles hängt voll, und Flida hasst das, wenn sich die Bügel verhaken ineinander, und sie die Grösse nicht erkennen kann. Aber noch ist sie zuversichtlich. Sie streift durch die Ständer, es gibt sehr schöne BHs, und manche sind , naja, ein bisschen zu viel, findet Flida. Lila und schwarz ist nicht so ganz ihr Geschmack. „Warum nicht, “ feixt das Teufelchen, “ da könntest du dir  vielleicht mal einen Typen aufreissen!“
„Pfft,“ macht Flida, „brauch ich nicht!“
Sie entdeckt einen Ständer mit rosageblümten Bhs, manche sind gepolstert und manche sind schlicht, aber alle mit Bügel. Bügel kneift, weiss Flida.
Bügel macht manchmal Schmerzen an den Rippen.
„Ohne Bügel hängts aber!“ ruft das Teufelchen.
Flida beginnt, die Plastikbügel, auf denen die BHs hängen, zu entwirren, sie sucht auf den Zetteln nach der Grösse. Ohne Brille erkennt sie kaum was. Eine Verkäuferin sucht sie vergeblich. Und ausserdem, so wie sie erkennt, ist bei diesem Modell grösser als 85 C sowieso nicht dabei.
Sie braucht 90 E oder 95 D, hat die Dessousdame damals gesagt.
Sie geht zum nächsten Ständer. Himmelblau mit Sternchen. Aber wieder ist Flidas Grösse nicht darunter.
Bei den Roten mit der Schwarzen Schleife wird sie nicht fündig, und bei den grünen mit den hübsch gestickten Blüten ist Flidas Grösse auch nicht dabei. Sie wird ein wenig mutlos.
Soll sie doch auf die hellbraunen zugreifen, oder die schlicht schwarzen? Diese Zelte, die da hängen, ob da ihre Grösse dabei ist? Ach, leider! Also leider, weil Flida diese Riesenballons furchtbar findet. Sie schämt sich ein bisschen, das sie so was benötigt! Aber was soll sie machen. Sie kann sich in 85 D reinquetschen und immer zippeln, weil alles rausrutscht und am Abend hat sie dann rote Striemen am Rücken, weil alles so eng und quetschig war, und der Rücken schmerzt, weil sie den ganzen Tag versucht hat, das Rausfallen aus den Körbchen aufzuhalten.
Da kauft sie sich lieber Fleischfarbene Zelte, für Alltags, die sind nicht teuer, da kann sie sich gleich zwei Stück leisten.
Beim Anprobieren in der engen Unkleide wird Flida ganz heiss, erstens weil es sowieso so warm ist, zweitens weil sie erschrickt über ihr Spiegelbild.
Geht gar nicht, denkt sie, dieser Busen! Dieser Bauch! Dieses unbarmherzige Licht!
Schnell zu gefriemelt am Rücken dieses hautfarbene Ungetüm, Tshirt drüber, ob es wenigstens ne halbwegs annehmbare Figur macht, und dann nichts wie raus, und bezahlen.
„Schuhe gehn immer!“ hört sie das Teufelchen flüstern, „du könntest dir Schuhe kaufen, da hast du wenigstens eine normale Grösse!“
Da muss Flida lachen, „hautfarbene vielleicht?“ und dann marschiert sie in die Schuhabteilung, und da ist sie schnell fündig geworden.
Perlenbestickte bunte Sandalen, und ein Paar Gummistiefel, so richtig schöne bunte Gummistiefel, grün mit lila Krokodilen, die seien der letzte Schrei, hat sie eine Verkäuferin sagen hören.
Na dann! Dann kann sie wenigstens im Regen tanzen!

 

Flida- first shade of grey

Flida betrachtet sich im Spiegel. Dieser graue Haaransatz ist jetzt soweit rausgewachsen, dass sie, wenn sie die anderen gefärbten roten,pinken und gelben Haare zurückhält,  sieht , wie sie aussehen könnte, wenn sie alles grau werden lässt. Und sie denkt: „Gar nicht mal so schlecht! Vielleicht, liebe Flida, ist es an der Zeit, dazu zustehen ,dass du graue Haare hast!“

Natürlich,im Moment ist es schick,  grau zu sein. Junge Frauen färben sich absichtlich die Haare silbern. Letzte Woche hat sie im Supermarkt einer Frau ihren Einkaufswagen überlassen, die ebenfalls so silbergraue Haare hatte, ein sehr schönes Grau und Flida hat gedacht, ich weiss nicht, ob sie schon so alt ist oder nicht.
Aber Flida fand es sehr hübsch , wie diese Frau aussah.

Und seitdem hat sie hin und her überlegt, ob sie das machen kann. Sie hat dem LAT-Gefährten gesagt, dass sie sich ab jetzt nicht mehr die Haare rot färbt. „Das wird immer dann so orange oder so knallrot,  das sieht unecht aus!“

„Nee nee!“ hat der LAT gesagt, „Frauen mit grauen Haaren sehen aus wie Omas! Ich geh doch nicht mit ner Oma ins Bett!“

„Dann lässt du es eben bleiben!“ hat Flida geschnaubt und angefangen, zu suchmaschinen. Graue Haare, färben, hübsch waren ihre Suchwörter. Es kamen viele Seiten, mit Haar-Entfärbemitteln, mit Tipps, wie man graue Haare rauswachsen lassen kann, wie man schöne graue Haare bekommt, die nicht gelbstichig sind, ganz viel hat Flida  erfahren über graue Haare.

Das Teufelchen sass derweil auf ihrer Schulter und zischte: „Wieder so ne blöde Idee von dir, Flida, sei doch mal froh mit dem was du hast! Wenn deine Haare lang sind, schneidest du sie ab, wenn sie blond sind,machst du sie rot, wenn sie rot sind, kaufst du dir komische Farben und dann sind sie lila, oder blau oder pink! Und dann lässt du deinen Ansatz wachsen und wenn du in den Spiegel guckst, drehst du den Kopf so, das du denkst, och, ein Ansatz ist gar nicht so schlimm, aber wenn du dich zufällig im Schaufenster siehst, erschrickst du, weil da so ein krasser Kontrast ist zu deinen ausgezuzelten rot-orangen Haaren!“

„Ja!“ antwortet Flida,“ und deshalb überlege ich, da ich nun mal graue Haare habe, wie alle in meiner Familie, dann kann ich doch dazu stehen ! Ich bin  54! Ich möchte natürlich aussehen und nicht immer darauf schauen, wann man wieder was sieht und dass ich wieder zum Friseur muss, ich möchte so sein wie ich bin!“

„Na gut!“ seufzt das Teufelchen, “ aber weich müssen sie bleiben, und deine Locken musst du behalten, damit ich mich da so schön reinkuscheln kann! Denn sonst!“ droht das Teufelchen, „werde ich dich verlassen!“

„Wäre manchmal auch nicht schlecht,“ denkt Flida, und am nächsten Morgen ist sie kurz entschlossen in den nächsten besten Friseursalon gegangen.

In einen anderen als sonst, denn ihre Friseurin, der sie vor 8 Wochen gesagt hat, das sie das Grau rauswachsen lassen will, hat geseufzt, und gesagt: „Meinen Sie? Ob das gut ist?“ und hat sich ihre gefärbten rotschwarzen Haare gerauft, so das Flida den weissen Ansatz sehen konnte. Es sah ungepflegt aus. Deshalb wechselt sie. Und betritt den Friseursalon in dem anderen Stadtteil, der so eine einladende Fensterdekoration hat.
„Wenn du Pech hast, machen die dir da drin deine Haare ganz kaputt!“ flüstert das Teufelchen, aber das ist Flida gerade egal, die Friseurin ist nett, sie haben sofort Zeit, sie wird beraten, sie wird bestätigt in ihrem Mut, zum Grau zu stehen, ihre Haare werden entfärbt, es stinkt nicht, sie bekommt Kaffee und die Augenbrauen werden auch noch gezupft, „Graue Haare brauchen ein gepflegtes Gesicht!“ sagt die Friseurin, und dann kommt Tönung drauf und Pflege  und dann ist Flida fertig. „Wow!“ macht die Friseurin, “ Sie sehen total viel jünger aus! Das hätte ich nicht gedacht!“

„Das ist mein Gesicht!“ denkt Flida, als sie ihre neue Farbe im Spiegel betrachtet. „Das bin ja ich!“ Und sie fühlt sich toll, und denkt, „das macht mich echt nicht älter! “
Und ihr fällt das Wort Lebensweisheit ein, und diese Göttinenbilder, die sie so mag, von diesen Weisen Frauen, die am Feuer sitzen, oder an einer Quelle, und sie fühlt sich jetzt ganz richtig an als Flida , weil jetzt nichts falsch ist mehr an ihr, sondern alles echt.

Als sie zur Belohnung in ein Cafe geht, um ein überbackenes Toast zu essen und einen Kaffee zu trinken, fällt ihr eine Frau auf, die mit ihrer Freundin am Nebentisch sitzt und ihre langen grauen Haare schwungvoll nach hinten wirft und dabei so herzlich laut lacht.

„Das kann ich auch bald“, denkt Flida, „meine Mähne so nach hinten werfen, denn jetzt kann sie wachsen, jetzt muss ich da nichts mehr alle vier Wochen nachbessern lassen!“

Dass der LAT-Gefährte am Abend zu Flida sagt: „Meine Güte! Wie siehst du aus? Sag deiner Tochter, sie kann dich jetzt zur Oma machen!“ , das ist Flida egal.

Wichtig ist, wie sie sich fühlt, und sie fühlt sich gerade so richtig perfekt!

Nachwort meinerseits: Es haben meistens Frauen sehr positiv darauf reagiert, das Flida ihre Haare grau gemacht hat. Ich denke, irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen,  dass die Zeit nicht halt gemacht hat vor Veränderungen, und das wir dazu stehen können und uns eigentlich nicht mehr künstlich verhübschen müssen. Das betonen was schön ist, aber nichts anders machen als es ist. Da kann ich meine Augenbrauen färben und zupfen lassen, ich kann meine Augen mit Wimperntusche betonen, ich kann mir auch eine SilberTönung in die Haare tun, aber ECHT muss es aussehen. Und leider finde ich, sehen gefärbte Haare in rot oder blond bei grauem Haar unecht aus. Oft…. Oder? Zumindest wenn es nicht der Friseut gemacht hat… Obwohl, meine Chefin, die hat so eine pfiffigen Haarschnitt und die Haare sind rot gefärbt, da passt das….

Hmm….. Was meint ihr?

Kat.

Beitragsbild: Celtic Goddess The Calleach, Dan Goodfellow

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Flida- modisch unterwegs

Flida kann es echt nicht lassen – sie ist  wieder in die Stadt gefahren , in ein grosses Kaufhaus. Sie hat dort letzte Woche beim „Trockenshoppen“ mit dem LAT-Gefährten eine Jacke gesehen. Die hat ihr so gut gefallen! Sie ist von diesem Spanischen Modelabel, die immer so bunte Sachen herstellen, Flida liebt diese Mode! Ein Kleid besitzt sie von denen, das war im Schlussverkauf runtergesetzt, sonst könnte sie es sich niemals leisten.

Diese warme Winterjacke, die ihr so gut gefällt, kostet ebenfalls ein Heidengeld, aber sie kann ja wenigstens mal anprobieren. Am Ständer hängen viele Grössen, wenn Flida Glück hat, ist ihre grosse Grösse auch dabei. Sie weiss aber, das Spanierinnen zartgliedrig sind und diese Modefirma auch eher für elfenhafte Damen näht, aber sie kann es versuchen. Grösse 44, okay. Sie zieht die Jacke an. Ohweh, sie spannt in den Schultern. Okay, dann Grösse 46, das  muss passen! Das MUSS passen!
Die Schultern zwicken nicht,aber die Jacke lässt sich nicht schliessen. Zu gross der Busen. Mann, schimpft Flida innerlich, spinnen die denn? Grösse 46 und passt  mir nicht! „Oder du wirst immer fetter!“ hört sie das fiese Teufelchen auf ihrer Schulter feixen. „Hast ja auch wieder dein Sportprogramm schleifen lassen! Und abends gegessen, vor der Glotze , weil der LAT-Gefährte nicht da war, oder? Der bremst dich ja sonst immer, aber von alleine schaffst du es nicht, weniger zu essen!“
„Diese Jacke ist sowieso zu teuer!“ sagt Flida.
„Aber wenn du schlanker wärest, würdest du da toll drin aussehen!“ flüstert das Teufekchen, „die Farbe steht dir gut!“
„Da pfeif ich drauf!“ sagt Flida, “ ich guck jetzt second hand, da finde ich vielleicht was!“  Da bricht das Teufelchen in fieses Gelächter aus:“ Da hast du doch noch nie was gefunden! Die Sachen waren dir doch auch immer zu klein! Das einzige was dir da gepasst hat, waren OMAKLAMOTTEN!HAHAHA! OmaFlida die Dicke!“
Flida schüttelt sich , sodas das Teufelchen von ihrer Schulter fällt. Und marschiert aus dem grossen Kaufhaus raus.
Das Teufelchen hat Mühe  , mit zukommen, denn Flida ist schnell. Besonders wenn sie wütend ist, kann sie schnell laufen.
Sie denkt dran, wie sie ihrer Freundin letztens gesagt hat, das sie, Flida, bei ihrem BMI von 29 als Übergewichtig gilt. Und ihre Freundin, anstatt dass sie sagen würde: Echt? das sieht man aber nicht, sagt diese: Dann nimm halt endlich ab!

Flida rauscht in den Second-hand-Laden hinein.
“ Hallo! „sagt sie,“ ich suche eine neue Jacke!“
„Wir haben unsere neue Herbstkollektion gerade eingeräumt, “ sagt die Verkäuferin, „da ist bestimmt was dabei!“
Und Flida nimmt sich Zeit. Sie schaut, sie probiert an, manches passt, manches nicht, sie sucht und kombiniert und findet einen Schal und eine Jacke und Kleider von einem Modelabel für starke Frauen, in denen sie aber fast ertrinkt, so weit wallen die , aber am Retroständer findet sie eine Jacke, die endlich richtig passt und fast schöner ist als die teure aus dem grossen Kaufhaus.
„Hässliche Knöpfe!“ hört sie das Teufelchen flüstern. Hat es sie also wieder eingeholt,dieses Mistvieh. „Kann man ändern!“ flüstert Flida zurück und marschiert mit ihrem Stapel Kleidung an die Kasse.
„Ach, was Sie sich da für tolle Farben ausgesucht haben!“ ruft die Verkäuferin, “ wie schön das alles zusammen passt!“
Flida bezahlt, einen Bruchteil von dem was die teure Jacke gekostet hätte, und als sie rausgeht, nimmt sie eines der Bunten Tücher, die sie gekauft hat und stopft es dem Teufelchen in sein vorlautes Mundwerk.
„Wir gehen jetzt Knöpfe kaufen, und du hälst dabei schön die Klappe!“
„Grmpf….“ macht das Teufelchen, aber weil das Tuch so schön weich ist, kuschelt es sich hinein und fängt bald an zu schnarchen, während Flida mit den neuen bunten Knöpfen für die neue Jacke in ihrer Tasche klimpert.