Flida- mit dem Teufelchen wieder gut sein

Flida hat ihr Teufelchen lang genug in die Kiste gesperrt, findet sie. Zuerst hat es getobt und gekreischt, dann hat es nur gewimmert, und Flida tat es dann schon ziemlich leid, aber sie ist hart geblieben. Sie hat es nicht rausgelassen.

Dann hat sie aber gemerkt, das irgendwas fehlt. Irgendwie war alles so eitel Sonnenschein. Keine Stimme auf ihrer Schulter , die sie darauf aufmerksam gemacht hat, dass sie eigentlich dies oder das hätte tun wollen, joggen gehn zum Beispiel, oder dass es Blödsinn ist, sich schon wieder eine Jacke kaufen zu wollen, oder ein paar Schuhe, es gab nichts, was Flida irgendwie einen inneren Kampf ausfechten liess,….
Alles war so harmonisch oder friedlich, fast langweilig.
Gut, dann würde sie das Teufelchen eben wieder raus lassen.
Unter einer Bedingung: es sollte sie nicht mehr beleidigen. Es darf sie bremsen, oder sie zu etwas anhalten, aber es darf Flida nicht mehr an sich zweifeln lassen.

Das sagt sie dem Teufelchen jetzt:
„Teufelchen!“, sagt sie, “ du fehlst mir. Aber was mir nicht fehlt, das ist, wenn du sagst, ich sei eine dicke Flida oder eine faule Flida. Ich lass dich wieder raus, du  darfst auf meiner Schulter sitzen, wenn du solche Dinge nicht mehr sagst. Schaffst du das?“
„Ja,“ flüstert das Teufelchen, “ ich werde es versuchen „, ganz kleinlaut hört es sich an.
„Gut, “ sagt Flida, holt das Teufelchen aus der Kiste, und setzt es auf ihre Schulter.
Gemeinsam schauen sie in Flidas grossen Spiegel.
„Was siehst du?“ fragt Flida.
„Eine dicke, faule Flida!“ sagt das Teufelchen, und als es Flidas zornigen Blick sieht, rutscht es ein Stück hinter Flidas Schulter.
„Es stimmt doch, da steht ein faule dicke Flida,“ ruft es, “ guck nicht so grantig , Flida, schau dich doch an! Du hast verstrubbelte Haare, die du nicht kämmst, weil du faul bist und es dir egal ist,wie du aussiehst,  aber ich mag das doch so, Flida! Wenn deine bunten Haare kreuz und quer vom Kopf abstehen!
Und deine hässlichen Joggingschuhe, Flida, wer trägt denn lilagrüne Joggingschuhe? Mit diesen gelben Bändern? Kein Wunder, das du nicht gerne joggen gehst, aber wir können was anderes machen, Flida, etwas, was dir Spass macht!
Und du musst doch nicht dünn werden, Flida! Du bist einfach eine dicke Flida! Eine dicke weiche Flida und mit deiner grünen Jacke siehst du so hübsch aus, die passt zu deinen Augen und man sieht doch, das du ein grosses Herz hast! Und das braucht eben auch viel Platz, damit es weich gepolstert ist…. Damit dem Herzen niemand weh tun kann so leicht….“

Das Teufelchen verschluckt sich fast vor lauter Eifer, Flida nur freundliche Dinge zu sagen, aber so ganz schafft es das scheinbar nicht, denn Flida schaut immer noch böse im Spiegel auf das Teufelchen.
Dann schaut sie sich selber an, wie sie da steht, in ihrer grünen weiten Jacke, der bequemen Hose mit dem wilden Muster. Die fand sie mal schick, jetzt ist sie einfach nur bequem, aber das ist gerade piepegal, denn sie lauscht noch auf das, was das Teufelchen gesagt hat: Die Sache mit dem grossen Herzen.
Und Flida spürt, wie sich eine Wärme in ihrem Innendrin ausbreitet, eine ganz grosse weite Wärme, das könnte Flidas Herz sein, was da so warm wird in ihrer Brust.
Weil das Teufelchen es nämlich gut meint mit Flida.
Und Flida denkt, wenn sie das Teufelchen annimmt und lieb haben kann, dieses Kritikteufelchen,dann könnten sie wahrscheinlich auch viel Spass haben miteinander.
Sie sieht, wie das Teufelchen langsam hinter ihren Strubbelhaaren hervorkommt und vorsichtig über Flidas Schulter linst.
Ein zaghaftes Grinsen erscheint auf seinem Gesicht.
Und Flida lächelt im Spiegel dem Teufelchen zu.