Suska: Vom Versprechen vergeblicher Vorsätze

Gemütlich ist es bei Suska auf dem Sofa, sie liebt diese grauen Tage. Weihnachten ist vorüber, Heligabend war sie für sich, und am 1. Feiertag war Bero da mit seiner Freundin.
Suska hat einen veganen Nussbraten gemacht, der allen geschmeckt hat und am 2. Weihnachtstag hat sie ihre Schwester besucht. Viel Familie, viel Trubel, jetzt ist Ruhe eingekehrt. Morgen ist Sylvester, sie hat Frühdienst, aber das stört sie nicht, sie feiert nicht gerne Sylvester. Sie wird früh schlafen gehen.
Nun sitzt sie auf ihrem Sofa,  hat die Lichterkette an Ficus Zimmerpflanze angemacht,der ihr in den letzten Jahren als Weihnachtsbaumersatz dient,  auf dem Tisch brennt das Teelicht , das sie von Beros Freundin bekommen hat und vor ihr steht eine Tasse dampfender Frauentee, ein Geschenk ihrer Schwester. Und ein Schokoladenweihnachtsmann, denn bei einem Mann aus Schokolade hat Suska keine Bedenken.
Auf dem Tisch liegt die Ausbeute aus dem heutigen Briefkasten. Rechnungen von Versicherungen für das nächste Jahr, zu zahlen im Januar. Eine Einladung von der Gemeinde zum Neujahrsempfang beim Bürgermeister. Für Bero. Weil er jetzt 18 ist. Was für eine Ehre, denkt Suska, ob sie wohl mitkommen dürfte? Auch wenn sie nicht persönlich eingeladen ist?
Einige Kataloge und Prospekte.
Ein Modekatalog, bunte schöne Bilder mit Kleidung, von der Suska manchmal träumt, wenn sie Geld hätte, und sich alles als Ensemble kaufen könnte, ob sie dann auch so schön bunt und wild aussehen würde wie diese Frauen in dem Katalog. Ob ihr Ringelstrumpfhosen, wallende gestreifte Oberteile und geblümte Röcke oder Pluderhosen stehen würden-wie sie darin wohl aussähe? Ach, denkt Suska, da hab ich doch seit Jahren nichts bestellt.
Der Prospekt eines Kaffeeversandhandels. Tschulibo Katalog, Januar 2018. Suska liebt es, darin zu blättern und sie muss es sich verkneifen, keine Wünsche wach werden zu lassen und überflüssiges Zeug zu bestellen.
Was möchte sie denn gerne haben, wenn sie wollte, dürfte und das bräuchte? Ein Trampolin mit Haltegriff, aha, und dazu diese schwarze ausgestellte Jazzpantshose. Ausgestellte Hosen lassen grösser wirken, weiss Suska, sie strecken und machen schlanker, optisch zumindest.
„Frische Farben, neue Kraft“ ist der Titel der nächsten Seite. Was ist an hellblau mit schwarz denn frisch, fragt sich Suska, als sie die Farbauswahl betrachtet.
„Entspannt ins Neue Jahr“, nächste Seite. Mit Yogarad. Braucht man das? fragt sich Suska, ein Yogarad zur Unterstützung der Yogaübungen, bis 85 Kilo Körpergewicht geeignet, ist das ein Witz? Suska wiegt 90 Kilo, sie ist also zu schwer für das Ding, aber wenn jemand 85 Kilo maximal wiegt, ist der doch in der Regel schlank und kann Yoga ohne so ein schaumstoffgepolstertes Rad machen?
Schwimmanzug,bis Grösse 48, sehr gut, ein  Antirutsch-Fitness-Handtuch,“Klebt das dann am Körper beim Abtrocknen?“ fragt sich Suska.
Einen Pilatesring gibt es auch und der Wunsch :“Gesundes Neues Jahr mit Faszienmassageball“.
Auch so ein neumodernes Zeug, dieses Faszien-Entkleben mit Kunstoffkugeln, die aussehen wie eine Avocado und in die Suska mal aus Versehen reingeschnitten hat, als sie einen gesunden Salat machen wollte, nur weil sie die Brille nicht aufhatte. Faszien-Berollen tut weh.
Und warum verkaufen Lebensmittelketten und Eventkataloge zum Jahreswechsel immer Sportgeräte und Kleidung  und Material dazu? Heute beim SupermarktDiscounter Adlid gab es auch Sportkleidung und einen Hometrainer und das grossgeschriebene Versprechen: „Fit ins neue Jahr! Ab 3. Januar in allen Filialen und online“.
Aber wer dann erst anfängt, seine an Sylvester gefassten Vorsätze umzusetzen, der ist noch lange nicht fit! denkt Suska.
Sie nimmt einen Schluck Tee, der schmeckt nach Rosen, fein,  und sie denkt:
„Vorsätze, hm, nee, diesmal nicht!“

Und dann beisst sie sehr herzhaft dem WeihnachtsschokoladenMann den Kopf ab.