Suska- AllTag im Hirn

Christianes SchreibeinladungsWortetüden haben mich die ganze Woche beschäftigt, ich konnte zuerst damit überhaupt nichts anfangen, aber gereizt haben mich diese 3 Worte ziemlich:

supernovaüberrest-ultraviolett-frb121102
Die Illustrationen zu diesem Thema von Ludwig Zeidler fand ich sehr schön, und so hab ich mich heute daran gesetzt und habe in 10 Sätzen diese 3 Worte verbraten, und bitte sehr: das ist daraus geworden.

Suska hat Schule diese Woche, Fachweiterbildung zur OnkologieSuperSchwester, und die letzten Tage lernte sie alles über Hirntumoren, bei Kindern und Erwachsenen und mittlerweile glaubt sie fast, sie hat selbst schon einen Tumor.
Jetzt liegt sie beim Einschlafen im Bett ,die Gedanken schwirren in ihrem Kopf umher und das Wort Astrozytom fliegt vor ihrem inneren Auge auf und blinkt und wirbelt und sie denkt: Astrozytom, Weltall, ein böser böser Hirntumor und sie überlegt, was sie da heute drüber gelernt hat.
Manchmal kann man sie operieren, die Hirntumoren,  und dann muss man bestrahlen und  Chemotherapie kann man auch geben, wie hiess die doch gleich, die haben so klangvolle Namen, Oxaliplatin, Cisplatin, diesmal was aus Platin ,Liebling, ein alter Werbespruch aus den Achtziger Jahren, 5FU heisst eine Therapie, warum nicht auch frb121102, oder 3456Flusidoxin, herrjemine, sie will da jetzt gar nicht drüber nachdenken.

Suska merkt, wie ihre Gedanken sich verselbstständigen, wie immer kurz vor dem Einschlafen.

Wenn man das Astrozytom bestrahlt, kann man das vielleicht mit ultravioletten Strahlen machen.

Sie stellt sich vor, wie die  Patienten lila aufleuchten während der Therapie ,  und der Tumor fliegt durch das Hirnall und zerstiebt und ist eine leuchtende funkelnde lilafarbene Supernova.
Und der Supernovaüberrest, der löst sich dann in den nächsten Tagen ebenfalls auf und wenn sie das tatsächlich erfindet, diese Therapie, dann kriegt sie bestimmt einen Nobelpreis.

Suska wälzt sich auf die andere Seite, warum lernt sie das bloss alles und hoffentlich kann sie sich das überhaupt alles merken, im Oktober sind Prüfungen.

Vielleicht hätte sie was anderes lernen sollen- Floristin vielleicht, bunte Blumen binden oder so….

Weiche Decke, bunte Blumen und lilafarbene Strahlen, Suska schläft ein.

 

Flida-Das Weiche an ihr

Ich folge der Schreibeinladung von Christianes Wortetüden! Bitte sehr:

                                     Bürde – speckig-schieben

Wieder Werbung im Fernsehen, es geht um Abnehmpulver, und wieder einmal ist Flida versucht, sich den Namen des Pulvers aufzuschreiben, damit sie sich morgen in der Apotheke  eine Packung kaufen kann.

Es verspricht in kurzer Zeit eine Reduktion des Körpergewichts, eingenommen vor den Mahlzeiten verringert es den Kalorien- und Fettgehalt der dann zu verzehrenden Lebensmittel.
„Ja!“ wispert ihr das Teufelchen ins Ohr,“mach das, kauf es endlich und dann iss es und mach Sport und schiebe das nicht wieder auf, bis du im Sommer verreisen willst und erfinde keine Ausreden!
Ich kann deine speckigen, wabbeligen Arme nämlich schon lange nicht mehr sehen!“

Flida seufzt.

Flida seufzt, denn seit sie denken kann , schleppt sie diese Bürde mit sich herum: dass sie einfach nicht schlank , zart und liebreizend ist, sondern moppelig, rund und fest, und jetzt , mit fortschreitendem Alter eben auch weicher oder wie das Teufelchen raunt, speckig und wabbelig.
Sie schaut sich im Spiegel an und blickt sich tief selber in die Augen: Flida, willst du dieses Pulver wirklich essen?
Nein, antwortet sie sich, ich werde üben, mich so zu nehmen, wie ich bin und ich werde lernen, das Schöne an mir zu sehen und mich selber anzunehmen.

Sie hört das Teufelchen brummen, dass sie sich selbst schön was vormacht, das könne sie ja perfekt,  aber sie denkt, ich bin ich, so ist es gut.

Und sie erinnert sich daran, wie sie vor kurzem die Tochter einer schlanken, sportlichen Freundin getröstet hat, indem sie sie in den Arm nahm und gedrückt und festgehalten hat und  sie hört noch, wie das Mädchen geseufzt hat, sich die Tränen an Flidas Bluse abgewischt hat und gesagt hat: Ach Flida, wie weich du doch bist!

Es ist so schön, wenn du mich in den Arm nimmst!