Loida näht

Vorsichtig schneidet Loida den Stoff zu . Vorderes Oberteil, hinteres Oberteil, die Ärmel, und 6 mal die Bahnen für den Rock im Stoffbruch. Und , nicht zu vergessen, die Bauchpasse. Rückwärtige und vordere Passe. Ordentlich, mit Nahtzugaben.
Als sie gestern mit ihrer Mutter telefonierte und ihr erzählte, dass sie ein Kleid nähen will, hat ihre Mutter“Ach du liebe Güte!“ ins Telefon gerufen. Traut ihr denn keiner was zu? „Langes Fädchen, faules Mädchen“, hat die Mutter noch gesagt, „pass auf den Faden auf, je länger der ist, umso eher verheddert der sich!“
„Mutter, ich bin erwachsen, ich kann nähen!“ hat Loida gesagt, „ich schick dir ein Foto wenn es fertig ist“, und hat aufgelegt.
Sollen sie doch blöd reden, sie erzählt keinem mehr was!

Jetzt hat sie alles zugeschnitten. Sie legt die Stoffteile aufeinander und beginnt, den Faden an der Nähmaschine einzufädeln. Den Unterfaden hat sie schon auf die Spule gespult, sie hofft, dass er reicht , denn meistens ist der Unterfaden leer, kurz bevor die Naht zu Ende genäht ist. Dann macht es schnirrzisch und rappel, und früher hat Loida sich darüber furchtbar geärgert, weil sie dann neu aufspulen und immer alles wieder neu einfädeln musste. Diesmal wird sie ruhig bleiben.
Sie näht. Die Maschine surrt. Schulternähte , Seitennähte, Halsauschnitt, alles ganz in Ruhe, niemand stört. Ab und zu liest sie die Anleitung, um sicher zu sein , dass sie alles richtig macht, sie steht auf, bügelt die Nahtzugaben, sie ist vertieft, ganz versunken.

Dann ist sie fertig, sie muss nur noch den Saum nähen, aber anziehen kann sie das Kleid jetzt.

Sie schlüpft hinein.
Der Stoff fällt weich und schwingend an ihr hinunter. Ein wildes Muster, ja, aber es passt. Das Oberteil betont den Oberkörper, traut sie sich, das so anzuziehen? Ja, sie wird sich trauen. Sie hat nichts zu verbergen.

Sie ist Loida, mit dem selbstgenähten Kleid. Und sie traut sich was!

 

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Happy birthday, Liebste Englische Freundin, für die dieses Kleid ist! 🙂