Stillstand

Irgendwie geht gerade nichts.

Kein freier Kopf für Geschichten.

Dafür voller Zeug mit anderen Dingen.

Wie geht es beruflich weiter? Schaff ich die Anforderungen , die an mich gestellt werden? Werde ich dann auch damit arbeiten können, mit dem, wofür ich jetzt mich ausbilde? Mich gut qualifiziere? Oder versumpfe ich an einem Arbeitsplatz,  der zwar meine Qualifikation braucht, wegen Zertifizierung und so, der mich aber wahrscheinlich nicht in dem fordert, was ich arbeiten und leisten möchte….Und dann?

So hänge ich also irgendwie in der Luft, führe in Gedanken endlose, durchaus positive Gespräche mit meinen Vorgesetzten, und sag denen was ich will, -und  in Wirklichkeit bin ich ziemlich dünnhäutig.

Und ausserdem nimmt der Winter einfach kein Ende und ich habe das Gefühl, ich bin im STILLSTAND.

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Die hab ich irgendwo im Netz gefunden, ich finde sie schön. Stillstehen, Zeit nutzen Atmen.

Ich entferne sie, wenn ich damit Urheberrechte verletze

 

 

 

Loida: Rosen und freie Radikale

Sich selbst was Gutes tun, das möchte Loida heute.
Dem ganzen Wintergrau entfliehen, entspannt auf einer Liege legen, und sich pflegen lassen. Loida hat einen Termin bei der Kosmetikerin, das macht sie sehr selten, nur im Notfall. Seit drei Wochen hat sie diese Notfallgedanken. „Ich muss mir was Gutes tun“, und für heute hat sie einen Termin bekommen.
Ein kleines Studio, alles in weiss , ein Buddha mit Kerze im Eingangsbereich, Orchideen im Flur, an der Wand ein Bild mit einer stilisierten Lotusblüte.
Loida fühlt sich gleich entspannt. Sie darf sich auf eine weisse weiche Liege legen.
Die Kosmetikerin ist eine Frau in ihrem Alter, ein bisschen korpulent, mit einem weissen Kittel und gepflegten Händen. Loida fühlt sich wohl. Die Kosmetikerin beginnt, mit einem  freuchten warmen Tuch Loidas Gesicht zu waschen, fragt sie ein bisschen nach Loidas Pflegegewohnheiten aus und Loida antwortet, das sie normal nicht viel tut mit ihrer Haut, ein wenig Gesichtscreme für den Tag und eine gehaltvollere Nachtcreme vom Drogeriemarkt, das reicht.
„Das merkt man!“ sagt die Kosmetikerin, „tun Sie ihrer Haut zuliebe sich öfter mal was Gutes, eine Ampulle pro Woche, das wäre sicher nötig. Ich tu Ihnen jetzt mal die Behandlung drauf und dann sehen wir,was Sie dann zu Hause machen können!“
Achso, denkt Loida, muss ich mir das dann kaufen hier? Reden kann sie nicht, sie hat das warme Tuch auf ihrem Gesicht und jetzt fängt die Kosmetikerin an, ihr eine feuchte schwere Creme aufzutragen.
„Wissen Sie, ich liebe meinen Beruf!“ , sagt diese, “ allerdings, was ich mir immer anhören muss von den Leuten, diese Geschichten! Ich komme immer ganz voller Storys zu Hause an, was die Leute alle für Sorgen haben! Und dann komm ich nach Hause und dann ist da mein Mann, und der will sein Essen haben und dann koch ich, und dann trinkt er seinen Schnaps, und dann kann er nicht mehr Auto fahren, aber manchmal möchte ich ja schon raus mit ihm auch, und mal ein bisschen bummeln, aber er trinkt ja immer seinen Schnaps. Aber zum Glück…“ , sie wischt resolut die Creme wieder von Loidas Gesicht, „Zum Glück hat er jetzt einen Nebenjob!“
Sie beginnt, mit einer spitzigen Nadel an Loidas Stirn rum zu drücken, das tut etwas weh. Aber Loida ist still,das gehört wohl dazu.
„Nebenjob, aha, „murmelt Loida, bevor sie tief Luft holt, es tut ziemlich weh.
„Ja, Nebenjob!“ fährt die Kosmetikerin fort, und piekt drauf los, “ er muss jetzt am Wochenende Nachtschicht machen, an der Tankstelle am Ortausgang, die kennen Sie bestimmt! Und jetzt ist er Freitag abends und Samstag Nacht aufgeräumt! Da hab ich die Wohnung für mich!Sturmfrei!“ lacht sie und und zupft an Loidas Kinn und Oberlippe mit einer Pinzette die überflüssigen Härchen raus.
„Das nächste mal machen wir Sugaring, das müssen Sie dann vorher sagen! Dann geht das gründlicher weg, die Borsten!“ kommt es von oben an Loidas Kopf.
Sie massiert Loidas Gesicht mit einem duftenden Öl. „Rosenöl!“ erklärt sie, “ das ist gut für alte Haut, das macht sie rosiger! Granatapfel ist auch drin, das fängt die freien Radikalen ein!“
Freie Radikale und sturmfrei. Ist der Mann erst aus dem Haus, sieht die Welt viel schöner aus…
Männerfreie Wohnungen mit freien Radikalen. Freiheit für die Granatäpfel. Stoppt den Missbrauch der Rosen, kein Rosenöl auf alte Haut, denkt Loida, und wann erzählen die Kunden ihr die Geschichten, die sie mit nach Hause nimmt, Loida ist jedenfalls überhaupt nicht zu Wort gekommen.
Wollte sie auch nicht.
Sie wollte nichts erzählen, sie wollte sich nur was Gutes tun.
Und jetzt liegt Loida da, und denkt an den Mann mit dem Nebenjob, der Schnaps trinkt und dessen Frau froh ist, wenn er weg ist, und Loida das auch manchmal denkt, das sie froh ist, wenn ihr Mann auf Dienstreise ist, und ob das schlimm ist, so zu denken.
Loida ist ja dann aber nicht die einzige zum Glück, die so denkt, das geht Loida durch den Kopf, während sie auf der weichen Liege liegt.
Der Duft des Rosenöls zaubert ein Bild vor ihre Augen:schwellende überfliessende Rosenblüten an üppigen Sträuchern, und tanzende ältere Frauen mit Falten im Gesicht , Haaren auf der Oberlippe und Rosenblüten zwischen den Brüsten und in den grauen Haaren, die tanzen und lachen, und  Loida in ihre Mitte nehmen.
Sie träumt. Sie schwebt.
Bis die Kosmetikerin wieder den Raum betritt, da wird Loida wieder wach. Ein warmer feuchter Lappen landet in ihrem Gesicht, die Maske wird abgeschrubbt. Noch eine feine Rosencreme drauf aufs Gesicht, „Die kriegen Sie dann zum günstigen Preis bei mir an der Kasse“, hört Loida, und dann darf sie aufstehen.
Natürlich kauft sie sich an der Kasse die Rosenpflegecreme und noch eine Monatspackung Granatapfelampullen, für die freien Radikalen, klar, sie tut das ja für sich. Und dazu bekommt sie noch ein paar Pröbchen, und den Auftrag, das sie das nächste mal dann ein Sugaring mitbuchen soll, was auch immer das sein soll, und dann geht Loida heim.
Und im Bus fällt ihr ein: Sie hat Strumfrei heute, der Gatte ist auf Dienstreise, wie schön….